2.-9.3.2025, Granja de Mujeres

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In unseren Pässen klebt jetzt das B2 Visa, die US Botschaft ist das einzige was wir von Managua sehen. Mit 35 Grad Aussentemperatur geniessen wir das klimatisierte Fahren Richtung Norden, hören uns das neue Album von Ellis Mano Band, „Morth“ an und finden in der „Rancho los Alpes“ einen kühleren Platz.

Alma, die Besitzerin erzählt, dass sie die Schweiz gut kennt, vor allem Granja de Mujeres. Mhhh???? Granja de Mujeres – wo liegt das denn in der Schweiz. Dann lachen wir laut los – meinst du Frauenfeld? Ja ja ja – Almas Augen beginnen zu leuchten – sie hat eh schon wunderschöne Augen – si si si – Granja de Mujeres….

Alma ist sehr attraktiv, ihr Herz gehört den Tieren, allen voran den Pferden.

Heute erwartet sie Gäste die auf der Farm Geburtstag feiern. Die Fahne SCHWARZ/ROT ist gehisst, es scheinen Gäste vom linken Lager FSLN zu sein. Die Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN = Sandinistische Nationale Befreiungsfront) geht aus der gleichnamigen Guerillaorganisation hervor die die Diktatur der Somoza-Dynastie 1979 stürzt. Auch Nicaragua hat eine bewegte politische Vergangenheit von Diktatur bis Bürgerkrieg.

170 Hektaren gehören zur Farm, alt, ehrwürdig mit viel Familiengeschichte. 20 Prozent von Nicaragua habe einst ihrer Familie gehört.

Die hübsche Kolonialstadt León, der sogar Lieder gewidmet sind (höre Filmmusik) ist vor allem bekannt für die beeindruckende Kathedrale. León bietet aber noch viel mehr. Vulcano Boarding am Cerro Negro, Street Food, schöne Märkte, altehrwürdige Hotels, junge Studierende, Künstler, Murales, Museen – das alles und viel mehr sind León.

Schon bei der ersten Durchfahrt fällt uns der koloniale Zerfall auf. Beim zweiten Besuch wird uns klar warum soviele dieses Städtchen lieben.

León ist die Wiege der nicaraguanischen Revolution und Heimat der FSLN. Es werden Revolutionslieder und Hymne am Hauptplatz gesungen – ehrfürchtig und treu ergeben.

Die Basilika in León ist eine der grössten und ältesten Kathedralen in Mittelamerika. Das Spektakuläste – man darf hoch auf das Dach. Der Ausblick wirft uns aus den Socken und Schuhen, barfuss geniessen wir den Sonnenuntergang. 

30 Minuten bewundern wir die Türme, Kuppeln, das Weiss, die Rundsicht und den Sonnenuntergang.

Was für schöne 30 Minuten in unseren Leben.

Kunstkenner sind wir nicht, wir mögen aber die grosse Vielfalt von Maltechniken, Farben, Epochen und Ausdrucksformen.

Wir besuchen das Museum Ortizu Guardián. In wunderschönen Kolonialhäusern mit charmanten Innenhöfen betrachten wir zeitgenössiche Kunst aus Lateinamerika sowie europäische Kunst aus Renaissance, Barock und Moderne. Es gibt sogar mehrere Originale von Picasso und eines von Chagall.

Die Ausstellung ist riesig und wir könnten locker 1 Tag unter Kunst verbringen.

GuruWalk bietet auch in León eine Führung an, wir starten um 15.30 h. Habe ich schon erwähnt, dass es jetzt in León 35 Grad ist? Der Schatten ist unser grosser Freund!

Alejandro erzählt Geschichte, erklärt Geografie und Zusammenhänge, erwähnt Volkshelden…

…. eine gelungene 2.5 h Führung auf Englisch und manchmal sogar in Deutsch.

Weisst du was wir so mögen an Zentralamerika?

Die Länder sind klein und überschaubar. Die endlosen Weiten von Brasilien, Argentinien und Co. sind vorbei. In ca. 2 h Fahrzeit stehen wir vor einer neuen Attraktion, Landschaft, Vulkan oder am Meer.

Am Pazifik, weiter Richtung Norden, in Aserradores schnuppern wir wieder mal Hostel Atmosphäre. Mehrheitlich Englisch sprechende Backpacker Jungtouristen geniessen das Surf Paradies, sitzen an ihren Tabletts und Laptops und haben kein Bedürfnis, untereinander zu kommunizieren.

Der rund 870 Meter hohe Vulkan Cosigüina, auf einer Halbinsel ganz im äussersten Westen, ist unser heutiges Wanderziel. Die Gipfelkaldera hat einen Durchmesser von etwa 2,5 Kilometer und ist bis zu 870 Meter tief.

Der Vulkan mag es regelmässig. Der erste bekannte Ausbruch findet im Jahr 1501 statt, weitere 1609, 1709, 1809 –  alle 100 Jahre beginnt er zu speien und knurren.

Am 23. Januar 1835 dann der heftigste Ausbruch der nicaraguanischen Geschichte. Um ein Uhr nachts eruptiert der Vulkan mit einer gewaltigen Explosion bei der er zehn Kubikkilometer Asche und Bimsstein ausspuckt. Bis zu 450 Kilometer Entfernung ist ein Beben zu spüren, der Schall ist im 1750 Kilometer entfernten Bogotá wahrnehmbar. Im Umkreis von 150 Kilometer verdunkelt die Asche das Tageslicht, das Jahr 1835 geht in die Geschichte als Pulverjahr ein.

Heute trübt er kein Wässerchen, die Aussicht oben ist fantastisch und wir sehen das Länderdreieck El Salvador, Honduras und Nicaragua. Der Aufstieg hat sich definitiv gelohnt, wir sind alleine unterwegs. Ein Wermutstropfen ist der Abfall der sogar ganz oben rumliegt. Wir sammeln PET und mehr ein und geben 4 volle Taschen beim nächsten Polizeiposten ab.

Die zwei Beamten schauen uns ungläubig an, ihre Augen und die der ganzen Nation sind sich an solche Bilder gewöhnt.

Heute ist Weltfrauentag, dia International de la Mujeres. Ich grüsse all unsere weiblichen Leserinnen, wir Frauen machen vieles sehr gut auf dieser Welt – zu tun gibt es auch noch einiges.

Nächste Woche berichte ich euch bereits aus Honduras.

Fazit Nicaragua: Sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, einfach zu bereisen, sehr gute Strassen, die Währungen USD und Córdoba sind beide akzeptiert, schöne Seelandschaften, feines Essen, leider voller Müll. Einfacher geht es zu und her in Nicaragua, es gibt wieder Wellblechhütten, Strohdächer und viele belegte Hängematten.

Gefahrene Route:

 

 

Wochenfilm

Musik: Viva León Jodido, Frank Torres el Profe

 

 

3 Kommentare zu „2.-9.3.2025, Granja de Mujeres

  1. Ihr Lieben, ich wünsche euch einen guten-reibungslosen Grenzübertritt nach Honduras.
    Liebste Grüsse zu euch aus SG😘

  2. Beautiful white Kathedral, especially the roof top. The rubbish is indeed a problem in many countries. Have a safe crossing!

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