Durch die lange Schlucht „Pato“ fahrend verschlingen uns viele enge, stockdunkle Tunnels regelrecht.

Die Strasse ist schlecht, Naturstrasse, Asphalt – beides mit Löchern. Wir geniessen die Landschaft zu wenig weil wir heute in 9 Stunden Fahrzeit unbedingt Trujillo erreichen möchten.

Doch ein Halt muss sein. Ein entgegen fahrender Tourenfahrer winkt uns wild zum stoppen an. Es ist Timon aus Zürich. Er fährt die Panamericana von Alaska nach Feuerland, alleine, und hat eine unglaubliche 21 Tage Bergetappe nach Cusco vor sich. „Wollt ihr euer Auto nicht gegen mein Fahrrad tauschen.“ fragt er lachend? Hut ab Timon und gute Reise.

Bei Bosch fühlen wir uns gut aufgehoben. Der neue Anlasser, Original Mercedes, kommt heute an – wir möchten so gerne weiter reisen und Peru verlassen. Der Besitzer Carlos ist die Liebenswürdigkeit in Person. Er lädt uns zum Mittagessen ein. Wir erhalten Einblick in die peruanische Oberschicht. Er wohnt mit seiner Familie in einem 2-fach abgesicherten Wohnviertel im modernen Einfamilienhaus. Wir fahren zum Chinesen. Die zwei Kinder, 20 und 15 sind während dem ganzen Essen am Smartphone, sie beteiligen sich Null an der Tisch-Konversation. Frau Carlos spricht nicht viel, die mindestens 1.5 cm langen Kunstnägel schimmern in allen Farben – das Paar träumt von einem Wohnmobil – wie Frau Carlos wohl beim Radwechsel mithilft? 😀

Wieder ein Übernachtungsplatz in der Garage. Zumindest ist hier alles sauber und nicht staubig. Der Anlasser kommt verspätet an – wird eingebaut – und juuuubiiiiii – wie ein Teenager macht Bänzli Freudensprünge – und wir erst!

Das Auswertungsprogramm zeigt keine Fehler an, der DPF steht auf Null – die Reise kann weiter gehen.

Die archäologische Stadt Chan Chan entsteht etwa um 1300 und erstreckt sich noch heute über eine Fläche von 28 km². Sie ist wahrscheinlich die grösste Stadt der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent. Aus Lehm (Adobe) errichtet beherbergt die Stadt zur Blütezeit etwa 60’000 Einwohner.

Ein ansehnliches Vermögen an Gold, Silber und keramischen Kunstgegenständen besitzen die Chimú. Das macht sie für die Inkas interessant und sie erobern die Stadt mit den hohen Mauern, indem sie ihnen die Wasserzufuhr kappen. Nach der Eroberung durch die Inkas verliert die Stadt ihre Bedeutung. Später holen sich die Spanier was zu holen ist. Von der Chimú-Kultur bleibt nicht viel übrig.

Heute sind nur mehr riesige Flächen von Lehmbauten sowie einige Festsäle, in mehr oder weniger schlechtem Zustand vorhanden. Zur massiven Zerstörung der Ausbeuter kommen Erdbeben und schwere Unwetter mit Überschwemmungen dazu. Heute schützt ein Stahlgerüste mit Überdachung Chan Chan.

Am besten erhalten ist der Tschudi-Bereich, benannt nach dem Schweizer Forscher Tschudi. Der Palast wird heute als Palacio Nik-An bezeichnet. Dieser Bereich ist restauriert und den besuchen wir mit unserem Führer.

Bis 2016 wird auf 700 m2 Fläche nahe Chan Chan ein Massengrab aus der Mitte des 15. Jahrhunderts mit 140 rituell getöteten Kindern und über 200 Alpakas ausgegraben. Den Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 14 Jahren ist die Brust geöffnet, vermutlich um das schlagende Herz zu entnehmen. Diese Opfergaben dienen den Chimú zur Besänftigung der Götter. Zu was die Menschen fähig sind – traurig.

Auf den letzten 100 km fahren wir durch grosse Rebengebiete und Mango Plantagen. Um genau 2 Tage haben wir unsere 3 monatige Aufenthaltsbewilligung nicht ausgeschöpft.

Gefahrene Route in Peru
Fazit Peru:
Noch nie hat uns ein Land so gespalten wie Peru! Da sind die traumhaften Naturschönheiten, die Bergseen, die majestätischen 6000er, schöne Städtchen, die unglaublichen archäologischen Stätten und das bis anhin absolut schönste Camp „La Granja del Colca“ in ganz Südamerika.
Auf der anderen Seite der Massentourismus, die Abzocke, die fürchterlich egoistisch/gefährlichen Autofahrer. Den Peruanern fehlt oft ein Lächeln und oft auch Hirnmasse. Und da ist der Müll der streckenweise (nicht überall) in Mengen liegt. Achtlos werden Tüten, PET, Papier, Lebensmittel, Elektronik, Bauschutt und mehr am Wegesrand deponiert, aus dem Auto geworfen, entsorgt. Angesprochen auf den Abfall sagt uns ein Peruaner: “Das gehört zu unserer Kultur.“ Was?? Verstehen wir das Wort Kultur falsch? Wir sind auf jeden Fall glücklich können wir Peru hinter uns lassen. Das Land reiht sich zusammen mit Chile ganz am Schluss unserer Gefällt-Liste von Südamerika ein. Schade eigentlich da Peru so wunderschöne Abseitspisten bietet die wir nicht missen möchten.
Wochenfilm
Musik: Los Incateños, Kullawas
Ihr Lieben, gespalten mit positiven und negativen Einsrücken verlässt ihr Peru. Umstände wo man geboren wird prägen die Menschen. Und auf eurer Reise werdet ihr mit sehr vielen Kulturen konfrontiert. Nicht immer einfach. Bin gespannt auf eure weiteren Erlebnisse. Weiterhin alles Liebe und liebe Grüsse
Das sind wahre Worte Maria, reisen lehr auch Toleranz – bis die zu arg strapaziert wird 😉😉