6.-13.6.2026, …. chum Bäri chum…

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Wir haben eine „Mission“ in Whistler! Auf der Suche nach Kurt‘s Lieblingspullover….

…. klappern wir sämtliche Outlet-, Souvenir-,  Kleid- und High-Tech-Outdoor-Läden ab – leider erfolglos. KAID ist aus dem Sortiment gefallen. Wir verschieben die Suche auf NY, dort ist das Hauptgeschäft von KAID. Dank Kurt sehen wir, was zurzeit Mode und angesagt ist unter Sportlern – Zart-Pink, Hellblau und Vanille sind die Trend-Farben – auf dem Boulevard flanieren modebewusste, deren makelloses Wanderoutfit wohl noch nie einen Ast berührt hat.

2010 ist die Stadt Co-Gastgeber der Olympischen Winterspiele von Vancouver. Denkmal, Fotomotiv, sportliches Erbe, Siegerehrungen – ich spüre den Spirit der Sportler.

Whistler ist Schmuck und herausgeputzt – aber nicht der Ort für Overlander. Hier steht Bänzli zwischen glänzenden 250’000-Dollar-SUVs und Mountainbikern, deren Socken wohl mehr kosten als unser gesamtes Pfannensortiment. Schlafen im Camper ist streng verboten, wagst du es zu parken ohne Gebühren zu bezahlen wirst du gnadenlos abgeschleppt. Da sind wir gerade Augenzeugen – zum Glück ist es nicht Bänzli.

So oft habe ich ihn schon gerufen, „chum Bäri, chum“. Heute steht der Schwarzbär plötzlich vor uns – was für ein Glücksmoment. Löwenzahn lockt ihn an den Rand der Strasse. Tiersichtung und Beobachtung sind so berührende Momente im Overlander-Leben. Ca. 380‘000 Schwarzbären sollen in Kanadas Waldregionen leben. Die Tiere sind scheu, ergreifen schnell die Flucht. Statistisch gibt es weniger als 1 Todesfall pro Jahr durch Schwarzbären. Obwohl Vorfälle mit Grizzlybären ebenfalls selten sind, erhöhen sie die Zahl der Todesfälle über ganz Nordamerika (Kanada und USA) auf 2 bis 5.

Nach einem kurzen Marsch durch den „Alten Wald“ erreichen wir Prince George. Im Safe On staunen wir ob dem unglaublichen Angebot, Leckereien locken, der Einkaufswagen ist voll. Im kleinen Chocolaterie Shop kaufen wir Pralinen und im Laden nebenan findet gerade ein bewaffneter Überfall statt. Polizei rollt heulend an, nichts wie weg hier. Auf dem Parkplatz entdecken wir eine Benzinlache auf dem Asphalt, nicht beim Nachbarauto – nein bei uns. Himmel, Arsch und Zwirn, huärä Schyssdräck (Obwaldner dürfen das sagen) – so zermürbend, frustrierend, Kräfte zehrend – und keine heisse Schokolade weit und breit. Natürlich ist Mercedes hier nicht vertreten, natürlich ist bald Wochenende und die beste Garage in der Stadt winkt ab – keine Zeit – nächster Termin in 2 Wochen.

Kanada scheint nicht Bänzlis und mein Land zu sein. Ich falle bereits nach nur 4 Wochen in einen Waldüberdosis-Modus und unser Büsli scheint auch genug von Grün-Flankierung zu haben. Unter dem Mantel der Freundlichkeit zerdrücken mich Kanadas Regeln, Langwierigkeit, Übervorsicht, Pessimismus und Unflexibilität fast. Ich hoffe, meine „Nase-Voll-Stimmung“ bessert sich schnell, wenn wir weiter rollen.

Wir haben Diesel bei den Einspritzdüsen und Zylinderkopf. Vor 5 Tagen wurde das Diesel-AGR und Ansaugsystem bei Mercedes in Vancouver behandelt und gereinigt. Ob da was schief gelaufen ist? Wir wissen – Pannen sind Teil einer Langzeit-Reise – aber muss es echt in dieser Häufigkeit sein?

Wir sind fahrunfähig – zu gefährlich und zu gross ist das Risiko eines Brandes. Man empfiehlt uns zum Wallmart zu fahren, dort über Nacht zu stehen und einen Abschlepper zu organisieren. Campingplätze würden uns mit dem Benzin-Problem nirgends aufnehmen. Bäng!

Unseren Feuerlöscher zwischen die Beine geklemmt steuern wir wie auf Nadeln doch einen RV Park an. Die Dame am Empfang ist nett und mütterlich, wir sollen mal ankommen – morgen schauen wir nach Lösungen und die gibt es ja bekanntlich immer. Jude von Mercedes Vancouver weisst natürlich alle Schuld von sich, das ändert nichts daran, dass er ein sehr netter Mensch ist.

Just Diesel“ ist unsere Hoffnung in Prince George. Sie sind als Anlaufstelle für gestrandete Diesel Fahrzeuge bekannt. Die Wartezeit nutzen wir für Fussball, CAN gegen BIH, hier beginnt das Spiel um 12 Uhr Mittags.

Es ist unsere 2. Fussballweltmeisterschaft auf unserer langen Reise. Die letzte in Bueno Aires bleibt unvergesslich – die Weltmeisterehrung live ein Hühnerhauterlebnis pur mit fünf Millionen Menschen auf der Avenida 9 de Julio in Feierlaune.

Screenshot

Wir haben 2 Tage frei in Prince George – es wird erst nächsten Montag an unserem Bänzli gearbeitet. Wir geniessen das süsse Nichtstun und sammeln Kräfte für das nächste Warten in der Garage.
Sägemühlen und Papierfabriken sind in Prince George ansässig, weiter ist die Stadt Knotenpunkt der Ost/West und Nord/Süd Achse, sie ist weder schön noch aufregend.

 

Fazit der Woche: Hopp Schwyz, hopp Schwyz, hopp Bänzli, hopp Bänzli 

 

 

 

Wochenfilm:

Musik: Leonard Cohen, Stück: Bird On the Wire (Live London)

 

2 Kommentare zu „6.-13.6.2026, …. chum Bäri chum…

  1. Ihr lieben Beide, aso auch Zürcher würden sich ähnlich ausdrücken 😉. Ihr habt auch wirklich viele Pannen… Wir hatten zwar keine solchen Ärgernisse, dafür haben wir in drei Maschinengewehre geguckt und jetzt keine Versicherung mehr. Und einen Bären haben wir auch nicht gesichtet auf unserer Reise. Aber hey, wer reist muss flexibel sein – wir nehmen was kommt 😎. Habs glaub schon mal erwähnt – du schreibst suuuper 😀. Passt auf euch auf 💞

  2. Hallo Heidi und Werni, herzlichen Dank für den Bericht und den Film!
    Sommerliche Grüsse aus Obwalden, Max

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