23.-30.01.2022 Berge

Die Stadt Ladysmith steht vor 14 Tagen grösstenteils unter Wasser. Dieser Sommer bringt vielerorts überdurchschnittlich viel Regen. Im SPAR steht das Hochwasser bis zu 1 Meter hoch.

Ladysmith ist bekannt durch die Gesangsgruppe „Ladysmith Black Mombasa“, eine südafrikanische Gesangsgruppe, die 1960 von Joseph Shabalala gegründet wird. Die A-Cappella Stimmen werden 1985 international bekannt durch das Album „Graceland“ von Paul Simon  zu dessen 🎵owaowa 🎶 wir immer falsch aber lautstark mitsingen. 

Auf Nelson Mandelas Freilassung aus 27 Jahren Gefängnis im Jahr 1990 folgt das Album der Band über freie Männer, Freiheit ist endlich da! 1993 wird Mandela von Ladysmith Black Mombasa zur Friedensnobelpreisverleihung nach Oslo begleitet. Joseph Shabalala stirbt 2020 mit 78 Jahren in Pretoria.

Noch in keinem anderen Land haben wir die Trennung von Schwarz und Weiss so stark erlebt wie in Südafrika. Das Land ist aus unserer Sicht noch weit entfernt von einem „Unser Land“. Die Weissen jammern ihrem schönen Leben vor 1990 nach, als für sie Milch und Honig fliesst. Noch immer fahren mehrheitlich Weisse fette, europäische Autos, haben Villen an bester Lage am Meer und leisten sich Edel-Lebensmittel in Woolworths oder Food lovers. Da sind wenig Schwarze anzutreffen. Gehen wir einkaufen im SPAR, zB. in Eshowe, sind wir die einzigen Weissen im Laden und wühlen uns durch ein völlig anderes Sortiment durch.
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Es hat sich Hass gegen „Weiss“ entwickelt, weisse Farmer werden erschossen. Nur wenige hier geborene Weisse sprechen zB. Zulu, die Schwarzen sind sehr oft billige Hilfskräfte für Buren.

Auf der anderen Seite funktionieren schwarze Mitmenschen überhaupt nicht so wie wir Weissen uns das vorstellen. Gemütlich unterwegs mit einem anderen Sinn für Effizienz, Ordnung, Wirtschaftlich- und Sauberkeit machen sie ein „Miteinander“ fast unmöglich. So hemmt Schwarz die Weiterentwicklung des Landes, ja sogar von Rückschritt wird gesprochen. Viele junge Weisse Südafrikaner sehen keine Zukunft mehr im Land und wandern nach Australien, Grossbritannien oder Amerika aus.
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Weiss/Schwarze Verbindungen sieht man kaum, auch sitzen sie nicht gemeinsam an einem Tisch in einem Restaurant oder gehen an dieselbe Party.

Gute Bildung für alle, noch vielleicht eine weitere Generationen lässt hoffen, dass die Südafrikaner ein WIR hinkriegen.

Auch wir stehen ambivalent zwischen den zwei Betrachtungsweisen von Schwarz und Weiss in Südafrika, verstehen mal diese, mal die andere Seite besser. Wir würden es Südafrika gönnen wenn es EIN Land von Schwestern und Brüdern würde.
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Am Sterkfontain Damm fühlen wir uns wie auf der Melchsee Frutt – nur grösser. Auf 1743 Höhenmeter atmen wir frische Bergluft, lassen uns von der See-Stimmung verzaubern und zu guter Letzt sehen wir unbewölkt die nördliche Drakensbergkette. Wir fahren an Little Switzerland vorbei – ein Ressort mit Shop. Im Laden suchen wir nach CH Produkten – Fehlanzeige.
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Unsere Schlafstätte ist eingebettet mit 3 Decklagen, wir sind in den Drachenbergen. Im Royal Natal nisten wir uns im Mahai Camp ein. 3 Tage wandern wünschen wir uns, falls das Wetter mitmacht.

Am Ankunftstag gibt es ein 2 stündiges Einlaufen zum Sunday Wasserfall. Am 2. Tag laufen wir über den Mudslide zum Plowman’s Kop, rauf zum  „The Crack“, und über eineschmale Felsspalte wieder hinunter ins Tal.
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Vor 4 Jahren, als wir von der Pfarrkirche über den Gitzitritt aufs Buochserhorn wandern, schwören wir uns, nicht mehr über Leitern, Seilpassagen und schwindelerregende Abhänge zu wandern.
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Das war vor 4 Jahren! Über den Mudslide testen wir unsere Kondition, Kraft, Gleichgewicht, Mut und Schwindelfreiheit. Über mehrere Kettenleitern (1 auf einer Seite weggebrochen) überwinden wir Felswände mit tattrigen Beinen, ziehen uns mit Herzklopfen am Seil über eine Felswand hoch und haben Freude, als wir oben am Gipfel ankommend wieder Gras unter den Füssen haben.
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Auf dem „The Crack“ bietet sich ein herrlicher Blick auf das Amphitheater, die bekannte Felsformation im Norden.

Über den Boulder – Weg (schmale Felsschlucht) rutschen wir oft auf dem Hintern über grosse Felsen runter ins Tal. Wir überwinden 850 Höhenmeter, 12.4 km, mindestens 10 Leitern in 19748 Schritten und einer reinen Laufzeit von 3:50. Weitere 2.10 benötigen wir um unsere Schnappatmung zu beruhigen, den Puls in eine Meditationspause zu schalten, die Muskeln zu entspannen, zu essen, rasten und die Aussicht zu geniessen.

Wie Eiswürfel im Glas fühlt sich der Bergbach an…….
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…..und im Camp ankommend versuchen wir unseren nicht endend wollenden Durst zu stillen. Zum z‘Nacht gibt es ein Racelette, im Woolworth gefunden (auch wir gehören zu den Edel Einkäufern) und erst noch mit dem Namen Heidi.

Tag 3 führt uns in 5 Stunden 14 km zur Schlucht und zurück. Unsere Beine jammern, sie wollen am Tag 4 definitiv keine Wanderung antreten.
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Wir sichten Eland-Antilopen.
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Im südlicher gelegenen Monks Cowl Camp im Champagner Tal wandern wir zur Sphinx – Blind Man‘s Corner und wieder zurück. Wir treffen auf allen Camps in den Drakenberge tolle, naturverbundene Menschen und plaudern mit ihnen macht Spass.
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Es gibt eine Bergspitze die Matterhorn heisst, ein Stein mit dem Namen Sphinx der aber nicht so aussieht ……

… und eine tolle Bäckerei wo wir frühstücken, einen Laib Brot kaufen und Marmelade.
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Sieht er nicht toll aus, unser Cappuccino?

Unsere Giga sind aufgebraucht. Wie abhängig wir vom Internet sind realisieren wir in solchen Momenten. Bald treffen wir Marlis und Kurt, sie kommen von den südlichen Drakensberge her, wir brauchen Netzt um sie nicht zu verpassen. Weiter wollen wir telefonieren, Blog veröffentlichen, Zeitung lesen, WhatsApp schreiben usw. usw. Wir fahren zur nächsten Stadt 45 km zurück um bei Vodacom unsere Data zu laden und wieder zurück in die Berge.

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Durch eine urige Berglandschaft und traditionelle Zulu Dörfer führt uns eine ruppige Strasse zum Injisuthi Camp das auch Cottages anbietet. Es gibt keinen Strom, wir sind auf 1450 Meter Höhe, es ist wild, bergig und einsam. Hohes Gras hüllt unseren Stellplatz ein, Weber und Segler fliegen uns um die Ohren, Bergbäche rauschen – Bergromantik pur.

Eine weitere Wanderung im Maloti Drakensberge Park zur Grindstone Höhle und zurück schliesst unsere Woche ab. Wir haben unsere Beine diese Woche trainiert und sind sehr zufrieden mit uns.

 

Fazit der Woche: das Wetter meint es gut mit uns. 

 

 

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