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Wir sind in Alaska und somit zurück zu Gallonen, Meilen, Feet und USD. Wir wollen nicht zuviel Zeit in Alaska verbringen, doch eine kleine Rundreise soll es schon sein.

740‘000 Einwohner hat der 49. Bundesstaat der USA und die Schweiz würde 49.5 mal flächenmässig reinpassen.

Hier gibt es Raritäten wie Klohhäuschen-Rennen auf Kufen, Haar-Gefrier-Wettbewerb bei -30 °C, seltene Erden, Gold-Nuggets, kalbende Gletscher, gigantische Wellen, Polarlichter, indigenes Handwerk, Vulkane, Ureinwohner wie Tlingit, Haida oder Unangan, Wilder Lachs, Königskrabben, Weidenröschen, Wild-Beeren, russische Namen und eine Mercedes-Garage🤣.

Das Alaska-Dreieck lässt pro Jahr ca. 2‘300 Menschen für immer verschwinden. Riesige, unwegsame Regionen, unberührte Wildnis, Gletscherspalten, dichte Wälder und Moore, Lawinen, Wetterstürze, kein Mobilfunkempfang – wer hier verloren geht, hat geringe Chancen, gefunden oder gerettet zu werden.
So zieht Alaska auch Menschen an, die bewusst untertauchen wollen – sei es, um ein neues Leben in Einsamkeit zu beginnen, oder um dem Gesetz zu entkommen.

Unser erster Stop gilt Chicken mit nur rund 7 bis 15 ständigen Einwohnern. Eigentlich sollte der Ort nach dem dort häufig vorkommenden Schneehuhn (Ptarmigan) benannt werden. Weil aber um 1900 niemand dieses Wort richtig schreiben kann, nennen die Siedler das Dorf einfach „Chicken“.

Viel zu sehen gibt es nicht. Der berühmte Saloon ist zwar offen aber keine Menschenseele anzutreffen. Also fahren wir einfach weiter.

Grizzly, Bäri No. 20
In Anchorage steuern wir als Erstes die „Alaska Camper Van“ an. Bei starkem Regen tropft es Werni aufs Kopfkissen – nicht das erste Mal. Charlie, der Besitzer nimmt sich sofort Zeit. Die Abdichtung wird ersetzt, die Räder von hinten nach vorne rotiert. Als wir bezahlen wollen lacht er breit und meint, er helfe Reisenden gerne und es koste nichts. Wow!

Die Fahrt zur Kenai-Halbinsel ist fantastisch.

Alaska bewahrt bis heute ein lebendiges Erbe der russischen Kolonialgeschichte. Russische Pelzhändler kommen im späten 18. Jahrhundert auf die Halbinsel um den lukrativen Handel mit Seeotterfellen zu fördern. Nach dem Rückgang der Pelztiere und finanziellen Problemen verkauft das Zarenreich das gesamte Alaska an die USA im Jahr 1867 für 7,2 Millionen US-Dollar.

Unser erster Platz in Ninilchik ist fantastisch mit Blick über das Gewässer des Cook Inlet auf die Vulkankette der Aleuten.

Mount Redoubt
Die Anfahrt nach Homer, der Heilbutt-Hauptstadt, ist für sich schon fantastisch. Ein unglaublicher Panoramablick auf Bergketten, weisse Gipfel, Gletscher und die berühmte Homer Spit entlockt uns Ahhh‘s und Ohhh‘s.

Der Homer Spit ist ein langer Landstreifen, den wir bis zum Ende fahren. Jetzt ist Schluss, aus die Maus. Ab hier geht es nur noch per Boot, Wassertaxi oder Kleinflugzeug weiter. Schöne Häuserreihen auf Stelzen bieten den üblichen Touristenkram an –

– es gibt aber ein paar ganz nette kleine Läden wo wir einen Glücksbringer und Meer-Salz kaufen.

Russisch-Orthodoxe Kirche

Von Seward aus starten Bootstouren zu Gletschern, Fiorden und Tierbeobachtungen. Es ist so windig, dass während unseres Aufenthaltes alle Aktivitäten eingestellt sind. Wir vertreten Füsse, die Kurzwanderung zum Aussichtspunkt des Exit Gletschers tut gut und ist schön.

Viele unserer Leserinnen und Leser machen sich Sorgen um ihre Kinder, Enkelkinder, die Zukunft, ihre Finanzen, ihre Gesundheit, Naturkatastrophen, politische Entwicklungen und vieles mehr. Sorgen halten uns schlaflos, bedrückt, traurig, wecken aber auch Kräfte, deren wir uns zuvor nicht bewusst sind. Oder sie lassen uns zusammenbrechen – dann lernen wir, Hilfe anzunehmen, um Hilfe zu bitten oder einfach mal in der dunklen Welt zu versinken.

Unsere Sorge ist nicht weltbewegend, unsere Sorge trägt einen süssen Namen nämlich „Bänzli“. Bänzli hat sogar Anstand und motzt nicht auf dem Dempster Highway im Nirgendwo sondern erst kurz vor Anchorage. Nicht schon wieder, ist unsere Reaktion.

So landen wir wieder bei Mercedes. Wir sind inzwischen wahre Meister im Krisen-Management. Der Fehler ist der gleiche wie in Whitehorse und Edmonton. Bänzli fährt im Notlauf. „The worst case“ wäre:
- Eine Verschiffung von Alaska nach Seattle
- Unser Visa verlängern oder mit einem Mietauto 1 mal nach Kanada und zurück
- Nach Vancouver fliegen und mit ÖV nach Seattle
- Stecken bleiben in Alaska

Nach der Diagnostik werden uns Reparaturvorschläge unterbreitet. Der Hauptfehler (Kabel) wird schnell behoben (was für ein Glück) doch nach ca. 4000 Kilometer stünden weitere, grössere Reparaturen an. Die Mängel werden per Video erklärt und dokumentiert. Wir sollen losfahren, wir würden es bis Vancouver schaffen. Statt Insel-Hüpfen machen wir Reparatur – Hüpfen.

Wir fahren die ersten 60 Kilometer, der Sprinter verliert Kraft, weitere 40 Kilometer – das Ölverlustzeichen geht an, weitere 10 – das Motorenzeichen kommt, er beginnt zu stottern. Wir entscheiden, zurück nach Anchorage zu fahren. Besprechung bei Mercedes, Präsentation eines Kostenvoranschlags der unsere Hirnmasse explodieren lässt. Unsere Gedanken türmen sich hoch wie der Denali der doch immerhin 6190 Meter hoch ist. Äs jagt eys dä Nuggi uisä – Himmel-Arsch……
Die Ersatzteile sind in den USA erhältlich, das Reparatur-Zeitfenster bewegt sich um 2.5 Wochen. Unser Visa für die USA läuft am 8.9. ab. Wir buchen Flüge nach Vancouver, ein Mietauto, beantragen das ETA-Visa und freuen uns auf Vancouver Island. Diesmal möchten wir die Wartezeit besser nutzen.
Wir verschenken all unsere Lebensmittel, packen und los geht unsere Reise in den Süden.
Wochenfilm:
Musik: Pamuya, Stück Pulling Version B
Pamuya ist eine bekannte Musikgruppe aus Alaska, USA, die für ihren einzigartigen Stil namens „Inuit Soul“(oder auch „Tribal Funk“) weltweit gefeiert wird.