16.-23.3.2015 wir kommen uns näher

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Unsere Woche startet aktiv mit einer schönen Wanderung durch Sekundärwald. Honduras und wir kommen uns näher. Ein glasklarer Bach plätschert, der Haushund begleitet uns und gefühlt jeder 3. Baum ist mit rot/weiss/rot gekennzeichnet.

Es sind nur 200 Höhenmeter – aber es ist warm, sehr warm. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen.

Natürlich darf das Bad im Bach nicht fehlen.

Guillermo Anderson wird in La Ceiba hoch verehrt. Schon in der Schulzeit schreibt er seine ersten Gedichte und Lieder. In der vierten Klasse wird er amerikanischen Songwritern wie Paul Simon und weiteren vorgestellt. An der Universität California studiert er später Kunst, Musik und Schauspiel. Eine seiner wichtigsten Erfahrungen in dieser Zeit ist das zweisprachige Theater für Kinder mit Migrationshintergrund. Darum wähle ich als Filmmusik ein Kinderlied zu Ehren seines Schaffens. Er kehrt 1987 nach Honduras zurück. Als kreativer Kopf gründet er eine Künstlerbewegung und schafft den internationalen Durchbruch als Singer-Songwriter. In Europa tritt er in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, England und den Niederlanden auf. Er stirbt 2016 mit nur 54 Jahren in El Ceiba an einer schweren Krankheit.

An Ananas Plantagen, Palmöl und viel Abfall vorbei machen wir Halt in San Pedro Sula.

Das Verbotsschild hilft leider nichts! Basura = Abfall wird ganz selbstverständlich aus dem Autofenster geworfen.

Im Angeli Gardens dürfen wir gratis übernachten, es gibt selbst Gebrautes und den besten Hamburger seit langem.

Wann ist ein kühles Bier besser als an warmen Tagen?

In Copán kommen wir zum ersten Mal mit der Maya Kultur in Berührung.

Sie sind vor allem berühmt für den Anbau von Mais, ihre Mathematik und ihren hoch entwickelten Kalender, aber auch für ihre Kriege und Menschenopfer. Maya Stätten werden uns über die nächsten Länder bis hoch nach Mexiko begleiten.

Schon 1200 v. Chr. leben Menschen im Copàn Tal. Viel Später kommt eine Königsfamilie an die Macht, Mah K‘ina Yax K‘uk‘Mo‘, ein grosser Schamane und Gründer der Stadt. Weitere Könige folgen mit Namen wie Filzkopf, Mond-Jaguar usw.

Rauch-Jaguar ist einer der Grössten, er baut Copán zu einer wichtigen Militär und Handelsmacht aus. König Rauch-Muschel ist der grösste Bauherr von Copán. Er gibt die Hieroglyphen Treppe in Auftrag, es ist die längste Inschrift der Maya Kultur.

Der Untergang von Copán erfolgt durch das enorme Wachstum seiner Bewohner/Innen und der Lebensmittel-Knappheit. Grosse Waldgebiete werden abgeholzt, es folgen Erosionen, Murgänge, Überschwemmungen, Hunger.

Ein grosser Teil Honduras ist auch heute abgeholzt und mit Monokultur nur teils aufgeforstet. Die Mayas glauben, dass das Leben zyklisch verläuft und sich Geschichte stets wiederholt. Das würde die immer wieder kehrenden Kriege bis heute bestätigen mit dem Glauben, dass sie mit Waffen besiegt werden können. Schade ist der Mensch nicht fähig aus der Vergangenheit zu lernen.

Die Ruinenstätte wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts erforscht und gehört seit 1980 zum Weltkulturerbe UNESCO. Frühmorgens durchwandern wir Copán, sind beeindruckt von der Grösse, den verschiedenen Stelen, Tempeln, Gräbern, Höfen, Plattformen, Terrassen usw. immer umflogen von Scharlach-Aras.

Was für ein beeindruckender Morgen. Wir beschliessen eine weitere Schlaufe durch Honduras zu fahren. Das Städtchen Gracias gefällt uns sehr.

Seine Einwohner lachen, die Kinder spielen auf dem Hauptplatz, man grüsst sich, schöne Häuserzeilen zieren Kopfsteinpflaster Strassen und inmitten des grosszügigen Zentralparks schlürfen wir im zweiten Turmgeschoss Kaffee und beobachten das friedvolle Treiben.

Gracias, die Hauptstadt des Departamento Lempira, mit ca. 50‘000 Bewohnenden, hat sich Dorfcharakter bewahrt.

Die Uni werde rege von Frauen besucht und gar viele leitende Posten seien vom weiblichen Geschlecht besetzt. Emanzipation sei hier kein Fremdwort und der Biergarten des Restaurants Bavaria ist mehrheitlich von Frauen besucht. Das erzählt uns Franz aus Bayern der vor 30 Jahren Land in Gracias gekauft hat und eine Familie mit einer Honduranerin im 2002 gründet.

Ob die Emanzipation bei dieser Avocado Verkäuferin auch angekommen ist? Wieder setzen wir uns auf eine Bank im Zentralpark. Zwei Kinder beobachten uns mit verstohlenen Blicken.

Sie schauen uns an, grüssen höflich und fragen Werni: “Warum hast du keine Haare auf dem Kopf?“ Gute Frage, Glatzköpfe gibt es in Honduras keine, alle tragen sie dieses glänzend schwarze dichte Haar.

Die Festung von Gracias darf auch nicht fehlen, die Tabak/Zigarren Produktion in Santa Rosa auch nicht. Zigarren aus Honduras werden von vielen geschätzt, die Marke „Flor de Copan“ ist auch in Europa erhältlich und beliebt.

In der zweiten Reise-Woche sind wir Honduras näher gekommen, dazu haben schöne Begegnungen und die Mayas wesentlich beigetragen. Und hier noch etwas…

Ob es dieses Auto durch die Motorfahrzeugkontrolle in der Schweiz schaffen würde? Viele der Fahrzeuge fahren übrigens ohne Nummernschild.

 

Fazit Honduras: Ein bergig schönes Land mit liebenswürdigen Menschen. Wir haben uns immer sicher und wohl gefühlt trotz vielen uniformierten Waffenträgern wie Polizei und Militär. Eigentlich hat uns das Land gefallen wenn – ja wenn der Müll nicht wäre. Bei dieser Menge ist es schwer, ihn auszublenden sowie die schlechten Strassen die ca. 50 Prozent unserer gefahrenen ca. 1600 Kilometer ausmachen. 

 

 

Wochenfilm:

Musik: Guillermo Anderson, Arroz con Leche

 

 

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