Anzeigeprobleme? Dann klicke unsere Webseite direkt an: http://wenn-nicht-jetzt.com
Da steht er – unser Alter, Gebrechlicher, Geliebter. Immerhin wird gearbeitet an Bänzli – das gibt uns bereits ein kleines Glücksgefühl. Am Montag Abend soll er fertig sein.

Mit einem Sprinter, Modell 2025, mit Ledersitzen, Sitzhöhe, Richtung, Neigung, Oberschenkelauflage, Sitzlehnenneigung, Lordosestütze und weiss der Kuckuck noch was allem verstellbar – geniessen wir die Fahrt auf dem Glenn- und Richardson HW nach Valdez. Der Herbst verzaubert die Wälder in eine Farbpalette aus Grün, Gelb, Rost und Rot.

Es ist Endsaison-Stimmung im 4’000 Seelendorf Valdez. In den gut bewerteten Imbissbuden mit Aussensitzplätzen ist es zu kalt zum Essen, viele Hotels schliessen bereits am 21. September und Kreuzfahrtschiffe legen nur noch wenige an.

Hier herrscht eine Mischung aus rauer Industrie, spektakulärer Natur, Besonderheiten und lukrativer Fischerei.

Als Endpunkt der Trans-Alaska-Pipeline wird im geschäftigen Hafen Öl auf riesige Tanker verladen.

Die Fotos sind nicht schwarz/weiss aufgenommen 🤭.

Valdez erlangt Berühmtheit durch zwei tragische Ereignisse.
- 1964 erschüttert ein starkes Erdbeben das Städtchen und zerstört es fast vollständig.
- 1989 verursacht der Öltanker „Exxon Valdez“ eine der grössten Erdölkatastrophen. Fast 40’000 t Rohöl laufen aus und verseuchen Meer und Küste. Hunderttausende von Meerestieren sterben. Exxon bezahlt Milliarden USD an Wiedergutmachung für die Säuberung der Küste.

Im Winter fällt so viel Schnee, dass das Freischaufeln von Dächern und Einfahrten fast schon als Leistungssport gilt. Es sind bis zu 8 Meter Schnee pro Jahr und das macht den Thompson Pass, über den wir wieder zurückfahren müssen, zum Mekka des extremen Big-Mountain-Heli-Skiings.

Eine weitere Besonderheit? Zu bestimmten Zeiten hoppeln fast mehr wilde Hasen durch die Strassen, als es Bewohner gibt. Es herrscht eine Hasen-Invasion, die einfach zum Stadtbild gehört.

2.5 Stunden laufen wir im Nieselregen, die kalte Luft durchlüftet unsere Gedankenschleife. Hätte, hätte, Fahrradkette; Ja wenn – wäre – würde – könnte – müsste. Alle Konjunktive nützen nichts, aus irgend einem Grund sind wir da, wo wir jetzt sind.

Eine Binsenweisheit meiner Mutter bei körperlichem und seelischem Unwohlsein: „ Läär mal einä dranä und riärs de hindärä.“
Übersetzt: „Kipp mal einen und lass alles hinter dir.“ Und genau das machen wir in Palmer im stimmigen Pub Alehouse.

Zurück in Anchorage wird uns mitgeteilt, dass ausser der Demontage noch nichts am Sprinter repariert ist. Vielleicht diese Woche, vielleicht nächste Woche – der Mechaniker, der an unserem Gefährt arbeitet, hat einen familiären Notfall. Weinen oder Lachen? Hinter allem steckt immer etwas Positives. Wir sind bei Silvia, John und Hund Eddie zum Essen eingeladen. Silvia ist aus der Schweiz, John aus den USA und wir haben einen richtig schönen Abend zusammen.
Warten, warten, warten, warten – es verleidet uns. Es verleidet uns so sehr, dass wir ernsthaft in Erwägung ziehen, einen neuen Sprinter nach Halifax anliefern zu lassen.

Was meint ihr dazu? Nun, definitiv nicht unsere Farbe aber zaubert man mit so einem Frosch nicht ein Lächeln auf alle Gesichter?

… und ist mir das nicht auch gelungen mit meiner Frosch-Badehose?
Warten, warten, warten. Mak, der Verantwortliche bei Mercedes, windet sich mit Ausreden und Vertröstungen – sein Standardsatz ist: „die Arbeit macht guten Fortschritt“ – auch wenn nicht am Sprinter gearbeitet wird. Mercedes Anchorage ist masslos überfordert und wir fragen uns, wie ein solcher Betrieb eine Mercedes-Lizenz bekommt?
Jetzt hilft nur noch drohen. Drohen mit einer Aufsichtsstelle in Anchorage, mit einer Klage an Mercedes Kundenservice USA – und siehe da, plötzlich wird an Bänzli gearbeitet. Die Situation tut uns leid, traurig, dass derjenige, der laut brüllt, die geduldige Kundschaft überspringt. Es stehen 8 Sprinter in der Halle, es sind nur 3 Mechaniker angestellt. Wir erfahren, dass einige Sprinter-Besitzer bereits seit mehreren Monaten auf eine Reparatur warten.

Während der Wartezeit machen wir eine schöne Wanderung auf der Glen-Alp……

…. und eine Passfahrt über den Hatcher. Wunderschön die Herbstfarben.

Halleluja – wir bekommen einen Termin – Bänzli soll am Freitag abholbereit sein. Unsere Nerven liegen blank – ob es klappt?

Tatsächlich steht der Sprinter um 18 h parat mit einer saftigen Rechnung und einer Liste, was als nächstes repariert werden muss. Er sei generell in einem guten Zustand, meint der Chefmechaniker. Das ist wohl der Witz der Woche.

Wir verabreden uns nochmals mit Silvia und John, danke ihr zwei für eure Unterstützung. Ihr seid unser Aufsteller von Anchorage.

Lost Places, eine Faszination aus Zerfall und was hätte sein können. Igloo City ist ein verlassener Hotelkomplex am George Parks Highway. 1970 will ein Investor ein vierstöckiges Hotel in Iglu-Form bauen, um Reisende zwischen Anchorage und Fairbanks anzulocken. Das Gebäude wird nie fertiggestellt, da es Bestimmungen des Baurechts und Brandschutzes nicht erfüllt.

Malerische Kilometer, weisse Bergspitzen, Wildbäche, Denali Nationalpark – die bekannte Piste im Denali lassen wir weg, zu wenig Vertrauen haben wir noch in Bänzli.

Das ist die Nachbildung des berühmten „Magic Bus 142“. Sean Penn erzählt im Film „Into the Wild“ packend den Überlebenskampf des 22-jährigen Christopher McCandless alias Alexander Supertramp am Stampede Trail. Die wahre Geschichte geht unter die Haut. Kurz vor seinem Tod im August 1992 schreibt Chris: „Happiness only real when shared.“

Es ist höchste Zeit, dass wir nach Süden kommen.
Fazit der Woche: Glück ist nur echt, wenn man es teilt.
Wochenfilm
Musik: The Brothers Comatose, Stück: Mercedes Benz
Das herbstliche Foto über den Hatcher Pass ist fast identisch mit meinem Foto von letzten Freitag beim Abstieg des Passes Munt la Selgia oberhalb von Zernez. Ich drücke euch die Daumen, dass Bänzli bald alle Reparaturen bekommt, die für euer Final nötig sind!
Just read your recent posts. So sorry to hear about the repairs and delays. I hope it will hang on until you complete your America continent tour. Winter will arrive soon, stay warm.