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Der Tag, an dem das Monsterfeuer die Bergstadt Jasper erreicht, ist für die Bewohner wohl die Hölle. Es beginnt im Juli 2024 mit Blitzeinschlägen. Hitze und monatelange Trockenheit verwandeln Kanadas grössten Nationalpark in ein Pulverfass. Innerhalb kürzester Zeit entfachen böige Winde das unberechenbare Feuer zu 30 bis 50 Meter hohen Flammenwänden. Ein unheimliches Tosen und Inferno rollt Richtung Jasper.

Am späten Abend des 22. Julis dann der Evakuierungsbefehl – Rauch, Tränen, zusammen packen, was wichtig erscheint, und so fliehen 25‘000 Menschen (Einwohner und Gäste) über den Highway 16 Richtung Westen. Stossstange an Stossstange schiebt sich die Autokolonne durch die verrusste Dunkelheit.

Am Mittwochabend durchbricht die Feuerwalze endgültig die Verteidigungslinien der Rettungskräfte. Inmitten des dichten Qualms explodiert eine Tankstelle, Häuserzeilen geraten nacheinander in Brand. Als der Morgen graut, liegt ein Drittel der idyllischen Bergstadt in Schutt und Asche. Das Feuer brennt tiefe Narben in die Natur und in die Herzen der Menschen.

Fast zwei Jahre später ist Jasper eine Riesenbaustelle.

Infrastruktur steht teilweise wieder, in einigen Quartieren wohnen Menschen immer noch in Modulhäusern als Notunterkünfte.

Im noch intakten Teil von Jasper tummeln sich wieder viele Reisende.

Souveniers, Restaurants, Wanderausrüstung, Touren – alles ist käuflich.

Uns packt Jasper nicht wirklich – ist es die Geschichte des Brandes die uns bedrückt?

„Krass“ ist das Wort des Mittwochs. Krass durch wieviele Kilometer wir durch toten Wald fahren.

Streifen von intaktem Wald stehen stramm, als ob nichts passiert wäre. Die kleinen Wunder der Natur.

Krass wie sich das Wetter innert Minuten ändert, von Schneefall über Nebel zu Sonnenschein – alles wird uns geboten.

Krass dass die Tierwelt den Weg zurück findet in ihr Stammgebiet.

Krass und erstaunlich wieviele Touristen es ausserhalb der Haupt-Saison bereits am Maligne See hat.

Er ist der grösste natürliche Gletschersee der kanadischen Rockies. In der Mitte des Sees liegt die berühmte Spirit Island, eines der meistfotografierten Motive Kanadas – allerdings nur per Boot erreichbar – leider startet die Saison erst am 29. Mai.

Der Icefields Parkway ist eine 232 Kilometer Fahrt durch Urgewalt der Natur. Wir wollen sie in Etappen fahren. Unser erster Stopp ist am Columbia Icefield. Hier schiebt sich die mächtige Zunge des Athabasca-Gletschers bis nah an die Strasse heran. Hier übernachten wir auch – krass – es ist so unglaublich schön.

Was für eine Bergwelt, was für eine Panoramastrasse. Die Kulisse aus ewigem Eis, schroffen Felsriesen und blau leuchtendem Schnee erleben wir bei strahlendem Himmel.
Ein Abstecher nach Nordegg ist ebenso fesselnd schön wie die Weiterfahrt auf der Original Route. Wildnis, tiefe Täler, 100 gewaltige Gletscher, dichte Nadelwälder säumen die perfekte Asphalt Strasse. Nur Bäri sehen wir keinen.

Dafür wieder die Schneeziege….

…. und den Ziesel der für uns neckisch posiert

Eine tief traurige und krasse Nachricht erreicht uns. Unsere Freunde Marian, Urs und Hündin Pina stürzen mit ihrem Reisemobil Kiboko 50 Meter in die Tiefe und überschlagen sich mehrmals.

Wie durch ein Wunder können die Drei fast unversehrt (Quetschungen, Finger- und Rippenbruch) geborgen werden, Kiboko ist leider Abbruch. Wie fragil das Leben und eine lange Reise sind, wird uns durch ihr Schicksal bewusst. Wir sind in Gedanken fest bei euch Marian und Urs und wünschen euch von Herzen gute Weichenstellung für die Zukunft.
Wer will an einem solchen Platz nicht campen?

Wir besorgen uns eine WIN Nummer online und kaufen den Camping Pass für 1 Jahr. Und voilà, jetzt dürfen wir ohne schlechtes Gewissen überall auf Crown Land stehen.

Krass wie schnell das Wetter wechselt. Eben sitzen wir noch mit kurzen Hosen am Abraham See um nur einige Kilometer höher wieder Jacke und Mütze aufzusetzen.

Wir verlassen vorerst den Icefields Parkway – wir wollen nicht am Wochenende in Banff sein und landen im beschaulichen Dorf Golden.
Fazit der Woche: Krass
Wochenfilm
Musik: PJ Surma, CD: My Canada, Stück: Jasper