10.-16.01.2022 der Flüsterer …

Hugh’s Rücken macht nicht mehr mit! Dafür steht sein Gehirn unter 1000 Volt, in seinen Erinnerungen sind hunderte von lustigen Geschichten gestanzt und er ist mit seinen 80 Jahren voller Pläne und Ideen. Seine zierliche Frau Renée unterstützt ihn, sie lieben sich und sind ein unglaubliches Paar mit 4 Kindern und Enkeln.
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Hugh nimmt uns mit auf eine Farmbesichtigung mit dem Auto. Sie dauert 4 Stunden. Er erzählt uns viel über Zuckerrohr, weiter werden Yams, Sonnenblumen und Teebaum angepflanzt.
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Seine Erzählungen sprudeln aus ihm heraus, seine lebendigen Augen funkeln, allein seine Mimik erzählt Bände – nur sein Skelett will irgendwie nicht zu dem quirligen Macher passen. Seine Tochter Nicki hat die Führung der Farm übernommen, doch Papa redet tatkräftig mit.
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Wir werden zum Tee in ihr Herrenhaus eingeladen. Die Allee-Einfahrt ist beeindruckend und auf jedem Baum sind Metalltafeln befestigt mit Wörtern wie: Liebe, Verzeihung, Vertrauen, Fürsorge, Treue, Gnade, Dankbarkeit, usw. Das Haus steht auf einem Hügel und überblickt Damm und Plantagen, ist geschützt von alten Bäumen und geschmückt von einem Blumengarten. Hühner in Freiheit gackern, Katzen wählen den weichsten Platz und Hunde suchen die Nähe zu Renée und Hugh.
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Hut ab Ihr zwei, ihr seid beeindruckend!

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Ich lese das Buch „The Elephant Whisperer“ – der Elefanten Flüsterer. Der Naturschützer und Besitzer des Privatparks Thula Thula, Lawrence Anthony, bekommt die Anfrage, eine Herde abtrünniger Elefanten bei sich aufzunehmen. Der aktuelle Besitzer will sie nicht mehr, sie reissen immer wieder aus, selbst der Elektrozaun hält sie nicht zurück. Findet sich kein neuer Besitzer werden die Tiere erschossen.
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Lawrence Anthony sagt spontan zu, es ist ein harter, gefährlicher und langer Weg für Tier und Mensch der sich für beide Seiten lohnt. Im Buch beschreibt er auf beeindruckende Weise, dass er mehr von den Elefanten lernen darf als umgekehrt. Zitat aus dem Buch:

Es gibt Dinge, wo der Mensch weit entfernt ist, sie zu verstehen und das ist die Feinstofflichkeit. Elefanten besitzen Eigenschaften und Fähigkeiten, die die Wissenschaft bei weitem nicht entschlüsseln kann. Elefanten können keine Computer reparieren, doch sie haben eine physisch und metaphysische Kommunikation wo Bill Gates der Unterkiefer runter fällt. In einigen sehr wichtigen Punkten sind die Elefanten uns Menschen voraus.
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Beispiele aus meiner Erfahrung als Tierschützer und -Heger:

Soll ein Nashorn am Tag X umgesiedelt werden in einen anderen Park, ist das Nashorn an diesem Tag unauffindbar. Es kann auf wundersame Weise die Gedanken der Menschen empfangen.


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Ist ein legaler Abschuss auf einige Impala Männchen genehmigt, sind am bestimmten Tag sämtliche Junggesellengruppen auf Alarmbereitschaft und fluchtbereit während die Weibchen mit ihren Jungen ruhig weiter grasen und die Jäger würdevoll ignorieren.
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Richten Paviane grossen Schaden in Dörfern an und ein Bewohner holt die Flinte um 1 Tier als Warnung abzuschiessen, ist die ganze Pavian Truppe innert Minuten verschwunden.

Sogar Bäume kommunizieren auf geheimnisvolle Weise untereinander. So schütten Akazien, wenn Impalas oder Giraffen die Wälder durchstreifen, Tannin aus um die Blätter bitter zu machen. Weiter warnt die Akazie umliegende Bäume vor der Gefahr mit einem Pheromon. Sofort beginnen diese mit der Tannin Produktion. Bäume haben kein Gehirn und kein Nervensystem – wie ist diese Abwehr und Fürsorge möglich?
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Lawrence Anthony stirbt auf einem Kongress in der Nacht zum 4. April mit 63 Jahren an einem Herzinfarkt. Am Morgen steht die komplette Elefantenherde am Zaun des Wohnhauses von Lawrence. Die Kolosse laufen die ganze Nacht über viele Kilometer um am Morgen ihren Respekt und Trauer auszudrücken. Woher wissen die Tiere vom Tod ihres Retters? Françoise, seine Witwe sowie die Ranger und das Personal weinen und trauern mit den Elefanten.
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Die Herde wird das ganze Jahr über nicht mehr in der Nähe des Wohnhauses gesichtet. Doch am 1. Jahrestag, genau am 4. April, steht die ganze Herde wieder am Zaun und drückt ihre Verbundenheit mit Lawrence aus. Am 2. Jahrestag soll die Presse und TV das „Unglaubliche“ filmen. Die Elefanten kommen nicht. Wie es dieses Jahr, am 4. Jahrestag wohl sein wird?
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IT – das böse Mädchen – wird später adoptiert. Sie verliert ihre ganze Familie durch Abschuss und ist das verängstigste und gestörteste Jungtier überhaupt. Lawrence baut ein Spezialgehege für sie in Thula Thula, redet dem Tier täglich gut zu, schläft in ihrer Nähe – alles vergebens. Es scheint, IT will sterben – sie vermisst ihre Familie so unglaublich. Lawrence lockt Nana, sein ältestes Weibchen und Matriarchin mit Jahrgang 1964 mit ihrer Familie an, öffnet das Gehege zu IT und Nana weiss, was zu tun ist. Sie erzählt der trauernden IT, dass sie und ihre Herde ihre neue Familie ist, dass sie sie als „trouble makerin“ aufnimmt, streicht ihr mit ihrem Rüssel über den Rücken und geht. IT, irritiert, bleibt zuerst im Gehege. Nana mit Familie ruft sie aus der Distanz: „komm Mädchen, folge uns.“ IT verlässt ihr Gehege und lebt seither glücklich mit Nanas Familie. Sie ist immer noch ein schwieriger Charakter.

Ich kann dir das Buch wärmstens empfehlen. Es liest sich spannend, interessant und bewegend. Einmal mehr zeigt die Geschichte, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die unser kleiner Menschenverstand nicht messen und verstehen kann.

Das Buch berührt mich so sehr, dass wir Thula Thula mit seinen Elefanten gerne erleben würden. Die erste Offerte im Dezember ist so exorbitant, dass wir den Besuch sofort verwerfen. Ein „Januar Spezial“ auf ihrer Homepage lockt, und wir buchen 2 Nächte Thula Thula.

Françoise begrüsst uns mit französischen Akzent, sie ist neu verliebt und führt Thula Thula ohne den Spirit ihres verstorbenen Mannes weiter. Er fehlt! Er fehlt den Tieren, er fehlt Françoise, er fehlt den Rangern – an allen Ecken und Enden.
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Victor, unser Führer, Tracker und Fahrer weiss als Zulu Mann viel über die Region und als langjähriger Thula Thula Mitarbeiter viel über die Entstehungsgeschichte des privaten Parks. Er kennt alle inzwischen 29 Elefanten bei Namen, kennt ihre Charakter, Besonderheiten, Vorlieben und Abneigungen.
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Victor parkt uns zum Kaffee mitten in die Elefantenherde. Die Tiere beschnuppern oder ignorieren uns. So nahe sieht der Tourist die Elefanten selten. Schau, da ist Nana, sie hat inzwischen 5 erwachsene Kinder. Da ist IT – da ist ….. unsere Augen sehen und erleben die Kolosse anders weil hinter der Herde eine lange, traurige, emotionale aber auch glückliche Geschichte steht.
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Ein weiteres, unvergessliches Erlebnis der besonderen Art in unseren Reiserucksack gepackt fahren wir zurück ans Meer. Nana reist mit uns.

 

 

Fazit der Woche: Auch von Tieren können wir viel lernen.

6 Kommentare zu „10.-16.01.2022 der Flüsterer …

  1. Liebe Heidi, Lieber Werner
    Wenn ich mir ein Tier wünschen könnte, das ich betreuen und pflegen dürfte, wäre das ein Elefant.
    Ich habe eine kleine Sammlung von Elefanten aus Stein, diversen Hölzern, also ein richtiger Fan von Elefanten.
    Diesen Bericht von euch habe ich darum mit besonderem Interesse gelesen. Ich weiss, dass ein Elefant nie vergisst, wenn du ihn mal enttäuscht oder schlecht behandelt hast und wie ich jetzt von euch gelesen habe, auch nicht vergisst, wenn du gut zu ihm warst! Wir könnten von den Elefanten sehr viel lernen!
    Danke für diesen „aufgestellten“ Bericht!
    Ich hoffe ihr habt das neue Jahr gut angefangen und wünsche euch weiterhin viel Glück und viele solche schöne Erlebnisse. Liebe Grüsse, Max

  2. Meine Lieben, Ein wunderbares Buch zum lesen und dann das große Glück zu haben es in Wirklichkeit zu erleben ist unglaublich schön. Sicher ein Highlight Eurer Erlebnisse! Hat mich sehr berührt. Liebe Grüsse Ria xx

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