8-15.9.2024, Krönung, Kunst, Kolumbien

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Die zweitletzte Station in Ecuador ist eine eindrückliche. Danilos Herz schlägt für die 90 Anden-Bären – er kennt sie alle mit Namen. Voller Freude erzählt er uns von den Brillenbären. Ein ausgewachsenes Männchen misst 190 Zentimeter und wiegt ca. 175 Kilogramm.

Wir stehen einsam, ruhig, romantisch direkt am Aussichtspunkt.

Kaum nehmen wir Platz auf dem Hochturm sehen wir mehrere Bären.

Was für ein krönendes Erlebnis. Ein weiteres folgt: Lucio Ramón Reina García mit Jahrgang 1943 ist der Vater der grünen Bildhauerei auf dem Friedhof in Tulcán.

Die Zypressen werden 1987 gesetzt und 1990 beginnen die Kunst-Schnitte. Die erste Figur ist Pater Carlos de la Vega gewidmet, eine Seele von einem Priester der den Ärmsten hilft. Dann reihen sich viele Formen und Köpfe dazu bis hin zu Tieren.

Der Friedhof ist riesig, die Skulpturen beeindruckend.

Sting empfängt uns nach einem reibungslosen Grenzübertritt mit „every breath you take“ im CLARO Shop in Ipiales. SIM, Versicherung und Bargeldbezug sind organisiert – hallo Kolumbien, wir freuen uns auf dich.

Was als erstes auffällt? Hier wird Poncho getragen und die Währung hat so viele Nullen – wir sind Peso Millionäre!

10 Franken sind 49‘000 Pesos, das bereitet mir als mathematische Tieffliegerin Unbehagen.

Der Folklore Musikstil ändert sich radikal. By by Panflöte, Andenklänge – Bambuco, Cumbia, Vallenato, Salsa, Reggaeton und mehr sind die Rhythmen von Kolumbien, auf Spanisch Colombia, abgeleitet von Christoph Kolumbus.

In Zeitlupe mit der Luftseilbahn zur Wallfahrtskirche runter zu gondeln – das ist unser erster Höhepunkt. Das Santuario de Nuestra Señora ist ein spektakulärer Kirchenbau in 5 Etappen in der Schlucht des Río Guáitara.

Der römisch-katholische Kaplan des Heiligtums zwischen 1944 und 1977, fromm und Schreiberling, hält die Geschichte der kleinen Rosa von 1754 fest.

Die Einheimische María Muese ist mit ihrer kleinen taubstummen Tochter Rosa auf dem Heimweg. Von einem Sturm überrascht suchen sie Schutz in einer Wegmulde zwischen riesigen Schieferplatten in einer Schlucht. Plötzlich ruft die Tochter: „Mutter, die heilige Maria spricht mit mir.“ Von da an hört und spricht klein Rosa.

Behörden, Einheimische und kirchliche Autoritäten überprüft die Geschichte. Nach dem positiven Wahrheitsbefund wird die Schlucht zu einem Pilgerort. Was mit einer kleinen Holzkirche beginnt ist heute eine wirklich stattliche Kirche im Neogotischen Stil, verwaltet von Franziskanern.

Meine Mutter als grosse Maria Anbeterin bat sie täglich: „Maria liebste Mutter mein, ich lade dich zur Sterbstund ein.“ Unter den Pilgern bin ich meinem Muätti gerade sehr nahe.

Viele Bittes- und Dankestafeln zeugen von der grossen Verehrung Marias in ganz Kolumbien. Die heutige hl. Messe ist etwas zwischen amerikanischer Show, Gebeten, Halleluja Priestern und Hansi Hinterseer-Auftritt (statt blond in schwarz) samt Übermittlung von Frieden und Freude.

Was für ein schöner Start in Kolumbien. So darf es weiter gehen – und es geht so weiter. Auf Nebenstrassen dem Vulkan Azufral entlang finden wir das Swiss Chalet an der Lagune Cocha. Was für ein sauberer Betrieb umgeben von einem Blumen- und Gemüsegarten wo mein geübtes Gärtnerauge fast kein Unkraut findet.

Der 2. grösste natürliche See des Landes mit dem Dorf El Puerto besteht wegen den weichen Böden fast nur aus Pfahlhäusern aus Holz mit Giebeldächern im Alpenstil. Das ist ein kurioses Erbe von Walter und Heidy Sulzer aus der Schweiz welche sich nach dem 2. Weltkrieg hier niederlassen. Dieser Chalet Stil beeinflusst die Einheimischen bis heute. Ob und wieviele Schweizer noch hier leben konnte ich nicht ausfindig machen.

Mit dem Boot vom Camping ins Dorf erleben wir einen „schon gesehen“ Effekt. Das sieht doch aus wie am Vierwaldstättersee?

Klein Venedig gesellt sich dazu. Auf dem Kanalsystem des malerisches Dorfes stehen unzählige bunte Boote die auf Wochenend-Touristen warten oder zum Fischen parat stehen. Forellenzucht und Tourismus sind die Haupteinnahmequellen.

Restaurants reihen sich aneinander, dazwischen kleine Souvenir Läden die hauptsächlich warme Kleider samt Socken verkaufen, wir sind wieder auf 2800 M.

Es geht gemütlich zu und her heute. Viele Brücken, mal stabil mal etwas schwingend, verbinden die Holzchalets miteinander.

Was für ein schönes Dörflein. Noch etwas Bewegung, 8 km laufen wir zurück zu unserer Grünoase, echt schön.

Die Trampolina del Muerte, die Todesstrasse  von San Francisco nach Mocoa, wird von vielen Reisenden als abenteuerlich beschrieben. Zwischen den Anden und dem Amazonas öffnet sich eine Serpentinenstrasse, 80 km mit gefühlten 100 Kurven pro Kilometer von Winterjacke zu Sommerkleid.

Wir fahren die einspurige, teils enge Naturstrasse am Freitag den 13ten. Die furchteinflössenden Abgründe sind heute oft mit Leitplanken oder gelben Bändern gesichert.

Aus den Socken wirft uns die berühmte Strasse nicht. Sie ist weder fahrtechnisch sehr anspruchsvoll noch landschaftlich aussergewöhnlich. Sie führt grösstenteils durch Wald und selten erhascht man schöne Ausblicke.

Staubig, eng, zum Teil abschüssig mit viel Gegenverkehr sind wir froh unser heutiges Ziel Mocoa zu erreichen.

Wir würden die Strasse kein 2. mal fahren aber wie sagt unsere Freundin Irène aus Basel so schön: „He joooo, geht selber schauen dann wisst ihr es.“ Genau so ist es liebe Irène und Paul!

 

Fazit der Woche: Ein aufregender Start in Kolumbien!

 

 

Wochenfilm:

Musik: La Esquina, Nelson Pinedo,

 

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