Três Marias ist ein toller Zwischenstopp auf dem Weg nach Belo Horizonte und wir werden von Regina mit Mann so was von verwöhnt mit einer leckeren Fisch-Moqueca, einem brasilianischen Nationalgericht.
Belo Horizonte, der schöne Horizont, ist die Hauptstadt des Bundeslandes Minas Gerais.
Heute noch versucht man sein Glück mit der Goldsuche, aber auch Metall-, Textil- und Autoindustrie sind wichtige Zweige. In Betim betreibt der italienische Automobilbauer Fiat zB. eine Produktion.
Wir schauen uns das Zentrum der Bank of Brazil Cultural an.
Es findet gerade eine Krippen Ausstellung statt. Maria, Josef, das Jesuskind, die 3 Könige samt Tieren gibt es aus Holz, Ton, Stein, Marmor, Draht, Garn, Wolle, Blech – von XL bis Miniaturen zu sehen.
Hier ist die Krippe in einer Aludose.
… hier aus Textil ….
…. im sehr schönen Gebäude der Bank.
Eine weitere Niemayer Kirche folgt, die Igreja de São Francisco de Assis.
Viele schöne Gebäude reihen sich um den Praça da Liberdade….
… etwas weiter weg das Estádio Governador Magalhães Pinto…
…. und schon sind wir durch mit den Top5 Sehenswürdigkeiten.
Was immer wieder schmerzt sind die vielen Obdachlosen die ein unwürdiges Leben unter Brücken, in Parks und auf der Strasse führen und ihre paar Habseligkeiten vor sich her schieben. Der Kontrast ist in der Vorweihnachtszeit noch extremer, Gucci gegen Plastiktüte, Parfüm gegen Schweiss, Satin gegen Jute, Luxus gegen Armut, Snobismus gegen Überlebenskampf.
Können wir was ändern? Nicht viel ausser ihnen mit Respekt zu begegnen, ein paar Bonbons abzukaufen oder eine Cola zu offerieren. Was führen wir doch für ein privilegiertes Leben.
Und wir? Wir schlemmen im 17. Stockwerk mit toller Rundsicht, wissen vor lauter Leckereien kaum was zu bestellen, es herrscht ein Wunschkonzert der Fülle. Was für ein Kontrastprogramm.
Das Centro de Arte Contemporânea Inhotim (Zentrum für Gegenwartskunst) ist eine Einrichtung mit einer Sammlung zeitgenössischer Kunst in Brasilien. 2004 eröffnet der 140 Hektaren grosse Park um die private Sammlung des Unternehmers Betnardo Paz unterzubringen. Es werden Werke aus den 70igern bis zur Gegenwart gezeigt.
Nicht nur die Architektur der einzelnen Ausstellungsgebäude begeistert, auch die Wahl der Materialien ist harmonisch und zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Gelände. Naturstein, Holz, Kupfer, Glas und Beton verschmelzen mit der grosszügigen Gartenanlage die teils die Hand vom bekannten brasilianischen Gartenarchitekten Roberto Burke Marx trägt.
Bis zu 10 Kilometer laufen wir täglich mit Staunen und Begeisterung durch in die Skulpturenwelt, heimischen Tropenwald, Ausstellungen, Bilder-, Video- und Lichtkunst, Themengärten und Wasserlandschaft.
Besonders hat es uns die Galeria Claudia Andujar angetan. In einem architektonisch fantastischen Gebäude stellt sie ihre Fotografien über den Indianer Stamm Yanomami aus.
Ihre Biografie auf Video zeigt, dass sie Schweizer Wurzeln (Neuchâtel) hat.
Ihr Werk ist fantastisch und die Grande Dame hat ein sehr sensitives Weltbild.
3 Tage verbringen wir in Inhotim, 7 Stunden täglich. Es ist so wunderschön.
Lily aus Argentinien begleitet uns am 1. und 3. Tag. Wir haben sie vor einigen Wochen am Meer kennen gelernt und uns in Brumadinho wieder verabredet. Sie korrigiert unser Spanisch und wir verstehen uns prächtig. Lily hat sich nach einem Apoplex zurück ins Leben gekämpft und reist heute alleine durch Südamerika.
Hut ab Lily, du bist ein grosses Vorbild für uns. Der Abschied von Lily fällt uns schwer.
Wie kann man ein Städtchen nur Tiradentes nennen? „Zahnziehen“ ist ja nicht gerade ein sympathischer Name, die Symbolik dahinter schon. Der in Minas Gerais lebende Freiheitskämpfer gegen Portugal, Joaquim José da Silva Xavier, verdient sein Geld mit Zähne ziehen. So bekommt er den Übernamen „Tiratentes“.
Als 1889 in Brasilien die Republik ausgerufen wird, benennt man die Stadt nach dem populären und verehrten Befreiungskämpfer.
Das historische Tiradentes lebt heute hauptsächlich vom Tourismus. Viele Künstler leben und arbeiten hier. Die Serra de São José ist eine weitere Attraktion, ein naturbelassenes Waldgebiet mitten im Gebirge.
Wir parkieren für die Nacht direkt am Wanderweg und so jage ich meinen Werni nach dem frühen Nachtessen noch 2 Stunden durch den Wald. Hoch, runter, durch Privatgrundstücke, Hotelanlagen, Wege die keine sind. Ich liebe solche Wanderungen, wo Beine zerkratzt und der Weg gesucht werden muss. Als wir um 19 h im Finstern zurück sind meint Werni lakonisch:“ Eine typische Heidi Wanderung halt.“
Fazit der Woche: Kunst, Begegnungen, Natur und Bewegung – eine Wow-Woche.
Wochenfilm
Musik: Caetano Veloso & Gilberto Gil, Como Prima (Ao Vivo)
