15.-22.1.2023, von Schock und 3 Engeln

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Die Hoffnung, Bariloche mit weniger Sommertourismus anzutreffen, stirbt bei der Einfahrt in die 200’000 Einwohner Stadt. Massenansammlungen und Stau fahren fordern uns.

Trotzdem gibt es auch Positives zu berichten. Wir können Gas füllen bei Oscar, er stellt meinen Gasherd so ein, dass 1 Liter kaltes Wasser in weniger als 15 Minuten kocht, wir finden Gewürze, erledigen alle Internet Angelegenheiten und gehen in Restaurants essen. Auch hier gibt es eine “Colonia Suiza” mit schönen Campingplätzen.

Wir trauen unseren Augen nicht bei der Lawine von Autos und Badenden an jedem Strandzugang und die Campingplätze in Colonia überquellen von Zelten, Womos, Autos, spielenden Kindern …Horror…Schock …. Horror. Bei einer Bauruine am See El Trébol finden wir Frieden. Wir streichen Wanderungen um Bariloche und fliehen am nächsten Tag Richtung Süden.

Auch am See Epuyén sind alle Campingplätze ausgebucht, zudem ist es 36 Grad. Wir fahren weiter und ich wünschte mir, ich könnte 10 Grad als Wärmespeicher mit in den kalten Süden mitnehmen. 

An einem kleinen Fluss bei Villa El Blanco baden wir mit den Einheimischen und freuen uns alleine hier zu stehen.

Der Nationalpark Los Alerces (Alerces sind patagonische Zypressen) ist unsere nächste Destination.

Die Gegend ist normalerweise unberührt, nicht so im Januar, auch hier sind fast alle Campingplätze ausgebucht. Glasklare Seen betten sich in die grüne, gebirgige Landschaft ein. Wir bestaunen die Andengipfel, die die Grenze zu Chile bilden.

Ein leckeres Gemüsecurry mit einem Glas Wein direkt am See Rivadavia ……. und dann passiert es. Bei einem Schluck Wein landet eine Wespe 🐝 in meinem Mund und beisst mich in die Oberlippe. Keine Panik – ich bin keine Allergikerin, wir essen weiter. Die ganze Oberlippe schwillt zu Hyaluronschläuchen an, ich kann mir freche Sprüche nicht verkneifen.

Was so ein kleines Tier anstellen kann! 

Plötzlich jucken meine Handinnenflächen, ich werfe Apis homöopathisch ein, Quaddeln bilden sich an Brustkorb, Armen und Beinen, mein Gesicht schwillt an, meine Augen überquellen, die Atmung wird eng, die dummen Sprüche stoppen. Ich lege mich mit einem Antihistaminika hin, es wird schlimmer, Marlis schaut nach mir, Filmriss, ich erwache am Boden wieder. Meine 3 Engel Marlis (ehemalige Krankenschwester) Werni und Kurt bringen mich zum Atmen, ich höre Funk, Stimmen, spüre 6 beruhigende Hände auf mir…..

Ich muss auf die Toilette…… wieder drifte ich in die Welt der Bewusstlosigkeit ab…. ich erwache wieder auf dem Boden. Ich muss erbrechen, den hygienischen Zustand möchte ich nicht weiter erläutern, apathisch öffnen und schliessen sich meine Augen. Meine 3 Engel sind bei mir, rufen nach einem Arzt, organisieren Hilfe. Aus weiter Ferne höre ich Stimmen, atmen Heidi atmen.

David, der herbeieilende Arzt spritzt mir Kortison in den Allerwertesten, steckt eine  Infusion, das Gesicht schwillt weiter an, mein Puls ist flach, der Juckreiz wird weniger, ich spreche wieder. „Estoy mechor“ sage ich David, er sollte schon lange bei einer Unfallstelle sein. Werni und Marlis betreuen mich liebevoll, Kurt räumt das Unangenehme weg – Mensch habe ich Glück dass die 3 an meiner Seite sind.

Ich will nur noch ins Bett, ich schliesse die Augen, Gedanken spielen verrückt, der erholsame Schlaf überkommt mich, danke Marlis, Werni, Kurt! Ihr und Doktor David habt mich aus dem anaphylaktischen Schock zurück geholt.

Am nächsten Morgen sehe ich aufgeschwollen und verändert aus aber die Reise kann weiter gehen. Das gestrige Erlebnis will noch verarbeitet werden und das geht gut in Bewegung. Wir wandern gemütlich den Camino a Puerto Chucao und lassen uns nochmals begeistern von der herrlichen Natur.

Die Stadt Trevelin ist bekannt für seine Tulpenblüte im Oktober. Ein Bild aus dem Netz zeigt die Schönheit dieser Jahreszeit.

Der gestrige Abend hat uns alle ganz schön gefordert, wir sind hundemüde und gehen früh schlafen. Ab morgen geht es zügig der Ruta 40 entlang Richtung Süden.

 

Fazit der Woche: Was habe ich doch für 3 tolle Reisebegleiter! 

8.-15.1.2023 die Schweiz in Argentinien

 

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Die Mapuche sind ein indigenes Volk Südamerikas und ihr angestammtes Gebiet ist Chile und Argentinien. Sie begegnen der spanischen Kolonisation mit über 300 Jahre Gegenwehr. Und sie sind clever! Sie stehlen den spanischen Eindringlingen die Pferde und erlernen die Reitkunst und Zucht der Tiere. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickeln sie eine kriegerische und mutige Reitkultur.

Und diese Kunst beweisen die Mapuche Männer mit viel Stolz und Tradition am „Fiesta del Piñonero“ am Aluminé See wo wir gerade sind. Wilde Pferde werden bestiegen und geritten, ein Rodeo zu Live Musik mit Verkaufsständen und viel Tradition.

Ab 22 Uhr steige die grosse Party zu Musik und Chamamé. Wir sollen unbedingt nochmals kommen. Doch um 22 Uhr brutzeln halbe Schafe an den Familien Feuerstellen und von Tanz ist nichts zu sehen.

Wir werden aufgeklärt, dass das Fest erst zwischen 23 und 24 Uhr beginnt. Schon spät für Pensionisten und so verpassen wir das Fest der Feste leider.

Mapu bedeutet Erde und Che Mensch. Die Mapuche sind „Menschen dieser Erde“ wie du, ich, wir. Über den Wert der einzelnen Völker, über Kriege, Kolonisation, Macht, Ungerechtigkeit und Arroganz diskutieren wir einmal mehr.

Das Camp am Rucachoroi See wird von Mapuche betrieben und der Wanderweg zur Lagune Verde soll schön und gut markiert sein. 2 h Wanderzeit trotz geplanter Weiterfahrt liegt drin. Uns verwirren die wenigen Anfangszeichen eher und später finden wir gar keinen Weg mehr.

Das Gebüsch wird immer dichter und die Laguna Verde ist auch nach 1 Stunde wandern laut GPS noch weit entfernt. Wir beschliessen umzukehren. Es ist trotzdem schön. Das anschliessende Bad im kristallklaren See ist der Hammer!

Wir sind im Gebiet des Lanin Nationalparkes. Am Quillén See gefällt es uns genau so gut wie am Paimún. Die Anfahrten zu den einzelnen Tälern sind rumpelig und vor allem sehr staubig. Beim kreuzen von Fahrzeugen werden die Autos von riesigen Staubwolken verschluckt. Die Feinstpartikel pressen sich durch Schlösser und Ritzen in unser Reiseloft, wir sind quasi verloren im Staub, innen wie aussen.

Mystische Morgenstimmungen, föhnartiger Urnersee-Wellengang, imposante Vulkangipfel und kalte Temperaturen bestätigen, wir sind angekommen in der wilden, rauen und bombastischen Natur von Patagonien.

Immer wieder rufe ich aus: „Schau da steht der Brisen, dort der Pilatus, da der Gitzitritt, der See hat Farben wie bei der Risleten, luäg dä Höch Dossä…..“ Die Natur ist so vergleichbar mit der Innerschweiz dass ich fast Heimweh bekomme.

Schiff fahren mögen wir alle vier und so schippern wir mit einem Katamaran 2 Stunden über den See Epulafquen. Der 3776 Meter hohe Vulkan Lanin soll einer der schönsten Berge der Welt sein.

Er präsentiert sich vom Boot aus gesehen machtvoll und erhaben von seiner schönsten Seite.

Unberührte Natur begegnet uns wie versteinerte Lawa. Beim letzten Vulkanausbruch vor 300 Jahren bildet sich ein Lawadelta wo heute die Bäume nur in Bonsai Grösse wachsen.

Pausentage sind auch immer Arbeitstage, jeder versinkt in seine eigene kleine Welt. Es wird entkalkt, abgedichtet, geputzt, geräumt, gelesen, geflickt, gehäkelt, geplant, gepaddelt, gebadet….. bis wir uns wieder treffen am Esstisch.

Wir sind ein gutes und spontanes Küchen-Team und unsere Gaumen danken es uns.

Jubii, ich habe Spass auf dem See Paimún. Zuerst noch zögerlich und unregelmässig paddle ich dann rhythmisch durch die Wellen, mein ganzer Körper singt „oh happy day“. Was für ein Hammer Gefühl mit den Elementen Wasser und Luft in Harmonie zu sein – Genuss pur!

Auch Werni geniesst die Paddelfahrt!

Wir sind auf der Route der 7 Seen. Sie führt auf der Ruta 40 von San Martin nach Bariloche. Nebst den 7 Seen gibt viele kleinere und total romantische Seen mehr. Die Farben, die Landschaft, das klare Wasser sind atemberaubend, einzig die staubigen Schotterstrassen und die Touristenmengen hinterlassen Tintenflecke.

Wir stehen für 3 Nächte am See Traful in der Hoffnung, dass ab Dienstag, den 17.1. Bariloche, unser nächstes Ziel, etwas weniger überfüllt ist.

 

Fazit der Woche: Wiä däheimä!

O1. – 08.1.2023 Neujahrswoche

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Warum müssen Wintersportorte oft mit scheusslicher Architektur bestückt sein? In Las Leñas reihen sich Hotel an Hotel, Scheusslichkeit an Scheusslichkeit. Jetzt im Sommer bietet Las Leñas weder offene Sessellifte (es gibt 30 Abfahrtspisten) noch Schönheit. Und warum fahren Gloor‘s denn da hoch?

Ab hier führt eine Piste 45 km hoch auf 2900 Meter und wieder runter auf 2200 Meter ins Valle Hermoso. Hier fühle ich mich wie auf der Melchsee Frutt und wir parken direkt am See Laguna del Valle.

Mit Marlis und Kurt feiern wir Silvester im Bergrestaurant. Um 22.30 Uhr beginnt der Silvesterschmaus mit einer tollen Vorspeise die schon satt macht. Dann folgt Gitzi – mit Süsskartoffeln, das Gitzi hätte dafür nicht wirklich sterben müssen.

Das ganze Team verwöhnt uns mit Aufmerksamkeit, schön gedecktem Tisch und einem Güpli mit Feuerwerk zum Jahreswechsel. Der Abend ist gemütlich locker, wir sind warm eingepackt und geniessen unsere Gesellschaft.

Und dann ist es da, das 2023. Wir heissen es ohne Forderung, Vorsätze und Erwartungen willkommen. FELIZ AÑO NUEVO!

Haarnadeln runter in die Ebene

Selber Schuld! Der 1. Tag im Jahr beginnt mit Brummen im Kopf.

Wir fahren durch atemberaubende Landschaft in die Einsamkeit der Hochebene.

Dieses tolle Bild hat Kurt mit der Drohne aufgenommen.

Zu Fuss geht es bis ans Ende der Welt wo das Tal eng und dunkel wird. Das Valle hat den richtigen Namen, wir können das „Hermoso“ x-fach unterschreiben!

Kann das Neujahr noch schöner begrüsst werden? Augenweide pur, Nahrung für Geist und Seele.

Im Provinzstädtchen Malargüe das Übliche; einkaufen, Auto und Wäsche waschen, Internet nutzen, Route besprechen usw. Wir bekommen eine Inreach-Schulung (unser Mini SOS Gerät) von Kurt. Danke Kurt, toll – du hast definitiv das Technik- und Software Gen!

Wir sind auf der Strasse der Araukarien. Diese fantastischen Bäume der Familie der Koniferen begleiten und begeistern uns die nächsten Tage. Das älteste Exemplar soll 1000 Jahre alt sein.

Copahue ist bekannt für seine Schwefelbäder. Bädälä gehört zur Familie Ambauen wie der linke Socken zum Rechten. Doch bei der Ankunft in Copahue rutscht mir die Badelust tief in die Hose. Der Camping ist zwar von einem netten Herrn betreut aber so was von scheusslich und lieblos. Die Bäder, ordentlich in die Jahre gekommen, erinnern mehr an ein Lazarett als an Badegenuss, das ganze Mini-Dorf liegt zwischen Schutt- und Schwefelduft – also nichts wie weg.

Wir finden in der Nähe einen schönen Wildstehplatz und geniessen die Aussicht und die sprudelnden Schwefelquellen, die 80 grädig aus dem Boden sprudeln. Wir befinden uns auf 1900 Höhenmeter.

Eine schöne 5 stündige Wanderung führt uns am Wasserfall Salto Agro vorbei, weiter an schönen Lagunen durch Vulkangebiet und archaische Wälder.

Marlis und ich haben uns viel, ja sogar sehr viel zu erzählen so dass die armen Männer zum Schluss wenigstens 10 Minuten Schweigemarsch einfordern. Ups!

In Caviahue stehen wir zwischen Araukarien mit Blick auf den See, kann das Leben schöner sein?

Im „Reise Know How“ Führer wird die Region um das Städtchen Villa Pehuenia als Tipp für einsame Stille beschrieben. Das ist zumindest jetzt über die Festtage und die grossen Sommerferien der Kinder nicht so. Die Campingplätze sind randvoll, viele argentinische Touristen tummeln sich im Wasser, paddeln und vergnügen sich. Zum Glück finden wir einen Campingplatz etwas ausserhalb mit wenig Gästen (weil teuer und fast keine Infrastruktur) aber direkt am wundervollen Aluminé See gelegen. Kurt packt sein Paddel aus, wir montieren die Hängematte und gönnen uns 1 Tag mit süssem Nichtstun.

 

Fazit der Wiche: Neues Jahr du kannst so weiter gehen. 

 

 

 

 

25.1.2022 – 01.02.2022 verhaltene Freude

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BA ist am 25.12. fast menschenleer und der Verkehr stockt ausnahmsweise nicht.

Ein Bild mit Seltenheitswert! In der Avenida de Mayo bilden sich täglich Blechlawinen. Heute kann ich in der Mitte der Strasse ein Foto zum Casa Rosada, dem Regierungsgebäude knipsen.

Wir schaffen es, Netflix zu abonnieren. Wir wollen zusammen spanische Serien schauen um besser in die Sprache reinzukommen. 72 Folgen vom Drogenbaron Pablo Emilio Escobar Gaviria sind runter geladen, diese Woche geht es los!

Im spanischen Restaurant Plaza Mayor essen wir eine wunderbare Paella ….

… und dann kommt das WhatsApp…. unser Büsli ist repariert und wartet auf uns. Husch rein ins Taxi und Bänzli abholen. Die Probefahrt fühlt sich gut an.

In San Antonio de Areco verbringen wir nach einer Pause von 5 Wochen unsere 1. Nacht in unserem mobilen Loft. So schön wieder unterwegs zu sein. Das Städtchen wird als Geheimtipp sehr empfohlen. Unser Aufenthalt wird aber von einem penetranten Kadaver-Geruch in Flussnähe gestört. Bei genauem hinsehen treiben viele tote Fische auf dem Wasser. Ein unangenehmer Anblick und die Nase meldet Stinkalarm. Der Fluss hat fast keine Strömung – ob es Chemikalien sind?

Noch nie auf unserer 4 jährigen Reise sind wir 950 km am Stück gefahren. Für unsere D Leser/innen mag das seltsam klingen, sie, die locker 1000 km am Stück fahren. Wir Schweizer durchqueren unser Land vom Boden- bis zum Genfersee fast 3 mal in 1000 km – halt immer eine Frage der Sicht.

Unser Bus ist echt unangenehm zu fahren. Er zieht in alle Richtungen und hält die Spur nicht obwohl kontrolliert in BA.

Durch Pampa, alles flach, fahren wir auf schnurgerader Hauptstrasse durch Gemüse-, Getreide- und Sonnenblumenfelder bis dann nur noch Steppe folgt. Urplötzlich kommen wir in das fruchtbare Wein- und Agro-Gebiet der Umgebung von Mendoza. Und wir sehen die ersten Berge der Anden. Nahe San Rafael übernachten wir beim Schweizer Patrick im Camp Rivera. Es ist zwar geschlossen aber wir sind herzlich willkommen. Alleine stehen wir in der Idylle. So schön wieder in der Natur zu wohnen.

Wir schauen uns San Rafael an und wollen nochmals die Spur kontrollieren lassen. Beim 3. Anlauf stellt ein kleiner freundlicher Mechaniker fest, dass sie fast um 3 cm. nicht stimmt.

Nach der Korrektur und der Testfahrt leuchten Wernis Augen, endlich ist unser Bänzli wieder der Alte. Halleluja!

Die Panorama Strecke über das Valle Grande bringt uns weiter Richtung Ruta 40.

Was die Natur alles gestaltet!

Meine schwarzen Schuhe wechseln die Farbe auf weiss beim langen marsch auf dem Salzsee. Immer wieder beeindruckend.

Und dann biegen wir ein in die legendäre Ruta 40! Auf ihr werden wir viele 1000 km den Anden entlang fahren.

Immer wieder möchten wir in Seitentäler reinfahren. Wir werden für die nächsten Wochen wenig Internet haben und wir können euch den Blog evt. nicht so zuverlässig liefern.

Jetzt wünschen wir euch einen guten „Rutsch „ ins neue Jahr, dass eure Route im 2023 wenig Schwellen und Schlaglöcher hat und ihr gesund bleibt. Herzlich Heidi und Werni

 

Fazit der Woche: Glücklich unterwegs! 

 

 

 

18.-25.12.2922 die 4 W

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Keiner zu klein um fussballbegeistert zu sein! Vier W’s beschäftigen uns diese Woche:

W:   Weltmeister
W:   Warten
W:   Weiterreise
W:   Weihnachten

Weltmeister: Alle Leserinnen, die das Spiel Argentinien gegen Frankreich schauen, sind sich einig. Das Spiel ist ein Stieg Larsson Krimi und kann an Spannung und Tragik nicht überboten werden. Wir fiebern mit und teilen zum Schluss die grosse Freude der Argentinier. Weltmeister, Weltmeister, Weltmeister!

Was dann ab geht auf den Strassen von Buenos Aires kann nicht beschrieben werden. Es herrscht Freude der Superlative und alle und jedermann scheint in blau/weiss auf den Strassen zu sein.

Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Bravo Mannschaft, ihr bringt für ein paar Tage Unbeschwertheit nach Argentinien und uns ein einmaliges Erlebnis.

Der Geräuschpegel ist enorm und wir können uns nicht satt sehen ob der grossen Freude und Ausgelassenheit.

Warten: Wir sind ganz und gar nicht im versprochenen Terminplan der Mercedes Garage. 1 Ersatzteil ist auch nach 1 Woche noch ausstehend. Fett wir, Kursiv Garage:

Von welchem Teil in Argentinien kommt denn das Ersatzteil? Vom 8 km entfernten Flughafengebiet.
Ist es auch wirklich an Lager? Ja
Können wir hinfahren und es abholen? Nein.
Auf wann wird es denn erwartet? Vielleicht heute Nachmittag, vielleicht Dienstag, vielleicht Mittwoch, 

Warum habe ich mich immer noch nicht daran gewöhnt, dass in Südamerika genau so wenig funktioniert wie in Afrika? Es wird Zeit dass ich das in meinen Schädel reinbringe!

Im frühen 19. Jahrhundert verläuft entlang der heutigen Straße im La Boca Quartier ein kleiner Fluss, der in den Riachueli mündet. Als der Wasserlauf austrocknet werden Bahngleise verlegt (Teile davon existieren bis heute). 1954 wird die Bahnlinie stillgelegt und das alte Flussbett aufgefüllt.

Die Ecke ist für einige Jahre der Schandfleck von La Boca, bis der Künstler Benito Quinquela Martin zu Farbeimern greift und die Fassaden entlang der Strasse bunt anstreicht. 1959 wird der Caminito zur Museumsstrasse und ist heute ein Touristenmagnet.

Der Papst darf neben Maradona vom Balkon winken.

Von La Boca schlendern wir die 3 km zurück nach Hause. Buenos Aires ist einfach eine tolle Stadt und wir entdecken immer wieder neues.

Kurzfristig erklärt die Regierung den Dienstag zum Nationalen Feiertag. Die Fussballmannschaft ist zurück aus Katar und in BA eingetroffen. 5 Millionen Fans sind auf den Beinen, wir auch.

Da wird getanzt, gesungen, gelacht, umarmt und geweint, die Menschen verschmelzen zu einer grossen Familie. Wir gehen direkt ins Gewühl und sind dankbar, dass das Schicksal uns in BA festhält.

Wir sind so was von mega begeistert. Es ist sehr warm und definitiv das Fest der Jugend. 6 Stunden beobachten wir am Boden hockend und im Schatten den vorbeiziehenden Menschenstrom.

Wir gehören mit Abstand zu den Ältesten – stört uns überhaupt nicht. Immer wieder ziehe ich mit meiner Kamera los, mitten in die Masse. Da umkreisen mich tanzende und singen: “Abuela, Abuela, Grossi, Grossi.“ Mich ehrts, ich kann einen schönen Film drehen……

…und tanze mit der ausgelassenen Bande bis mir der Schweiss runter läuft und der Beckenboden beim Hüpfen reklamiert.😂

Das Thema Fussball stellt Weihnachten komplett in den Schatten – und nicht nur Weihnachten, auch unsere Ersatzteile bleiben irgendwo im Dunkeln liegen. Freud und Miesepeter nah beisammen.

Am Tag danach brummen kleine Täufelchen in vielen Köpfen und Kater grüssen von überall. Guten Morgen „Tag danach.“

Einige sind schon munter unterwegs. Wir sind müde, das Stadtfest hinterlässt Spuren bei Abuela und Abuelo.

Weiterreise: die Weiterreise ist ungewiss, die Prognose der Garage: Vielleicht bekommen wir das Auto am Donnerstag, vielleicht am Freitag.

Marlis und Kurt geben uns in humorvoller Weise den Leitsatz für diese Woche:

Im Kino sehen wir uns Avatar 2 an in 3D. Er ist in einem schönen Spanisch synchronisiert und er hat zauberhafte Momente.

By by Marlis und Kurt! Was haben wir zusammen gelacht. Gute Fahrt ihr Zwei und auf Wiedersehen irgendwo.

Eine Weihnachtsspezialität von Argentinien ist das Pan Dulce und will man es im Laden „Plaza Major“ kaufen, steht man locker mal 2 Stunden an.

Jetzt noch eine Familiensache: Unser Schwager Wolfgang hat ein tolles Buch geschrieben. Zuerst als Geschenk für das Grosskind in den USA gedacht hat es den Weg zu Amazon geschafft und ich kann es euch wärmstens empfehlen.

Ich durfte die Rohfassung auf Sylt lesen und es hat mich sehr berührt und beeindruckt.

Das ist der Stand von „Bänzli“ am Freitag Abend. Ein Ersatzteil stimmt in der Abmessung nicht. Sie bauen die Achse ein – passt nicht – wieder aus – Ratlosigkeit bei uns. Auf die Frage, warum unser Differenzial nur 130’000 km hält und nicht 250’000 was in der Norm läge ist die Antwort:“ Beim letzten grossen Service (in Original Mercedes Garage) wurde das falsche Getriebeöl verwendet und hat die Teile verbrannt.

Mir ist zum Häulen! Um Heidi happy zu machen hilft nur ein Gin-Tonic (1 er😀) auf dem Plaza Dorrego und Tango!

Dieser Tänzer ist ab März 2023 in Zug und unterrichtet Tango. Also Ladys……

Weihnachten: Wir sind bei Brigitte zur Weihnachtsfeier eingeladen. Ricardo grillt für 7 Personen, Brigitte deckt den Tisch mit Liebe und zaubert ein wunderbares Festessen auf unsere Teller. Die Unterhaltung wechselt zwischen D und S – wir sind gut aufgehoben in dieser spannenden Weihnachtsrunde und geniessen das Fest. Um Mitternacht wird mit Champagner angestossen auf die Geburt Jesus.

Das Geislein im Stall von unserer Jolanda und Patrik ist international und wünscht euch in allen Sprachen dieser Welt ein frohes Weihnachtsfest.

 

 

Fazit der Woche: Höhen und Tiefen sind so nahe beisammen. 

 

 

11.-18.12.2022 … wir rollen…..

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Wir rollen wieder! Marlis und Kurt winken uns zu, Brigitte begleitet uns ein paar Schritte und dann sind liebe Menschen einfach weg. Reisen heisst auch immer wieder Abschied nehmen. Bei uns bleibt immer eine Spur Wehmut zurück.

Vom chaotischen Verkehr, vom Geräuschpegel, von der Masse fliehen wir gerne und wir freuen uns auch wieder auf unser Mini-Haus auf Rädern.

Freude herrscht, wir rollen! Gerade erzähle ich Werni wie sehr ich mich freue, wieder im Auto zu leben ………

……“was ist denn das für ein komisches Geräusch?“ Wir drehen die neue Musik von Fankhauser auf leise…… lauschen, bangen, geben Gas, stoppen, schauen unters Auto, fahren…. ???? …. und wissen definitiv, da stimmt was gröberes nicht mit unserem Bänzli, er ist krank.

Wir fahren zur nächsten Garage, lassen ihn überprüfen und wissen, da stimmt was nicht mit dem Differenzial. Die Ersatzteile gibt es nur in Buenos Aires.

Mein eh schon angespanntes Verhältnis zu Mercedes Garagen wird arg geprüft, meine Sicherungen schalten auf rot,  – ich bin so was von stockwütend.

Doch schon wenige Kilometer Richtung BA fokusiere ich mich neu. Wie werden wir in der Esoterik gelehrt? Alles hat seinen Grund, alles passiert zur richtigen Zeit, aus allem lernen wir neues – Ohm… So sehen wir plötzlich wieder viel Positives – alles hätte ja irgendwo in der Pampa passieren können und nicht 130 km nach BA. Wir ziehen wieder in unsere schöne Wohnung ein die immer noch nach uns riecht, haben wieder unsere lieben Nachbarn Marlis und Kurt, Brigitte empfängt uns mit offenen Armen und wir kennen fast jeden Laden und jede Beiz im Umkreis von 100 Metern. So what?

Die erste Überprüfung verheisst nichts gutes. Ersatzteile gibt es evt. nur aus Europa, Dauer der Beschaffung ca. 40 Tage. Meine Gedanken fahren Karussell – die Teile selber organisieren? Welche Overlander verschiffen bald nach Montevideo? Ist DHL eine Option? Schnell nach Hause fliegen und die Dinger holen? Sind die Ersatzteile in Europa überhaupt lieferbar? Wen können wir um Hilfe bitten? Fragen über Fragen!

Das Gespräch mit den Mechanikern ist ernst. Das Differenzial ist futsch! Nach 6 Stunden bangen in der Garage wollen wir einfach nur nach Hause. Gerade als wir losfahren werden wir nochmals gestoppt, das Garagenpersonal hat gute Nachrichten für uns, sämtliche Ersatzteile sind in Argentinien in Original Mercedes lieferbar. Jubiiii! Reparatur Zeitfenster: 2-3 Tage Ersatzteillieferung, 2-3 Tage Arbeit. Klingt doch viel besser als 40 Tage!

Das sind jene Momente des Reisens, die schwieriger sind und halt auch dazu gehören.

Werni möchte nur noch Ruhe, ich brauche etwas Ablenkung und gehe mit Brigitte und Christian runter zum Puerto Madero zum Spiel Argentinien/Kroatien. Freude, Freude, Übermut, Lärm, Tosen, noch mehr Freude – wir gönnen Argentinien den Sieg.

Nach wie vor mit unterschiedlichen Bedürfnissen wählt Werni einen Abend zu Hause und ich die Bar Los Laureles.

Nach Ausbruch der Pandemie schliesst die Bar Los Laureles ihre Türen. Die Wiedereröffnung ist ungewiss bis zwei Nachbarn beschliessen, die Bar zu kaufen. In 129 jähriger Tradition führen sie heute das Lokal mit Tangos und Milongas. Werden die Bewohner des Quartiers gefragt, was ihnen die Bar an der Ecke Iriarte und Goncalves Díaz bedeutet, zögern sie nicht: „Es ist die letzte Vorstadt Bastion der Porteños.“

Heute Abend kommen wir fünf Tangoverliebten in den Genuss von angemeldeten Sängern (sicher 10 an der Zahl) die jeh 2 Stücke vortragen, gut und weniger gut. Begleitet von einem sensationellen Gitarristen sind Sing- und Stimmfehler erlaubt und das macht den Abend für mich so natürlich, authentisch und bezaubernd.

Der „Platzhirsch“ des heutigen Abends ist nicht nur ein guter Sänger sondern auch ein hervorragender Tänzer. Ein selbstsicheres Auftreten mit einem gewaltigen Testosteronüberschuss, ohne dabei arrogant zu wirken, machen ihn zu einem begehrten Tänzer. Unsere beiden Tango Damen Brigitte und Ute signalisieren mit den montierten Stilettos, dass sie die Kunst des Tanzes beherrschen.

Schweizer Frauen können nicht nur den „Vögäli-Schottisch“ tanzen.

Diese Hingabe, Sinnlichkeit, Verschmelzung, Nähe – für nur gerade mal knapp 2 Minuten – zwischen zwei fremden Menschen – ist etwas ganz besonderes.

Auch unsere Hausmitbewohnerin aus D, immerhin 80 jährig, tanzt perfekt durch den Abend. Tango scheint das beste Anti-Aging Programm überhaupt zu sein das jede Estée Lauder Creme in den Schatten stellt.

Wir laufen 12 km dem Rio de la Plata entlang, geniessen die Vogelwelt, Pflanzen, und Natur …

Palmlilie

…bevor wir am Abend zu einem Konzert des Staatsorchesters mit Gastsängern im Kulturzentrum Kirchner gehen. Die zwei komplett unterschiedlichen Konzertteile, der Zweite mit massiger Instrumentierung und Chorgesang, überfordert zumindest meine Ohren.

Spannend ist jedoch der Spagat der Architektur. Von aussen die ehemalige Hauptpost….

…überrascht der Hauptsaal innen mit Moderne.

2015 eröffnet ist das Haus nach dem ehemaligen argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner benannt, der den Umbau auch beaufsichtigt.

Das neunstöckige Zentrum verfügt über einen Konzertsaal, fünf weitere Säle für Theater und Konzerte, 18 Säle für Dichterlesungen, Performance-Kunst und andere Veranstaltungen, 40 Räume für Kunst- und Geschichtsgalerien mit insgesamt 15.000 Quadratmetern auf sechs Etagen, 16 Proberäume und zwei Dachterrassen.

Das Samstag Programm verwöhnt Körper und Seele. Wir bekommen die 3. Shiatsu Therapie, essen gemütlich mit Marlis und Kurt, erhaschen einen Blick vom 32. Stockwerk des Hotels Alvear Icon über die Stadt und lassen den Tag gemütlich zu Musik und Tanz auf dem Plaza Dorrego ausklingen.

Der Sonntag gehört wieder ganz dem Fussball. Schon um 12 Uhr beginnt in Argentinien das Spiel und wir 4 wollen eintauchen in die Welt des Fussballs.

 

Fazit der Woche: Buenos Aires will uns nicht los lassen. 

 

 

 

4.-11.12.2022 … der Atem der Stadt…

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Vor dem Lesen obigen Weblink anklicken, der Blogbeitrag beinhaltet Filme.

Eigentlich sollte unsere Reise weiter gehen diese Woche. Dann kommt die Nachricht, dass Marlis und Kurt zurück nach BA kommen. Ihr Büsli braucht Aufmerksamkeit. Wir buchen sie bei Brigitte ein, sie hat noch ein freies Loft und so sind wir Vier ab Dienstag Nachbarn.

Das Haus „Brigitte“ ist eine Art Colonia Suiza. Hier wird mehrheitlich deutsch gesprochen und die Gäste und Dauermieter haben mitten in BA ein ruhiges Nest, eine Oase. Brigitte ist nicht nur Vermieterin sondern eine Art Mutter Theresa für Gestrandete, Hilfesuchende, Infostelle, Bank, Ratgeberin und einfach das gute Herz des Hauses.

Brigitte und ihr bezauberndes Zuhause wird im Jahr 2009 vom CH TV im Rahmen der Sendung „einfach/luxuriös“ porträtiert. Falls du Lust hast mal reinzuschauen kannst du das unter:
http://www.srf.ch/play/tv/einfachluxurioes-/video/buenos-aires

Der Atem des Lebens der Stadt Buenos Aires ist der Tango und zur Zeit natürlich der Fussball.

„Lieber Gott bitte lass Argentinien gewinnen,“ beten unsere Tischnachbarinnen in Inbrunst. Beinahe klappt es nicht mit dem Sieg…

Doch dann erlöst das Penalty-Schiessen die Argentinische Mannschaft und die Party steigt die ganze Nacht über.

Gibt es ein Wort in Argentinien, dass zur Zeit in aller Munde ist, hoch gelobt, verehrt, besungen und vergöttert wird dann ist es ..

Messi hier, Messi dort, Messi überall und natürlich machen wir mit 😀.

Das alte Herrenhaus Zanjón (Schlucht) gehört 1860 einer wohlhabenden Familie mit sechs Sklaven und wird bis 1890 in ein Familienhaus für die immigrierte Arbeiterschicht umgewandelt. Pro Familie (über 20) steht 1 Zimmer zur Verfügung, und für alle zusammen 1 Küche und 1 Toilette.

Der heutige Besitzer des Hauses macht 1980 einen unbeabsichtigten archäologischen Fund. Zuerst geplant als Restaurant bricht bei den Umbauarbeiten der Boden ein. Er findet ein unterirdisches Tunnelsystem, Zisternen, Geschirr, Behälter und Reste von Bauten aus den Jahren um 1710. Ein damaliges Wasser-Tunnelsystem (3 Bäche) führen über mehrere km Regenwasser zum Rio de la Plata.

Eine schneeweisse und schwarzhaarige junge Frau (ich taufe sie Schneewittchen) führt uns in perfektem Englisch und sehr sympathisch durch die Geschichte, das Haus und das Tunnelsystem. Der Besuch ist absolut lohnend und wir lauschen gespannt den Erzählungen von Schneewittchen.

Immer wieder holen wir einen richtigen Brotlaib in der nahen und sehr schönen Bäckerei mit Kaffee. Ist schon lecker, so ein knuspriges Brot.

… und der Cappuccino ist auch gut!

Es ist Milonga Nacht in der Stadt. Offenes Tanzen zu Livemusik holt jung und alt auf die Bühne und wird auf Grossmonitoren für „Gucker“ wie uns übertragen.

Da gibt es ganz schön was zu sehen. Das junge Mädel das sich im hautengen Mini so anmutigend bewegt dass mein Auge immer wieder bei ihr kleben bleibt. Die alte Lady (über 80ig) im Glitzer Silber-Rock, die kräftigen Beine in Netzstrümpfe gepackt, ……

…..die ca. 70 jährige die ihre Zellulitis stolz präsentiert im Kleinen-Kurzen so dass das Unterhöschen immer wieder aufblitzt, mit dick umrandeten schwarzen Lippen und gutem Selbstbewusstsein, der Übergewichtige dem auf die Bühne geholfen werden muss, die jungen Tänzer die ihre Partnerinnen sicher führen….

…da gibt es viel zu beobachten, bewundern und zu schmunzeln. Eines ist sicher, der Tango verleiht den Bewegenden (Gender korrekt 😉) ein positives Körpergefühl das frei von Äusserlichkeiten ist.

Wir schlendern bei Nacht über den Plaza de Majo und schauen uns das Lichtspiel am Regierungsgebäude an.

Der Platz tagsüber

Auf dem Plaza de Mayo, der nach der Mai-Revolution benannt ist, steht man im Herzen der argentinischen Hauptstadt. Er ist der Angelpunkt für repräsentative Zwecke, Demonstrationen und Wachablösungen. 

Das weisse Kopftuch auf dem Boden gemalt symbolisiert die „Mütter und Grossmütter des Platzes Mayo. Sie demonstrieren ab 1977 wöchentlich mit einem Schweigemarsch gegen das gewaltsame und spurlose Verschwinden ihrer Söhne, Töchter und Enkelkinder während der Militärdiktatur.

Das Bild macht doch Hoffnung für eine gute Zukunft Argentiniens.

Heute Sonntag bereiten wir uns definitiv für die morgige Weiterfahrt vor. Wir freuen uns weiter zu ziehen, trennen uns aber auch schwer von unserem Heim und deren Menschen an der Bolívar 660.

 

 

Fazit der Woche: Buenos Aires – danke! 

 

27.11. – 4.12.2022 Advent Advent und gar nichts brennt

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In Buenos Aires weihnachtet es nur in den grossen Einkaufszentren. Dort leuchten und glitzern Bäume – auf den Strassen und in der Stadt selber ist von Weihnachten und Adventsstimmung nichts, aber auch gar nichts zu spüren und zu sehen.

Wir wünschen euch allen eine schöne und besinnliche Adventszeit.

Das beherrschende Thema in Argentinien ist Fussball. Offenes TV gucken ist bei allen beliebt und auch wir tauchen in dieses Erlebnis ein wann immer es geht und uns danach ist. Beim Spiel Schweiz/Brasilien sind 3 CH gegen viel Gelb anwesend. Die Stimmung ist bombastisch, die brasilianischen Fans laut, eifrig, temperamentvoll und fair.

Wir sind beide stark erkältet und beschliessen, unseren Aufenthalt in BA nochmals zu verlängern. Und so kommt es, dass unser direkter Nachbar Ricardo mein neuer Spanisch-Lehrer wird. Meine Hirnwindungen spuken Wörter und Sätze aus, manchmal werde ich verstanden, manchmal nicht. Im Gegenzug korrigiere ich Ricardos Deutsch, eine gegenseitige Gewinn-Situation. Es macht soviel Spass mit dem jungen Anwalt zu plaudern.

Unsere Bremsen pfeifen so stark, dass wir sie überprüfen lassen. In der Alenco Kraftfahrzeug Garage werden Bremsscheiben und Klötze ersetzt, ein Nagel aus dem Pneu entfernt, Kühlwasser nachgefüllt, unsere Ventilation, die auf Maximum Einstellung brummt wir Alpöhi in den Bart, auseinander genommen und geputzt. Fast 2 ganze Tage steht der Sprinter wieder in der Garage. War er nicht vor 3 Monaten 2 Tage in Hamburg im Service und zur Überprüfung? Ich bin sehr enttäuscht von allen Mercedes Garagen. Zwei Sachen haben sie allesamt gemeinsam – sie bieten schlechte Arbeit und schreiben saftige Rechnungen. So, Frust weg geschrieben!

Im Dot Baires Einkaufszentrum suchen wir nach einem anderen Objektiv für unsere Nikon Kamera. Einige weitere „was wir brauchen“ Gegenstände stehen auf der Liste. Vom aufgelisteten finden wir nichts, dafür unglaubliche Kleinigkeiten. Vor 7 Jahren kaufe ich in der Migros Sarnen dieses äusserst praktische Teil das einem Küchenschwamm, einer Bürste und Mini Spülmittel Heimat bietet.

Das Teil ist in die Jahre gekommen, gespalten, vergilbt und auch nicht mehr das Appetitlichste. Wir suchen nach Alternativen – finden nichts. Hier im Dot finden wir das exakt gleiche Teil das wir sofort doppelt kaufen und den identischen Pfannenuntersatz aus Kunststoff. Den alten habe ich anstelle des Fleisches gegrillt. Meine Brille wird gerichtet, einen neuen Pyjama bräuchte ich auch – aber…

Verkehrssituation Buenos Aires

….wir wollen nach Hause – das Spiel Deutschland/Costa Rica steht an. Endlich haben wir ein VPN installiert und können jetzt CH TV direkt auf dem Pad schauen.

Wir hocken gemütlich am Küchentisch bei Wein, Brot, Salat, Melone und Käse, lauschen Sascha Ruefers witzigen Kommentaren und schauen dem Untergang der D Mannschaft zu. Wir bedauern deren Ausscheiden sehr. Das D Team kann sich immer enorm steigern während einem Tournier und zeigt dann tollen Fussball. Schade Deutschland😥.

Nur schon beim Betrachten schnellt die Waage hoch, ruft der nächste Zahnarzttermin und jammert der Blutzucker um Hilfe. Ich spreche von der cremig süssen klebrigen Masse Dulce de Leche. Milch, Zucker und Vanille sind die Zutaten und wird als Brotaufstrich, für die Herstellung von Süssspeisen, Gebäck, Eis, Pudding, Flan usw. verwendet. Die Argentinier lieben ihre Dulce de Leche und so kommt es, dass viele Männlein und Weiblein das Schwergewicht vorne oder sogar rundum tragen.

Das Choripan (Chori von Chorizo, Pan von Baguette) mit aromatischer Chimichurri Sauce ist eine Art Hot Dog. Nur sucht sich hier der Saft der Wurst und nicht das Ketchup oder Senf den Weg Richtung Mundwinkel was beweist, wie lecker das Choripan ist. Es gehört zu jedem Asado (Grillparty).

Da sind noch die Alfajores die wieder zur Kategorie „Karies“ zugeordnet werden können. Alles schmeckt himmlisch und muss mindestens 1 mal gekostet werden.

Dieser jungen Dame scheinen die Kalorien nichts antun zu können😀. Schöner Ausblick beim Fussballspiel.

Maradona ist in Argentinien bis heute ein Star und viele verehrten ihn. Wenn wir nachfragen Maradona oder Messi, beide mit der Nummer 10, wählen fast alle Maradona.

Im heutigen Spiel Argentinien/Australien ist Messi aber der unangefochtene Star. Maradona schaut dem Spiel von der Himmelsloge zu während die Co-Moderatoren Heidi und Werni Gruefer in Puerto Modero alles geben.

Wir gönnen Argentinien den Sieg, auch wenn das Spiel nicht wirklich toll ist. Der Fussball trägt Argentinien durch schwierige Zeiten, die Freude des Sieges, die Verehrung der 11, die Ausgelassenheit wenigstens für ein paar Stunden tun dem ganzen Volk gut.

Gleich um die Ecke ist der Anlegehafen des Buquebus. Diese Fähre verbindet BA mit Uruguay und zwar mit Colonia und Montevideo.

Ca. 3 resp. 6 Stunden dauert die Überfahrt über den Rio de la Plata.

Dankbar, dass unsere Wohnung so zentral liegt, laufen wir täglich zu den Attraktionen der Stadt.

Das Hafengebiet Puerto Madero ist einfach fantastisch…….

…. mit seinen architektonisch modernen Restaurants……

….und auf der Metall Skulptur, der Marine gewidmet, halten wir Ausschau nach Neuem.

 

Fazit der Woche: Die Advent muss dem Fussball Platz machen. 

 

 

20.-27.11.2022. Buenos Aires

Wir wollen nicht irgendwo am Strassenrand stehen in BA und buchen ein Zimmer bei Brigitte in San Telmo inmitten der Stadt. Die ersten Stunden in BA sind genial. Wir beziehen die tolle Wohnung und fühlen uns sofort wohl …..

…. mit Dachterrasse ..

… und treffen zu unserer grossen Freude Marlis und Kurt zu einem frühen Nachtessen. Und was isst man in Argentinien? Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch! Und zwar super zartes, geschmackvolles Fleisch!

… und bezahlt wird in bar….

… der Geldstapel ist  CHF 92.- und dafür essen wir 4 x Rinderfilet (ca. 500 Gramm pP) Pommes, Spinat, Salat, 1 Flasche Wein, 4 Mineralwasser, 2 Dessert und einen doppelten Expresso.

.. Wenn Reisende sich treffen ….Auto, Ausrüstung, Route, Tipps, Geschichten, Erlebnisse, Sichtungen, Begegnungen, Pläne, Lösungen,…… gibt es soviel zu besprechen, dass 1 Abend überhaupt nicht ausreicht. So treffen wir uns am zweiten Abend beim Inder und das Palaver geht bis tief in die Nacht munter weiter. Auf Wiedersehen Marlis und Kurt, es ist immer schön, ehrlich und unterhaltsam mit euch.

Am nächsten Morgen schrillt der Wecker um 05.30 Uhr. Nein, kein Gamedrive, kein Flug der ansteht, keine lange Fahrstrecke sondern? FUSSBALL!!! Im nahen Restaurant sitzen wir bei Kaffee und Gipfili und geniessen die Vor-Siegesstimmung der Fans. Die Porteños sind sich einig und ziemlich sicher: „Argentinien zieht den Saudis die Hosen runter.“

Die Stimmung ist fantastisch und könnte nach dem 1:0 nicht besser sein. Dann werden die 3 Treffer von Argentinien (Abseits) nicht anerkannt, Scheisse! Oh nein, der erste Treffer für die Saudis, nach der Pause der zweite, die Saudis spielen schnell, gut, clever – mit dem haben Messi und seine Mannschaft nicht gerechnet. Die geladene Energie der Fans fällt tief in den Keller und 15 Minuten vor Ende glaubt hier keiner mehr an einen Sieg der Heimmannschaft. Autsch, das ist eine Klatsche!

Die Stadt ist nicht nur im Fussball-, (niemand arbeitet bei einem Spiel der Argentinier), sondern auch im Demonstrationsfieber. 100‘000ende der Arbeiterpartei Polo Obrero blockieren die Stadt und kämpfen für mehr Lohn.

In diesem Ausmass haben wir noch nie eine Demo gesehen. Der Protest ist verständlich denn in nur 2 Wochen Argentinien erleben wir eine Inflation von 12 Prozent.

Das ist ein Film, doppelt anklicken und warten bis der Pfeil erscheint.

Aus unserer Hüpf auf – Hüpf ab Bus Tour wird statt einer 1.5 stündigen eine 4.5 stündige Fahrt wegen dem Demo-Chaos. Es ist interessant dem Protest zuzusehen. Doch irgendwann möchten wir raus aus dem Stau und fragen die Fahrerin und Kondukteurin, ob wir bitte aussteigen dürften? Dürfen wir nicht, zu gefährlich, also plaudern wir mit der jungen Schaffnerin. Beim Stichwort „Reisemobil“ schaut sie uns fragend an, holt Bilder von ihrem Handy und zeigt uns Fotos von unserem Sprinter, geknipst Ende September in Uruguay bei einem kurzen Gespräch mit ihr in Colonia.

Wir sind alle drei berührt, die Haare auf den Armen stellen sich, Gänsehaut pur und wir sind alle so gerührt ob dem Zufall, dass sich sogar Augenwasser bildet. Alle drei rot tragend schliessen wir uns in die Arme beim Abschied. Das sind die Momente, die das Reisen unglaublich sensibel, interessant und liebenswert machen.

Am nächsten Tag sind Hüften, Knie, Muskeln und Schuhe ganz schön gefordert denn auf keine andere Art entdeckt man eine Stadt besser als zu Fuss. Richten sich viele Städte an Fluss oder Meer dem Wasser zu, streckt BA seine Arme dem Land entgegen.

Der Puerto Madera ist ein neues Hafengebiet der das ändern soll. Moderne Hochhäuser schimmern im Sonnenlicht wie Hochglanzseiten, trendige Bars und Restaurants säumen das Flussufer, Touristen schlendern durch das Viertel, schlecken Eis oder trinken einen Aperitif.

Auf dem Heimweg, am Plaza Dorrego, findet im Rahmen eines mehrtägigen Jazz Festivals Tanz, Musik und Kunst statt. Alt und jung, von Windeln bis zum Friedhof Blond, treffen sich in friedvoller Stimmung.

Da fühlt sich die rhythmische Oma zu Lindy Hop doch glatt wie 20ig, traditioneller Dixi vom Feinsten löst viel Applaus aus und ein Paar zählt in einer Ecke das ertanzte Tango-Trinkgeld.

Als überhaupt keine Stadtmenschen gefällt uns BA unerwartet gut und wir verlängern unseren Aufenthalt sicher um einige Tage.

Mein Tanzbär!

Film, bitte doppelt anklicken

Der Aufenthalt von Marlis und Kurt in BA verlängert sich wegen einem Elektronik Problem am Auto. Pech für sie, Glück für uns denn so sehen wir die Beiden wieder.

Und weiter geht die Erkundung. Wir schlendern durch Florida ….

…. kaufen bei einem sehr netten „es“ Nespresso Kapseln und decken uns für die Weiterfahrt mit Pesos ein. Alles in allem erleben wir schöne aber auch strenge Tage.

Im Facebook bekommen wir von „Disfrutemos BA“ alle Ausgehtipps der Stadt. Kultur wird gross geschrieben und so kann täglich und fast zu jeder Zeit ein Konzert gehört, Ausstellungen bestaunt, in Märkten eingekauft und Veranstaltungen besucht werden. Und Kultur ist in BA grösstenteils gratis. Das Konzert des Tango Orchesters BA mit der berühmten und hochverehrten Sängerin Susana Rinaldi auch und ist online in nur 15 Minuten ausgebucht.

Wir reihen uns im Centro Cultural Kirchner in die Schlange „ohne Reservation“ ein, warten geduldig 1 Stunde und hoffen, dass wir noch Einlass finden. 35 von der langen Schlange sind die Glücklichen. Und wir sind dabei, jubiii! Mit einer riesen Vorfreude, die Grand Dame des Tangos zu hören, werden wir zu den freien Plätzen gebracht.

Der Saal hat Charisma, Susana Rinaldi, doch immerhin 86 Jahre alt, noch mehr! Das Orchester begleitet die immer noch feste Stimme der Lady einfühlsam und perfekt. Die zerbrechliche Sängerin sitzt, drückt Schmerz, Liebeskummer, Glück und Hoffnung aus mit Text und Gesang und animiert das Publikum vom ersten Lied an zu Standing-Ovation.

Wir vergleichen Susana mit der Piaf, beide Grande Dames, die eine weiss, die andere schwarz, beide mit tollen Stimmen gesegnet, zerbrechlich, verletzlich, ausdrucksstark, bewegend, eigenwillig und doch irgendwie stark.
Der Tango, der Gesang, der Tanz, die Musik, das Pandoneon gehören zu Buenos Aires wie die Leckerli zu Basel und die Porteños sind stolz darauf. Diese Liebesbeziehung zwischen Volk und Kultur ist überall gut spürbar. Ob uns BA darum so gut gefällt?

Unsere Wohnungen liegt 10 Gehminuten vom Mercado San Telmo entfernt. Antiquitäten, Gemüse, Kunst, Andenken und Ramsch werden angeboten und viele kleine Imbissecken und Restaurants bieten Spezialitäten an.

 

 

Fazit der Woche: Wäre toll wir könnten Tango Argentina tanzen. 

 

13.-20.11.2022 allerlei interessantes..

Immer mal wieder bekommen wir Rückmeldungen, WhatsApp und Email von unseren treuen Blog Leserinnen und Lesern. Und wird der Blog sogar aufmerksam gelesen freut uns das umso mehr. Der letzte Beitrag braucht eine Korrektur was den Itaipu Staudamm anbelangt. Das Werk hat seit der Inbetriebnahme bis heute soviel Strom produziert, dass es die Welt für 40 Tage versorgen könnte. Danke lieber aufmerksamer Leser.

Leider bin ich überhaupt kein Zahlenmensch und werde mal vor der Himmelstür stehen ohne den Dreisatz je beherrscht zu haben. Watt, Kilowatt, Amperestunden usw. klingen wie Fremdwörter in meinen Ohren. Entschuldigung ihr lieben Leserinnen.

San Ignacio Mini, ein UNESCO Weltkulturerbe, erzählt die Geschichte der Jesuitensiedlungen, Reduktion genannt. In dieser Reduktion (es gibt noch weitere) leben im 16. Jahrhundert mehrere hundert Indianer mit Padres zusammen.

Die Diskussion, wie sinnvoll Missionen sind, ob Machtgehabe und Ausbeutung mit einspielen, lasse ich einfach offen. Die 200 Jahre dauernde Geschichte der Sociedad Jesú ist im Land bis heute umstritten. Auch das Positive soll jedoch erwähnt sein, die Jesuiten schützen die Indigenen innerhalb der Reduktion vor Sklaverei und bilden sie in Landwirtschaft aus.

Ignacio Mini ist gut restauriert und die Mauern von den Fängen der Wildnis gerettet.

1767 werden die Jesuiten ausgewiesen und die Siedlung, bestehend aus Kirche, Unterrichtsräumen, Speisesaal, Küche, Werkstätten, Gefängnis, Friedhof usw. werden dem Urwald überlassen.

Wir wandern durch die Ruinen und ich wünschte mir, die Mauern könnten sprechen.

Unser nächstes Ziel, die Sümpfe von Iberá bringen uns den Stech-Mücken noch näher. Die Sümpfe sind als Naturreservat ausgewiesen, 13’000 km2 gross und ein grosses Süsswasser Reservoir. Sie sind stellenweise unberührte Natur, ohne Wege und nur mit Boot zugänglich. Hier wachsen 1400 Pflanzenarten, leben 350 Vogel-, 125 Fischarten viele Reptilien und Säugetiere.

Wir fahren mit Tony in die Sümpfe. Er ist der Besitzer des Camps Esteros de Iberá das liebevoll und sauber unterhalten ist. Antones backt jeden Morgen frisches Brot für uns, wir bekommen frisches Gemüse und soviel Aufmerksamkeit, dass es schon fast zuviel ist.

Tony selber stellt uns die Sümpfe mit soviel Freude und Begeisterung  vor, dass auch wir hin und weg sind. Durch ein Meer von Wasserhyazynthen hindurchgleitend….

…..,entdecken wir Capybaras, Sumpfhirsche, Kaimane und einige Vögel und erleben als Dessert einen filmreifen Sonnenuntergang. Nach der Lagune Galarza machen wir noch eine Morgenfahrt zur Lagune Luna.  Es sind zwei traumhafte Tage.

… und die Wasserhyazynthen erst….

Dann kommt der Tag, wo wir uns definitiv von Myriam und Timon trennen. Sie reisen direkt Richtung Mendoza, wir nach Buenos Aires (BA). Wir drücken die beiden, es gibt ein paar Tränen, für ein paar Stunden habe ich einen Kloss im Hals und uns bleiben viele schöne Erinnerungen an fast 4 Wochen gemeinsames Reisen. Gute Fahrt ihr zwei und auf Wiedersehen.

Die Stadt Corrientes, unser nächstes Ziel, ist die Wiege der Chamamé (auch Polka Correntina) genannt, eine Tanz Stilrichtung. Musikalisch handelt es sich beim Chamamé um einen Tanz im 6/8 Takt, der sehr ähnlich der Polka ist. Der Stil entsteht in der Kolonialzeit, als die Jesuiten versuchen, die Guarani Indianer zu missionieren. Ein bekannter Musiker des Chamamé ist der Akkordeonist Raúl Barboza. Das Tanzfestival, das im Dezember stattfindet verpassen wir leider.

Die Währung in Argentinien ist der Pesos der Purzelbäume dreht. Hier der aktuelle Wechselkurs:

1 USD = 163.06 Pesos, Kreditkarte

1 USD = ca. 280 P, Schwarzmarkt

1 USD = ca. 340 P, Western Union WU

Der Tourist bekommt also das Doppelte für 1 USD bei der WU als wenn er mit Kreditkarte bezahlt oder offiziell bei einer Bank Dollar wechselt. Wir sind jetzt Kunde bei der Western Union und der Transfer ist einfach, legal und lohnend.

Fast sieht es so aus, dass wir Marlis und Kurt aus der CH knapp verpassen in BA. Wir haben sie in Südafrika kennen gelernt und auch sie touren jetzt durch Südamerika mit einem CS Reisemobil. Dank ihnen haben wir jetzt den richtigen Gasadapter, eine Auto-Ersatzuhr und einen E-Stecker. Doch dann kommt die frohe Nachricht, dass sie ihre Weiterfahrt um 2 Tage verschieben. So fahren wir lange Strecken um am Sonntag in BA zu sein.

Auf der Fahrt wundern wir uns immer wieder über die Kreuze, Schreine und Fahnen, alles in rot, am Strassenrand. Überall stehen die Altäre, geschmückt mit Bändern und Stoff. Zuerst tippen wir auf Schreine für Unfall Opfer. Doch sie kommen so häufig vor, dass ich Herr Google zu Hilfe bitte.

Auch Argentinien hat einen Wilhelm Tell, einen Robin Hood – er heisst hier Gaucho Gil. Er nimmt von den Reichen und gibt es den Armen, er hat übersinnliche Fähigkeiten und wird als Volksheiliger gefeiert. Über 200‘000 Menschen pilgern jährlich nach Mercedes, wo er 1840 geboren wird, um ihn zu verehren oder um ein Wunder zu bitten. Er wird 1878 ebenfalls in Mercedes hingerichtet.

 

Fazit der Woche: Reisen heisst immer wieder loslassen und sich auf Neues freuen.