27.11. – 4.12.2022 Advent Advent und gar nichts brennt

http://www.wenn-nicht-jetzt.com

Unsere Blog Email Abonnenten kommen beim Öffnen nicht in die offizielle Web-Seite. Sie hat einen grauen Hintergrund und Filme können erkannt und gesehen werden. Mein Vorschlag: Klickt doch vor dem Lesen den obigen Web-Link an, dann seid ihr in der offiziellen Seite. Ich versuche das Problem zu lösen.

In Buenos Aires weihnachtet es nur in den grossen Einkaufszentren. Dort leuchten und glitzern Bäume – auf den Strassen und in der Stadt selber ist von Weihnachten und Adventsstimmung nichts, aber auch gar nichts zu spüren und zu sehen.

Wir wünschen euch allen eine schöne und besinnliche Adventszeit.

Das beherrschende Thema in Argentinien ist Fussball. Offenes TV gucken ist bei allen beliebt und auch wir tauchen in dieses Erlebnis ein wann immer es geht und uns danach ist. Beim Spiel Schweiz/Brasilien sind 3 CH gegen viel Gelb anwesend. Die Stimmung ist bombastisch, die brasilianischen Fans laut, eifrig, temperamentvoll und fair.

Wir sind beide stark erkältet und beschliessen, unseren Aufenthalt in BA nochmals zu verlängern. Und so kommt es, dass unser direkter Nachbar Ricardo mein neuer Spanisch-Lehrer wird. Meine Hirnwindungen spuken Wörter und Sätze aus, manchmal werde ich verstanden, manchmal nicht. Im Gegenzug korrigiere ich Ricardos Deutsch, eine gegenseitige Gewinn-Situation. Es macht soviel Spass mit dem jungen Anwalt zu plaudern.

Unsere Bremsen pfeifen so stark, dass wir sie überprüfen lassen. In der Alenco Kraftfahrzeug Garage werden Bremsscheiben und Klötze ersetzt, ein Nagel aus dem Pneu entfernt, Kühlwasser nachgefüllt, unsere Ventilation, die auf Maximum Einstellung brummt wir Alpöhi in den Bart, auseinander genommen und geputzt. Fast 2 ganze Tage steht der Sprinter wieder in der Garage. War er nicht vor 3 Monaten 2 Tage in Hamburg im Service und zur Überprüfung? Ich bin sehr enttäuscht von allen Mercedes Garagen. Zwei Sachen haben sie allesamt gemeinsam – sie bieten schlechte Arbeit und schreiben saftige Rechnungen. So, Frust weg geschrieben!

Im Dot Baires Einkaufszentrum suchen wir nach einem anderen Objektiv für unsere Nikon Kamera. Einige weitere „was wir brauchen“ Gegenstände stehen auf der Liste. Vom aufgelisteten finden wir nichts, dafür unglaubliche Kleinigkeiten. Vor 7 Jahren kaufe ich in der Migros Sarnen dieses äusserst praktische Teil das einem Küchenschwamm, einer Bürste und Mini Spülmittel Heimat bietet.

Das Teil ist in die Jahre gekommen, gespalten, vergilbt und auch nicht mehr das Appetitlichste. Wir suchen nach Alternativen – finden nichts. Hier im Dot finden wir das exakt gleiche Teil das wir sofort doppelt kaufen und den identischen Pfannenuntersatz aus Kunststoff. Den alten habe ich anstelle des Fleisches gegrillt. Meine Brille wird gerichtet, einen neuen Pyjama bräuchte ich auch – aber…

Verkehrssituation Buenos Aires

….wir wollen nach Hause – das Spiel Deutschland/Costa Rica steht an. Endlich haben wir ein VPN installiert und können jetzt CH TV direkt auf dem Pad schauen.

Wir hocken gemütlich am Küchentisch bei Wein, Brot, Salat, Melone und Käse, lauschen Sascha Ruefers witzigen Kommentaren und schauen dem Untergang der D Mannschaft zu. Wir bedauern deren Ausscheiden sehr. Das D Team kann sich immer enorm steigern während einem Tournier und zeigt dann tollen Fussball. Schade Deutschland😥.

Nur schon beim Betrachten schnellt die Waage hoch, ruft der nächste Zahnarzttermin und jammert der Blutzucker um Hilfe. Ich spreche von der cremig süssen klebrigen Masse Dulce de Leche. Milch, Zucker und Vanille sind die Zutaten und wird als Brotaufstrich, für die Herstellung von Süssspeisen, Gebäck, Eis, Pudding, Flan usw. verwendet. Die Argentinier lieben ihre Dulce de Leche und so kommt es, dass viele Männlein und Weiblein das Schwergewicht vorne oder sogar rundum tragen.

Das Choripan (Chori von Chorizo, Pan von Baguette) mit aromatischer Chimichurri Sauce ist eine Art Hot Dog. Nur sucht sich hier der Saft der Wurst und nicht das Ketchup oder Senf den Weg Richtung Mundwinkel was beweist, wie lecker das Choripan ist. Es gehört zu jedem Asado (Grillparty).

Da sind noch die Alfajores die wieder zur Kategorie „Karies“ zugeordnet werden können. Alles schmeckt himmlisch und muss mindestens 1 mal gekostet werden.

Dieser jungen Dame scheinen die Kalorien nichts antun zu können😀. Schöner Ausblick beim Fussballspiel.

Maradona ist in Argentinien bis heute ein Star und viele verehrten ihn. Wenn wir nachfragen Maradona oder Messi, beide mit der Nummer 10, wählen fast alle Maradona.

Im heutigen Spiel Argentinien/Australien ist Messi aber der unangefochtene Star. Maradona schaut dem Spiel von der Himmelsloge zu während die Co-Moderatoren Heidi und Werni Gruefer in Puerto Modero alles geben.

Wir gönnen Argentinien den Sieg, auch wenn das Spiel nicht wirklich toll ist. Der Fussball trägt Argentinien durch schwierige Zeiten, die Freude des Sieges, die Verehrung der 11, die Ausgelassenheit wenigstens für ein paar Stunden tun dem ganzen Volk gut.

Gleich um die Ecke ist der Anlegehafen des Buquebus. Diese Fähre verbindet BA mit Uruguay und zwar mit Colonia und Montevideo.

Ca. 3 resp. 6 Stunden dauert die Überfahrt über den Rio de la Plata.

Dankbar, dass unsere Wohnung so zentral liegt, laufen wir täglich zu den Attraktionen der Stadt.

Das Hafengebiet Puerto Madero ist einfach fantastisch…….

…. mit seinen architektonisch modernen Restaurants……

….und auf der Metall Skulptur, der Marine gewidmet, halten wir Ausschau nach Neuem.

 

Fazit der Woche: Die Advent muss dem Fussball Platz machen. 

 

 

20.-27.11.2022. Buenos Aires

Wir wollen nicht irgendwo am Strassenrand stehen in BA und buchen ein Zimmer bei Brigitte in San Telmo inmitten der Stadt. Die ersten Stunden in BA sind genial. Wir beziehen die tolle Wohnung und fühlen uns sofort wohl …..

…. mit Dachterrasse ..

… und treffen zu unserer grossen Freude Marlis und Kurt zu einem frühen Nachtessen. Und was isst man in Argentinien? Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch! Und zwar super zartes, geschmackvolles Fleisch!

… und bezahlt wird in bar….

… der Geldstapel ist  CHF 92.- und dafür essen wir 4 x Rinderfilet (ca. 500 Gramm pP) Pommes, Spinat, Salat, 1 Flasche Wein, 4 Mineralwasser, 2 Dessert und einen doppelten Expresso.

.. Wenn Reisende sich treffen ….Auto, Ausrüstung, Route, Tipps, Geschichten, Erlebnisse, Sichtungen, Begegnungen, Pläne, Lösungen,…… gibt es soviel zu besprechen, dass 1 Abend überhaupt nicht ausreicht. So treffen wir uns am zweiten Abend beim Inder und das Palaver geht bis tief in die Nacht munter weiter. Auf Wiedersehen Marlis und Kurt, es ist immer schön, ehrlich und unterhaltsam mit euch.

Am nächsten Morgen schrillt der Wecker um 05.30 Uhr. Nein, kein Gamedrive, kein Flug der ansteht, keine lange Fahrstrecke sondern? FUSSBALL!!! Im nahen Restaurant sitzen wir bei Kaffee und Gipfili und geniessen die Vor-Siegesstimmung der Fans. Die Porteños sind sich einig und ziemlich sicher: „Argentinien zieht den Saudis die Hosen runter.“

Die Stimmung ist fantastisch und könnte nach dem 1:0 nicht besser sein. Dann werden die 3 Treffer von Argentinien (Abseits) nicht anerkannt, Scheisse! Oh nein, der erste Treffer für die Saudis, nach der Pause der zweite, die Saudis spielen schnell, gut, clever – mit dem haben Messi und seine Mannschaft nicht gerechnet. Die geladene Energie der Fans fällt tief in den Keller und 15 Minuten vor Ende glaubt hier keiner mehr an einen Sieg der Heimmannschaft. Autsch, das ist eine Klatsche!

Die Stadt ist nicht nur im Fussball-, (niemand arbeitet bei einem Spiel der Argentinier), sondern auch im Demonstrationsfieber. 100‘000ende der Arbeiterpartei Polo Obrero blockieren die Stadt und kämpfen für mehr Lohn.

In diesem Ausmass haben wir noch nie eine Demo gesehen. Der Protest ist verständlich denn in nur 2 Wochen Argentinien erleben wir eine Inflation von 12 Prozent.

Das ist ein Film, doppelt anklicken und warten bis der Pfeil erscheint.

Aus unserer Hüpf auf – Hüpf ab Bus Tour wird statt einer 1.5 stündigen eine 4.5 stündige Fahrt wegen dem Demo-Chaos. Es ist interessant dem Protest zuzusehen. Doch irgendwann möchten wir raus aus dem Stau und fragen die Fahrerin und Kondukteurin, ob wir bitte aussteigen dürften? Dürfen wir nicht, zu gefährlich, also plaudern wir mit der jungen Schaffnerin. Beim Stichwort „Reisemobil“ schaut sie uns fragend an, holt Bilder von ihrem Handy und zeigt uns Fotos von unserem Sprinter, geknipst Ende September in Uruguay bei einem kurzen Gespräch mit ihr in Colonia.

Wir sind alle drei berührt, die Haare auf den Armen stellen sich, Gänsehaut pur und wir sind alle so gerührt ob dem Zufall, dass sich sogar Augenwasser bildet. Alle drei rot tragend schliessen wir uns in die Arme beim Abschied. Das sind die Momente, die das Reisen unglaublich sensibel, interessant und liebenswert machen.

Am nächsten Tag sind Hüften, Knie, Muskeln und Schuhe ganz schön gefordert denn auf keine andere Art entdeckt man eine Stadt besser als zu Fuss. Richten sich viele Städte an Fluss oder Meer dem Wasser zu, streckt BA seine Arme dem Land entgegen.

Der Puerto Madera ist ein neues Hafengebiet der das ändern soll. Moderne Hochhäuser schimmern im Sonnenlicht wie Hochglanzseiten, trendige Bars und Restaurants säumen das Flussufer, Touristen schlendern durch das Viertel, schlecken Eis oder trinken einen Aperitif.

Auf dem Heimweg, am Plaza Dorrego, findet im Rahmen eines mehrtägigen Jazz Festivals Tanz, Musik und Kunst statt. Alt und jung, von Windeln bis zum Friedhof Blond, treffen sich in friedvoller Stimmung.

Da fühlt sich die rhythmische Oma zu Lindy Hop doch glatt wie 20ig, traditioneller Dixi vom Feinsten löst viel Applaus aus und ein Paar zählt in einer Ecke das ertanzte Tango-Trinkgeld.

Als überhaupt keine Stadtmenschen gefällt uns BA unerwartet gut und wir verlängern unseren Aufenthalt sicher um einige Tage.

Mein Tanzbär!

Film, bitte doppelt anklicken

Der Aufenthalt von Marlis und Kurt in BA verlängert sich wegen einem Elektronik Problem am Auto. Pech für sie, Glück für uns denn so sehen wir die Beiden wieder.

Und weiter geht die Erkundung. Wir schlendern durch Florida ….

…. kaufen bei einem sehr netten „es“ Nespresso Kapseln und decken uns für die Weiterfahrt mit Pesos ein. Alles in allem erleben wir schöne aber auch strenge Tage.

Im Facebook bekommen wir von „Disfrutemos BA“ alle Ausgehtipps der Stadt. Kultur wird gross geschrieben und so kann täglich und fast zu jeder Zeit ein Konzert gehört, Ausstellungen bestaunt, in Märkten eingekauft und Veranstaltungen besucht werden. Und Kultur ist in BA grösstenteils gratis. Das Konzert des Tango Orchesters BA mit der berühmten und hochverehrten Sängerin Susana Rinaldi auch und ist online in nur 15 Minuten ausgebucht.

Wir reihen uns im Centro Cultural Kirchner in die Schlange „ohne Reservation“ ein, warten geduldig 1 Stunde und hoffen, dass wir noch Einlass finden. 35 von der langen Schlange sind die Glücklichen. Und wir sind dabei, jubiii! Mit einer riesen Vorfreude, die Grand Dame des Tangos zu hören, werden wir zu den freien Plätzen gebracht.

Der Saal hat Charisma, Susana Rinaldi, doch immerhin 86 Jahre alt, noch mehr! Das Orchester begleitet die immer noch feste Stimme der Lady einfühlsam und perfekt. Die zerbrechliche Sängerin sitzt, drückt Schmerz, Liebeskummer, Glück und Hoffnung aus mit Text und Gesang und animiert das Publikum vom ersten Lied an zu Standing-Ovation.

Wir vergleichen Susana mit der Piaf, beide Grande Dames, die eine weiss, die andere schwarz, beide mit tollen Stimmen gesegnet, zerbrechlich, verletzlich, ausdrucksstark, bewegend, eigenwillig und doch irgendwie stark.
Der Tango, der Gesang, der Tanz, die Musik, das Pandoneon gehören zu Buenos Aires wie die Leckerli zu Basel und die Porteños sind stolz darauf. Diese Liebesbeziehung zwischen Volk und Kultur ist überall gut spürbar. Ob uns BA darum so gut gefällt?

Unsere Wohnungen liegt 10 Gehminuten vom Mercado San Telmo entfernt. Antiquitäten, Gemüse, Kunst, Andenken und Ramsch werden angeboten und viele kleine Imbissecken und Restaurants bieten Spezialitäten an.

 

 

Fazit der Woche: Wäre toll wir könnten Tango Argentina tanzen. 

 

13.-20.11.2022 allerlei interessantes..

Immer mal wieder bekommen wir Rückmeldungen, WhatsApp und Email von unseren treuen Blog Leserinnen und Lesern. Und wird der Blog sogar aufmerksam gelesen freut uns das umso mehr. Der letzte Beitrag braucht eine Korrektur was den Itaipu Staudamm anbelangt. Das Werk hat seit der Inbetriebnahme bis heute soviel Strom produziert, dass es die Welt für 40 Tage versorgen könnte. Danke lieber aufmerksamer Leser.

Leider bin ich überhaupt kein Zahlenmensch und werde mal vor der Himmelstür stehen ohne den Dreisatz je beherrscht zu haben. Watt, Kilowatt, Amperestunden usw. klingen wie Fremdwörter in meinen Ohren. Entschuldigung ihr lieben Leserinnen.

San Ignacio Mini, ein UNESCO Weltkulturerbe, erzählt die Geschichte der Jesuitensiedlungen, Reduktion genannt. In dieser Reduktion (es gibt noch weitere) leben im 16. Jahrhundert mehrere hundert Indianer mit Padres zusammen.

Die Diskussion, wie sinnvoll Missionen sind, ob Machtgehabe und Ausbeutung mit einspielen, lasse ich einfach offen. Die 200 Jahre dauernde Geschichte der Sociedad Jesú ist im Land bis heute umstritten. Auch das Positive soll jedoch erwähnt sein, die Jesuiten schützen die Indigenen innerhalb der Reduktion vor Sklaverei und bilden sie in Landwirtschaft aus.

Ignacio Mini ist gut restauriert und die Mauern von den Fängen der Wildnis gerettet.

1767 werden die Jesuiten ausgewiesen und die Siedlung, bestehend aus Kirche, Unterrichtsräumen, Speisesaal, Küche, Werkstätten, Gefängnis, Friedhof usw. werden dem Urwald überlassen.

Wir wandern durch die Ruinen und ich wünschte mir, die Mauern könnten sprechen.

Unser nächstes Ziel, die Sümpfe von Iberá bringen uns den Stech-Mücken noch näher. Die Sümpfe sind als Naturreservat ausgewiesen, 13’000 km2 gross und ein grosses Süsswasser Reservoir. Sie sind stellenweise unberührte Natur, ohne Wege und nur mit Boot zugänglich. Hier wachsen 1400 Pflanzenarten, leben 350 Vogel-, 125 Fischarten viele Reptilien und Säugetiere.

Wir fahren mit Tony in die Sümpfe. Er ist der Besitzer des Camps Esteros de Iberá das liebevoll und sauber unterhalten ist. Antones backt jeden Morgen frisches Brot für uns, wir bekommen frisches Gemüse und soviel Aufmerksamkeit, dass es schon fast zuviel ist.

Tony selber stellt uns die Sümpfe mit soviel Freude und Begeisterung  vor, dass auch wir hin und weg sind. Durch ein Meer von Wasserhyazynthen hindurchgleitend….

…..,entdecken wir Capybaras, Sumpfhirsche, Kaimane und einige Vögel und erleben als Dessert einen filmreifen Sonnenuntergang. Nach der Lagune Galarza machen wir noch eine Morgenfahrt zur Lagune Luna.  Es sind zwei traumhafte Tage.

… und die Wasserhyazynthen erst….

Dann kommt der Tag, wo wir uns definitiv von Myriam und Timon trennen. Sie reisen direkt Richtung Mendoza, wir nach Buenos Aires (BA). Wir drücken die beiden, es gibt ein paar Tränen, für ein paar Stunden habe ich einen Kloss im Hals und uns bleiben viele schöne Erinnerungen an fast 4 Wochen gemeinsames Reisen. Gute Fahrt ihr zwei und auf Wiedersehen.

Die Stadt Corrientes, unser nächstes Ziel, ist die Wiege der Chamamé (auch Polka Correntina) genannt, eine Tanz Stilrichtung. Musikalisch handelt es sich beim Chamamé um einen Tanz im 6/8 Takt, der sehr ähnlich der Polka ist. Der Stil entsteht in der Kolonialzeit, als die Jesuiten versuchen, die Guarani Indianer zu missionieren. Ein bekannter Musiker des Chamamé ist der Akkordeonist Raúl Barboza. Das Tanzfestival, das im Dezember stattfindet verpassen wir leider.

Die Währung in Argentinien ist der Pesos der Purzelbäume dreht. Hier der aktuelle Wechselkurs:

1 USD = 163.06 Pesos, Kreditkarte

1 USD = ca. 280 P, Schwarzmarkt

1 USD = ca. 340 P, Western Union WU

Der Tourist bekommt also das Doppelte für 1 USD bei der WU als wenn er mit Kreditkarte bezahlt oder offiziell bei einer Bank Dollar wechselt. Wir sind jetzt Kunde bei der Western Union und der Transfer ist einfach, legal und lohnend.

Fast sieht es so aus, dass wir Marlis und Kurt aus der CH knapp verpassen in BA. Wir haben sie in Südafrika kennen gelernt und auch sie touren jetzt durch Südamerika mit einem CS Reisemobil. Dank ihnen haben wir jetzt den richtigen Gasadapter, eine Auto-Ersatzuhr und einen E-Stecker. Doch dann kommt die frohe Nachricht, dass sie ihre Weiterfahrt um 2 Tage verschieben. So fahren wir lange Strecken um am Sonntag in BA zu sein.

Auf der Fahrt wundern wir uns immer wieder über die Kreuze, Schreine und Fahnen, alles in rot, am Strassenrand. Überall stehen die Altäre, geschmückt mit Bändern und Stoff. Zuerst tippen wir auf Schreine für Unfall Opfer. Doch sie kommen so häufig vor, dass ich Herr Google zu Hilfe bitte.

Auch Argentinien hat einen Wilhelm Tell, einen Robin Hood – er heisst hier Gaucho Gil. Er nimmt von den Reichen und gibt es den Armen, er hat übersinnliche Fähigkeiten und wird als Volksheiliger gefeiert. Über 200‘000 Menschen pilgern jährlich nach Mercedes, wo er 1840 geboren wird, um ihn zu verehren oder um ein Wunder zu bitten. Er wird 1878 ebenfalls in Mercedes hingerichtet.

 

Fazit der Woche: Reisen heisst immer wieder loslassen und sich auf Neues freuen. 

 

6.-13.11.2022 Ein Hauch von Orientexpress

Der Serra Verde Express fährt zwischen 15 und 35 Km/h von der Stadt Curitiba nach Morretes. In Nostalgie und Würde schleppt sich die Eisenbahn über Steigungen, Brücken, Tunnels, Regenwald und Berglandschaft.

Manchmal stöhnt sie, manchmal pfeift sie, manchmal raucht sie – doch die Lady gibt alles um die ca. 90 km in 3 Stunden zu schaffen.

Wir spielen Massentourist und buchen ein Arrangement mit Zug-Fahrt, Getränken, Mittagessen, Ausflügen und Rückfahrt mit dem Bus. Wir bekommen Seniorentickets und zwei schöne Sitze in der Nostalgie Abteilung.

Myriam und Thimon sind mit von der Partie mit Einfach-Tickets (sie sind einfach schlauer als wir.) Am Sekt nippend lassen wir die ganze Topfpflanzenabteilung von der Gärtnerei Kuster an uns vorbeiziehen wie Hortensien, viele Arten von Gummibäumen, Feigenbäumen, Orchideen usw.

Die Zugfahrt gefällt uns sehr gut. Fast wünschten wir uns, dass der Regenwald weniger dicht wäre und wir eine bessere und längere Sicht auf die Berge hätten.

Die Momente der Sicht sind wunderschön.

In Morretes ist aber Schluss mit lustig. Wir werden in Busse gepackt und los geht es zum Themenpark wo uns von einer jungen Frau in Roboter Stimme und null Motivation die Entstehungsgeschichte aufgedrängt wird. Bus rein, Bus raus, Restaurant rein, essen an grossen Tischen, Restaurant raus, Bus rein und in rasanter Fahrt erreichen wir Antonina, ein Hafenstädtchen mit Ruinen und guter Glacé.

Bus raus, Ruinen anschauen, Glacé kaufen, Glacé schlecken, Bus rein und zügig frech und kurvenreich fahren wir zurück nach Curitiba. Ein Erbe von meinem Dädy ist, dass ich Bus fahren überhaupt nicht mag. In den Rechtskurven kriege ich vor Angst, dass der Bus kippen könnte feucht nasse Hände und der Mageninhalt nähert sich beunruhigend dem Kehlkopf.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, Übelkeit und schlechter Laune sind wir so was von glücklich, wieder in unserem Bus zu sitzen und so was von dankbar, 95 Prozent der Reise Individual-Touristen zu sein.

Die Kulturstadt Curitiba hat was sehr charmantes. Die über 3 Mio. Stadt kommt sympathisch daher mit alten Kolonialhäusern, modernen Bauten……

… einem botanischen Garten

… und einem weltbekannten Architekten.

Oscar Niemeyers Museum prägt das Stadtbild. Er gilt als Wegbereiter der modernen brasilianischen Architektur. Niemeyer entwirft zahlreiche öffentliche Gebäude für die brasilianische Hauptstadt Brasília, die 1987 zum Weltkulturerbe erklärt wird. Wikipedia

Die nächsten 640 km fahren wir zügig durch eine echt schöne Landschaft mit Mais-, Weizen-, und Sojafelder nach Foz de Iguazú, die Stadt zu den gleichnamigen Wasserfällen.

Zuerst besuchen wir den Parque des Aves, einen Vogelpark. Papageien stehen Spalier, Ibise leuchten in rot, Schmetterlinge flattern um die Wette.

Foz de Iguazú ist die erste Grenzstadt die wir aufgeräumt, gut organisiert und sauber erleben. Und die Wasserfälle erst. Der Fluss Iguazú, ruhig und unaufgeregt 1300 km fliessend, donnert plötzlich in mehreren hundert einzelnen Fällen 2 stufig 57 bis 72 m in die Tiefe. Eine gewaltige Wasserkraft die alle Besucher begeistert und beeindruckt. Uns ebenso. Eine Urgewalt die sich Argentinien und Brasilien teilen. Wir lauschen dem Toben, Brodeln, Rauschen und lassen uns einsprühen von der Gischt. Iguazú heisst „grosses Wasser“, was für ein treffender Name.

Der Itaipu-Damm ist der Zweitgrösste der Welt. Wir buchen eine stündige Panoramafahrt und finden den Besuch absolut lohnend. Der Fluss Paraná wird gestaut und nach 10-jähriger Bauzeit 1984 in Betrieb genommen. Das Projekt verschlingt 19,6 Milliarden USD. Das Wasserwerk könnte die ganze Welt für 40 Tage mit Strom versorgen.

Brasilien/Süden:

Ein Land das uns überrascht im äusserst positiven Sinn. Strand, Regenwald, Inseln, Berge, Seen, Städte, Hochhäuser, seltene Tiere – Abwechslung pur. Die Menschen sind locker drauf und freundlich. Schade wird portugiesisch gesprochen, es stiehlt uns die Spanisch-Lernfreude. Brasilien – wir kommen wieder!

Unsere gefahrene Strecke in Brasilien mit ca. 3500 Kilometern.

Argentinien ist unser 70. Reiseland, der Grenzübertritt einfach, locker und problemlos. Was sofort auffällt? Die Grenzstadt Puerto Iguazú hat im Vergleich zum brasilianischen Teil wenig Charme. Es wird spanisch gesprochen, die Währung, argentinische Pesos, schlägt Purzelbäume.

Hier besuchen wir Teil Zwei der Wasserfälle. Auch spektakulär, auch überwältigend doch der Besucherstrom dämpft bei mir das Naturerlebnisses erheblich. Es scheint, dass die Menschen mehr Interesse an Selfies haben. „Sich ins rechte Licht zu setzen“ scheint bei Weitem wichtiger zu sein als das Naturwunder zu bestaunen und so verursacht die selbstverliebte Menschenmasse Staus an den neuralgischen Punkten. Verrückte Welt.

Zugegeben, sie ist ja hübsch aber hat sie oder er was von den Fällen gesehen?

Leider ist der letzte Steg Garganta del Diablo wegen zuviel Wasser geschlossen. Iguazú brennt sich aber als ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis in unsere Matrix ein. Es sind Fälle, die mit nichts zu vergleichen sind, was wir bis jetzt gesehen haben, auch nicht mit den Victoria Fällen in Sambia/Simbabwe.

Nach anstrengenden Tagen gönnen wir uns zwei Tage Pause am See Arroyo Uruguay. Waschen, putzen, Dog spielen, plaudern, baden und viel schlafen sind angesagt. Solche Tage müssen einfach sein.

Einzig die Plagegeister Kriebelmücken vermiesen uns das herrlich warme Wetter dieser Woche. Sie lauern überall, hinterlassen Bisse, Hämatome, Schwellungen –  fast bis zur Verzweiflung.

 

Fazit der Woche: Kraftvolle Natur macht Menschen ganz klein. 

 

 

30.10. – 6.11.2022 Barrikaden

Im Zwiegespräch mit unseren Hüft- und Kniegelenken, Muskeln und Bänder hagelt eine gewaltige Schimpftirade auf uns ein.

Doch der Reihe nach. Auf MapOut berechnen wir zwar den ca. 14km langen Trek „Armacao ate Lagoinha do Leste“ nicht aber, dass ich das Portemonnaie im Auto vergesse, dass der Wanderweg so steinig mit hohen Absätzen ist und mein neuer Schuh schon nach kurzer Zeit an der Verse drückt.

Nach 3 Stunden kommen wir ziemlich geschafft in der sehr schönen Lagune an. Der Strand ist traumhaft, man erreicht ihn nur zu Fuss oder per Boot und entsprechend wenig Badende sind hier.

Jetzt hätte es ein Schlauchboot-Taxi zum südlicheren Städtchen und von dort ein Bus oder Taxi zurück zum Ausgangspunkt gegeben.  Hättä hättä Fahradkette – ohne Geld geht halt gar nichts. Also nochmals eine Stunde rauf und runter nach Pântano do Sul und als Dessert 4 km der Asphalt-Strasse entlang zu unserem Bus. „Gring achä u dürä“! Die ausgetrocknete Zunge, der müde Geist, die schmerzenden Glieder und Verse und die erhitzte Haut lechzen nach einem kühlen Bier. Der schöne Übernachtungsplatz, Spaghetti Eugenio und ein kühles Blondes lassen uns die Strapazen schnell vergessen.

Nochmals Austern schlürfen und weiter geht die Fahrt Richtung Norden auf der Autobahn.

Immer wieder schöne Wandmalereien

Lula da Silva ist neuer Präsident von Brasilien. Den Norden freuts, den Süden nicht. Das Resultat wird angenommen, nicht aber von enttäuschten Bolsonaro Anhängern die mehrere Autobahnabschnitte und Hauptachsen mit brennenden Pneus blockieren und das für 72 Stunden.

So umfahren wir die Blockaden bereits am Montag Richtung Balneário Comboriú. Hier ist Schluss, brennende Pneus und Trucks versperren die Strasse und zwingen uns auf Nebenstrassen zu fahren.

Balneário Camboriú ist eine Retortenstadt mit über 1900 Hochhäusern und ein beliebter Badeort im Süden Brasiliens. Oft mit der Copacabana in Rio de Janeiro verglichen, ist der Strand 7 km lang, in Bananenform und gibt Raum für Hotels, Clubs, Bars und Residenzen. Ist die Stadt schön oder nicht? Sicher imposant! Bei unserem Streifzug entdecken wir tolle Möbelhäuser, Küchen-, Badezimmer-, Lampen- und Accessoir – Ausstellungen und müssen feststellen – die Brasilianer haben einen echt guten Geschmack!

Bei unserer Abfahrt werden wir gewarnt, dass es kein Durchkommen gäbe Richtung Blumenau. Bei der ersten Barrikade fragen wir bei den Demonstranten nach, ob sie Touristen nicht durchlassen könnten? Eine Diskussion entsteht – ein NEIN folgt. Die Stimmung ist nicht aggressiv.

Gut, wir stellen eine Route auf unbefestigten Strassen zusammen. Auf der App Waze sind fast alle Blockaden und Staus sichtbar. Unsere Augen suchen die Rauchzeichen brennender Pneus am Himmel ab. Jeder Umweg ist für etwas gut. Unsere Fahrt führt durch wunderschöne Landschaft mit satt grünen Reisfeldern…..

……blauer Kirche….

… und guten Schotterstrassen. Immer wieder stoppen uns Autofahrer und fragen, wo wir hin wollen und geben uns Tipps, wie wir am besten fahren. Echt nett. Und so erreichen wir die Stadt Blumenau einfacher als erwartet.

Blumenau wird 1850 von deutschen Einwanderern unter der Führung des Apothekers Hermann Blumenau gegründet. Bis heute wird hier in 5. Generation die deutsche Sprache und Kultur gepflegt.

Mutter Gloor‘s Salatsauce ist die Beste und da gehört ein ordentlicher Schuss Maggi rein. Im Laden „Stuttgart“ finden wir den dunklen Saft und sind überglücklich. In Blumenau findet im Oktober ausserhalb von München das grösste Oktoberfest der Welt statt.

Wir verpassen es knapp – besuchen aber das Gelände und können kaum glauben was wir vorfinden.

Ein Quartier im D Stil ist aufgebaut, Dirndl, Souvenirs, Bierhumpen und vieles mehr kann gekauft werden und es gibt natürlich viel D Bier.

Wir stehen im D Kulturzentrum im schönen Park und werden auf deutsch herzlich empfangen. Auf der Theaterbühne proben wöchentlich der Kirchen-, Männer- und gemischte Chor und der Schuhplattler Tanz gehört ebenso dazu wie das tägliche Buffet im Restaurant das Eisbein, Sauerkraut , Spätzle usw. serviert.

Und das alles im südlichen Brasilien. Für den nächsten Sonntag haben wir den Serra Verde Express (Zugfahrt) gebucht und so führt uns die Weiterfahrt durch gepflegte Siedlungen mit blühenden Gärten und deutscher Ordnung.

Auch hier kommt der Nachbar mit uns plaudern, er spricht Platt-Deutsch und lebt seit 61 Jahren in Brasilen. Der Camping Pomerode ist der Hammer, ruhig, landschaftlich schön und sauber. Gäbe es doch nur mehr davon!

Mal hügelig, mal bergig rauf und runter und mal dem Meer entlang erreichen wir durch sehr schöne Landschaft Curitiba, die Hauptstadt von Paranà.

Jetzt sind wir um soviel Barrikaden gefahren, jetzt blockieren wir mal den Verkehr 😀.

Bolsonaro ruft in einer Rede seine aufgebrachten Anhänger auf, mit den Strassensperren zu stoppen. Es gibt bereits Versorgungsengpässe und wem nützen sie?

 

Fazit der Woche: Jeder Umweg birgt neues. 

 

 

 

 

23.-30.10.2022 ..wo sind sie nur?

2 Tage lassen wir uns Zeit im Parque National de Aparados da Serra. Der Nationalpark ist ein Schutzgebiet mit Hochmoorflächen, Wald und der Schlucht Itaimbezinho von 5.8 km Länge und 600 m Tiefe.

Dank der Höhenunterschiede gibt es sowohl Regenwald als auch Hochlandwald mit Araukarien die zur Familie der Kiefer gehört und in Brasilien unter Anderem im Instrumentenbau vor allem für preisgünstige E-Bässe und Gitarren eingesetzt wird.

Wanderschuhe schnüren, Rucksack packen und los geht der Marsch auf einer Höhe von 1100 Metern mit immer wieder schönen Aussichtspunkten runter zum Canyon. Die Bewegung und das schöne Wetter wärmen unsere Muskeln und Herzen.

Auf der Rückfahrt stoppen wir bei einem Gaucho Fest. Echte Kerle versuchen, die Rinder mit einem Lasso einzufangen.

Die Stimmung ist grandios, Klein und Gross hocken fest im Sattel und dem Alkohol ist man auch nicht abgeneigt.

Wir schauen interessiert dem Treiben zu und bestaunen das Reitgeschick der Teilnehmer. Früh übt sich wer ein Cowboy sein will.

Das Camping Courucacas ist sehr schön an einem Teich gelegen, die Toiletten und Duschen sind aber so was von schmutzig, dass niemand wirklich Lust hat, sie zu benutzen.

Trotzdem stehen wir eine 2. Nacht hier. Wir suchen das Gespräch und bitten die Besitzer, die Sanitäranlagen zu reinigen. Sie entschuldigen sich, putzen sofort und die Reinigungsdame nimmt nicht mal ein Trinkgeld an. Jetzt gefällt es uns richtig gut hier so dass wir noch eine 3. Nacht bleiben.

Auch am Tag zwei fahren wir zur Schlucht, diesmal Fortaleza. 3 Stunden wandern wir, geniessen die frische Luft, Gespräche und den Blick ins Tal wo sogar das Meer sichtbar ist.

Da kommt uns ein Paar entgegen mit ON Schuhen. Werni kickt sie an, das Paar kommt aus Rio und erzählt uns, dass der Schweizer Schuh ein grosser Renner ist in Rio. Interessant nicht? Ob die Qualität der Schuhe besser ist in Brasilien als in Europa?

Nächsten Sonntag sind Wahlen in Brasilien. Bolsonaro der Konservative gegen Lula dem Demokraten mit linkem Einschlag. Kommen wir mit Brasilianerinnen ins Gespräch, fragen wir immer nach, wer sie den wählen?

Der Süden des Landes und der Kapitalismus wählen eher Bolsonaro, der Norden ist für Lula. Entgegen den Zeitungsberichten in der Schweiz erleben wir aber die Wahlzeit als friedlich und unaufgeregt.

Auf der Fahrt zurück ans Meer und weiter Richtung Norden müssen nicht nur 200 km sondern auch ein Höhenunterschied von 1200 Metern überwunden werden.

Niederstamm Apfelbäume 


Es schüttelt und rüttelt und unser Skelett und Muskeln werden arg strapaziert. Wir brauchen über 6 Stunden ohne Pause für die Fahrt. Landschaftlich sehr schön aber ganz schön anstrengend schaue ich die letzten 60 km immer wieder auf den Km-Stand, ein sicheres Zeichen, dass ich das Ziel herbei sehne.

Die Pass Abfahrt ist der Hammer. Wie am Gotthard die Tremola schlängeln wir uns in Haarnadel-Kurven runter nach Gravatal das bekannt ist für seine Thermen. Wir Senioren freuen uns auf das warme Bad – wir üben Altersheim.

Wie die Natur doch Instinkt und überleben von Tier in wundersamer Weise regelt. So ziehen zwischen Juli und November mächtige Glattwale aus der Kälte der Antarktis Richtung Norden, um in den wärmeren Buchten ihre Jungen zur Welt zu bringen und zu säugen.

In Praia do Rosa soll die Tiersichtung besonders gut sein. Wir gehen in Position, halten an einer wunderschönen Bucht immer wieder Ausschau – nichts! Die Wale sind dieses Jahr früh dran und die Zeit der Sichtungen anscheinend vorbei – erzählt man uns. Schade, schade aber wer weiss? Der Wind pfeift uns um die Ohren, es schüttelt und rüttelt an unserem Häuschen. Am gemütlichsten ist es in der guten „Stube“ und genau dahin ziehen wir uns früh zurück.

Floripa soll eine der entspanntesten Städte Brasiliens sein. Hauptstadt des Staates Santa Catharina mit der hochgelobten Illha de Santa Catarina, die ein Traum sein soll. Nichts wie hin. Vielleicht nicht die beste Idee an einem Wochenende. Steht man im Arbeitsprozess ist das Wochenende das Schönste –  ausschlafen, feiern, biken, baden, wandern, Gäste empfangen usw. Als Reisende wäre es am tollsten, wenn es die Wochenenden gar nicht gäbe – überall viel Verkehr, eine Häufung von Menschen, Musik, Getümmel. Jede Sichtweise ist eine Frage der Perspektive und das nicht nur, wenn’s ums Wochenende geht.

Heute wollen wir den Norden der Insel erkunden. In Santo Antônio de Lisboa soll es die besten Austern geben. Das Dorf ist echt charmant mit vielen kleinen Strandrestaurants und super leckeren Austern die hier kultiviert werden.

Den Rest des Nirdens ist zum Abschminken. Villenviertel reihen sich nahtlos an unbedeutende Städte und engen Strassen die nur aus Schwellen zu bestehen scheinen vermiesen uns die Fahrt. Trotzdem geben wir dem Süden der Insel eine Chance.

…. und übrigens, wir haben jetzt Sommer- und Badewetter.

 

Fazit der Woche: Nicht alles hochgelobte ist auch toll. 

 

16.-23.10.2022 in Vino Veritas

 

Wir nutzen die 30 Minuten Fährezeit von Rio Grande nach São José do Norte für ein „Nätschi“. Die brasilianische Familie will viel von uns wissen und auch sie erzählen aus ihrem Leben. Spannende Kurzbegegnungen die unser Leben bereichern.

Petrus kennt kein Erbarmen. Die Sonne scheint just für ein paar Momente, um den Wolken zu zeigen, wo sie sich erneut ausschütten sollen. Und das scheint immer dort zu sein, wo wir gerade sind.

Treue Hundeaugen erweichen jedes Herz. Wir haben sogar einen Sack Hundefutter mit dabei. Stehen wir frei und streunen wilde Hunde, bekommen sie eine hand-voll Futter. Sie legen sich dann treu unter das Auto und nähert sich jemand, bellen sie wachsam los. Das klappt oft aber nicht immer.😀

Hundeyoga mit Myriam! Der „Hund“ muss noch geübt werden.

Selbst die Kuh wartet auf die Morgengymnastik und beschenkt unserem Sitzplatz frischen Fladen.

Und weil es so schön ist nochmals 20 km bei Regen und Nebel dem mystischen Meer entlang.

Kautschuk-Gewinnung grossflächig.

Wer kennt sie nicht, die Pechtage? An der Lagune Pacopari scheint das Camp Lisboa schlechte Energie auszustrahlen. Wir 4 sind vom Unglück verfolgt. Zuerst bricht ein Wasserhahn und überschwemmt die Waschstelle, der Salat samt Sauce landet auf dem Boden, der Benzinkocher geht in Flammen auf und zu guter letzt beginnt es so plötzlich zu schütten, dass das Freilichtessen ins Wasser fällt und die Wäsche wieder nass ist. Shit happens, würde unser Chris von Rohr sagen und so trösten wir uns mit einem Glas Wein über das Pech hinweg. Morgen ist ein neuer Tag.

Die Tages-Fahrten können nicht immer Top sein. Unsere heutige Etappe von ca. 240 km ist weder schön noch erlebnisreich, es ist einfach eine Fahrt um von A nach B zu kommen, und das bei Regen und Stau. Doch das Ende der Fahrt belohnt uns mit schöner Landschaft und einem tollen Weingut! Wir sind im Vale dos Vinhedos angekommen.


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Der Junior des Weingutes Larentis, ursprünglich aus Trento, stellt uns 4 Weine vor, erzählt die Familiengeschichte und zeigt uns die Kellerei. Und zu guter Letzt essen wir in der besten Pizzeria Brasiliens eine so was von feine Pizza! Der Glücksstern scheint uns wieder eingeholt zu haben.

Einwanderer aus Norditalien machen es möglich, sie legen im 19. Jahrhundert an den Steilhängen die ersten Weinberge an.

Das Tal mit dem Hauptort Bento Gonçalves bietet gute klimatische Bedingungen und gilt als Vorzeigegebiet der brasilianischen Weinwirtschaft. Heute werden Weine aus der Region vielfach prämiert und das Vale dos Vinhedos wird seit 2007 auch von der Europäischen Union als zertifizierte Appellation anerkannt.
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Zu den vorwiegend angebauten Rebsorten zählen Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Pinot Noir sowie Riesling, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Grauburgunder. Ein Weingut reiht sich dicht an das nächste, es sollen total 41 sein.
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Wein Lager auffüllen und schon sind wir in der Serra Gaúcho. Hier besucht der brasilianische Tourist die Blumenstadt Gramado, das St. Moritz des Landes. Alles ist so anders und kitschig hier dass es irgendwie schon wieder gut ist. Hier steht man im Wettkampf mit der Nachbarstadt, wer die schönere Weihnachtsdekoration hat.
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So reiht sich ein Laden an den Anderen mit festlicher Beschmückung, Kugeln, Decken, Girlanden, Geschirr – einfach alles was sich die Weihnachtsliebhaberin wünscht. Wir wünschten wir könnten Ursi herbeamen für 1 Tag.
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Fondue, ob Käse, Fleisch oder Schokolade, gibt es in fast allen Restaurants. Für uns CH ist es Pflicht, ein Käsefondue im Restaurant St. Gallen zu essen……
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….speziell wenn man St. Galler Dialekt spricht. Selten schüttelt Frau Holle das Kissen über Gramado aus aber wenn, eilt die brasilianische Oberschicht per Flugzeug und Auto hierher. Über 30 Schoko-Läden gibt es in der 35‘000 Einwohnerstadt und damit es niemandem langweilig wird kann man das Dreamland Wachsmuseum, Hollywood Dream Cars, Harley Motor Show usw. besuchen. Schicke Boutiquen ziehen den Touris die Real aus den Taschen – hier lebt es sich gut und anders. Deutsche und italienische Einwanderer prägen Gramado bis heute.
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Kitschig, verträumt, touristisch – 1 Tag in Gremado reicht uns.

Fazit der Woche: Wein- und Märchenwelt passen gut zusammen. 

9.-16.10.2022 Wow-Start in Brasilien

Die letzten Tage in Uruguay sind da. Wir geniessen das Schutzgebiet um die Lagune Rocha und sehen Flamingos in schönster Natur.

Nach Cabo Polonia, zur grössten Wanderdüne Südamerikas, kommt man nur mit dem Bus. Wir streichen die Fahrt – es geht hektisch zu und her im Terminal, Rucksäcke, schreiende Kinder, Gedränge – nichts für uns.

Dann doch lieber ein paar Fischerdörfer weiter nördlich im ruhigen Aguas Dulces wo wir alleine und ruhig direkt am Strand stehen und wieder nach Walen Ausschau halten.

Schwierig – das Meer ist aufgewühlt, wir schauen oft und lange ins Fernglas – und immer wenn einer von uns ruft – DA – ist es wieder Fehlalarm.

Der Mönchssittich begleiten uns, seit wir in Uruguay sind. Er ist ein echter Schreihals. Die Misstöne macht er wett mit seinem leuchtenden Grün und seinen Flugkünsten.

An der Laguna Negra treffen wir ohne abzumachen bekannte Gesichter.

Uruguay: Ein stabiles und sicheres Land mit netten Menschen, landschaftlich schön jedoch recht eintönig, die grossen Touristen Attraktionen bleiben aus, frei stehen ist soviel schöner als in den sehr durchschnittlichen Camps, hohes Preisniveau, zartes Fleisch vom Feinsten.

Wir fahren mit Myriam und Timon aus SG zur Grenze nach Chuy. Wir lernen die zwei Jungen in Montevideo kennen und treffen auch sie an der schwarzen Lagune wieder.

Keine Hektik, keine Schlepper, keine Geldwechsler, keine machtdemonstrierende Beamte, keine ellenlange Schlange, kein Visa – Mensch – was für ein angenehmer Grenzübertritt! Der Zöllner ist super freundlich, die Auto Import Dame sehr nett, englisch sprechend und dazu noch bildhübsch – und wir sind im Nu drin – im fünft-grössten Land der Welt, Brasilien. 

Einkaufen im grossen Markt (mit Nespresso Kapseln) und schon besprechen wir die Weiterfahrt Richtung Norden im ruhigen Campingplatz Pachuca. Eine Fahrt direkt zwischen Meer und Dünen über 120 km wäre doch genial. Wir fragen nach – bekommen als Antwort zu gefährlich, dazu ohne Netz aber schön.

Wir sind zwei Fahrzeuge – wir nehmen das Risiko. Bevor wir losfahren, fragen wir nochmals Anwohner, ob wir die Fahrt wagen können. Die Körpersprache ist klar – fahrt – es ist traumhaft. Nehmt genug Wasser mit.

Luft raus aus den Finken und los geht unsere Fahrt dem Meer entlang. Ich weiss nicht wie ich euch diese Fahrt beschreiben kann – gibt es soviele Worte des Gefallens? Es ist ein unbeschreibliches Gefühl über soviele Kilometer dem Meer so nahe zu sein, manchmal ohne Spuren wie auf Schienen zu rollen, die Stärke des Autos zu spüren.

Freiheit, Freude, Lust, Genuss, Emotionen, ein Hauch von Abenteuer sind nur ein paar Substantive die versuchen, die Fahrt zu beschreiben. Sie ist einfach der Super, Hammer, Mega Knaller! Und an alle Overlander Leser – go for it!

Übermütig suchen wir einen Übernachtungsplatz in Sicherheit der Gezeiten und prompt tun wir es wieder mal – wir setzen Bänzli in den Schlamm.

Nicht hilflos wie beim ersten Mal in Afrika sondern inzwischen erfahren schaufeln wir ihn frei, unterlegen Holzstücke und Sandbleche und sanft geht es im Rückwärtsgang aus dem Schlamassel. Wie lautet das Credo der Overlander? Wer nie stecken bleibt hat zuwenig hart probiert!

Leider sehen wir nur tote Wale, Robben und Schildkröten und nach ca. 140 km beschliessen wir, Richtung Sumpfgebiet zur Lagune Nicola zu fahren. Dort soll es sehr viele Tiere zum Beobachten geben.

Und wieder sind wir begeistert, was uns die Natur an Schönheit bietet. Das Wechselspiel der Farben von verschiedenen Grün und Blau untermalt die Tiersichtungen. Da sonnt sich ein riesiges Krokodil, Vögel gibt es so viele ich will sie gar nicht aufzählen, Schildkröten im Familienbund wärmen sich am Wasserrand. Das absolut süsseste ist aber das noch nie gesehene Capybara. 

Es gibt so viele von ihnen – eine Mischung aus Bibber und Murmeltier vielleicht – spielend im Wasser, spazierend mit den Jungtieren oder fressend, wir bekommen nicht genug von ihnen. Wikipedia klärt uns auf, das Capybara oder Wasserschwein ist eine Säugetierart aus der Familie der Meerschweinchen und ist das grösste heute lebende Nagetier.

An der Lagune das Flores kochen, plaudern, beobachten wir – und spielen Dog. Die Mädels sind 3 zu 0 im Rückstand. 🥲

Einkaufen, Auto vom Salz befreien, tanken und Kaffee trinken in Rio Grande ist Tag füllend.

Was für Dimensionen!

 

 

Fazit der Woche: Der Start in Brasilien ist geglückt. 

 

2-9.10.2022, Wind

Zurück in Montevideo haben wir einiges zu erledigen. Wer denkt, hier in Uruguay klappt alles, hat weit gefehlt. So passen die für uns gedrehten Adapter-Gewinde trotz abgegebenen Muster nicht, eine Banküberweisung wird nicht gutgeschrieben und einige Kleinigkeiten mehr wollen geregelt sein. In allem sind die Urugayos hoch anständig, nett, sympathisch und hilfsbereit.

Wöchentlich kommen viele Wohnmobile aus Europa in Montevideo an. Grosse, sehr grosse, mittlere, kleine und sehr kleine Mobile – alle haben ihre abenteuerlichen Geschichten und Pläne im Sack. Wir geniessen es immer wieder, Reisende zu treffen, sich auszutauschen, ein paar Stunden zusammen zu sein. Im „Schweizer Paradies“ treffen wir auf eine ganze Horde netter Reisender und beim gemütlichen Zusammensitzen am langen Tisch kann man immer wieder Tipps in den Wohnmobil Alltag mitnehmen.