3.-10.3.2024 auf nach Trinidad

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Nachtrag zu unserem Dinosaurier Besuch von letzter Woche: Florian, unser Mitbewohner in Sarnen, hat uns folgendes geschrieben: Ich habe soeben euren Wochenbericht gelesen und mich wieder an die Baustelle meines ehemaligen Arbeitskollegen Ruedi Degelo in Bolivien erinnert.

Das ist ja unglaublich, hat doch tatsächlich die Firma Gasser Felstechnik aus Lungern die Hangsicherung im Dino Park gemacht. https://www.felstechnik.ch/felssplitter/100-jahre/kein-abenteuer-ist-zu-weit

Die Rute RN 25, über die Berge nach La Paz, alles unbefestigte Strasse, ist legendär. Wie gerne würden wir die ganzen 520 km fahren aber  – es gibt ein grosses aber! Ein recht breiter Fluss muss überquert werden und das ist in der Regenzeit keine gute Idee.

So fahren wir nur eine Teilstrecke um etwas Ruta 25 Luft zu schnuppern. Die Fahrt ist gespickt von Schönheit, Tragik und Nervenkitzel. Die Piste führt uns hoch auf 4’300 Höhenmeter.

Die Natur, die Berge, die Felder, die Häuser die an den Hängen kleben – atemberaubend! Die Tragik – wir passieren einen Autounfall wo ein junger Mensch sein Leben verliert. Der Nervenkitzel – die ganze Strasse F25 nach Morochata ist komplett abgerutscht, es gibt kein Weiterkommen, wir müssen umdrehen. Dabei flattern die Nerven und das braucht doch einiges bei uns. Links der steile Fels, rechts der abschüssige Hang, die Strasse sehr eng und bereits leicht abgerutscht – ein Stossgebet gen Himmel, ein Befehl an die Nerven ruhig zu sein, Augen zu und durch – alles gut gegangen.

7.5 h fahren wir für 160 Kilometer. Trotzdem sind wir begeistert von der Fahrt. Der Seele des jungen Mannes wünschen wir eine gute Reise, sein Tod hat uns sehr berührt.

3‘200 Höhenmeter geht es runter nach Villa Turani. Unserem Dieselpartikelfilter und Motor zuliebe fahren wir zum Tor des bolivianischen Amazonas. Aber auch uns zuliebe, das Herzklopfen, die Enge und entzündete Nasen-Schleimhaut werden sofort besser. Die Vegetation ist jetzt tropisch, üppig, blühend, dampfend – die Stechmücken sind auch zurück. Über 60‘000 Familien leben hier vom Coca Anbau und es werden immer mehr. Natürlich füllen auch wir unser Drogen Lager auf. Ich lege mehrere Schichten Coca Blätter zwischen meine linke Backe und der Zahnreihe. Kaum ist der Saft versiegt lege ich eine neue Portion nach. Und siehe da, mein Kopfweh geht weg und meine Zunge wird gesprächig wie schon lange nicht mehr. Werni staunt ob meinem Redefluss.

Natürlich ist es ein Muss, bei der Käserei Suizo zu stoppen. In Buena Vista haben sich Peter Hafner und Markus Stampfli ein florierendes Geschäft mit gutem Restaurant samt CH Koch aufgebaut. Wir geraten in einen echten Kaufrausch – unser Kühlschrank ist randvoll mit Schweizer Käse samt Raclette und Fondue.

Wieder ein Tag wo alles rund läuft. Tanken, einkaufen und die schöne Fahrt Richtung Norden lässt uns mit einem sehr zufriedenen Lächeln einschlafen.

Warum erwähne ich das Tanken speziell – die einfachste Sache in Europa? Tanken ist für Ausländer in Bolivien oft gar nicht so einfach. Der Staat subventioniert den Benzin für Bolivianer. Sie bezahlen CHF 0.47 für den Liter. Ausländer müssten 1.14 für den Liter bezahlen. Das bedeutet Mehrarbeit für das Tankstellen Personal, es muss separat und mit einer Faktura abgerechnet werden. Um den Aufwand zu umgehen weisen sie Gringos oft einfach ab. Aber auch die Gringos sind schlau. Sie verstecken ihr Auto vor, hinter oder nach der Tankstelle und holen sich den Benzin in Ersatzkanistern ab um den einheimischen Preis von 0.47 zu erhaschen. Dann gibt es diejenigen Tankstellen, die ohne Rechnung direkt in den Tank füllen zu einem Mischpreis. Da weiss der Kunde, dass die Differenz direkt in den Hosensack des Bedienenden geht. Egal wie, wir haben bis jetzt unseren Tank immer voll gekriegt und bezahlen auch gerne den Ausländer oder Mischpreis was aus unserer Sicht völlig in Ordnung ist.

Die Fahrt nach Trinidad ist echt schön. Eine perfekte Strasse, aufgeräumte Dörfer, riesige Farmen, die Landschaft saftig grün mit mehr Tiersichtungen als im Südpantanal. Trinidad, die heilige Dreifaltigkeit, wird 1686 als jesuitische Missionsstation gegründet.

Eine zweifelhafte internationale Aufmerksamkeit erhält Trinidad 1991 als Einheiten der US-amerikanischen Anti-Drogen Behörden die Stadt besetzt. Der Kokainhandel soll unterbunden werden. Evo Morales, selbst Coca Bauer, legalisiert und fördert den Coca-Anbau.

Was für eine Freude, wir lernen Alejandro, Daniela mit Sohn Gustavo kennen. Wir dürfen unser Auto bei ihrer Garage neben unserem Hotel für 4 Nächte gratis parkieren. Eine Einladung zum Essen folgt – was für eine Gastfreundschaft.

Wir wechseln von Englisch zu Spanisch und zurück, verbringen den Nachmittag an der Laguna Suàrez und verabreden uns zu einer Bootstour für den Sonntag. Danke ihr drei dass ihr euch soviel Zeit nehmt für uns.


Fazit der Woche: Schwitzig

 

Unsere gefahrene Route

 

Wochenfilm

Musik: Zulma Yugar, Bolivia

 

2 Kommentare zu „3.-10.3.2024 auf nach Trinidad

  1. Ihr Lieben, welch abenteuerliche Fahrt. Der traurige Unfall, das sind schon bleibende Eindrücke. Dankbar das ihr wohlauf seid, nichts ist selbstverständlich.
    Und euer Proviant klingt auch sehr vielversprechend, Käse und Cocablätter zwischen den Zähnen. Unsere „ Gutefahrt“ Wünsche begleiten euch.

    1. Danke liebe Maria, noch 1 Woche richtig schwitzen, dann geht es wieder ins Hochland. Habe noch einen Filmtipp: JUNGLE , wahre Geschichte über den bolivianischen Amazobas, zeigt den Urwald sehr schön.

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