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Auch die Kanadier können’s! Die Klimaanlagen ihrer monströsen Wohnmobile dröhnen, drinnen läuft der Plasma-Fernseher auf voller Lautstärke, beim Vorbeigehen findet kein Blickkontakt statt, mein „Gruss“ bleibt meistens ungehört – wer braucht schon Nachbarn und Gemeinschaft, wenn man Satelliten-TV und Smartphone hat? Die Kanadier stehen den Amis tatsächlich in nichts nach.

Heute findet die „Just Diesel“ die Ursache für unser Benzinproblem – nur ist leider kein Ersatzteil erhältlich. Jude von Mercedes Vancouver hilft – er übernimmt sogar die Expresskosten. Bis Donnerstag sollten wir wieder fahrtüchtig sein.

Das Ersatzteil ist da, wir stehen früh am Mittwochmorgen bei „Just Diesel“ und – das falsche Teil ist angeliefert. Ich weiss nicht was das Universum mit uns vorhat – Nerven, Belastbarkeit prüfen? Toleranz gegenüber der menschlichen Unzulänglichkeit? Mir fehlen schlicht die Worte.

Über was soll ich euch diese Woche berichten? Alltagsgeschichten vielleicht? Wenn ich nie über Wäsche machen, Benzin tanken, putzen, Vorräte aufstocken, Wassertank füllen, Toilettentank leeren, Auto waschen, Büroarbeiten, Wartung usw. schreibe, heisst das nicht, dass das nicht wiederkehrende Arbeiten sind.

Zum Beispiel das morgendliche Bettmachen, das mehr Extremsport aus Verrenkungen, Akrobatik und Yoga ist. Unser Querbett misst 1,42 Meter, es bedarf einiges an Übung, das Bett frisch zu beziehen. Die Platzansprüche haben sich, zumindest beim Schlafen, gut eingespielt. Mit der Deckenverteilung happert es manchmal, vor allem in kalten Nächten.

Wir haben ein ungeschriebenes Gesetz erarbeitet, wie wir wann aneinander vorbeikommen und wer was wann tun darf oder eben nicht. Unsere Krisenzeit ist, wenn ich koche. Eh schon kein Platz will mein Prinz das iPad, einen Drink, etwas zum Schreiben, Wasser usw. Leute, ich sage euch – da werde ich manchmal schon taubentänzig.

Was für ein Privileg wir in der Schweiz haben mit der Wasserqualität, Hahnen auf und trinken ist eine Selbstverständlichkeit, genügend Wasserdruck auch. Nicht so auf Reisen. Durch Afrika und weite Teile Südamerikas gibt es kein Trinkwasser vom Hahn.

Unter Campern ist Wassertank füllen immer wieder Thema. Da gibt es die Vorsichtigen, die ihr Wasser beim Füllen filtern, die Übervorsichtigen, die ihr Wasser doppelt filtern und die weniger Vorsichtigen wie wir, die gar nicht filtern. Zum Duschen, Abwaschen und Kochen reicht unser 100-Liter-Tank für 4 – 7 Tage. Duschen wir im Van, brauchen wir je ca. 8 Liter, Wasser sparen ist eine Selbstverständigkeit.

Eine Silbernitrat-Kugel im Tank unterstützt die Wasserqualität, er ist nie veralgt, verschleimt oder verschmutzt, wir reinigen ihn regelmässig. Trinkwasser kaufen wir in grossen 4-Liter Plastikflaschen und für mich mit Kohlensäure, weil ich es einfach lieber habe.

Turnen – so oft es geht – Ausreden finden wir immer, es nicht zu tun.

Werni ist der Einkaufsexperte. Er kennt sämtliche Shopping-Namen eines jeden Landes, das Sortiment, das Logo, wo welches Produkt am besten schmeckt und alle Nespresso-kompatiblen Kaffeekapseln. Zum Spass sagt er oft, er besuche lieber Einkaufszentren als Museen.

Wir sind übrigens keine Frühaufsteher. Wir geniessen den frühen Morgen im Bett. Da haben wir Teamsitzung – nein, Teamliegung – besprechen die Tagesroute, was erledigt werden muss, den Menüplan usw.

Skip-Bo und Eile mit Weile – da geht es bei uns zur Sache. Wir schenken uns nichts und sind fast immer vergnügt dabei. Während der Spielzeit sind Kraftausdrücke erlaubt, wenn sie mit Humor oder Augenzwinkern über die Lippen kommen.
Unser Abendprogramm sieht fast immer ähnlich aus. Spielen, lesen, Film oder Doku schauen, über sehenswerte Stopps der nächsten Fahretappe googeln, uns unterhalten und Korrespondenz beantworten. Abendlich schreibe ich Blog und ergänze den Wochenfilm. Dabei benötige ich im Schnitt ca. 10 – 15 Minuten – ich mache alles auf dem iPhone.
Musik ist ein wichtiger Begleiter auf unserer Reise. Immer wieder entdecken wir gute Stimmen, neue Bands. Die letzte Entdeckung: Jodel Meets Classic, The Brothers Comatose und Kym Gouchie.

Wir haben Neue Kosenamen. Ich heisse jetzt oft Friedel, Werni ist Karili. Fragt uns nicht wie wir dazu kommen – hat sich einfach so ergeben. So schliessen wir einen ganz normalen Tag mit: Gute Nacht Karili – schlafe gut ——— gute Nacht Friedel, du auch — Schmatz— – Licht löschen – gute Nacht.
Wochenfilm:
Musik: Kym Gouchie, Stück: Territory Welcome Song
Kym Gouchie ist eine renommierte kanadische indigene Singer-Songwriterin und Kulturbotschafterin. Sie gehört der Lheidli T’enneh First Nation an (einem Volk der Dakelh/Carrier) und lebt in Prince George, British Columbia.
