8.-15.04.2019 Ds Lied vo dä Bahnhöf

Mani Matter kommt mir spontan in den Sinn als wir 400 km nach Kassala fahren, alles der Eisenbahnschiene entlang. Matters Text stimmt zwar nicht auf den Ost-Sudan bezogen, denn hier kommt der Zug weder zu früh noch zu spät sondern gar nicht mehr. Bahnhöfe sind verweist und Schienen versandet. 4000 km lang war das Netz während der Kolonialzeit. Hauptachsen ab und nach Khartum sind heute noch in Betrieb.

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Kassala besticht durch die Taka Berge wo wir stehen für die Nacht und eine Affensippe beobachten. Dieser stattliche Herr possiert für einen Apfel.

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Taka Mountains 

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Ab Kassala fahren wir nach Al Qadarif mit Abzweigung an die Grenze zu Äthiopien. Bereits den Sudan verlassen oder doch hochfahren nach Khartum? Wir entscheiden uns für die Hauptstadt und fahren 450 km bis nach Ad Madani das direkt am blauen Nil liegt.

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Von Dromedaren bekomme ich nie genug, ich liebe ihre Genügsamkeit und ihre leisen Sohlen.

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Es gibt viele Tankstellen in Sudan aber nicht alle haben Benzin oder Diesel. Man erkennt die MIT an der langen Schlange (mindestens 1/2 Tag anstehen). Wir erlauben uns mit einem mehr als schlechten Gewissen direkt an die Zapfsäule zu fahren und mit einem Lächeln nach Diesel oder Gas Oil zu fragen. Wir werden immer hilfsbereit vorgelassen, ja sogar an die Diesel Tankstelle geleitet. 5010C295-EAED-465B-949D-465D0D56A893.jpeg

Als Nichtschwitzerin öffnen sich plötzlich meine Poren und tränken meine Bluse mit einem salzigen Nass. Wir sind bei Temperaturen über 44 Grad angekommen. Wir hängen an der lauen Wasserflasche, suchen schattige Sitzgelegenheiten, gehen in klimatisierte Einkaufszentren oder wedeln uns mit Fächern etwas Wind ins Gesicht. Wir sind in Khartum angekommen. Direkt am blauen Nil stehen wir geschützt im Sailing   Club.

In der Hauptstadt ist was los. Jeden Abend demonstrieren Jugendliche gegen die Regierung und für eine bessere Zukunft. Es wird gehupt, Fahnen geschwungen, Sprechchöre wie Mantras repetiert und rebelliert. Ab 17 Uhr ziehen wir uns zurück in unsere Oase am Nil.

Und dann kommt der grosse Tag!

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Das Militär putscht am 11.4. Präsident Bashir und übernimmt vorübergehend die Regierung. Die ganze Stadt ist mit Fahnen, Gehupe, Freude und Hoffnung lautstark auf den Strassen. Was für eine zuversichtliche Stimmung! Wir wünschen dem Sudan von ganzem Herzen eine bessere und friedliche Zukunft. Wir sind gerührt und dankbar, dass wir diesen historischen Moment miterleben dürfen.

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Schon wenige Stunden später weicht die Zuversicht der Sudanesen in Resignation. Auf Bashir folg sein Vize Präsident Ibn Auf. Er übernimmt mit Unterstützung des Militärs die Regierung für 2 Jahre, danach sollen Neuwahlen folgen. Die Bevölkerung ist unzufrieden.

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Nur 1 Tag im Amt dankt der äusserst unbeliebte Ibn Auf ab.

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Der neue Hoffnungsträger (Bild) Abdel Fattah Burhani, ein ranghoher Militär, verspricht die Freilassung politischer Gefangener. Die Ausgangssperre ist aufgehoben. Sudans neuer Machthaber geht auf die Protestierenden zu. Die fordern weiter eine zivile Übergangsregierung.

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Wir besuchen das Nationalmuseum und wollen die Stelle sehen, wo der blaue und weisse Nil sich treffen. Wir sind zu Fuss unterwegs und treffen auf viele Militärkontrollen. Die sind sehr nett zu uns und oft hören wir: „Welcome to Sudan.“

9648F503-0040-4CBE-8263-49C25EB15242Links der Weiße Nil. Er entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi. Von rechts kommt der Blaue Nil, er entspringt im Hochland von Äthiopien. Länge total ca 6500 km.

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Ich habe vom 12.4. keine Bilder da ich mich nicht getraute, vor dem Militär zu fotografieren. Es hätte tolle Schnappschüsse gegeben, zB. schlafende Militaristen im Schatten eines Baumes mit den Gewehren und Munition im Arm.

Nach einer lauten Protestnacht verlassen wir früh morgens Khartum. Wir lassen uns die Passierbarkeit der Grenze zu Äthiopien bestätigen und fahren 480 km bis zu einem ruhigen Stellplatz.

E79174DB-A2B6-4BD4-B2C4-CCE6C0722482An dieser Stelle möchte ich mal meinen lieben Mann erwähnen, der zuverlässige und sichere Fahrer der Haupt- und verkehrsreichen Strecken sowie kniffligen  Manöver. Danke Werni.

A271D26C-B130-4B89-A695-9BBD64CE5D7FImmer wieder haben wir nette Begegnungen wie hier im Schatten einer Geistertankstelle, wo wir Mittagspause halten. 9 Sudaner schauen mir beim Kochen und abwaschen zu. Mit einer Sugusschleckrunde kommen wir uns näher und erzählen uns mit wenig Englisch sehr viel.

Zum Ende des Wochenberichtes stehen wir am Zoll und erledigen die Formalitäten. Man hat Zeit, viel Zeit. Wir erledigen alles in 3 Stunden.

 

Sudan: grosses, weites Land, freundlich zurückhaltende Menschen, Benzinpreis 8 bis 10 Rappen der Liter, strickte Alkoholabstinenz, Land im politischen Umbruch, Hitze über 45 Grad, Putsch von Präsident Al Bashir.

 

Fazit der Woche: Historische Ereignisse gehen unter die Haut. 

 

7 Kommentare zu „8.-15.04.2019 Ds Lied vo dä Bahnhöf

  1. Hallo ihr Lieben
    Wow, immer wieder imposant von euch zu lesen. Ich bin ja auch ein ‚Reisefüdli‘ würde mir aber niemals getrauen in diese Regionen zu gehen. Ihr helft aber – mir zumindest – die Vorurteile abzulegen, dass man dort nur auf Gewalt und Betrug trifft. Vielen Dank für eure Erlebnisse die ich mit viel Spannung mitverfolge. Im Juli werde ich selber zum ersten Mal nach Afrika reisen. Für ein paar Tage wärend meines Sommerurlaubs. Endlich meine langersehnte Safari machen! Meine Kollegin und ich werden nach Arusha, Tanzania reisen für die Safari und anschliessend die Sonne und das Meer in Sanzibar geniessen. Wer weiss, vielleicht werden wir ja neben den Elefanten auch euer ReMo fotografieren können. 😉

    Freu mich auf eure weiteren Berichte. Liebe Grüsse
    Linda

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  2. So heiss, können wir uns kaum vorstelle, vor allem nicht da es bei uns 7 Grad ist.
    Das Leben dort ist für uns kaum vorstellbar, doch sieht man überall freundliche und zufriedene Gesichter.
    Weiterhin viel Glück und die Gesundheit soll euch begleiten.
    Wir freuen uns jetzt schon auf den nächsten Bericht.
    Danke, dass wir dabei sein dürfen.
    Liebe grüsse Lotti und François

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  3. Vielen Dank für die Geburtstagsgrüsse von dem spannenden Tag im Sudan. Wie fühlt es sich an zu zweit weiterzureisen? Verfolge im Atlas eure Route. Ethiopia – ein neues Land zu erforschen und Eindrücke zu erfahren. Geniesst die Freiheit. Love Ria & Garry xx

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  4. Hallo Heidi und Werni, spannend was ihr alles erlebt. Ich lese es immer mit viel Interesse. Einige Situationen sind mir ja von Gambia auch bekannt! Weiterhin viel Spass und viel Glück! Liebe Grüsse Max

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