8.-15.5.2022 …..ohne Krimi geht die …

Auch Bürotage müssen sein. Eine lange „was zu tun ist“ Liste steht an. Die Ressort werden aufgeteilt, Hälfte/Hälfte.

Werni schreibt zuverlässig Bänzli Mankos auf und holt Offerten für eine Internationale Kasko Versicherung ein.

Ich bin in Kontakt mit Hamburg für eine Wohnung und mit einem humorvollen Mann mit klingendem Namen Massimo (ITS International Transport & Shipping Ltd.) für die Verschiffung. Weiter sammle ich Argumente, warum wir am Grenzübertritt nochmals ein ZA VISA für 15 Tage erhalten sollen. Anspruch haben wir nur noch auf ein Transit Visa zwischen 3 und 7 Tagen. Was wohl passiert am Zoll? Es ist ein Krimi!

Anib Camp, Termiten Turm

Jetzt geht alles schnell, wir sind provisorisch auf einen Vessel ab Durban gebucht für den 1.6.2022. Unser Gefühlsleben schlägt Purzelbäume.

Bänzli muss am 25.5 für die Zollkontrolle abgegeben werden. Aufruhr zerwühlt unsere Gedanken, wie wir Afrika vermissen werden! Aber – wir planen bereits unsere Weiterreise ab Hamburg. Wir fühlen uns noch fit, neugierig, reiselustig – immer noch jung (wenn da mal der Spiegel nicht wäre) und wir möchten so schnell wie möglich wieder „auf der Strasse“ sein.

Anib Camp, Sonnenaufgang

Die ganze Familie Müller ist weg, es ist ruhig um uns, viel zu ruhig, wir vermissen sie.

Am 30.1.2021 lernen wir im Etosha NP Heike und Michael aus Hamburg kennen. Wir beobachten zusammen, ohne ein Wort zu sprechen, über 1 Stunde Elefanten. Die Stimmung mit den Beiden ist so harmonisch, dass wir FB Freunde werden. Heikes und Michaels FB Beiträge sind persönlich, emotional, ehrlich und so sympathisch, dass wir sie fleissig mit „❤️“ markieren.

Auf meine Anfrage an Michael, in welchem Quartier in Hamburg wir am besten eine Wohnung mieten, kommt spontan die Offerte, wir könnten sein Haus haben. Wow, was für tolle Menschen wir auf unserer Reise immer wieder kennen lernen. Die Dauer der Miete ist flexibel, der Mietpreis fair – vor allem freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit ihnen.

Obwohl wir den Verschiffungstermin noch nicht bestätigt haben, spulen wir die Kilometer Richtung ZA Grenze ab. Auf Namibia Seite warten wir auf das ok für die Verschiffung.

Die Zeit des Wartens nutzen wir mit ausmisten, aufräumen, umbeigen, packen und planen.

Wohn- und Expeditionfahrzeuge werden um die ganze Welt verschifft. Es gibt Apps wo man den Vessel oder das Kreuzfahrtschiff auf den Weltmeeren verfolgen kann.

Die winzigen Dreiecke zeigen den aktuellen Verkehr auf dem Wasser an. Verrück nicht? Das Verschiffen ist ein weiterer Krimi im wahrsten Sinne des Wortes weil der Kunde nie weiss, wie das Fahrzeug am Bestimmungshafen ankommt.

Es wird immer wieder in Fahrzeuge eingebrochen, ob in den Häfen oder auf dem Schiff weiss niemand so genau. Die Diebe hinterlassen ein grosses Chaos, räumen alles aus und zerstören abgeschlossene Türen oder Trennwände.

Esther und Thomas im Pech 

Wir entscheiden uns, alles im Wohnbereich zu leeren und im Heck zu verstauen. Kleider und Wertsachen nehmen wir persönlich mit nach Hamburg. Wir lassen alles offen, schliessen nichts ab und kleben ein grosses Plakat an die Front: “Jesus or Allah is watching you“! Ob’s hilft?

Auf Lauerstellung verbringen wir den Sonntag im schönen Amanzi Camp. Morgen Montag bekommen wir Bescheid, ob es mit der Verschiffung klappt, morgen stellt sich heraus, ob wir ein 14 Tage Visum für ZA bekommen, morgen müssen wir Demut zeigen an der Grenze und dann richtig Gas geben. Uns bleibt 1 Fahrtag bis Cape Town, es ist spannend wie ein Krimi.

Apropos Krimi, ich höre sehr gerne Krimis zum Einschlafen. Im Moment bin ich begeistert von Maarten S. Sneijder mit Assistentin Sabine Nemez von Andreas Gruber.

 

 

Fazit der Woche: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett 🛏 

 

 

 

1.-8.5.2022 die Würfel sind gefallen

Ja, wir mögen Wasser! Am Oanob Damm ist der Campingplatz direkt am See. Es ist ein langes Wochenende. Junge Familien vergnügen sich am Damm. Boote flitzen über den See, die Kinder zeigen ihre Künste auf den Wasserskis, Schwimmvergnügen ist garantiert und es kann gewandert werden. Es ist ganz schön was los auf dem See!

Wir gehen die Regeln durch die für die Bootsfahrer gelten auf dem Vierwaldstättersee.  Und hier?

Keine Fahrprüfung
Keine Ufer Abstände
Keine Wasserski Regeln
Keine Überhol- und Alkoholregeln
Keine Fischer Lizenzen
Keine Passagier Regeln (Anzahl, Westen usw.)

Wir werden von unseren jungen Nachbarn zu einer Spritztour eingeladen. Es macht Spass den Wind im Haar zu spüren und natürlich gehe ich täglich schwimmen.

Ein früher Morgenmarsch macht uns fit fürs Stadtleben. 6 Nächte Urban Camp in Windhoek sind gebucht. Bernhard, der Besitzer, ist ein grosses Vorbild, wie ein Camping geführt werden soll.

Jeder Platz bietet viel Privatsphäre, alles ist blitzsauber, Segeldächer spenden Schatten und schützen vor Regen, Picknicktisch, Grillstelle, Wasseranschluss, Hängematte –  alles ist da und liebevoll unterhalten.

Aufgestelltes Personal bedient im angrenzenden Restaurant mit tollen Gartensitzplätzen, feinem Essen, guten Drinks, frechen Sprüchen und freiem Wifi! Es herrscht gute Vibration und wir lieben diesen Platz obwohl er mitten in einer Stadt liegt.

Lisebeth und Hansueli Müller sind da. Sie reisen mit ihrem Sohn mit Familie für 3 Monate durch Namibia. Sie kaufen einen neuen Koffer um unsere Ersatzteile zu bringen. Hansueli, als Elektroingenieur, überprüft unser System da wir 3 Board Batterien in 1 Jahr verbrauchen.

Unsere Reise soll ja für die nächsten paar Jahre weiter gehen. Wir sind angewiesen auf ein ReMo mit laufender Heizen und der Möglichkeit, für ein paar Tage ohne Strom zu stehen. Weiter benötigen wir eine neue Matratze, Kühlschrank und evt. einen neuen Herd. Solarpanel, Elektronik und Batterie müssen überprüft werden. Mit anderen Worten, unser Bänzli braucht eine Generalüberholung.

Sollen wir alles in Swakopmund reparieren und erneuern. Stefan Bauer ist sicher ein zuverlässiger Mobilbauer – kennt aber den CS Ausbau nicht im Detail.

Werni liegt wach. Es beschäftigt ihn, ob wir alle Reparaturen zu unserer Zufriedenheit hinbekommen. Ich liege wach, mich beschäftigt, dass Werni besorgt ist. Am Morgen sind die Würfel gefallen. Wir verschiffen Bänzli nach Bremerhaven. Wir lassen ihn beim Hersteller CS in Hamburg gesamtüberholen. Dann kann die Reise weiter gehen, in welche Richtung auch immer.

Wir verbringen schöne Tage mit der ganzen Müller Familie. Die drei Kinder bringen Leben und Erfrischung in die Bude. Das Reisevirus haben Lisebeth und Hansueli an ihre Kinder samt Grosskinder weitervererbt. Lisebeth und Hansueli feiern dieses ihr 50 jähriges Reisejubiläum. Sie haben einen Grossteil dieser Welt mit ihren diversen Reisemobilen gesehen. Chapeau!

 

 

Fazit der Woche: Müller Familienleben fühlt sich gut an.

24.4.-01.05.2022 völlig entspannt …

Ankommen in Namibia! Wir haben letztes Jahr in 4 Monaten vom Land schon echt viel gesehen. Völlig entspannt starten wir am Oranje Fluss, weder zum Bankomaten rennen noch SIM Karte Beschaffung ist uns wichtig. Einfach durchhängen, fast nichts tun – auf dem Fluss paddeln, schwimmen, lesen, schlafen, essen, trinken und nach Pisten suchen die wir noch nicht gefahren sind. Süsses Nichtstun halt.

Am Camp-Ufer fischt George. Geduldig, meditativ, wie ein ZEN Meister, wirft er Köder aus und zieht den leeren Haken wieder ein. Er zelebriert Fisch-Yoga. Stunden sitzt er am Fluss, Bescheidenheit und Güte zeichnen sein faltiges Gesicht. Grosse Karpfen zappeln manchmal an seiner Angel, er befreit sie vom Haken, ein Trophäenfoto wird geknipst, er küsst die Fische, streichelt über ihre Schuppen und entlässt alle wieder in die Freiheit. Fischen einmal anders!

Durch endlose Weite mit Null Verkehr fahren wir auf Pisten nach Karasburg. Es staubt zwar wieder aber ich ziehe die Partikel wie Lebenselixier ein. Wie ich die unbewohnte Landschaft in seinen Wüstenfarben und positiven Schwingungen liebe. Intuitiv nimmt der Tourist die Stimmung eines Landes und deren Menschen wahr. Es entstehen Vorlieben oder zögerliche Zuneigungen. Namibia berührt unsere Herzen definitiv.

Die Beschaffung eines Datenpaketes ist immer wieder ein Erlebnis, vor allem in kleineren Städtchen. Mit Ach und Krach schaffen wir es, Guthaben auf unsere SIM zu laden und diese in Daten umzuwandeln. Das Personal vom Spar und vom angrenzenden Bestattungsinstitut, das als Nebengeschäft auch MTC (Netzanbieter) Daten verkauft, sind super freundlich und hilfsbereit. Unseren Rauter bringen wir trotz geballter Ladung an Fremdwissen nicht zum Laufen.

Wir ändern die Route, anstelle einer Wüstenfahrt lösen wir in Keepmanshoop (15’000er Stadt) unerwartet schnell unser Internet Problem. Die Fahrtrichtung Lüderitz stimmt. Das alte Kalkofen Camp liegt verlassen wie Saint Exupérys verschollenes Flugzeug. Es gibt ein Haus mit dem Namen „Simplon Garage“ und eine Hütte die Goms heisst, der frühere Besitzer des Areals – ein Schweizer.

Wir rücken mit unseren Stühlen zur Seite, es kommt ein weiterer Camper der Füchse und Hasen sucht. Alex, der Fahrer ruft uns zu: “Ich chumä durä.“ Alex lebt seit 18 Jahren in Namibia und kennt einige Leute aus Obwalden.

Das Dorf Bethanie ist geprägt von der Lutherischen Kirche, hier steht das älteste, von Europäern erbaute Steingebäude (Schmelen Haus) aus dem Jahr 1814. Zuerst versuchen englische Missionare, später Deutsche, die Seelen der „Ungläubigen“ zu retten.

Schmelen Haus

Heute leben keine Missionare mehr hier, die 3 Dorfkirchen sind aber Zeugen der Vergangenheit. Wir bekommen eine Führung durch das alte Haus und die älteste Kirche vom hiesigen Dorfpfarrer.

Grössenwahnsinnige und Spinner hat es schon immer gegeben und gibt es noch. Das Schloss Duwisib gehört – seiner Optik, Lage und Entstehungsgeschichte wegen – zu den skurrilsten reichsdeutschen Kolonialbauwerken und erinnert an eine Festung.

Seine Entstehung verdankt der Bau dem sächsischen Artillerie-Offizier Hans-Heinrich von Wolf und seiner stinkreichen Ehefrau aus Amerika.

Auf Grund der vielen Wandbilder gehört sein Herz aber mehr der Zucht von Vollblutpferden als seiner Frau – höchstens ihrer Geldbörse.

1914 erreicht von Wolf die Nachricht vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Er meldet sich zum Kriegsdienst, fällt 1916 in Frankreich, seine Frau kehrt nie wieder nach Afrika zurück.

Unser Führer durch das Schloss 

In den 1970er Jahren geht das Castle in Staatsbesitz über. 1991 wird es vollständig und stilgetreu renoviert und ist heute für Tagesbesucher geöffnet.

An einer Tankstelle in Maltahöhe lächelt uns ein Paar breit an. „Hallo Obwalden,“ rufen sie uns zu. Es ist ja inzwischen fast alltäglich, dass wir Schweizer treffen. Tschümperlins sind für 2 Wochen zu dritt unterwegs und Manuela hält ein Etui in der Hand, dessen Farbe ich kenne. „Arbeitest du im Reisebüro Rilex?“ frage ich sie. Das ist ja der Oberhammer – sie ist eine Arbeitskollegin meiner Nichte Gerda, arbeitet aber in der Filiale Brunnen. Was da nicht alles zu fällt?

Während Werni unseren Autowasch im Blickwinkel behält beobachte ich die Menschen vom Städtchen Mariental. In welcher Gegend der Stadt sind wir denn da gelandet? Da raucht und trinkt eine schwangere Frau, es riecht verdächtig nach der Süsse von Marihuana, leicht bekleidete Damen machen sich an die Wäsche der Männer, Billiard Kugeln knallen gegeneinander, grobe Gesichter unterhalten sich laut – und das um 15 Uhr am Nachmittag. Jetzt muss ich aufpassen dass mir Werni nicht abhanden kommt😀.

Schon beim Einschreiben werden wir informiert, dass es heute Abend laut wird im Camping. Eine afrikanische Band spiele. Wow – freue ich mich – und sehe visuell schon den Rasta Mann liebevoll seinen Bass zupfen, die Sängerinnen ihren Knackarsch zu heissen Rhythmen schütteln, tolle Marimbo- und Perkussionseinlagen – meine Wunschfantasie kennt keine Grenzen.

Nicht „Friday night fever“ sondern schreien ums Überleben scheint die Musikrichtung des weissen Lokalmatadors zu sein. Zu Musik aus der Büchse steht der Sänger mit „Hauptsache glücklich“ Vibration alleine auf der Bühne und lässt sich von seinen Fans feiern. In Modern Talking Takt scheint der Sänger auf Kriegsfuss mit der Tonleiter zu stehen und wir beschliessen, ab sofort Musik zu hassen.

Musik ist übrigens eine grosse Begleiterin auf unserer Reise. Von Cohen über Willy de Ville, Amsterdam Klezmer über Ben Harper, The Teskey Brothers über Dani Klein, von BossHoss über Gregory Porter, und natürlich viel Schweizer Musik wie Koechli, Fankhauser, Sina, Polo, Vera usw. usw. versüsst uns lange Fahrten und friedvolles Schweigen.

Zwei stolze Güggel, ich finde beide äusserst hübsch und liebenswert.

Er scheint uns zu mögen, wie ein dressierter Hund läuft er hinter uns her. Er bewacht und verteidigt mit lautem Krähen unseren Campingplatz. Sollen wir ihn mitnehmen?

 

 

 

Fazit der Woche: Noch mehr Entschleunigung geht nicht! 

 

 

 

17.-24.4.2022 letzte Woche in ZA

Welcome to Babylonstoren, steht auf einem grossen Schild und heisst am Ostermontag 100erte Besucher willkommen. Babylonstoren wird nicht nur wegen seiner Weine, Hotellerie, SPA und Verkaufsläden besucht sondern vor allem wegen dem 3.5 Hektar grossen Traumgarten.

Gemüsebeete, Zier- und Heilpflanzen, Kräuter, Kakteen, Fruchtbäume – alles liebe- und kunstvoll angelegt, macht einen Spaziergang durch die Grünoase zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Im Jahr 2007 beauftragte die Eigentümerin Karen Roos den französischen Architekten Patrice Taravella mit der Planung der Gartenanlage. Seine Arbeit im Prieuré Notre Dame d’Orsan in Frankreich hat sie sehr beeindruckt.

Nach dem Vorbild der grossen französischen Gärten wird Babylonstoren angelegt.

Das Marketing der Firma scheint perfekt. Da gibt es die Saftabteilung mit grünen, roten, gelben und orangen Smoothies.
Die Frischabteilung verkauft knackige Gemüse. Der Duft von frischem Brot steigt in die Nase, Öle von handgepflückten Oliven stehen in den Regalen sowie Konfitüre, Chutney, Humus und Pesto. Zartes und gut gelagertes Biofleisch steht in der Metzgerei zum Verkauf, Nüsse, Trockenfrüchte und Nudeln gleich nebenan und Milchprodukte in der Käserei. Der Souvenir Laden präsentiert in harmonischer Abstimmung Stoffe, Kleider, Seifen, Raumdüfte, Vasen und vieles mehr und natürlich können Weine gekauft werden. Alles in gehobenem Preissegment und echt toll präsentiert. Was für Umsätze da wohl an einem Ostermontag zusammen kommen? Fast jeder Besucher verlässt das Areal mit einer Tüte in der Hand – wir sind da keine Ausnahme.

Ein Blitzbesuch in Franschhoek rundet das Osterwochenende ab. Den bekannten Weinzug fotografieren wir nur, es ist zu spät für eine weitere Weindegustation.

Heute Dienstag suchen wir Claus Peter von der Mette‘s Garage in Stellenbosch auf. Er wird uns wärmstens empfohlen. In deutscher Sprache lässt er sich unser Heizungsproblem schildern. Er nimmt die Herausforderung, trotz vollem Terminkalender, an und macht sich sofort an die Arbeit.

Claus Peter hat den Laden fest im Griff. Mit sicheren Kommandos delegiert er sein Team und seine Energie übersteigt das Trommeln des Duracell Hasen um Längen. Er beginnt morgens um 6 Uhr, arbeitet mit kurzen Pausen durch und geht jeden Abend mit seiner Frau joggen oder biken. Dazu ist er freundlich, geduldig und hilfsbereit. Was für ein charmantes Bündel an Vitalität.

Er stellt fest dass die Pumpen laufen, ein Verbindungskabel defekt ist, unsere Truma D6 keine Reset Taste hat, die Schaltpläne im Netz komplett fehlen und der Impuls für die Heizung zur Zündung fehlt. Wir brauchen eine Videokonferenz mit Truma Deutschland. Die wird auf Mittwoch angelegt, so Gott will. Truma Deutschland ist nicht der zuverlässigste Partner.

Wir dürfen bei Claus Peter und Mareta privat parken, bekommen Strom und eine blitzsaubere Toilette mit Dusche angeboten. Der Haus-Kater Jimi macht es sich in unserem ReMo gemütlich. Endlich wieder mal schmusen mit einem weichen Fell und Schnurrgesang.

Meine Galle läuft echt selten über aber wenn sie es tut, dann nimmt sie wie eine Weitspringerin Anlauf und überläuft explosionsartig. Was ärgern wir uns über die nicht vorhandene Unterstützung des Truma Teams in Deutschland. Da wird die Hochpreispolitik in Europa erklärt mit super Qualität und Dienstleistung! Ja genau, Truma D antwortet oft Wochen nicht auf Anfragen, weigert sich Schaltpläne frei zu geben oder eine WhatsApp Video Konferenz abzuhalten. Was für ein super Service. Beim Schweizer Truma Vertreter kommt es noch dicker! Der Kunde bekommt keinen direkten Gesprächspartner in die Leitung. Die übliche Leier :“ auf Deutsch drücken sie die Taste 1, für Bestellungen drücken sie die Taste 2, für sonstige Fragen drücken sie die Taste 3, für Service drücken sie die Taste 4,“ dann Dudel Dudel Musik, dann die Angabe einer 0800er Nummer die CHF 1.99 die Minute kostet!

Wir bekommen durch Herrn Portmann in Giswil (s‘Obwaldner Ländli ist einfach genial) ein paar wertvolle Hinweise zur Heizung. Wir vertagen das Thema mal auf Namibia.

Precious bei der Oliven Ernte

Mit Birgit und Rene Reiser verbringen wir nochmals einen sehr schönen Abend. Die Zwei haben sich was echt schönes in 10 Jahren harter Arbeit aufgebaut und ihre Weine munden uns hervorragend. Die letzte Lagerflasche Schampus wird entkorkt – wir hoffen auf ein Wiedersehen!

Das liebevoll eingerichtete Gästehaus im Morgennebel 

Emma schaut aber kritisch?

Die Fahrtrichtung ändert definitiv, ab jetzt geht es nordwärts. Richtung Noordoewer bestätigen die ersten Köcherbäume, dass wir auf dem Weg nach Namibia sind. Wie schnell sind doch die 6 Monate Südafrika vorbeigeflitzt. Etwas Wehmut kommt auf, für uns war die Fahrt durch das Land auch eine kleine Tour de Suisse! So viele liebenswerte Schweizer die hier arbeiten und leben, auf Urlaub sind, sich niederlassen für ein paar Jahre oder ihre Pension geniessen. So viel CH Dialekt haben wir schon lange nicht mehr gesprochen. Uf Wiederluägä!

Wir erwarten keine Schwierigkeiten beim Grenzübertritt Südafrika/Namibia. Es ist nachzulesen, wie einfach, schnell und unkompliziert das Prozedere ist. Nicht für uns! Unmotiviert werden unsere Pässe in ZA ausgestempelt und das Auto überprüft auf illegale Inhalte. Wir kontrollieren das Stempel Datum, es ist korrekt. In Namibia passieren wir den Covid Posten problemlos, dann geht es weiter zur Immigration. Der ZA Ausgangs-Stempel wird kontrolliert, da steht leider ENTER statt EXIT drauf. Also zurück zum ZA Posten, ca 2 km entfernt, der Dame lächelnd sagen, dass sie sicher versehentlich den falschen Stempel erwischt hat und wieder zurück zum namibischen Schalter. 3 Monate Aufenthalt werden gratis erteilt.

Im Strassenzoll Büro wird uns mitgeteilt, dass der Computer anzeigt, wir hätten noch Schulden vom 2021. Was ist jetzt los? Wir sind im System mit der Stufe Mobil-Grösse 3 statt 2 registriert. Wir erklären den netten Damen, dass unser Auto 3.2 Tonnen schwer ist und wir zur Stufe 2 gehören. Sie prüfen unseren Fahrzeugausweis, unser Carnet, wollen Bänzli sehen, telefonieren mit dem Hauptbüro und kommen nach 1 Stunde zum Entscheid, dass wir definitiv zur Stufe 2 gehören. „The System“ wird korrigiert, wir bezahlen unsere Strassentaxe und sind zurück in Namibia.

Der Kreis im Süden Afrikas schliesst sich. Im Amanzi Camp am Orange Fluss waren wir im April 21 mit Beatrice und Sandro. Der Fluss ist zum 2. mal in diesem Jahr über das Ufer getreten und setzt den grössten Teil des Camps unter Wasser.

 

Südafrika: Voller landschaftlicher Schönheit, abwechslungsreich, oft dicht besiedelt, viel Strassenverkehr mit fetten Autos, lockeres Leben mit guter Infrastruktur, sehr einfach zu bereisen, extreme Klassenunterschiede auf nächster Nähe, gespaltenes Schwarz/Weiss Verhältnis, grillen und Fleisch ohne Ende, eine Nation der Camper, äusserst freundliche Menschen, schön klingende Sprachen wie Zulu, Africaans usw., kaufen was das Herz begehrt und darüber hinaus, hoher Restaurant Standard, schöne Weine mit seinen Kellereien.

 

Was in Namibia als erstes auffällt? Viel Platz, wenig Verkehr, fast wie nach Hause kommen.

 


Fazit der Woche: ZA, sehen wir dich wieder?

 

 

10.-17.4.2022, ganz Tourist

Heute reihen wir uns in den internationalen Touristenstrom ein. Mit dem Uber-Taxi lassen wir uns früh zur Talstation des Tafelbergs bringen.

Rauflaufen ist zur Zeit keine Option. Ohne anzustehen gondeln wir mit der drehenden Garaventa Seilbahn zur Spitze des Tafelbergs. Es ist echt schön da oben und die Attraktion ist ein MUSS in Cape Town.

Der Löwenkopf links mit dem Signal Hügel rechts. 

Von einem Aussichtspunkt zum Nächsten wandernd beobachten wir schmunzelnd die Selfieverliebten Jungen die posieren, verrenken, Haare zurecht zupfen, Käppi drehen – eine Welt, die wir nicht mehr verstehen müssen.

Zufällig treffen wir die sympathische, bildhübsche und obendrein noch intelligente Patrizia aus Zug. Wir wandern zusammen, erzählen uns die Kurzversion unseres aktuellen Lebensstandes und trennen uns wieder. Patricia möchte an den Strand, wir auf den Stadtbus „hüpf auf – hüpf ab“!

Wir lieben dieses rote Gefährt. Wir sitzen oben ohne, hoch hinaus, bekommen einen guten Stadtüberblick und obendrein noch viel Geschichte über Südafrika und Kapstadt in deutscher Sprache. Im Ticket inbegriffen ist eine geführte Lauf-Tour durch die Stadtmitte und ihre Geschichte.

Bis zum Sonnenuntergang umfahren wir die Stadt und ihre Regionen mit der blauen und roten Buslinie. Ein gemütliches Nachtessen mit Heidy, Astrid und David rundet den schönen Tag ab. Hier einige Impressionen vom heutigen Tag.

Nelson Mandela und …

Desmond Tutu als Haus-Wandbilder

Ein Stück Berliner Mauer als Mahnmal….

Apartheitsgeschichte

Blumenmarkt mit der Nationalblume Protea

Rathaus (City Hall)

Abendstimmung an der Camps Bay.

Für uns sehr spät, nämlich um 22 Uhr, legen wir uns müde und zufrieden ins Bett. Was für ein schöner Tag!

Die Robben Insel, in einer 30 minütigen Schifffahrt erreichbar, ist mit traurigen Lebensgeschichten behaftet. Nelson Mandela und andere Apartheid-Gegner sitzen hier viele Jahre im Gefängnis.

Die Geschichte der Insel als Gefangenenlager beginnt jedoch vor der Apartheid. Schon im 16. Jahrhundert nutzen die Holländer Robben Island als Sträflingsinsel.

1843 schliesst die Anstalt seinen Betrieb und Lepra-Kranke werden auf die Insel verbannt. Die Aussätzigen bauen eine inzwischen verfallene Kirche, und sie setzten 43 Kinder in die Welt, statt – wie erwartet – schnell zu sterben. 1931 werden die Überlebenden nach Pretoria umgesiedelt.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs errichtet das südafrikanische Militär eine Basis auf der Insel.

Nelson Mandela ist 18 Jahre inhaftiert, von 1964 bis 1982. Hier das Bild seiner fünf Quadratmeter grossen Zelle. Danach wird er weitere 7 Jahre umgesiedelt.

Ein ehemaliger Insasse führt uns durch die Anlage. Er erzählt manchmal sehr emotional von seinen 7 Jahren auf Robben Island. „Du verlierst deine Identität, wirst zu einer Nummer, lebst in ständiger Angst vor Übergriffen, bekommst zuwenig zu Essen und musst hart arbeiten im Steinbruch.“ Seine brüchige Stimme lässt erahnen, wir traumatisch sein Leben während der Haft ist.

Die Gefangenen zu Mandelas Zeit sind zur Hälfte mit einem abgeschlossenen Studium. Sie unterrichten heimlich die Analphabeten, bringen ihnen Lesen, Schreiben und Englisch bei. Es ist kein Ort der Leichtigkeit.

Seine Erinnerungen an die Zeit auf Robben Island ist in der Biografie von Mandela „Der lange Weg zur Freiheit“ („Long Walk to Freedom„) nachzulesen.

Kehren wir zu Erfreulichem zurück! Ursi mit Tochter Leonie aus Engelberg sind für 2 Wochen in Kapstadt. Wir kennen die zwei nicht persönlich und verabreden uns zu einem Apero an der Wasserfront. Es ist immer sehr schön Menschen aus der Heimat zu treffen und so geniessen wir auch die kurze und sehr sympathische Begegnung mit den Beiden.

Heute habe ich einen Termin beim Schönheits Doktor. Immer wieder lese ich, dass Botox bei Migräne Linderung bringt. Ich brauche einen erfahrenen Arzt und finde in Dr. Pillay einen vertrauenswürdigen Experten. Er untersucht mich und spritzt Botox in die entsprechenden Trigger Punkte an Hals und Nacken. Es ist mir natürlich bewusst, dass es ein Nervengift ist, ein Leben ohne Migräne würde unser Reiseleben aber um einiges vereinfachen.

5 Tage Cape Town sind für uns als nicht Stadtmenschen mehr als genug. Geräuschpegel, künstliches Licht, Strassenverkehr, Menschenmenge usw. überfluten unsere Sinne. Im Kirstenbosch, botanischer Garten, finden wir zwar nicht viel Blühendes, es ist Herbst, dafür schöne Baumbestände und toll angelegte Wege.

Dieser Ficus Bonsai und ich sind beide 65 Jahre alt. Hallo Jahrgangskollege!

Unser erstes Weingut mit Verkostung ist das Meerendale. Wir nippen an 6 Weinen, sie sind nett aber der Wow-Effekt bleibt aus. Vielleicht liegt es an der Tageszeit, es ist Morgen.

In Stellenbosch holen wir das Ersatzteil (Glühstift) für unsere TRUMA Heizung ab. Wir haben von Sandro, Hardy und René Adressen erhalten, wo wir unsere Heizung in ZA evt. doch reparieren können.

Das Team Gloorioso flickt den Kochherd und montiert die neue Glasabdeckung, es ist die Dritte! Schön sieht es wieder aus! Wir erstellen eine neue Inventarliste von allen Ersatzteilen, Ordnung muss ja schliesslich sein. Oder ist es, weil wir laufend vergessen, wo wir was verstaut haben?

Am Karfreitag besuchen wir den Weinkeller „Hidden Valley“ in Stellenbosch. Wir testen 6 Weine, keiner mundet aussergewöhnlich, die Lage des Weingutes und das Plättli sind aber sensationell.

Stellenbosch und Franschhoek sind Städtchen, die allen Weinliebhabern ein Begriff sind. Diese Region ist übersät mit Weingütern und Rebstöcke in bester Qualität lassen die Winzerherzen hüpfen. Hier werden die besten Weine ZA hergestellt, hier kann man Weine degustieren bis das Blut blau ist. Die Gebäude sind meistens im kapholländischen Stil erbaut, inmitten der Weinberge, oft mit schönster Bergsicht und Kunst gespickt.

Ich habe nach der Hidden Valley Degustation keine Lust zu kochen, die 6 Versucherlis haben sich in Form von roten Wangen, müdem Geist und tattrigen Beinen niedergeschlagen. Wir essen eine Pizza im Restaurant gleich um die Ecke des Campingplatzes. Ich habe 4 Schnitten übrig, ich bin satt. Ich schaue mich im Restaurant um, sehe 4 trinkende Gäste, stehe auf und offeriere den Vieren spontan meine Pizza Resten. Die nehmen dankend an. Als wir gehen, bekomme ich 3 Stück 0.25 Liter Chilli Öle, schön verpackt, geschenkt. „Warum das Geschenk,“ will ich wissen? Ich habe meine Pizzaresten dem Besitzer des Restaurants verschenkt (wie peinlich ist das denn) und er will mir was zurück schenken. Wow!

Die kleinste Weinkellerei in ZA gehört Luca und Ingrid Bein. Luca erzählt uns philosophisch über die Qualität der Reben und ihrer Merlot Weine. Die Bein Weine können über Savinis Weinhandlung in der Schweiz gekauft werden. Er produziert ca. 18‘000 Flaschen pro Jahr und seine Weine munden uns sehr obwohl wir keine Merlot Fans sind.

Das Weingut Thelema liegt mitten in den Reben mit toller Sicht in die Berge. Die Weine haben uns allesamt zu viel Säure.

Die Weine vom Gut Tokara sind für unseren Gaumen sehr gut. Mit 14 Grad werden die Rotweine serviert. Wir bekommen einen schönen Halbmondtisch direkt am grossen Fenster und speisen hervorragend.

Die Weine in ZA haben generell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. So bekommt man einen schönen Weine für ca. CHF 9 – 20, die Flasche.

Der Eingang der Weinkellerei Tokara. Viel Kunst, Skulpturen und Bilder zieren das Restaurant sowie den Degustationsraum und der Garten ist sehr schön angelegt.

Wir sind zum Oster Brunch bei Birgit und Rene Reiser eingeladen. Im schönen Weingut und Gästehaus Jacaranda können köstliche Weine degustiert werden. Rene stammt aus Buochs und wir kennen uns seit Kindesbeinen.

Birgit verwöhnt uns mit Köstlichkeiten inkl. Röschti, wir degustieren einige Flaschen von bestem Weiss- und Rotwein, erzählen viel aus unserer Kindheit und Buochs. Es ist ein rundum schöner Ostersonntag und natürlich kaufen wir ein paar Flaschen. In der Schweiz können Jacaranda Weine bei KapWeine in Wädenswil direkt bestellt werden.

Danke Birgit und Rene für die spontane Einladung. Wir kommen wieder.

Den nächsten Ostertermin haben wir mit Marianne und Markus Zimmermann im Orange Ville Camp. Muss ich erwähnen, dass sie Schweizer sind? Sie sind 11 Tage in einem Cottage eingemietet und unsere Begegnung ist kurz und sehr sympathisch. Und so verbringen wir Ostern mit Menschen die sich fast wie Familie anfühlen.

 

 

Fazit der Woche: von Sonntag bis Sonntag herrscht die Farbe Blau! 

 

 

 

 

3.-10.4.2022, … soooo beautiful ….

Spaziergang durch Hermanus

In Somerset West lebt die Tochter meiner Cousine Pia. Erna, auch meine Cousine und treue Leserin unseres Blogs, stellt den Kontakt her. Karin lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Wir kennen uns nicht, das holen wir ganz schnell mit einem herzlichen Willkommen und schönen Gesprächen nach.

Karin und Steve haben ein schönes zu Hause, verwöhnen uns mit leckerem Essen und sind tolle Gastgeber. Danke ihr zwei, schön durften wir euch kennen lernen, ihr seid zwei ganz tolle Menschen.

In der CH gehören wir zur Gruppe „La Banda“! Ein Mal im Jahr trifft man sich zu einem Ausflug, meistens im Kanton Tessin. Dort lernen wir Claudia und Markus kennen. Und was für ein Zufall, auch sie sind zur Zeit in Somerset West. Wir treffen uns zu einem Lunch und auch hier stimmt die Chemie. Sie haben spannende Pläne, möchten für ein paar Jahre nach Somerset West umziehen. Wir wünschen euch alles Gute.

Das südafrikanische Weingut Vergelegen, deutsch „Abgelegen“, liegt ein Katzensprung von Karins Haus entfernt.

Das Weingut wurde von Willem Adriaan van der Stel gegründet, der im Jahr 1699 seinen Vater als Gouverneur ablöst. Namhafte Besucher wie Königin Elisabeth und die Clinton’s lachen aus einem XXL Rahmen und geben dem Herrenhaus noch mehr Würde.

Das Haus ist im typisch kapholländischen Baustil, das Dach strohgedeckt, die Räume grosszügig mit Teak- und Gelbholz versehen.

Auf dem Weingut befinden sich weit über 300 Jahre alte Kampferbäume, die zum Nationalmonument erklärt sind. Das Areal ist riesig, die Gärten ein Traum, 80 Angestellte sorgen für den Unterhalt der Gebäude, Gärten, Restauration und des Weinguts.

Die Weine von Vergelegen haben bereits viele internationale Auszeichnungen erlangt und gehören konstant zu den fünf besten Afrikas.

„Wartet, bis ihr im Western Cape seid,“ hören wir seid 5 Monaten. Diese Region ist so wunderschön. Unsere Herzen sind bedrückt, von Somerset über Muizenberg, Kalk Bay, Glencairn und Simon‘s Town erreichen wir the Bolders. Wie ein Mantra repetiere ich: „Mir gefällt es nicht hier.“ Gettos reihen sich aneinander, alte baufällige Häuser türmen sich der Hauptstrasse entlang und die Villen kleben an den engen Hängen.

Die Afrika Pinguine brüten im Tafelberg NP gerade ihre Eier aus. Einige Babys gucken schon scheu unter Mamis deckendem Bauchschutz hervor. Andere watscheln zum Meer, sie haben Hunger. Was für lustige Tiere, wir beobachten sie lange, sie zaubern immer wieder ein Lächeln auf unser Gesicht.

Wir haben seit langem im SPAR Fleischkäse gefunden. Der stramme Max mundet uns wie ein Festessen, dazu haben wir Meerblick und so endet der Mittwoch im Guten.

Ein neuer Tag, eine neue Optik. Die südlich von Kapstadt gelegene Kaphalbinsel gehört zum Tafelberg Nationalpark und ist ein sehr schönes Naturschutz- und Naherholungsgebiet. Im Park liegt das Cap der guten Hoffnung und der Cape Point. Es ist der südwestlichste Punkt Afrikas und somit der Ort, an dem die afrikanische Küste ihren Schwenk nach Norden beginnt.

Unmittelbar an der Küste erstreckt sich eine Felsenlandschaft, die sich unter Wasser auf das Meer ausdehnt. Ein Grossteil der Felsen befindet sich 50 cm bis 3 m unter der Wasseroberfläche. Eine weitere Gefahr sind die starken Winde am Kap. Selbst wenn ein Segelschiff das Kap weiträumig umsegelt, sorgen die Strömungen und Winde dafür, dass es immer wieder Richtung Küste gedrückt wird. Mindestens 23 Schiffe sollen hier als Wracks auf dem Meeresgrund liegen.

Richtung Cape Town irritieren uns Slums, Armut, Randständige, Verkehr und aggressive Fahrer. Nur dank der schnellen Reaktion von Werni umgehen wir eine Frontalkollision. Das Herz sackt in die Hose und zurück!

Jetzt sind wir hier, im sooo beautiful Kapstadt! Die ersten 2 Nächte sind wir 35 km ausserhalb der Stadt und benötigen 45 Minuten bis zu 1 Stunde um ins Zentrum zu fahren. Wir brauchen eine Wohnung im Herzen um warm zu werden mit Cape Town.

Wir versuchen unsere Heizung in Kapstadt zu reparieren, geht nicht, es sieht schlecht aus für die Heizung und für uns.

Wir parkieren, um uns ein Studio im „Man and Tree“ anzuschauen. Da klopft es an unser Autofenster. „Hallo Heidi, hallo Werni,“ lächelt uns ein sympathischer Mann um die Mitte 60 an. „Kennt ihr mich noch?“ Nachdenken, das Gesicht nochmals unter die Lupe nehmen – dann macht es Klick! Es ist Martin Kotthoff, wir haben seine Frau Christin und ihn an der Off-Road Messe in Bad Kissingen D an einer Tankstelle vor 6 Jahren kennen gelernt. Sie wohnen in Cape Town, er trinkt mit Freund Heiko einen Kaffee, sieht, erkennt und erinnert sich an unser Auto und an uns. Ist das nicht unglaublich?

Heute sind wir bei Martin eingeladen. Er versucht uns für die Westroute zu motivieren, erzählt und gibt uns Tipps. Auch Kusters mit West-Erfahrung ermuntern uns, den Westen hoch zu fahren. Zum ersten Mal in 3 Jahren wissen wir nicht wie weiter. Es verunsichert uns beide. Immer noch nicht ganz im Strumpf darf man zum ersten Mal sagen, dass wir in einer Reisekrise stecken. Wir wissen, dass der Westen fordernd ist was Visabeschaffung, Temperaturen, Grenzübertritte, Verkehr, Polizeikontrollen und Korruption anbelangt. Sind wir bereit für die Herausforderung?

Unser Studio ist 120 Meter von der Wohnung von Heidy, Astrid und David entfernt. Sie sind heute Samstag angekommen. Wir sagen kurz Hallo – so schön die Drei zu sehen. David hat uns so einiges aus der CH mitgebracht, suuupiii! Danke David.

Wir verabreden uns zum Sonntags-Frühstück im Neighbourgoods Market in der alten Keksfabrik. Es ist ein kulinarischer Frühschoppen, der Delikatessen aus vielen Ländern anbietet. Die laute Musik vertreibt uns relativ schnell.

Wir schauen uns ein paar Wandmalereien an…..

…..schlendern an der touristischen Wasserfront…….

…… geben der Architektur des alten Silos mit seinem Zeitz Museum of Contemporary Art Platz…

….. und laufen gemütlich zu unserem Hotel zurück.

Dabei sehen wir Brücken die plötzlich enden…..

Architekturmix……

…..paddeln im Battery Park mit seinen geschützten Wohneinheiten…….

…..und die Ärmsten der Armen die nur 100 Meter daneben in Karton, Plastik und Schutt einen Überlebenskampf führen.

Cape Town ist eine Stadt voller Gegensätze! Und hier noch ein Selbstbild von uns.

Dank Davids langen Armen passen wir alle drauf.

 

Fazit der Woche: Western Cape hat noch Luft nach oben. 

 

27.3. – 03.4.2022 von Haar und südlichstem Punkt

Was machen Frauen, wenn sie einen Aufsteller benötigen?

Schokolade und Süsses mag ich nicht besonders, für neue Kleider habe ich keinen Platz, bleibt nur der Besuch beim Coiffeur. Ich könnte euch jetzt meine lange Geschichte von einer Farb-Odyssee detailliert erzählen. Die Kurzversion ist, dass mir ein Coiffeur-Besuch ungewollt blondes Haar beschert. Werni ist geschockt, so bin ich es, und nur zwei Tage später versuchen wir das Blond in ein warmes Braun oder Grau umzuwandeln. Auch dieser Versuch scheitert und ein helles Orange macht sich auf meinem Kopf breit.

Super Farbe oder? 

Mein Spiegelbild sagt mir jeden Morgen: „Ich mag dich nicht,“ und so suche ich verzweifelt bei „Hashtags“ in George Beratung. „Ich will mein graues Haar zurück,“ jammere ich und so bekomme ich einen Termin früh am Montag Morgen.

4 Stunden lang wird mein Haar aufgehellt und in Platin eingefärbt. Salz und Pfeffer nennt die Coiffeuse die Farbe. Es ist definitiv viel besser als zuvor und das Grau schimmert wieder zart durch.

In Oudtshoorn finder just am Tag, wo wir dort sind, das alljährliche KKNK Festival statt. Es wird ein erstklassiges Programm für Liebhaber klassischer Musik und Chöre geboten und diverse Künstler stellen aus. Wir sind immer noch nicht ganz fit und streichen das Festival mit Bedauern.

Durch beeindruckende Szenerie, Straussenfarmen und Natur pur fahren wir durchs Hinterland. Oh, da ist jemand noch langsamer unterwegs als wir.

Der weltberühmte Swartberg Pass ist eine gut ausgebaute, 27 km lange Naturstrasse und eröffnet nach jeder Kurve neue atemberaubende Ausblicke. Zwischen Oudtshoorn und Prince Albert befindet sich die wunderschöne Gebirgskette die die kleine Karoo von der grossen Karoo abtrennt. Die Strasse schlängelt sich auf 1583 Meter hoch und wieder runter. Die Fahrt ist spektakulär!

Calitzdorp ist bekannt für seine Portweine. Wir streichen den Besuch des Weingutes De Krans, wir haben keine Lust auf Degustationen.

In einem ehemaligen Bahnhofareal finden wir einen gelungenen Übernachtungsplatz. Eine charismatische Bar, saubere Toiletten und eine tolle Atmosphäre herrscht auf dem „Bahnhof“. Stopp – der Zug kommt. Erinnerungen an den Bamboo Train in Kambodscha kommen auf.

Das Kind in der Frau und im Mann erwacht! Wir gigglen vor uns her und haben echt den Plausch an der Draisinen-Fahrt.

Im Bontebok NP suchen wir lange und vergebens nach Tieren. Der kleinste Park in ZA schützt vor allem den Bontebok (Bundbock). Wir sehen aus der Ferne ein paar Vierbeiner. Die Landschaft entschädigt, wir können direkt am Fluss laufen gehen und parken auch am Wasser.

Der englische Name Arniston stammt von einem britischen Truppenschiff das 1815 in der Nähe strandet und 372 Menschen in den Tod reisst. Arniston ist auch heute noch ein intaktes Fischerdorf mit kleinen Häusern die unter Denkmalschutz stehen.

Täglich verkaufen Fischer den Fang direkt an Kundinnen. Es regnet in Strömen, wir fahren durch das Dorf, bewundern die schönen Häuser und fahren weiter.

Geografisch ist das „Kap der Nadeln“, Kap Agulhas, der südlichste Punkt vom Kontinent Afrika und nicht, wie oft angenommen, das Kap der Guten Hoffnung. Der 20. Meridian liegt in etwa auf dem Kap Agulhas und ist die geografische Grenze zwischen dem Atlantischem und Indischem Ozean.

Emotional stehen wir am historischen Punkt. Wir haben es geschafft! In über 3 Jahren sind wir die Ostroute von Egypten bis Südafrika gefahren. Viel erlebt, gesehen, erreicht, hinter uns gebracht – reifer und älter geworden, viel gelernt und erfahren sitzen wir bewegt, gerührt und stolz in unserem Bänzli bei einem feinen Nachtessen (starker Wind) und einer Flasche Wein.

Wir erzählen von der Reise, von Höhen- und Tiefpunkten. Von Begegnungen die unsere Herzen erwärmen, von solchen, die unsere Energie innert Minuten rauben. Reisen ist wundervoll, spannend, erlebnisreich manchmal auch anstrengend und ermüdend.

Reisen ergibt oft eine andere Sicht auf diverse Themen, nicht besser, nicht schlechter, einfach anders und wir fragen uns oft, wie wir in der kleinen aber schönen Schweiz wieder zurecht kommen werden?

Elim ist ein Dorf das unter Denkmalschutz steht. 1824 als deutsche Missionsstation gegründet bewohnen bis Heute Mitglieder des Moravian-Ordens das Dorf mit den bunten Häuschen, die teilweise liebevoll restauriert sind.

Das Städtchen Gans Bay ist weltweit berühmt wie berüchtigt für die grosse Anzahl weisser Haie entlang der Küste. Auf Bootstouren hat man die Möglichkeit, sie aus nächster Nähe zu beobachten oder, geschützt durch einen Käfig, mit ihnen zu tauchen. Wir lassen beides weg, so nahe müssen wir sie nicht wirklich sehen.

 

Fazit der Woche: Unser erstes Etappenziel ist erreicht! 

 

 

 

 

20.-27.3.2022 ….krank ……

Was soll ich euch diese Woche schreiben? Es gibt super gute Wochen, dann weniger gute und zu guter Letzt miserable Wochen.

Die KW 12 gehört definitiv zur letzteren Kategorie. Wir erwachen mit Fieber, Magenbeschwerden, Glieder- und furchtbaren Kopfschmerzen, Werni mit Halsweh und Husten noch dazu. Wir buchen in George ein Zimmer und gehen freiwillig in Quarantäne. Immerhin lässt es sich gut auskurieren in einem so schönen Zimmer und super netten Gastgebern.

Unser Zimmer riecht nach Zwiebeln, Vicks und Kartoffeln, mal kommt der Wickel auf die Bronchien, mal auf den Hals, Lazarett Gloor ist eröffnet.

Nach 4 Nächten ist unser Zimmer vergeben. Wir buchen eine ruhige Pension, Amour Gästehaus in Stadtnähe, diesmal mit Frühstück. Wir sind noch nicht parat weiter zu fahren.

Wir wechseln uns gegenseitig in der Pflege ab, mal geht es Werni etwas besser, mal mir.

Auch der Krankheitswoche können wir Gutes abgewinnen. Es ist bis am Samstag schlechtes Wetter, die geplante Passfahrt für diese Woche wäre eh ins Wasser gefallen. Unser Bänzli bekommt ein Facelifting, er wird professionell poliert und sieht jetzt aus wie neu!

Wir gönnen uns viel Ruhe, fallen immer wieder in Tiefschlaf, trinken literweise Tee und leben ausschliesslich von Früchten.

Heute Sonntag fühlen wir uns beide viel besser. Noch nicht Badezeit, das Ärgste scheint aber überstanden. Wir planen die Weiterfahrt für Dienstag. Zurück bleibt eine leicht bedrückte Stimmung die einem einfach befällt nach 1 Woche liegen im Bett.

Da konnten wir noch lachen, der Tag vor dem grossen Jammer und hoffentlich bald wieder so fröhlich unterwegs.

 

Fazit der Woche: Es hat wohl alles seinen Grund! 

 

13.-20.03.2022 ..freche Vögel..

An die 80 km fahren wir durch Apfelplantagen und einfachste Arbeiterbehausungen zurück ans Meer. Es regnet den ganzen Tag, mal sind es tanzende – mal fette schwere Tropfen auf unserer Windschutzscheibe. Das Nature Valley ist sehr schön mit tollen Wandermöglichkeiten – wäre da nicht Petrus der kein Erbarmen kennt. Es kühlt auf 14 Grad ab und das tagsüber. Am nächsten Morgen haben wir Null Motivation, auch nur einen Schritt zu laufen. Strandfahrt und Besichtigung auf 4 Rädern ist auch nicht schlecht.

Die Sitzbänke stehen unter Wasser

Über die Bloukrans-Brücke sind wir am Sonntag schon gefahren. Nur konnten wir sie wegen dem Nebel nicht sehen. 16 km zurück steht sie prächtig da, die Bogenbrücke die 1983 eröffnet wird und 216 Meter über dem gleichnamigen Fluss schwebt.

Für CHF 350 kann der Adrenalin Süchtige in die Tiefe springen und seiner Wanderniere den Vortritt lassen. Um kein Geld in der Welt würden wir springen – da sind wir uns einig.

Der Vogelpark „Birds of Eden“ ist eine überdachte, 23 000 m2 grosse Fläche mit über 4500 Vögeln. Es ist die grösste  Freiflugvoliere der Welt und befindet sich in der Nähe von Plettenberg Bay. Die Netzkuppel des Schutzgebiets ist auf einer Fläche von 2,3 Hektar einheimischen Waldes errichtet und befindet sich bis zu 55 Meter über dem Boden.

Holzstege führen über verschiedene Ebenen in 1.7 km durch den Vogelpark. Wir haben eine tolle Geschäftsidee. Derjenige, der mit Vogelscheisse auf dem Kopf zurück kommt, kriegt das Eintrittsgeld zurück. Wir schaffen den Durchgang ohne die weisse klebrige Masse im Haar, dafür mit einem blutigen Finger.

Der freche Amazonen-Papagei fliegt auf mein iPhone und attackiert meinen Zeigefinger. „Autsch – du frecher Kerl!“

Die Papageien verfolgen uns regelrecht und versuchen uns immer wieder anzufliegen. Hitchcock’s Vögel lassen grüssen.

Kappapagei

Wir sichten tolle, farbige Vögel. Der Eden Park ist echt schön und sehenswert.

Knysna-Turaco

Goldfasan

Scharlachsichler Ibis

Guinea Taube

Ringneck Sittich

Grauducker mit Geierperlhuhn

Turaco

Wellensittich

Beim „Rock Arch“ Camping am   Keurboomstrand treffen wir Esther und Thomas aus der Schweiz. Die Beiden sind seit 2014 auf Weltreise mit ihrem sehr schön ausgebauten MAN. Gegenüber ihren Erzählungen und Erlebnissen sind wir immer noch Anfänger. Fast die ganze Welt haben sie schon bereist. Leider fahren wir in entgegengesetzter Richtung.

Ein paar Schritte vom Camping entfernt treffen sich im Restaurant Enrico Klunker, Gold, gestylte und andere zu leckerem italienischen Essen. Auf der schönen Terrasse direkt am Meer essen wir Tomatensalat mit super feinem Mozzarella, der auf der Zunge zergeht.

Um Lynn und Gys an der Mossel Bay zu treffen, sind wir einmal mehr zickzack unterwegs.

Gys feiert seinen 64. Geburtstag. Wir verbringen schöne Stunden zusammen, Gys zeigt uns den Leuchtturm ….