18.-25.10.2021 Bänzli feiert


Diese Woche feiern wir 100‘000 gefahrene Kilometer mit unserem Sprinter. Bänzli wird älter wie wir.
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Davon sind viele holprige Pistenkilometer in Afrika. Heute, am Jubiläumstag, sind die gefahrenen 260 km besonders streng. Die Strasse ist zwar asphaltiert aber voller tiefer Löcher.
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Wir zirkeln im Slalom, Asphalt suchend, um die Hindernisse, kommen auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h und verzweifeln fast ob der Strasse.
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Unser heutiges Ziel, den Gorongosa NP, erreichen wir nicht! Bänzli wiehert wie ein störrischer Gaul – wir haben Druckabfall im hinteren linken Pneu der sich zum Glück als Falschalarm entpuppt. Es beginnt zu regnen, die Temperatur sinkt von 37 auf 18 Grad – was für ein Jubiläumstag!
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Busfahren in Mozambique
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Bis in den 1970er Jahren galt der Gorongosa NP als einer der schönsten im südlichen Afrika und hatte 22‘000 Besucher im Jahr. Dann kam der Bürgerkrieg. Die Renamo hatten in dieser Region ihren strategischen Hauptsitz. Wildtiere dienten den hungrigen Soldaten als Fleischquelle, Landminen wurden gelegt, töteten Tiere und Menschen. 1985 eroberten die Frelimo nach heftigen Kämpfen das Renamo Quartier – der NP lag mitten im Kampfgebiet.
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Grossflächig vermint, nahezu leer gewildert, die Infrastruktur zerbombt – so erlebte das ehemalige Schmuckstück das Ende des Bürgerkriegs.
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Unsere Camping Nachbarn sind Russel und Greg, zwei junge Südafrikaner und zusammen buchen wir eine spät Nachmittag- und früh Morgen Pirschfahrt. Die Jungs waren Führer im Krüger NP, kennen und zeigen uns viele Vögel. Uns gefällt der Park sehr gut. Die Landschaft ist abwechslungsreich, Pfannen, Wälder, Palmen, Fluss und See innerhalb 20 km, eine Augenweide.
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Die Tiersichtung am ersten Tag ist minimal. Es hat jedoch riesige Herden Wasserböcke – in dieser Menge noch nie gesehen.
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Auch zwei Genet Katzen kreuzen unseren Weg.

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Bei der Morgenfahrt wieder wenig Tiere, trotzdem fahren wir glücklich zurück zum Camp.

Dann geschieht das kleine Wunder. In den über 40 besuchten NP haben wir noch nie Wildhunde gesehen.
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Und jetzt liegt ein Rudel von über 40 Hunden direkt vor uns – sind wir Glückspilze! Still, ehrfürchtig und ergriffen beobachten wir das Rudel mit sehr vielen Jungtieren.
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Wir möchten den Gorongosa Nationalpark nicht missen, er gehört zu unseren Favoriten.

Die Boys geben uns noch viele Tipps für den Krüger und Südafrika generell.
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Zurück zu unserem Bänzli. Es klingt sicher komisch wenn ich schreibe, wie wichtig unser Auto für uns ist und wie sehr wir mit Bänzli verbunden sind. (Ist ja nur Material). Jedoch – jedes Mal wenn wir Richtung geparktes Auto laufen sprechen wir von „nach Hause gehen“. Wir fühlen uns geborgen, wohl, komfortabel, bequem und sicher in unserem 6m2 Loft.

In 32 Reisemonaten durch die Ostroute (davon 10 Wochen CH Aufenthalt) sind wir 60‘000 km nur in Afrika gefahren. Ein paar Zahlen dazu.
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Wie oft wir Bänzli waschen liessen? Sicher 150 mal 😃

 

Getankt: 163 mal

Benzinverbrauch: 7‘964.59 Liter 

Benzinverbrauch auf 100 km: 13.27 Liter im Durchschnitt 

Service gross und klein: 6 mal 

Reifenwechsel: 1 mal 

Reparaturen: Blattfeder Bruch

Platter Pneu: 1 mal

CS Ausbau: defekte Heizung, Bordbatterie Ladeschwierigkeit, daneben Kleinigkeiten wie Kittfugen Bad, gebrochener Dachfenstergriff usw.

Bereiste Länder in Afrika: 13

Bereiste Länder mit Bänzli: 22

Grenzübertritte Afrika: 16
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Wir haben in den 60‘000 km immer wieder gestaunt, was der Sprinter alles kann. Manchmal ähnelten die Strassen mehr ausgewaschenen Flussbetten, immer kämpfte sich das Auto hoch oder runter.
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Ernsthaft versunken sind wir 1 mal im Sand, einmal im „Pflutsch“ und beides mal bis zum Fahrgestell. Ein paar mal konnten wir uns selber befreien. Unter den Überlandfahrern sprüchelt man: „Wenn du noch nie stecken geblieben bist, hast du zuwenig schwierige Pisten gewählt.“
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Einen echten Reisekoller hatten wir bis dato noch nie. Natürlich ist Reisen manchmal auch anstrengend, Freude und Neugier gehören ebenso dazu wie Frust und Ärger. Letzteres hält sich zum Glück in Grenzen.
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Wir sind glücklich und auch ein wenig stolz, was wir drei schon alles gemeistert und erlebt haben und freuen uns auf die nächsten 100‘000 Kilometer. Natürlich feiern wir das Ereignis gebührend.
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Fazit der Woche: Wir lieben unser Haus auf Rädern.

 

 

11.-18.10.2021 … schnuppern ….

Wir planten nie in den Norden von Mozambique zu fahren. Er, sicher bis zur Insel Mozambique, sei ein MUSS! 

Unser zweiter Fahrtag führt uns durch schöne Landschaft mit bizarren Bergformationen zur drittgrössten Stadt Nampula. Wir schnuppern die Luft von Mozambique ein und freunden uns langsam an mit Land und Leuten.

Unser Internet geht, wir finden dank „Hupe“ das winzige und saubere Ruby Backpacker Hostel wo wir campen dürfen.

Die gefürchteten Polizeikontrollen passieren wir 4 mal problemlos und entlocken den Uniformierten mit unserer sprachlichen Unbeholfenheit sogar ein Lächeln.


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Was sofort auffällt in Mozambique:
Man spricht nicht gerne englisch, die Mozambiquer sind entweder sehr hilfsbereit oder sehr abweisend, sie sind ein hübsches Volk, der portugiesische Einfluss ist vielerorts sicht- und spürbar, wir sehen fast keine Nutztiere.

Zum ersten mal kaufen wir am Strassenrand das berühmte Brot von Mozambique. Die Älteren und Buochser unter unseren Blog Lesern erinnern sich sicher noch, wie die Mutschli von der Bäckerei Schlaufer schmeckten? Durch Stufen rutschte man in den Schlaufer-Bäckerhimmel und frischer Brotduft umhüllte die Sinne. Die Mutschli, weich und luftig, aussen krustig in der perfekten Backstufe, das Schoggistängäli zur Perfektionierung des Brötchens. Genau so schmeckt das Brot in Mozambique – Schlaufer Brot in Afrika!

Die Bäckerei Gloor wird für die nächsten 4 Wochen eingestellt!  .

Über eine 3.5 km lange Brücke erreichen wir die 3000mx600m grosse Insel Ilha de Mozambique.

Die Ilha de Moçambique ist eine der ältesten europäischen Siedlungen der südlichen Hemisphäre. Vasco da Gama trifft 1498 als erster Europäer den Scheich der Insel, Moussa Ben Mbiki, von dem sich der Name  Mozambique ableitet.

2/3 der Insel stehen komplett unter dem UNESCO Weltkulturerbe. Unterschiedlichste Kulturen sind sich hier begegnet und haben sich wechselseitig beeinflusst. Europäer, Inder (vor allem aus Goa) , Afrikaner, Araber und Perser gaben sich ein Stelldichein.

Zuerst besuchen wir den alten Friedhof wo Christen, Muslime und Juden friedlich nebeneinander ruhen.

Der grösste Teil der ca. 7000 Einwohnern leben im Stadtteil Makuti, der dicht besiedelten Lehmstadt. Hier wohnen Insulaner zwischen baufälligen Mauern, Schutt und Verrottung, die Kinder sehen verwildert und schmutzig aus. Soviel Armut haben wir bis jetzt nur in Ethiopien gesehen.

Die Armut hält der Lebensfreude stand, die Kinder posieren gerne für Fotos und finden immer Gegenstände zum Spielen.


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Der erste Eindruck der Altstadt (Steinstadt) ist eher ernüchternd. Schäbig, verkommen, verfallene portugisische Pracht in allen Ecken und Enden.

Wir bleiben 2 Tage. Plötzlich entdeckt das Auge zaghaft renovierte Gebäude, Schnitzereien und Ornamente und wir entdecken die Einzigartigkeit der Insel. Es gibt viel über die „ jlha“ zu schreiben, ich will euch aber nicht langweilen mit Jahreszahlen und Eroberungen.

Kirche Fort Santo Antonio, sie wurde mehrmals zerstört und 1969 neu aufgebaut.

Das Fort Fortaleza Sao Sebastião wo die Portugiesen den Holländern, Engländern und Arabern mehrfach trotzen.

Gouverneurpalast, das restaurierte Prachtstück auf dem Hauptplatz. Heute ist der Palast ein Museum mit alten Möbeln, Porzellan, Teppichen und Gemälden. In gutem Tempo machen wir eine Führung durch die Geschichte der Seefahrt.
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Der doch 1000 km lange Umweg nach Norden hat sich aus unserer Sicht gelohnt. Die Insel bewegt und gefällt uns.

2 Fahrtage liegen vor uns. Ca. 820 km sind zu fahren bis Quelimane. Das erscheint auf den ersten Blick nicht viel. Ohne Autobahnen, Strassen mit Löchern, Menschen, Velos und Motorrädern unterwegs brauchen wir 13 Stunden.

Der Norden ist die Region der grossen Cashew Bäume. Wir kaufen geröstete Nüsse am Strassenrand – sie sind so fein und haben so viele Kalorien!

Cashew Frucht mit Nüssen

Müde, erschöpft und hungrig kommen wir in der Zalala Beach Lodge an – sie ist geschlossen. Wir dürfen aber unter den Pinien campen. Der erste Eindruck ist schlecht, doch dann wird die Toilette und Dusche gereinigt, wir bekommen Strom für unser Auto und zu guter letzt kommt der Besitzer Pietro zur Begrüssung. Er hat 25 Jahre in der Schweiz gearbeitet, im Schweizerhof und Bucherer in Luzern und spricht als Portugiese ein perfektes Schweizerdeutsch.

Als Krönung der Woche kommt das langersehnte Baden im indischen Ozean.

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Fazit der Woche: Wir brauchen immer etwas Zeit um im neuen Land anzukommen. 

 

 

 

 

4.-11.10.2021 Malawi Adee

Es passiert nicht viel diese Woche. Unsere Wunschpunkte für Malawi haben wir gesehen und genossen, jetzt heisst es die 650 km südwärts zurück nach Blantyre zu fahren.

Unser 16. Grenzübertritt in Afrika steht an, Vorbereitungen müssen getroffen werden.
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Wir sind im Haus von Gert in Blantyre eingeladen, er führt uns in die Gourmet Kultur der Stadt ein, macht eine Stadtrundfahrt mit uns und erzählt uns viel über die Geschichte von Malawi. Danke Gert, schön dich zu kennen.
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Auch das ist Malawi, Restaurant in Blantyre 

Unsere Wunschgrenze ganz im Süden von Malawi können wir nicht nehmen weil beim Grenzort keine Visa für Mozambique ausgestellt werden. Die M-Botschaft in Blantyre kann uns nicht helfen, sie bräuchten 2 Wochen für das Visa. Für Abklärungen brauchen wir ein paar Stunden, ein paar weitere und USD 200 kommen für den Covid Test dazu. PS: Auch doppelt und dreifach geimpfte benötigen einen PCR Test beim Grenzübertritt.
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St. Michaels Kirche 

So vergehen die 2 Tage in Blantyre im Nu. Mit einem Sack voll Tipps und Ideen für Mozambique fahren wir Richtung Grenze nach Mulanje.
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Alles ist für den Grenzübertritt parat, Pässe, neg. Covid Test, altes und neues Carnet – da kann eigentlich nichts passieren.
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Kann doch!
Wieder müssen wir uns mit Problemen (Schikanen) beim Landeseintritt auseinander setzten. Die Chefin der Migration braucht 1 Stunde, bis wir das auszufüllende Formular erhalten, dann 2 weitere Stunden, bis der Stempel in unsere Pässe geknallt wird. Der Herr, der in unser Carnet das Datum, seine Unterschrift und einen Stempel einsetzen muss, eine Sache von 1 Minute, will Bearbeitungsgebühren. Die Haftpflichtversicherung können wir problemlos anschliessen, für die Strassengebühren werden USD 140 gefordert. Niemand spricht englisch und wenn, nur ein paar Worte. Ich diskutiere mit dem Strassen-Chef per Telefon, er versteht mich nicht, ich verstehe ihn nicht – dann lüpft es Werni den Hut, er holt all seine Kraftausdrücke hervor – er will zurück nach Malawi und Mozambique auslassen.
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Diesmal behalte ich die Nerven, gehe nochmals ins Büro der Strassentaxe zurück und lächle den Herrn, der kein Wort englisch spricht, so charmant es halt geht, an.

Ich hole all meine spanisch und italienisch Worte aus meinen Hirnzellen, zeichne fehlende Worte auf einen Zettel, gebe alles – und siehe da, wir treffen uns nach langem parlaren bei USD 20 für 30 Tage Mozambique. Mit Papier und Quittung in der Tasche treffe ich einen immer noch aufgelösten Werni mit Kopfschmerzen und voller Nase an.

Wir sind drin, in Mozambique! Wir kaufen eine SIM Karte, füllen sie mit Giga, sie funktioniert nicht. Wir fahren bis zur Stadt Mocuba, versuchen 1 h lang an verschiedenen Bancomaten Metical zu bekommen, finden das heruntergekommene, einzige und furchtbare Camp (passt zum heutigen Tag) und legen uns um 19 h erschöpft und frustriert ins Bett. Ich habe ein Deja vu, es war vor 5 Wochen beim Eintritt nach Malawi genau so schwierig. Mit Hoffnung, dass die Welt morgens in Ordnung sein wird, schreibe ich das heutig Erlebte nieder, setze die Kopfhörer ins Ohr und lausche der Guten Nacht Geschichte „die Australierin“.

 


Malawi:
Landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich, See und Berge wie zu Hause, tolle Übernachtungsplätze, feines Essen, Menschen und Abfall überall, ein Reiseland das gefällt!

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Unsere gefahrene Route.

 

Fazit der Woche: Ganz im Zeichen des Grenzübertritts 

 

 

 

27.9.-04.10.2021 .. hoch hinaus..

Myriam erzählt uns in gutem Englisch aus ihrem Leben. Sie ist 54 Jahre alt, hat 2 erwachsene Kinder, einen Enkel und arbeitet als „Frau für alles“ im Vwaza Camp für USD 60 im Monat. Ihre grösste Herausforderung bis heute war, das Studiengeld für ihre Kinder aufzutreiben. „Zum Glück sind sie heute selbständig,“ lacht sie.

Zeitaufwändige 130 Rumpelkilometer fahren wir durch Miombo Wälder auf das Hochland des Nyika-Nationalparks.

Das Plateau auf 2300 Höhenmeter besteht aus hügeliger Graslandschaft mit krautigen Pflanzen und über 200 verschiedenen Orchideenarten. (Blühen zur Regenzeit)

Gestört wird das Ökosystem des Nationalpark durch das Adlerfarn, das durch Europäer eingeschleppt wird.

Löwen, Leoparden, Steppenzebras, Elefanten und viele Antilopenarten sollen hier rumziehen. Wir bekommen Campbesuch von einem Streifenschakal, Pferde- und Buschböcken.

Raben fliegen über unser Camp und versuchen, unsere Esswaren zu klauen. Eine 3 stündige Wanderung gibt uns einen schönen Eindruck über Flora und Fauna. Immer wieder fliehen Buschböcke vor uns. Wir sind alleine auf weiter Flur und nur Tiergeräusche unterbrechen die Stille.

Schmetterlinge in bunten Farben flattern umher und auf dieser Höhe haben wir keine Plaggeister die gierig unser Blut anzapfen.

Der Wecker schrillt früh, wir sind ausgeruht und parat für eine buckelige und schlechte Bergetappe über 125 km wo wir 1800 Höhenmeter talwärts fahren.

Die Piste fordert Wernis volle Aufmerksamkeit, steinige Abschnitte wechseln mit tiefen Rillen, selten kann im 3. Gang gefahren werden, und wenn, doch nur für sehr kurze Abschnitte. Keiner unserer Wirbel erfühlt sich noch am richtigen Platz – wir muten uns und Bänzli viel zu. Wir benötigen für die 125 km 6.5 Stunden ohne Pause.
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Trotzdem nehmen wir uns Zeit, Zebras, seltene Blumen und die Natur aufzusaugen. Die Landschaft erinnert uns zeitweise an das Napfgebiet. Hundemüde erreichen wir nach weiteren 90 Asphalt km die Stadt Karonga. Wir sind uns einig, der Ausflug auf die Hochebene hat sich gelohnt.

Wir sind im Norden von Malawi, 430 km von unserer geliebten Kisolanza Farm in Tansania entfernt. Sollen wir einen Blitzbesuch machen?

Unsere Herzen schreien jaaaaa – unsere Vernunft ganz klar nein. Unser Carnet de Passage verfällt am 14. Oktober und das neue Carnet wartet in Blantyre (im Süden Malawis) auf uns. 2 Covid Tests, 2×2 Visa, Autoversicherung und Strassentaxen müssten organisiert werden. Der Aufwand für 4 Tage Besuch ist uns zu gross – oh wie wir unsere Kiso Freunde immer noch vermissen.

Im Hupe Führer steht, ich zitiere:

Von Chitimba steigt die berühmte Serpentinenstrecke Longmuir oder Gorode-Road nach Livingstonia. In 20 Haarnadelkurven erklimmt die unbefestigte Strasse 800 m Höhenunterschied in 10 km.  An vielen Stellen wird der Serpentinenweg regelmässig fortgespült und die Erdstrasse ausgewaschen wie ein Bachbett. Für LKWs ist die Strasse verboten, für PKWs zerstörerisch und selbst für einen Geländewagen eine Tortur.

Wir haben auf der Mushroom Farm mit Annabel und Camil aus Frankreich abgemacht – es bleibt uns nichts anderes übrig als die Serpentinenstrasse hochzufahren. Ich weiss nur eines, ich als Fahrerin hätte NULL Chance, bin ich glücklich hat Werni den Plausch an solchen Herausforderungen.

Alec erzählt uns viel über seinen Gemüsegarten und führt uns in das Grundwissen der Permaculture ein. Er ist Biogärtner aus Überzeugung, wir bekommen frischen Gartensalat auf den Teller.

Au revoir Anabel und Camil, bon voyage!

Auf dem Bergplateau steht die aus der Kolonialzeit von schottischen Missionaren entwickelte Station Livingstonia mit einem Krankenhaus und Schule. Die Secondary School erinnert mit den Arkaden mehr an eine Klosteranlage als an eine Schule.

Leider überlässt man die vielen schützenswerten Gebäude wie Kirche, Clock Tower, Stone House usw. ihrem Schicksal, der frische Geist der früheren Pioniere ist verschwunden, der Zerfall deutlich sichtbar.

Es leben heute noch etwa 10‘000 Menschen auf dem 6 km2 grossen Areal.

Wir besuchen das Museum, die Vitrinen sind ohne Licht, alles ist verwahrlost, schade schade.

In den Viphya Bergen sind grossflächige Kiefernwälder angelegt. Viele finden hier Arbeit im Forst und Bergurwälder erholen sich langsam. In der Luwawa Forest Lodge stehen wir mitten im Wald und Berghüttenromantik kommt auf.

Wir wandern 12 km durch die Berge, in treuer Begleitung des Lodge Hundes. Die letzten km kommen wir alle drei auf den Hund!

 

Fazit der Woche: Wir sind begeistert vom Hochland. 

 

 

 

20.-27.9.2021 …Sand, Wellen, Wind …

Entlang dem Malawi See fahren wir schöne Camps an. Meerstrand-Feeling kommt auf, der See lädt zum Baden ein. Wir sind keine wirklichen Strandurlauber mehr. Der braune Taint ist nicht mehr wichtig, der Schatten ein gesuchter Platz, im Liegestuhl schmerzt der Rücken und Langeweile kommt schnell auf.
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Der Malawisee ist der drittgrösste See Afrikas und der vierttiefste der Welt. Er nimmt einen Fünftel der Malawi Fläche ein. Von den 500 Fischarten sind bis zu 95 Prozent endemisch und die Unterwasserwelt stellt ein Naturparadis dar. Werni ist kein grosser Schnorchler und meine Dioptrin Augen würden wohl verzweifelt nach Fischen Ausschau halten.
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Das Passagierschiff Ilala kursiert vom Süden nach Norden und zurück in 6 Tagen. Mit 500 Passagieren an Bord ist die Fahrt mit der Ilala ein besonderes Erlebnis und darf auf keiner Malawi Reise fehlen. Man schläft auf dem Deck oder bucht eine stickige Kabine und beobachtet das hektische Treiben bei den Anlegestellen.
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Wir entscheiden uns gegen die Fahrt und somit gegen den Besuch der Insel Likoma. Einer der Gründe ist das komische 🦠, ein weiterer der Wellengang (im September herrscht teils starker Wind).

Im Ngala Beach Camp stehen wir auf einer Wiese direkt am See. Patricia und Dan führen das Camp mit viel Wissen, Weitsicht und Herz. Wir sind auf eine private Party am Strand eingeladen.
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Noch nie habe ich eine so üppige Bar im Freien angetroffen, die Drinks lösen die Zungen, es wird viel erzählt, Adressen ausgetauscht – und es wird spät wie schon lange nicht mehr.
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Gemütlich fahren wir weiter Richtung Norden. Cassava auf Deutsch Maniok ist die Grundlage für eine Vielzahl von Produkten, darunter Lebensmittel, Mehl, Tierfutter, Alkohol, Stärke zum Leimen von Papier und Textilien usw.
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Es grünt – Mais, Maniok, Süsskartoffeln und Bananen werden grossflächig angebaut und die Landschaft erinnert uns fest an Ruanda. Mangobäume stehen überall und begleiten unsere Fahrten.

Mzuzu liegt auf 1300 m Höhe und ist die Universitätskapitale des Nordens. Die freundliche Atmosphäre gefällt uns und wir finden einen Übernachtungsplatz mit italienischem Restaurant und Koch! Mhhh so lecker!
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Die Nationalblume von Malawi werden die blauen Plastiksäcke genannt die überall liegen, und ich meine überall. Das Land ist gefüllt und vermüllt mit Plastik und unser europäisches Sortier- und Mülltrennherz blutet ob der Achtlosigkeit.
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Da hat der amtierende Präsident Lazarus Chakwera noch viel Arbeit vor sich, nicht nur was die Nationalblume betrifft.
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Im Vwaza Marsh Wildreservat stehen wir alleine am See und beobachten Hippos, Krokodile, Störche und viele weitere Vogelarten. Zwischen den Ana- und Leberwurstbäumen knackt es – eine Herde Elefanten hat Durst.
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Die NP von Malawi können nicht wirklich mithalten mit den Nachbarländern – doch gerade die Wildnis und Unberührtheit gefällt uns. Und laufen über 50 Elefanten als National Geografie Film an unseren Campingstühlen vorbei, sind die Eintrittsgebühren jeden Rappen wert.

 

 

Fazit der Woche: Genug Sand, das Hochland wartet. 

 

 

13.-20.9.2021 … es wimmelt ….

Es wimmelt überall von Menschen!

In Malawi leben 19.5 Mio Menschen auf 118‘000 km2 Fläche. Malawi zählt zu einem der dichtesten bevölkerten Länder Afrikas. Im Süden ist die Dichte am stärksten da 18 Prozent in Städten leben.
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Das Fischerdorf Chembe liegt am legendären und sehr touristischen Cape Maclear. Hier reihen sich Tauchschulen, Beach Bars und Campinganlagen neben einfachen Fischerhütten.

In den 80iger Jahren ist Chembe das Dorado junger Rucksackreisenden die dem illegalen Haschisch und Marihuana Konsum frönen.
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So wundert es nicht, dass laute Barmusik unseren Schlaf stört. Wir treffen Anabel und Camil aus Frankreich wieder, neben Camil habe ich im Chobe in Namibia schon Wäsche gewaschen. Es gibt viel zu erzählen. Wir werden in der Nacht ausgeraubt, unsere Videokamera ist weg sowie Wernis Rasierapparat. 2 Security Männer bewachen das Camp, es ist warm, wir lassen die Türe einen Spalt offen und schwups – sind wir beraubt. Selber schuld ist unser Resümee – wir müssen einfach vorsichtiger sein.
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Die Mua Mission ist geprägt durch das künstlerische Gespür von Pater Boucher, einem Belgier. Er macht interessante Führungen und fordert die Besucher auf, sich mit verschiedenen Religionen und der eigenen Kultur auseinander zu setzen.
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Leider erleidet der Pater kürzlich einen Hirnschlag. Seine kreative Hand der letzten fünf Jahrzehnte mit viel Liebe zum Detail ist in der Kirche, im Museum, im Camping und im Restaurant ersichtlich.

Das Chamare Museum ist das Glanzstück der Mission. Bereits von aussen ist die Geschichte Malawis in beeindruckenden Wandmalereien festgehalten. Costa kocht für uns ein feines Rindsvoressen, zum Frühstück werden wir eingeladen.
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Über den Golomoti Pass erreichen wir das auf 1550 Meter gelegene Kleinstädtchen Dedza. Auf dem Weg verkaufen „Golomoti-Carvers sehr hübsche, selbst gebastelte Autos, Helikopter und Velos aus Weichholz. Bis ins Detail mit viel Feingespür sind die Stücke gebastelt so dass ich dem Kauf eines Velos nicht widerstehen kann.
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Die Deza Pottery Lodge weiss, wie man Gäste warm Willkommen heisst. Die grosse Töpferei läuft auf Sparflamme weil die Gäste fehlen. Es wird uns immer wieder bewusst, was Covid in den armen Ländern anrichtet – trotzdem versuchen die meisten, die Betriebe aufrecht zu erhalten.
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Mein Bauch meldet immer „Alarm“ wenn wir in eine grosse Stadt reinfahren. In Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, tümmeln sich Massen von Menschen, reihen sich Autos 3 spurig in Blechlawinen ein, wollen alle etwas von uns, von Essen, Geld über kühle Drinks und der Geräuschpegel lässt meine sensiblen Ohren jammern.
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SPAR, Food lovers, Shoprite – ein Supermarkt reiht sich an den anderen in modernen Shopping Centers wo alles erhältlich ist in guter Qualität. Vorräte auffüllen, Philipp Rasierer mit europäischen Kabelanschluss kaufen, Geld wechseln, Giga füllen – und nichts wie weg! Ich bin definitiv stadtuntauglich.

Über schöne Berglandschaft, leider etwas dunstig, stoppen wir in einem kleinen Dorf um meinen Jeansjup nähen zu lassen. Innert Minuten sammeln sich Kinder um uns und beobachten die „Mzungus“. Der Schneider verlangt 50 Rappen.
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2 mal stoppen wir weil Gospel Chöre auftreten. Wunderschöne Stimmen mit viel Rhythmus im Arsch begeistern sie uns, wir haben 2 CD‘s mehr an Lager.
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Das staatliche Ntchisi Waldreservat schützt die letzten natürlichen Bergurwälder vor zügelloser Abholzung. Dichter Nebel vermiest uns die geplante Wanderung durch die Berge und Wälder.

Auf unserer Fahrt zurück an den Malawi See kommen wir der Dorfbevölkerung nahe und dürfen Teil eines Sonntagsfestes sein.
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Das sieht doch ein bisschen aus wie „Älplerchilbi“ auf malawisch?

 

Fazit der Woche: Soviel Kultur haben wir schon lange nicht mehr gesehen. 

 

 

 

 

6.-13.9.2021 Berge und See

In 132 km umfahren wir das Kratermassiv Mulanje. 69 km davon ist unebene, schmale und teils steinige Piste die wir grösstenteils im ersten Gang fahren mit durchschnittlich 25 km/h.

Kleine Dörfer reihen sich wie Perlen einer Kette aneinander, unzählige Fahrräder holpern und spuren sich durch den Sand, es wird gezimmert, repariert, geschneidert, gekocht, gesungen und gelacht.
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Frauen verkaufen ihre 6 aufgetürmten Tomaten, tragen Lasten auf den Köpfen und Kinder spielen und vergnügen sich mit nichts.

Ein weiblicher Gospel Chor verkauft uns ihre neuste CD.
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Mit christlichem Sound hüpft und holpert unser Bänzli Kilometer für Kilometer vorwärts. Die Kraterspitzen als Begleiter auf der linken Seite – Mais, Sorghum und Teefelder auf der rechten Seite –
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erspüren wir das einfache Leben der hiesigen Bewohner. Immer wieder halten wir an und versuchen ein paar Worte zu kommunizieren – wenn das nicht geht verrenken wir unsere weissen Körper zum Rhythmus der Gospel-Musik bis alle schallend lachen. Wernis Hüftschwung wird immer besser – er entwickelt sich zum echten Tanzbären.

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Wir schlendern durch einen lokalen Markt. Ein buntes Baumwolltuch füllt neu meinen Schrank, ich probiere ein Mini-Schweinestück gegart in Fett am Strassenrand….
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…und Werni beschäftigt den Schneider mit Flickarbeiten. Wir sind wieder in unserem geliebten, tiefen Schwarzafrika angekommen.

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boNGO heisst ein im Jahr 2007 gegründetes Vorschulprojekt. Vier junge Idealisten (Schweiz, Tschechische Republik, USA und Malawi) träumen von Entwicklungszusammenarbeit und nicht von Entwicklungshilfe.
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Justin, einer der Gründer, erklärt uns das Projekt von A – Z. Vier Kindergarten sind initiiert (Umgebung Blantyre) – zwei davon dürfen wir besuchen. Da hocken die 3 bis 6 jährigen still auf dem Boden und lauschen aufmerksam der Stimme der Lehrperson (ebenfalls auf dem Boden hockend.)
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Die Vorschule ist gratis, die Mütter der Kinder helfen beim Reinigen der Schulzimmer, beim Kochen, Nähen, Reparieren und überall dort, wo Hilfe benötigt ist.

Mit grossen Augen werden wir gemustert, selten erreicht uns ein scheues Lächeln. Bis die Kinder in die staatliche Primarschule kommen, können sie lesen, ihren Namen schreiben und haben Vorkenntnisse in Zahlen.
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Es wird Wert auf Hygiene wie Zähne putzen gelegt und dass Abfall in den Eimer gehört.

Madlen aus Stansstad war zwei mal hier als Volontärin, durch sie werden wir auf das Projekt aufmerksam.
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Silvia und Marco, ein italienisches Paar, lebt seit 11 Jahren in Zomba und betreibt das B&B Casa Rossa. Italienisches Essen – nichts wie hin! Wir schlemmen hausgemachte Ravioli als Vorspeise, Pizza als Hauptspeise und selbst gemachtes Mocca Glace als Dessert. Grazie!
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Weitflächig wird auf dem Zomba Plateau Wald gerodet. Motorsägen brummen über Kilometer, das geplante Camp ist furchtbar, das Bergweltflair verdorben. Frauen tragen über viele Kilometer 50 kg schwere Holzbündel auf dem Kopf zur nächsten Verkaufsstelle.
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Der Liwonde NP ist laut „Hupe“ der Schönste in Malawi. Und Frau Hupe hat recht. Entlang dem Shire River entdecken wir sehr viele Tiere,
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der Fluss spendent Wasser für saftige Grasflächen und schöne Mischwälder bieten den Tieren Schutz.
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Das Beste kommt aber in der Nacht. Es knackt und rasselt um unser Auto. Eine 8 köpfige Mädelsherde (Elefanten) mit ihren Jungtieren scheinen den Baum auffressen zu wollen, unter dem wir stehen. Wir sind umkreist, sie stehen 2 Meter neben unserer weit geöffneten Schiebetüre. Leise atmend, jede Bewegung meidend, beobachten wir die Kolosse bis sie nach 1 h friedlich weiterziehen.
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Dieser Stein wurde der Legende nach 3 mal versetzt und 1 mal zertrümmert um die Strasse geradeaus bauen zu können. Am nächste Tag stand der Stein immer wieder am alten Standort. Die Strasse zeichnet jetzt eine Kurve.
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Umkreist man den Stein 3 mal, klopft auf ihn und pfeift dabei, soll künftig etwas aussergewöhnliches passieren. Da sind wir ja gespannt!
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Am Wasser ist es immer schön und gehört man von der ersten Minute an zur Familie wie bei Leonie und Taffy kann der Start mit dem Motto „Entang dem Malawi See“ gar nicht schöner sein. Taffy’s Geburtstagsparty wird heute gefeiert (69 Jahre) und wir sind adoptiert. Sundowner Bootstour,
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… Apero am Strand, Nachtessen am Freundestisch, Jägermeister als Schlusstrunk – wir fühlen uns so was von willkommen und integriert.

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3 km dem Strand entlang laufend, die Lokalen beobachtend beim Waschen, Baden und Geniessen, nehmen wir die Einladung von Gert an. Er hat einen Doppelpass, Südafrika/Deutschland, ein schönes Haus am See und spricht Deutsch. Wir bekommen viele wertvolle Tipps für die Weiterfahrt. Seine Hühner sind sein Stolz, alle tragen sie Namen der Königsfamilie aus UK. Diana, Andrew, Elisabeth usw. Es müssen ja nicht immer Elefanten sein😀.
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Fazit der Woche: Malawi erobert unsere Herzen 

 

30.8.-06.09.2021 Transit Mozambique

Und wieder wird das Röhrchen tief ins Nasenloch gebohrt! Am nächsten Tag können wir unseren Negativen Covid Test abholen. Um 2 Grenzübertritte mit 1 Test abzudecken, bleiben uns 72 Stunden, um durch Mozambique die 550 km bis zur Grenze Malawi zu fahren. Jetzt heisst es Gas geben!

Hier noch eine Bestätigung, dass die Welt ein Dorf ist. Vor dem Covid Labor in Mutare spricht uns Urs Schaffner an, ein Schweizer, der seit 15 Jahren mit seiner Frau in Zimbabwe lebt und arbeitet. Seine Tochter Angela arbeitet bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee und wohnt in Luzern. Falls jemand Angela kennt oder trifft – lasst sie grüssen von uns.
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Angela (rechts) mit ihrer Schwester

Und noch eine lustige Geschichte. Wir bekommen Post vom Brändi aus Horw. Sie haben das veröffentlichte Bild von Tanja auf Instagram mit dem Elefanten vor dem DogSpiel gesehen und darauf reagiert.

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Herr Tambadini, der schon dafür sorgte, dass wir nach Zimbabwe einreisen durften sorgt auch wieder für ein reibungsloses Ausreisen. Danke Herr Tambadini! Für Mozambique haben wir die nötigen Papiere parat und nach 2 Stunden fahren wir auf einer perfekten Strasse mit Strassenlampen Richtung Chimoio.
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Was als erstes auffällt in Mozambique
: Wir fahren durch dicht besiedeltes Gebiet, es wird Portugiesisch gesprochen, die Mädchen tragen lange Röcke als Schuluniform, es wird nicht zurück gewinkt, es gibt viele Polizeikontrollen, der Strassenrand ist der Marktplatz (auch Ratten stehen im Angebot.)

In 430 km fahren wir nordwärts durch vermüllte Dörfer nach Tete. Plastik, Dosen, Papier, PET – der ganze Abfall begleitet uns als Schmutzallee. In der Stadt campen wir unter besonderer Obhut, Jesus é bom, heisst der Platz direkt am Ufer unseres alten Freundes Sambesi.
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Brücke bei Tete über den Sambesi Fluss

Die Villa Habsburg in Tete hat uns zwar zu spät aber doch noch eine Buchungsbestätigung für den Grenzübertritt nach Mozambique zugestellt. Wir fahren hin um danke zu sagen und zu frühstücken. Was für ein schöner Betrieb. Alles sauber, alle nett und das Frühstück ist sehr fein.
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Mit Speck, Wurst und Spiegelei im Magen liegt das Ziel Malawi gute 80 km vor uns. Exit Mozambique verläuft problemlos, der Eintritt nach Malawi braucht Nerven.

Schon der erste Beamte schüttelt den Kopf, die zweite Beamtin erklärt uns, dass Touristen nur mit einem E-Visa einreisen können. (Die Beantragung dauert 3 Tage). Dann kommt der Big Boss! Mit gespreizten Beinen hockt er, einen Schlüsselbund drehend, mit seinem arroganten Eierkopf auf einem Stuhl und schüttelt den Kopf. Argumente, speziell von weiblicher Seite, werden nicht geduldet, er droht uns nach Mozambique zurück zu senden.

Wir sitzen demütig auf der Holzbank und warten. Nach 3 h kommt das Oberarsch mit einem Schreiben, dass wir die Erlaubnis haben, die Visa beim 75 km entfernten Internationalen Flughafen Chileka anzufordern. Yusuf ist unsere Kontaktperson am Flughafen und er fragt vorab schon mal an, wieviele Dollars er extra bekomme für seine Dienste. So offen ist uns Korruption noch nie begegnet und verdirbt uns unserern ersten Tag in Malawi.

In Blantyre lässt ein Gin/Tonic die Stimmung etwas anheben obwohl wir inmitten einer Schutthalde übernachten. Malawi – das kannst du hoffentlich besser!
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Was als erstes auffällt in Malawi: 
Es ist sehr sehr dicht besiedelt, es herrscht Geschäftigkeit, nur wenige tragen Masken, fast kein Müll der Strasse entlang, die Felder sind bestellt, es ist bergig und schön, wir sehen Moscheen.
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Über saftige Teeplantagen erhebt sich das Vulkanmassiv als Inselberg bei Mulanje. Bis zu 3000 Meter Höhe erheben sich die zum Teil gut sichtbaren Kraterwände und Gipfel.

Im Golfklub herrscht Feststimmung. Blumen, Festgarnituren und Geschenke stehen parat. Eine muslimisch-christliche Hochzeit lässt neben den geladenen Gästen in Festkleidung die Dorfbevölkerung in Werktagskleidung teilnehmen.
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Von Mädchen bis Knaben, Kindern bis Greisen, Pfarrer bis Arbeitslosen, XS bis XXL  – alle schwenken ihre Körper rhythmisch zum Sound des DJ‘s – es herrscht Lebensfreude pur!
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Eine leckere Pizza rundet den Tag ab, Malawi kommt uns näher.
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Fazit der Woche: 2 Grenzübertritte in einer Woche ist einer zuviel.

23.-30.08.2021 Auf Abwegen

Durch Eukalyptus- und Pinienwälder schlängelt sich die asphaltierte Strasse über fast 1000 Höhenmeter zum Dorf Chimanimani. Die Bahnhofstrasse haben wir schnell gesehen, immerhin kann Werni Herrensocken kaufen.
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Bahnhofstrasse von Chimanimani

Die Chimanimani Bergkette bildet die Grenze zwischen Zimbabwe und Mozambique.
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Der Mount Binga, 2436 Meter, ist der zweithöchste Berg von Zimbabwe. Wir sind zu wenig fit für die 8 stündige Wanderung.

Mit dem Führer Colin laufen wir eine Runde im Gebiet „Corner Point“ und fahren dann die „Panoramastrasse“ zum nächsten Schmuggler Grenzdorf Cashel.
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Hier wird Wald im ganz grossen Stil gerodet und nicht mehr aufgeforstet.
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Pinienwälder verschwinden und zurück bleiben ausgebeutete Hänge mit der eingeschleppten und unerwünschten B-Pflanze, die sich unkrautmässig rasant ausbreitet.
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Vor 15 Jahren ist das Hotel „Hot Spring“ umgeben von Glanz, Delikatesse, Noblesse und Therme. Der einstige Glanz ist immer noch ansatzweise sichtbar.
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Nach mehreren Pächtern übernimmt der Staat die Therme und wie immer, wenn die weissen Hände und die umsichtigen Augen verschwinden, ist es vorbei mit der Wartung der Anlage.
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Innert Jahren verwildert und verschmutzt alles, die Gäste bleiben aus.
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Auf dem Weg zum botanischen Garten Vumba wandern wir auf den Mount Beacon.
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Eine herrliche Rundsicht auf 1800 Meter Höhe und eine Windradleiche erwarten uns auf dem Gipfel.

Das Windrad, ein NGO Projekt, war 1 Jahr im Einsatz und ruht sich seit 3 Jahren liegend aus.

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Tony‘s coffee shop mit seinen Kuchen liegt am Ende der Welt. Werni schmatzt an einem Schokoladen Kuchen mit einem Wiener Kaffee und bezahlt dafür USD 21.
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Tony ist ein spiritueller, feinstofflicher und trotzdem geschäftstüchtiger Veganer. Sein Wohnhaus mit integriertem Kaffee ist äusserst liebenswürdig eingerichtet. Alle Details passen, Blumen versprühen ihren Duft, Windspiele sorgen für positive Energie – wir fühlen uns pudelwohl bei Tony und verplappern uns.

Endlich wieder frei wandern! Werni als Karten- und Wegwanderer und ich als Bauchwanderin sind uns nicht immer einig, wo der Weg entlang führt. Und so geraten wir auf Abwege und stehen plötzlich im Dickicht des Regenwaldes. Wir kämpfen uns durch, zurück bleiben zerkratzte, blutende Beine und schöne Abenteuererinnerungen.

Nach 3 Stunden gönnen wir uns nochmals Kuchen und Kaffee bei Tony‘s. So lecker, so zuckersüss, so nährend dass wir unsere Hauptmahlzeit, das Nachtessen, streichen. Der Zucker kitzelt Stunden später noch im Kehlkopf. Ich schlafe mit „gluschtigen“ Gedanken an ein Salami-Canapé ein.

Nebel umhüllt mit seinen Schwaden die saftige Vegetation und vertreibt uns zur nächsten Stadt Mutare.

Unsere gefahrene Route in Zimbabwe.

Heute erfahren wir, dass die Landweggrenze zu Malawi geöffnet wurde. Jetzt haben wir ganz schön was zu studieren, wie unsere Reise weiter geht.

 

Zimbabwe: Eine bewundernswerte Bevölkerung als Überlebenskünstler, freundliches Grinsen von einem Ohr zum anderen das als Kontrast zum schwarzen Gesicht eine breite, weisse Zahnreihe freigibt. Abwechslungsreiche Landschaft mit tollen NP. Schönes Hochland das zum Wandern einlädt, oft Trinkwasserqualität vom Bohrloch, Inflation ohne Ende, Benzin und Lebensmittel problemlos erhältlich, keine einzige korrupte Polizeikontrolle in 3 Monaten.

 

Fazit der Woche: Zimbabwe du wirst uns fehlen.

 

16.-23.8.2021 Abschied versus Wiedersehen

Im Dorf Chiredzi dürfen wir für die Nacht im Park der Palm Tree Lodge übernachten. Der Manager samt Personal sind aufmerksam und freundlich. Ein Foto mit den Swiss Guests wird geschossen und all unsere Wünsche werden erfüllt. Sogar gratis Wifi erhalten wir, alle Updates können wieder mal geladen werden.
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Das
Savé Valley Conservancy fokussiert im speziellen auf den Schutz von gefährdeten Tieren, allen voran das Nashorn und der Wildhund. Er ist einer der grössten Privatparks Afrikas.

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Die Idee des Parks begann im Jahr 1920 mit Viehzucht. Im Jahr 1990 wurde das Areal in 15 Zonen unterteilt und beherbergt heute Landwirtschaft, Tierschutz und Jagd.

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Im schönen Humani Camp buchen wir ein Game Drive und lassen die Seele „la bambälä“. Wir besuchen Rocky, das Baby Nashorn, mit dem schmusen erlaubt ist.

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Die Birchenough Brücke führt über den Save Fluss und ist ein imposantes Bauwerk.

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Wir sind auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz. Im Mapari Rest Resort will niemand übernachten. Bei den Toiletten und Duschen blättert die Farbe der Wände ab, auf die WC Schüssel kann sich wohl niemand über 60 kg hinsetzen, (will auch niemand) die Armatur ist rostig, der Schmutz lagert sich überall in mindestens 3 Schichten. Die 3 dauerlachenden Angestellten verbessern die Situation nicht. Nichts wie weg!

In Chipinge geht die Suche weiter. Beim 3. Gästehaus finden wir einen geeigneten und passablen Unterschlupf.

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Nach fast 3 Monaten zusammen reisen trennen sich unsere Wege von Tanja und Marcel. Es war schön mit euch. Unzählige Dog Spiele, feine Nachtessen, schöne Gespräche gespickt mit viel Humor prägten unser Zusammensein. Wir rufen euch zu: „bis bald irgendwo.“

Wir besuchen Sue und Derek Olivier eine Fahrstunde von Chipinge entfernt. Wir kennen die beiden aus unserer Tansania Zeit.

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Sie leben und arbeiten inmitten von Tee-, Bananen-, Avocado- und Macadamiaplantagen.

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Die Macadamia hat ihren Ursprung in Australien. Sie gilt als die Königin der Nüsse. Schon die Aborigines schätzten diese Nuss als Nahrungsquelle. Die Macadamia gehört zu den kalorienhaltigsten und teuersten Nüssen der Welt.

Sue und Derek, beide in Zimbabwe geboren, verlieren durch das Enteignungsprogramm von Mugabe im Jahr 2001 ihr gesamtes Hab und Gut und flüchten einige Jahre später nach Tansania.

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Durch ein verlockendes Jobangebot kehren sie vor einigen Monaten nach Zimbabwe zurück. Ihre verheirateten 3 Kinder leben in UK – all ihre Freunde in Tansania.

Wir sind wenige Kilometer zur Grenze von Mozambique entfernt und die Bergweggrenze ist ein beliebtes Schmuggelgebiet.

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Eine 2 stündige Wanderung durch die Plantagen, durch Eukalyptus Wälder und entlang der Dämme beweist, es gibt in jedem Land schöne Ecken zu entdecken.

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Wir bleiben 3 Nächte bei Sue und Derek, einmal koche ich Röschti mit Zürich Geschnätzeltem, ein Mal werden wir mit einem super leckeren Lammcurry verwöhnt! The best ever!

Thank you so much Sue and Derek for your hospitality, we felt at home!

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Fazit der Woche: Abschied und Wiedersehen, beides weckt Emotionen