Anzeigeprobleme? Dann klicke unsere Webseite direkt an: http://wenn-nicht-jetzt.com
Natürlich verschieben wir die Weiterfahrt und leiden mit der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft. Stille bei den Kommentatoren, Stille bei uns – der Goldtraum ist ausgeträumt – so schade – trotzdem sind wir sehr stolz auf die Mannschaft.

Die Fahrt nach Slocan ist selbst bei Regen schön. Seit langem sehen wir wieder bückende Rücken die in privaten Gemüsegärten jäten oder anpflanzen. Kein Gemüse aber Blumenpracht in Vollendung finden wir in Trail. Hier sind wir von Candy und Bruce eingeladen.

Und hier findet der grosse Moment statt, wir dürfen Nicky von der Kisolanza Farm in Tansania nach 6 Jahren wieder in die Arme schliessen.

Wir schwelgen im Erinnerungsglück, frischen alte Geschichten auf, erzählen Stunde über Stunde. Die durchschnittlich gesprochenen 15’000 Wörter pro Tag überbieten wir um ein Mehrfaches – es bleibt offen, wer am meisten plaudert – nur soviel – Bruce ist es nicht!

Wir sind wohl das einzige Paar auf der Welt, dass die COVID-Phase als die „Zeit seines Lebens“ nennen darf. 6 Monate leben wir auf der Kisolanza Farm, geniessen die frische Luft, Nicky, ihre Freunde, die Angestellten, Bio-Gemüse, Wanderwege und möchten keinen einzigen Tag missen. Heimat ist für uns inzwischen dort, wo Menschen unsere Seele berühren und so ist die Kisolanza Farm unser Zuhause für immer.

Wir werden verwöhnt, umsorgt, umarmt bis wir gar nicht mehr gehen wollen. Danke ihr drei für die Gastfreundschaft, auf Wiedersehen❤️
Wir haben es schon von anderen Reisenden gelesen, Candy bestätigt es – es ist nicht einfach einen Termin in einer Garage in Kanada zu bekommen. Zwei Telefonate – frühster Termin 15.6. Candy schlägt vor, unser Glück bei Mercedes in Kelowna zu versuchen. Das tun wir – und tatsächlich – sie sind bereit unsere Fehlermeldung anzuschauen.

Sie zeichnen uns den „Worst Case“ – die Steuerkette müsse ersetzt werden, deshalb stottere Bänzli am Morgen. Das Ersatzteil sei evt. gar nicht erhältlich in Kanada und wenn, gäbe es eine längere Reparatur. Obwohl ich für die gute Stimmung im Team Gloor zuständig bin, stürzt mich diese Nachricht in ein Tief, das nur mit einem grossen Schluck Bourbon etwas angehoben werden kann. Sie verweisen uns an eine Garage in Richmond bei Vancouver.

Die nächsten 450 km nehmen wir von der Landschaft nicht viel auf. Zu sehr sind wir mit Bänzli beschäftigt. Da der Motor kalt sein muss für die Testfahrt, übernachten wir auf einer Nebenstrasse vor der Garage. Erholsamer Schlaf ist definitiv anders, landende Flugzeuge dröhnen über uns und stehen in Wettbewerb mit den Trucks der nahen Autobahn. Richmond ist das „neue, authentische Chinatown“ von Vancouver. Wir müssen uns zuerst daran gewöhnen, dass wir die einzigen, europäisch aussehenden Menschen sind. Über 70 % der Einwohner Richmonds haben asiatische Wurzeln.

Jetzt beginnt das lange Warten, 3 h Diagnostik stehen an. Ich werde süchtig nach heisser Schokolade, sie hebt meine Stimmung erheblich und bei meiner Einschätzung ist sie am Morgen die wesentlich bessere Lösung als Bourbon.

Wir bekommen ein neues SAM Base Modul, die Einspritzdüsen werden gereinigt, weitere kleine Teile ersetzt…

… es wird gewartet, gehäkelt, Schokolade getrunken..gewartet, gehäkelt und Schokolade getrunken.

Mit dem Uber fahren wir zum Optiker, ich bekomme neue Brillengläser.

In ca. 3 Monaten hole ich die neue Brille dann ab.

Vancouver ist parat für die FIFA-Spiele. Die Stadt ist geschmückt mit Fussball Symbolen, die Hotel Preise sind hochgeschnellt, Taxifahrer, Restaurants und viele mehr freuen sich auf das bevorstehende Geschäft mit Übersee Touristen und Fans. Am 24. Juni spielt Kanada gegen die Schweiz, das Spiel müssen wir uns irgendwo in einem Spunten anschauen.

Zwei Geschichten aus Vancouver möchte ich dir erzählen. Wir suchen im Stadtzentrum auf dem Smartphone ein Restaurant. Keine 6 Meter neben uns fällt mir eine Frau auf. Sie beugt sich immer mehr nach vorne, ihre Hände sind eigenartig verdreht, verkrampft, rot und geschwollen. Ihr Gesicht ist durch ihre Haare schwer erkennbar, sie stürzt nächstens, denke ich. Epileptischer Anfall oder auf Heroinentzug? Die Strasse ist voller Menschen, nicht eine Seele bleibt stehen oder kümmert sich um die Frau. Ich gehe zu ihr, spreche sie an. Leere Augen, gelbe schmutzige Fingernägel, nicht ansprechbar – ich weiss nicht was ich tun soll und laufe feige weg. Ich schäme mich, auch zu den Wegschauenden zu gehören.

Zuerst spricht unser Uber-Fahrer nichts. Dann haben wir fast einen Zusammenstoss mit einem Pickup. Jetzt beginnt der Fahrer in schlechtem Englisch zu reden. Karim ist aus dem Iran und lebt mit seiner Familie (Frau und Kinder) seit 7 Jahren in Kanada. Für seine Familie sei es gut hier, für ihn nicht. Als Ingenieur finde er keine angemessene Arbeit – in Iran würde er. Im Moment mit dem Krieg sei es aber keine Option zurückzugehen. Etwas scheu frage ich ihn nach seiner Meinung zum Krieg und der Rolle der USA. Eine überraschende Antwort kommt! Er und viele Iraner seien Präsident Trump sehr dankbar für den Einfall, sie hoffen, dass er einen Regime-Wechsel auslöse. Einmal mehr schreibe ich mir hinter die Ohren, dass man Menschen unvoreingenommen zuhören soll. Leider ist die Fahrt zu schnell vorbei – ich hätte noch viele Fragen an Karim gehabt.

Heute geht es raus aus der Stadt – ich freue mich wieder in den Reisefluss zu kommen.
Fazit der Woche: Wir sind inzwischen wohl Weltenbürger.
Wochenfilm
Musik: Mike Petroff, aus Canmore, Stück: Cougar Roa
Ha! Auch ein Streckenfilmchen 😎👍. Super gemacht. In 3 Monaten Brille holen 😂, da hat sich ja die Sehschärfe schon fast wieder verändert 😉. Viel Freude weiterhin euch lieben Beiden 💞
Ihr Lieben, emotionales Wiedersehen, tolle Gespräche und das grosse Bangen um euer Bänzli. Als Weltenbummler erlebt ihr so einiges. Es braucht viel Mut, Kraft und grossen Willen dazu so lange zu reisen und mit all euren Erfahrungen meistert ihr das grossartig . Ich bin stolz auf euch!!! Alles Liebe
Danke Maria