2-9.10.2022, Wind

Zurück in Montevideo haben wir einiges zu erledigen. Wer denkt, hier in Uruguay klappt alles, hat weit gefehlt. So passen die für uns gedrehten Adapter-Gewinde trotz abgegebenen Muster nicht, eine Banküberweisung wird nicht gutgeschrieben und einige Kleinigkeiten mehr wollen geregelt sein. In allem sind die Urugayos hoch anständig, nett, sympathisch und hilfsbereit.

Wöchentlich kommen viele Wohnmobile aus Europa in Montevideo an. Grosse, sehr grosse, mittlere, kleine und sehr kleine Mobile – alle haben ihre abenteuerlichen Geschichten und Pläne im Sack. Wir geniessen es immer wieder, Reisende zu treffen, sich auszutauschen, ein paar Stunden zusammen zu sein. Im „Schweizer Paradies“ treffen wir auf eine ganze Horde netter Reisender und beim gemütlichen Zusammensitzen am langen Tisch kann man immer wieder Tipps in den Wohnmobil Alltag mitnehmen.

Es wird Frühling in Uruguay

Hier noch die Geschichte einer besonderen Liebe. Wo der Schimmel ist, ist auch das Schwein. Die beiden mögen sich einfach und sind immer zusammen. Galoppiert das Pferd davon erhebt das Schwein seinen massigen Körper und rennt hinterher. Was für eine Show!

Wie wäre es in einem Adler-Haus zu wohnen?

Das Haus El Aguila in Atlántida verdankt seine Existenz zwei Männern: Dem Millionär Natalio Michelizzi (einem Italiener) und dem uruguayischen Bauunternehmer Juan Torres. Am 1. August 1945 bittet Michelizzi den Architekten, für ihn eine kleine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria zu bauen. Als Michelizzi die künftige Kapelle sieht beschliesst er, sie zum Malen, für Empfänge und Drinks mit seinen Freunden zu nutzen. Im Laufe der Zeit wird ein Schlafraum, ein Bad und eine Küche hinzugefügt. Ohne architektonischen Plan und aus einer Laune heraus hat Torres den Kopf des Adlers erdacht und geschaffen. Der Adler ist mit Steinen aus der Region bedeckt.

Aufgrund der markanten Form des Adlerkopfes verbreiten sich Legenden, Mythen, Schauermärchen und Fantasien. So soll es als Observatorium für Nazi-Spione, als Schmuggler-Hauptquartier, als Folterkammer und sogar als Kanal für „kosmische Energie“ gedient haben.

Das Beunruhigendste an dem Haus ist jedoch, dass alle Nachbarn behaupten, vor allem in stürmischen Nächten durchdringende Schreie zu hören, die aus dem gespenstischen Inneren des Hauses kommen. Im Adlerhaus spukt es!

Leider kann man das Haus nicht von innen besichtigen, es zieht uns aber in seinen Bann und wir können durchaus bestätigen, dass es eine mysteriöse Energie ausstrahlt.

1896 verwandelt Antonio Lussich, Inhaber eines Bergungsunternehmens, 1800 ha Dürre in ein Wald- und Vogel Paradies.

Die Aufforstung hat zum Ziel, die starken Winde in dieser Region zu stoppen. Dafür kauft er Samen und Setzlinge aus aller Welt. Tausende von Pflanzen wachsen zu einem Grüngürtel, darunter gehören die Tamarix, Seekiefern, Eukalyptus und Acacia zu den Robustesten.

1979 gehen 182 Hektar in den Besitz der Gemeinde Maldonado über. Wir wandern durch die Wälder und besuchen das dazugehörige Baum-Museum. Es duftet herrlich nach Frühling.

In Punta Ballena halten wir für Stunden Ausschau nach Walen. Das Meer ist rau und es regnet immer wieder. Unser Auto wird vom heftigen Wind arg geschüttelt. Der Wind ist in ganz Uruguay das ganze Jahr über ein Thema. Tage ohne Wind sind ganz selten und man muss mit Herrn Wind gut befreundet sein will man hier leben.

Sprinter-Achterbahn fahren in El Tesoro macht so Spass, dass wir 2 mal über die Brücke fahren.

In José Ignacio sind wir noch 190 km von der Grenze zu Brasilien entfernt. Es regnet stark, ist kalt und sehr windig so dass wir unseren Kopf schon um 14 Uhr aufs Kissen drücken, Siesta sei Dank.

José Ignacio, einst ein Fischerdorf, ist heute der neue Hotspot der Reichen und Schönen. Millionäre, Milliardäre, Adlige, Stars und Starlets aus der ganzen Welt sind in den Monaten Dezember/Januar hier.

Dementsprechend reiht sich Villa an Villa und dazwischen steht ein Sprinter. Das Dorf lebt nicht, zur Zeit ist niemand hier, nicht mal die Wale. Wir verbringen eine kalte stürmische Nacht direkt am Meer.

Wir beschliessen, die Iguazúwasserfälle von der Brasilien Seite her anzufahren. Wir hören viel widersprüchliches über Brasilien, von „sehr gefährlich Warnung“ bis über „Lieblingsland in Südamerika.“ Und wie würde unsere liebe Irène in diesem Fall wieder raten? „He joo gööt go luege, denn wüsseters!“ Der beste Rat jeh – und genau das werden wir machen.

 

Fazit der Woche: Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

 

 

 

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