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Immer wieder ein schöner Anblick – der Pazifische Ozean.

1’200 km raue, wilde Küstenlandschaft mit kalten Strömungen liegen vor uns und das Beste – Grauwale ziehen gerade ihre Kälber auf bis ca. Ende März. Weiter nutzen Robben und Delfine diese Meerseite als Jagdrevier. Wir hoffen auf Tiersichtungen.

Erstmals sind es Möwen und Pelikane die ihre Runden um unseren Übernachtungsplatz ziehen.

Unser Herz schlägt nicht wirklich für das Städtchen Ensenada. Oft als „Aschenputtel des Pazifiks“ bezeichnet, überfallen gerade Hunderte von Kreuzfahrtgästen den Malecon, die Souvenirverkäufer laufen auf Höchstform auf. Wehe wenn sie losgelassen!

Luís Huller, deutschstämmig, gründet die Stadt 1882 mit dem Ziel, aus ihr eine futuristische Stadt zu machen mit Telegrafen, Dampfschiffverbindungen usw. Das gelingt ihm fast, denn während der Prohibition in den USA in den 1920ern wird Ensenada zum luxuriösen Zufluchtsort prominenter Alkoholliebhaber wie zum Beispiel Al Capone.

Der historische Teil gefällt uns, der Fischmarkt und der Spazierweg Malecon am Meeresufer sind schön – uns reicht aber ein Tag bei Aschenputtel.

Was nur KI weiss: Ensenada gilt als die „Stadt der Wissenschaft“ mit der höchsten Dichte an Wissenschaftlern und beherbergt das nationale Zentrum für astronomische Forschung.

Wir wälzen uns im Bett – das am Tisch zubereitete Tiramisu ist wohl doch zu viel nach Vor- und Hauptspeise. Wie unvernünftig „Mensch“ doch immer wieder ist. Der Parkplatz, auf dem wir übernachten neben dem Fischmarkt, ist auch nicht der leiseste Ort und so jammern Verdauung und Ohren die ganze Nacht um die Wette.

Touristenfalle oder Naturwunder? Wir wollen es herausfinden ist unser ruhiger Stellplatz doch nur wenige Kilometer von La Bufadora entfernt.
Er gilt als einer der grössten Meeresgeysire der Welt. Durch Wellendruck und eingeschlossener Luft spritzt er Wasser bis zu 30 Meter in die Höhe.

Die Legende erzählt von einem jungen Grauwal, der sich während der Migration von seiner Mutter trennt, neugierig in die felsige Höhle schwimmt und dort stecken bleibt. Trotz verzweifelter Rufe und spritzen von Wasserfontänen findet Mama das Baby nicht, es versteinert. Der Meeresgeysir sprüht heute noch Wasser als Zeichen seiner ewigen Suche nach Rettung.
Obwohl wir auf die Gezeiten achten hält sich die Sprühfreude des Geysirs in Grenzen. Dafür wird gerade das Mauersims neu gestrichen – wie spannend, smile!

La Bufadora ist für uns definitiv eine Touristenfalle. Busse karren Gäste an, die Gruppen werden durch die Einkaufsmeile gelockt und animiert, Tequila und Mezcal zu degustieren. Die Unwilligen werden mit süssem Gebäck in Versuchung gebracht, ein Verkäufer preist seine Ware lauter an als der Nächste – es wird unglaublich viel Unnützes angeboten.

Eine Weile beobachten wir amüsiert das Treiben, dann kommt der Fluchttrieb.

Die Fahrt nach San Felipe ist eine A nach B Fahrt mit Müll am Strassenrand. Ist mir das Ausblenden der Abfallsituation über mehrere Jahre gelungen, graut mir heute vor diesen Bildern.

Es dämpft meine Sicht auf die herzlichen Latinos doch erheblich. Bei einem Kontrollposten will ein bewaffneter Militär unseren Wohnraum überprüfen. Ihm ist wohl langweilig, er interessiert sich mehr für die Einrichtung, den Kochherd, Kühlschrank – ich muss keine Schublade öffnen – wir halten ein nettes Kurzgespräch.

San Felipe, ein Fischerort, bietet schwierige Offroad Strecken für Abenteurer, das Valle de los Gigantes mit hunderte Jahre alten Kakteen, herrliche Sandstrände und im Winter eine „Snowbird“ Kultur, eine grosse Community aus den USA und Kanada. Sie überwintern hier, bewohnen ihre kleinen Häuschen am Meer…

… und treffen sich schon früh zum Aperitif. So wundert es kaum, dass wir bei unserer Ankunft um 14 h von zwei Seiten zu Bier und Tequila eingeladen sind. Da sitzen sie in einem Kreis, ihre rauchigen Stimmen sind laut, Zigaretten, Bierdosen und Hunde gehören wie selbstverständlich zur Runde.

Unser Platz ist wunderschön in erster Meeresreihe und da wir früh ankommen koche ich, anstelle des Aperitifs, ein Ossobuco mit Kartoffelstock.
Das sehr salzhaltige Wasser des Golfs von Kalifornien zieht sich bei Ebbe hunderte von Meter zurück, es kann auf dem Meeresboden spaziert werden.

Der Samstag gehört den verrückten Rally-Fahrern. Die 39. Ausgabe des King Shocks SCORE San Felipe 250 findet just an den Tagen statt wo wir im Städtchen sind. Dieses legendäre Offroad-Rennen ist der Auftakt der vierteiligen SCORE World Desert Championship.

250 Teams aus der ganzen Welt, die in verschiedenen Klassen (Trophy Trucks, Buggies, UTVs, Motorräder und Quads) antreten, wirbeln den Wüstensand ganz schön auf. Vor unseren Augen überschlägt sich ein Buggy, das Rennen gilt als eines der anspruchsvollsten.

Die La Cava de Marcelo in Ojos Negros ist eine traditionsreiche Käserei und ein beliebtes Ausflugsziel in der Nähe von Ensenada. Sie ist bekannt für den handwerklichen Ramonetti-Käse, der seit vier Generationen hergestellt wird. Wen wunderts dass der Gründer der Käserei aus dem Kanton Tessin stammt (Ramonetti)

Wir machen eine Käseverkostung, werden durch den Betrieb geführt und dürfen auf dem Gelände übernachten. 80 Holsteiner Kühe liefern täglich an die 70 Liter Milch, die Käse munden uns nicht alle.

Allein der Ort ist sehr schön, Marcelo (4. Generation) ist persönlich anwesend und plaudert ein paar Worte mit uns, er spricht nur Spanisch.

Eine ruhige Nacht auf dem Bauernhof rundet die Woche ab. Der Vollmond leuchtet über den grossflächigen Alfalfa Feldern die zur Tierfütterung dienen, Landromantik kommt auf.
Fazit der Woche: … Doch lieber Landleben…als Strand und Meer?
Wochenfilm:
Musik: Los Poetas de la Guitarra, Stück: Guitarra
Heide du hast ein unglaubliches Flair, dich mit Worten auszudrücken, was dein Herz spürt – Kompliment👏
Danke liebe Madlen
I didnt know much about this peninsula of Mexico until I read your recent posts. Thanks for bringing me there. Enjoy the warmer weather there. Looks to me you deliberately make this detour to escape the cold. 😜. Safe travel to both of you. Hugs.
Thank you Reuben, hug