26.1. – 2.2.2025, Pazifikgeflüster

Habe am Donnerstag versehentlich den Veröffentlichungs Balken erwischt, jetzt geht es weiter im Text.

 

http://wenn-nicht-jetzt.com

Bis hoch, über Wälder und Lagunen, hören wir die Brandung des Pazifiks.

Einmal mehr ein Platz den wir nicht gerne verlassen. Über eine gut markierte Piste fahren wir langsam aber problemlos Richtung Bahia Drake.

Flächiges Farmland wechselt sich mit dichtem Wald,

… immer wieder erhaschen wir Ausblicke auf Ausläufer des Meeres.

Beim unscheinbaren Dorf Agujitas dreht sich alles um den Corcovado NP. Das 600 Seelendorf ist staubig, unser Campingplatz auch. Der erste Spaziergang zur Abendstunde am Pazifik ist aber wunderschön.

Der Nationalpark Corcovado steht für ursprüngliche Wildnis, Artenvielfalt, Regenwald, Strände und Natur. Wie wollen wir ihn erkunden? Bei einer morgendlichen Laufrunde von 2 h entdecken wir die Schönheit der Drake. Wir stellen aber auch fest, was wir definitiv nicht wollen.

Boote, randvoll, bringen Touristen zum Corcovado und am selben Tag wieder zurück in zwei Schichten. 06 – 14 h, 08 – 16 h. Da fahren wir doch lieber 10 km Holperpiste weiter und stellen uns einsam an den Strand von Playa San Josecito.

Die Meeresbrise sorgt für angenehme Temperaturen, der Strand ist sauber und einsam, keine Musik, nur Brandung und Vogelgezwitscher.

Romantik kommt auf, ein bisschen Robinson Crusoe Einsamkeits-Gefühl dazu.

Um 06.30 h starten wir die 9 km Wanderung zur Grenze des Corcovado NP. Es geht rauf und runter, einige Passagen sind sumpfig – aber die Ruhe und Einsamkeit sind überwältigend.

Morgengymnastik in Baumwipfeln.

Toilettenpapier ist immer mit dabei und das machen umweltbewusste Reisende wenn das grosse Geschäft erledigt ist…

… sie verbrennen das Papier und achten darauf, dass kein Waldbrand entsteht 😂.

Die Reise geht weiter, die Pisten sind steil wie noch in keinem anderen Land. Plötzliche Aufregung – Werni gerät in Angst, die Bremsen funktionieren nicht mehr richtig. Was soll ich euch schreiben? Bänzli will 1 mal die Woche in die Garage und hält uns echt auf Trab.

Wir stehen am Arsch der Welt und schaffen es mit Low Range und Handbremse gerade noch zur Garage von Manuel. Dort beginnt Tochter Katya sofort mit der Fehlersuche. Sie arbeitet seit 10 Jahren als Mechanikerin, liebt ihren Beruf – Papa ist ganz stolz auf die hübsche Tochter mit ölverschmierten Kleidern und Händen. Zuerst hoffen wir, dass die Bremse nur überhitzt ist – leider nein! Die Vacuumpumpe ist defekt, Mercedes San José hat kein Ersatzteil, die Suche beginnt.

Glück im Unglück, das Teil wird gefunden und sollte in 2 Tagen hier sein. Und wir haben noch mehr Glück, Louise und Felix, die junge Familie mit Anton, die wir in Rincon kennen lernen bieten ihre Hilfe an in Form von Bargeldbeschaffung ….

….weiter finden wir in Los Ángeles eine 5 köpfige Familie die uns erlaubt, in ihrem grossen Anwesen im Garten zu kampieren.

Starlink, saubere Toiletten mit Aussendusche und Küche mit Sitzplätzen dürfen wir nutzen und bleiben so lange wir möchten. Was sind die Ticos doch für nette Menschen.

Eric und Wendy mit Familie sind unsere Aufsteller des Donnerstags. Wir fühlen uns so wohl bei ihnen. Wir erledigen liegen gebliebenes, lesen, backen Brot, waschen und hoffen, dass das Ersatzteil am Freitag ankommt. Kapuzineräffchen turnen über uns, Lolita, der wilde Papagei kommt täglich auf Besuch und die Haushunde akzeptieren uns als Gäste.

Hand aufs Herz, würdet ihr euer Auto dieser Garage anvertrauen? Wir haben keine andere Wahl.

Der ölgetränkte Hund und wir warten. Aus vorausgesagter „1 Stunde“ werden 3 – Geduld ist angesagt. Wir schauen Tochter und Vater beim Schrauben zu, jeder Handgriff sitzt. Und tatsächlich, nach einer weiteren Stunde bremst es wieder. Die Geschichte der Mechaniker Familie: Sie sind politische Flüchtlinge aus Nicaragua. Manuel mit seinen 3 Töchter haben es schwer, in Costa Rica Anschluss zu finden. Sie bauen seit 11 Jahren die Werkstatt auf, an Arbeit fehlt es ihnen nicht. Der ganze Verdienst geht in den Hausbau auf Eisenträgern – die Wohnung ist nur über eine Leiter erreichbar.

Es herrscht Chaos überall, nichts scheint organisiert, trotzdem funktioniert alles. Keine der Mädels erhält einen Lohn, wenn sie etwas brauchen bezahlt Papa – auch Online Studium. Keine der Töchter hat einen Freund, an Feste gehen sie nicht. Sie scheinen zufrieden und sind ein gutes Team. Manuel schaut in unser Wohnmobil und meint: „ Ihr wohnt soviel luxuriöser als wir,“ – und organisierter – denke ich. Aus unserer Sicht wäre soviel mit wenig mehr Aufwand zu vereinfachen – aber halt aus den Augen von Europäern.

Zusammen mit einem Platzregen erreichen wir den Touristen-Ort Uvita. Dazu mehr nächste Woche.

 

Fazit der Woche: Unser Glücksstern ist auch in schwierigen Momenten mit dabei. 

 

 

Wochenfilm:

Musik: En La Calle, Un Rojo Reggae Band, Costa Rica

 

 

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