O6.-13.05.2019 zwischen Euphorie und Apathie

Nach dem Morgenbad fahren wir die 350 km zur geschichtsträchtigen Stadt Harar im Osten des Landes.

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Nach Vulkan und Wüstenstrassen freuen wir uns über das grüne Hochland. Auf den fruchtbaren roterdigen Böden werden Kaffee, Kath (berauschende Pflanze) und Bananen teilweise auf bewässerten Terrassenkulturen angebaut.

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Wir sind wieder auf einer Höhe von ca. 2200 Meter und vernünftigen Temperaturen angekommen. Über Kilometer begleiten Lantana-Büsche die kurvenreiche Strasse.

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Die Fahrt ist eine Augenweide, unser Stellplatz in Harar das Gegenteil. Wir akzeptieren die Baustelle um unser Auto, wenigstens stehen wir sicher und bewacht.

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Harar liegt in den Ahmar-Bergen, einem östlichen Ausläufer des äthiopischen Hochlands. Für die äthiopischen Muslime ist Harar die viertheiligste Stadt (nach Mekka, Medina und Jerusalem). 2006 wurde die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und sie bekam den Preis als „Friedensstadt“.

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Harar ist anders als der Rest von Äthiopien. Das Treiben ist laut, bunt, schmutzig und faszinierend. Muslime,  Christen, Sufis, Rastafaris, alle leben sie friedlich Tür an Tür. Der Ramadan hat begonnen und so werden viele Familienhäuser in der Altstadt neu gestrichen.

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Unser Guide Abdel führt uns 4 Stunden durch die Medina. Er zeigt uns 3 private Häuser von innen, und gibt uns Einblicke in den Alltag der Harari.

3EA190AF-F6F2-4835-818E-FA2DF204402FDie Altstadt erinnert an Marokko.

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Wir sehen den Second Hand Markt, alles Kleider aus Europa. Ein Kleidungsstück kostet ca. Fr. 1.-. Die Textile und Kleider kommen fast alle aus China. Nähen ist Männersache und so rattern die Stoffbahnen unter dem Nähfuss von uralten Singer Nähmaschinen.

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Ist sie nicht hübsch, die Stoffverkäuferin?

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Pünktlich zum Ramadan sind viele Bettler in die Stadt gekommen. „Give me money“ sind wohl die einzigen 3 Worte, die sie in Englisch  beherrschen. Viele gläubige Muslime sind während der Fastenzeit besonders spendierfreudig und so wird die Gunst des Monats genutzt.

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Halal ist ein arabisches Wort und kann mit „erlaubt“ übersetzt werden. Es bezeichnet alle Dinge und Handlungen, die nach islamischem Recht zulässig sind. Auch das Schächten der Tiere gehört zu Halal. 

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Emir Nur liess im 16. Jahrhundert zum Schutz Harars eine Stadtmauer errichten. Doch das Bauwerk, das heute noch bestaunt werden kann, machte das Leben der Einwohner nicht sicherer, sondern gefährlicher. Immer häufiger griffen in dieser Zeit Hyänen Menschen an. Der Emir beschloss also, den Hyänenkönig mit dem schneeweissen Fell zu treffen. „Die Hyäne sagte dem Emir, dass er und sein Volk böse seien, da sie wegen des Mauerbaus nicht mehr in die Stadt könnten, um den Abfall und das tote Vieh zu fressen. Und so wurde entschieden, die Tüpfelhyäne ausserhalb der Stadt allabendlich zu füttern. (Heute eine Touristenattraktion.)

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Solche Mythen gehören zu Harar wie die schmalen Gassen, die 82 Moscheen und die chaotischen nach Kaffee und exotischen Gewürzen duftenden Märkte, auf denen Händler und Kunden um Schmugglerware aus dem nahen Somalia feilschen.

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Kath wird hier an allen Strassenecken verkauft. Die Blätter werden gekaut bis hellgrüner Schaum in den Mundwinkeln sichtbar wird. Dann setzt die Wirkung der natürlichen Amphetamine Cathinon und Cathin (ähnlich wie Speed, nur etwas schwächer) ein.

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Das Hungergefühl weicht, die Männer werden redselig, fühlen sich wach und konzentriert. Doch um das Glücksgefühl zu halten, müssen immer neue Blätter nachgeschoben werden – und wer zu viel kaut, wird oft depressiv. In den Gassen Harars laufen einige Männer rum, deren wirrer Blick davon zeugt. Viele kippen zwischen Euphorie und Apathie.

Kath ist die neue Modedroge auch in Europa. In den Niederlanden und Großbritannien ist sie erlaubt, in Deutschland und in der Schweiz verboten – Nachfrage steigend. Der Anbau um Harar boomt.

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Auch der den Drogen nicht abgeneigte französische Dichter Arthur Rimbaud soll die bitteren Blätter regelmäßig konsumiert haben, als er als Handelreisender ab Herbst 1880 einige Monate in Harar lebte.

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Das Rimbaud-Haus erinnert noch heute an den berühmten Besucher aus Frankreich. Laufen wir durch die Gassen werden wir als „Frencher“ (aus Frankreich) angesprochen, gemeint ist damit  „Weisser“.

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Ab Harar besuchen wir weiter östlich nach der Ortschaft Babile das „Tal der Wunder“, bizarre Granitfelsformationen.

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Eine Schar Jungs begleitet uns auf unserer stündigen Entdeckungstour. Sie sind hochanständig und üben ihre Englischkenntnisse mit uns.

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AB71466B-894F-4289-BE93-530BF1B9006ETermitenskulptur in Vollendung.

Noch etwas östlicher ist ein Elefanten Projekt zu besichtigen, wir verzichten aus Sicherheitsgründen darauf, weil die Grenze zu Somalia nur wenige Kilometer entfernt ist.

C4176B7C-FE4E-4512-9B5E-EC74AC298DF2So tauchen wir am Nachmittag nochmals in die farbige Altstadt von Harar ein.

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Die Rückfahrt nach Awash über eine kurvige Bergstrasse, holprige Schwellen und Strassenlöcher ist nicht ganz ohne. Freche Tuktuk Fahrer, Kleinbusse mit überhöhter Geschwindigkeit, Lastwagen in Schieflage, allerlei Tiere und Kinder auf der Fahrbahn fordert vom Fahrer volle Konzentration. Viele Autoleichen liegen als Mahnmal am Strassenrand.

Werni fährt mich sicher zum nächsten Stellplatz wo wir unsere nächsten Tage planen und vorbereiten. Lalibela heisst das Dessert im Norden.

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Um 05.30 Uhr schrillt der Wecker. Mit einem „Ornithologen“ machen wir uns auf die Pirsch am Rande des Awash Nationalparks. Über 350 Vogelarten werden hier gezählt, wir sehen den Mauersegler, (sieht aus wie Schwalbe, ist aber nicht verwandt), den Francolin, Wellensittiche, Raubwürger, Leuchtender Sonnenvogel, Niltal Sonnenvogel, Kippschiefer, Papageien und viele mehr. 

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Wernis flüsternde Aussage: „Gott gab sich Mühe als er die Vögel erschuf. „

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Wir sehen Warzenschweine, kleine Antilopen, und den Klippschliefer, Bild unten.

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Es gibt Strausse, Eritrea Dikdik, div. Affen, Riedböcke, Zebras, und viele mehr – die sehen wir alle nicht.

Die Fahrt nordwärts Richtung Lalibela ist sehr schön. Frische Karotten kaufen und knabbern wir ab Strasse.

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Die heilige Stadt Lalibela ist ein Wallfahrtsort und liegt 2500 Meter hoch. Elf monolithische Kirchen sind in rote Basaltlava gemeisselt. Die Legende sagt, dass Gott dem Kaiser Lalibela im 12. Jahrhundert erschien und ihm die Baupläne für die Kirchen gab.

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Der Kaiser begann mit den Bauarbeiten in Lalibela, Engel sollen ihm geholfen haben. Wahrscheinlich wurden die Kirchen über 100 Jahre aus den Felsformationen herausgearbeitet. Sie dienen noch immer ihrem ursprünglichen Zweck und werden von orthodoxen Pilgern, Priestern, Mönchen und Einheimischen aufgesucht. 

2AA65EBD-8BA2-4EB0-A287-9E8671DA8210Priester mit Lalibela-Kreuz

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Die Georges Kirche ist sicher die meist Fotografierte. Der heilige George ist im Traum König Lalibela erschienen und hat sich beklagt, dass ihm zu Ehren keine Kirche errichtet wurde. Darauf liess der König dem populären Reitheiligen diese Kirche in Form eines griechischen Kreuzes errichten.

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Mit unserem Führer besuchen wir alle 11 Kirchen inklusive Frühmesse um 06.00 Uhr morgens. Es gäbe unzählige Bilder von unterirdischen Verbindungsgängen, steilen Treppen, abgeküssten Kirchenwänden, herumliegenden Schuhen, Mönchen, Gläubiger usw. Ich will euch aber nicht zu stark strapazieren mit dem orthodoxen Christentum und so schliesse ich die Woche mit diesen letzten Fotos.

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Lalibela ist bis anhin sicher der Höhepunkt unserer Äthiopienreise.

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Fazit der Woche: Drogen vernebeln 

 

6 Kommentare zu „O6.-13.05.2019 zwischen Euphorie und Apathie

  1. Lieber Werni und liebe Heidi,

    Danke für die schönen Fotos, die sind sehr inspirierend! Man sieht euch geht es top und ihr seht wunderschöne Orte und Menschen!

    Kalindi und ich haben im März geheiratet in Südafrika und ich schick euch die Karte jetz einfach digital!

    Bis bald und alles Gute,

    Matthias

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    1. Lieber Matthias, liebe Kalindi, wir gratulieren euch ganz herzlich zur Hochzeit und wünschen euch ewige Liebe. Das Glück soll euch immer begleiten. Wir sehen uns in ca 8 Monaten in Südafrika und dein Götti übergibt euch dann das Hochzeitsgeschenk, herzliche Grüsse Heidi und Werni

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  2. Hallo ihr Lieben
    Wir freuen uns immer wieder von Euch zu lesen, insbesondere, dass es Euch gut geht. Viele Bilder und Kommentare erinnern uns an unsere gemeinsame Reise nach Marokko, aber auch an unsere, vor zwei Wochen zu Ende gegangene Reise in Südafrika und Namibia.
    Und doch ist so viel wieder anders, ich denke vor allem auch an die Begegnungen mit der Bevölkerung.
    In ca. 14 Tagen werden wir ebenfalls wieder auf Reise gehen, sobald ich meine kleinen Projekte wieder fertig habe. Ich kann es scheinbar nicht ganz lassen, mit dem Arbeiten.
    Wir wünschen Euch weiterhin eine unfallfreie und spannende Reise. Selbstverständlich werde ich auch wieder einen Blog führen.
    Ganz liebe Grüsse
    Sandro und Bea

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