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Der Dempster Highway soll laut Führer eines der grossen Strassenabenteuer Nordamerikas sein. Die Schotterpiste führt vom Yukon durch die Wildnis bis an den Arktischen Ozean. Er scheint eine Kultfahrt für Motorrad- und Velofahrer zu sein.

Von den schroffen Gipfeln des Tombstone Territorial Parks, der endlosen Wildnis und der Faszination Natur sehen wir nicht viel. Nebel schleicht immer wieder um die Berge und um uns, es regnet oft, grau ist die dominierende Farbe der Hinfahrt. Und die Wetterprognose meldet nur Regen.

Berührt stehen wir am „Ende der Strasse“ dem einzigen Ort in Nordamerika, wo man direkt bis zum Arktischen Ozean fahren kann.

Bänzli, Werni und ich haben unser Ziel von Ushuaia nach Tuktoyaktuk (TUK) geschafft. Die letzten 7 Reparatur-Wochen stecken immer noch in unseren Knochen und unser Nervenkostüm ist immer noch etwas dünner.

Bewegt lassen wir die lange Reise Revue passieren – 30‘000 Kilometer sind es auf direktem Weg von Süd nach Nord auf der Panamericana. Da wir Umwege lieben, zum Beispiel Brasilien, bestätigt unser Tacho, wir sind seit Uruguay 140‘000 Kilometer durch Süd-, Zentral- und Nordamerika gefahren. Das soll gefeiert sein – der Korken knallt – juuuuuhuiiiiiii – jololodüüuuuuuu!

Ein frühes Morgenbad im Meer bei 4 Grad Lufttemperatur muss schon sein. Da erwachen die Lebensgeister….und es ist saukalt….

In Tuktoyaktuk leben überwiegend Inuvialuit (Inuit), ca. 1000 Einwohner. Hier scheint eine andere Weltordnung zu herrschen. Das pure Chaos liegt um die Häuser, alles was man sich vorstellen kann. Wie wäre es mal mit Aufräumen und Reinigung?

Doch dann lese ich, dass die Gemeinde immer wieder von schweren arktischen Stürmen heimgesucht wird. Sie zerstören Häuser, Strassen, Stromversorgung, traditionelle Fisch-Räuchereien, Gerätschaften, Autos, Schneemobile usw.

Da es vor Ort keine Baumärkte oder Autoteile-Händler gibt, greift man auf das zurück, was „herumliegt“. Über Generationen lernen sie, wie und mit was man Defektes notmässig repariert – das Ersatzteillager liegt quasi vor dem Haus.

Zudem fehlt ihnen für eine Entsorgung einfach das Geld. Der Abtransport von Müll und Schrott in den Süden Kanadas ist wirtschaftlich kaum machbar.
Die lokale Mülldeponie (landfill) liegt gefährlich nah – nur etwa 260 Meter – am Meer. Über Jahrzehnte stinken und vermodern alte Haushaltsabfälle, Altfahrzeuge, Reifen und gefährliche Stoffe wie Altöl oder Batterien in der offenen Deponie.

Die Küste von Tuk erodiert im Rekordtempo (Permafrost). Die Gemeinde befindet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit, das Dorf mit samt seinem Müll wird wohl in den nächsten Jahren im Meer versinken. Die kanadische Regierung investiert zwar 54 Millionen Dollar in riesige Felsbarrieren, um die Küste provisorisch vor den Wellen zu schützen. Wissenschaftler und Behörden gehen aber davon aus, dass die Gemeinde innerhalb der nächsten 50 Jahre vollständig landeinwärts umgesiedelt werden muss.

Zwei Welten treffen sich. Wir Touristen, die wir die Reise nach Tuktojaktuk als Abenteuer, Fun, Herausforderung oder einfach als Abschluss oder Beginn einer langen Reise sehen und die Bewohner, die unter harten Bedingungen leben und in einem steten Überlebenskampf stehen.

Nach nur einer Nacht in Tuk heisst es, 850 Kilometer gleiche Piste zurückzufahren. Doch oh Wunder – die Sonne beschenkt uns mit einer ganz anderen Fahrt. Wir sehen Berge, schimmernde Seen, leuchtende Heiden – was für eine schöne Fahrt.

Wir nehmen uns nur vier Tage Zeit für den Dempster hin und zurück – zu viel Zeit haben wir durch die Reparatur von Bänzli verloren. Es ist eine lange Fahrt – auf meistens guter bis sehr guter Piste mit ca. 30 Prozent Ratter/Schlagloch/Rumpel/Pumpel.

Wald intakt oder abgebrannt, Berge mit weiten Steppen, wunderschöne Tundra mit unzähligen Seen und Tümpeln – die Landschaft ist einmal atemberaubend – mal ermüdend langweilig. Der Gefallfaktor ist sicher stark vom Wetter abhängig.

Als ob der Steinibach im Kanton OW den halben Glaubenberg abtragen würde – so sieht es viele Kilometer vor Dawson City aus.

Steinibach

Schutthaufen vor Dawson
Riesige Schuttberge sind Zeugen des grossen Klondike Goldrausches, der seine Blühte von 1896 bis 1899 hat. 100‘000 Schürfer kommen in den hohen Norden, jeder mit Hoffnung auf das grosse Glück und Geld. Heute gibt es Geschichten von Glücklichen, Gestrandeten, Reichen, Betrogenen, Rechten, Familienstreit, Untergang und Bordellen.

Auch der 21-jährige Jack London hat Goldträume. Nach nur wenigen Monaten holt er sich Skorbut, hat kaum Gold gefunden und verlässt Dawson City fluchtartig. Seinen Kopf voller Eindrücke und Geschichten über die Wildnis, Schlittenhunde und den eiskalten Überlebenskampf im Yukon schreibt er in Kalifornien Weltbestseller wie „Ruf der Wildnis“ und „Wolfsblut“. Er ist der berühmteste Autor dieser Zeit.

In und um Dawson City wird heute noch aktiv Gold geschürft. Der grosse Goldrausch ist zwar lange vorbei, es werden aber immer noch Zehntausende Unzen Gold aus den Flusssanden gewaschen.

Am historischen Free Claim #6 am Bonanza Creek (ganz in der Nähe der ursprünglichen Fundstelle von 1896) darf jeder Tourist und Einheimische völlig kostenlos und legal sein Glück mit der Goldpfanne versuchen.

1935 kommt Mathilde „Ruby“ Scott, eine Pariser Madame, nach Dawson. 27 Jahre lang betreibt sie ein Bordell und findet in den Saisonarbeitern aus den Goldwaschlagern eine willige Kundschaft. „Paris des Nordens“ wird Dawson auch genannt und heute Abend soll es Cancán sein für uns.

Wir nippen an unseren Cocktails im Diamond Tooth Gerties und amüsieren uns köstlich. 3 Shows pro Abend finden statt, je später der Abend desto weniger Kleider sollen die Tanzdamen anhaben. Sie kommen uns in der Früh-Show sehr flachbusig vor – lohnt sich da das Warten bis Mitternacht? 🤣.

Dawson City ist auf Permafrostboden gebaut. Wenn dieser im Sommer taut und schmilzt, kippen die historischen Holzhäuser in alle Himmelsrichtungen.
Wir lernen Doris und Rolf aus Ebikon kennen und verbringen einen sehr schönen Abend zusammen.

Gute Weiterfahrt ihr Zwei und schön kennen wir euch jetzt.

Uns gefällt Dawson City. Der Blick vom Dom ist sehr schön…..

…. und die Weiterfahrt nach Alaska auf dem „Top of the World“ Highway ein sehr lohnender Abschnitt.

Fazit der Woche: Bänzli schnurrt
Wochenfilm
Musik: Susan Aglukark, Stück: This Child
Als erste Inuk-Sängerin mit einem Top-10-Hit und mehreren Juno Awards hat sie die kanadische Musiklandschaft geprägt.
Congratulations! What a feat — 140,000 km from Ushuaia to Tuktoyaktuk, from the Antarctic to the Arctic! And another polar dip! 🥶🌊👏
Thank you Reuben, your next Trip?