6.-13.10.2024, Cali mit vier linken Beinen …..

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Entspannungstage müssen sein! Durchhängen, Langeweile verspüren, gut essen, Whiskeys trinken, mit anderen Overlandern plaudern – das Leben ist schön!

Was macht man in Cali, der 2.4 Mio Stadt in Kolumbien? Tanzen – und zwar Salsa! Cali ist schlichtweg die Salsa Stadt Südamerikas und präsentiert sich sehr authentisch. Die Caleños strahlen Herzenswärme aus gepaart mit Stolz ein Bewohner/in dieser Stadt zu sein.

Auf unserer Salsa Führung nimmt uns Fernando mit in die rhythmische Stadt, wo Salsa Musik aus allen Ecken klingt.

Eine Explosionskatastrophe ereignet sich 1956 in Cali. Insgesamt 1053 Kisten mit 42 Tonnen Sprengstoff explodieren auf 7 Militär Lastwagen. Grosse Teile der damaligen Innenstadt werden dabei zerstört, es sterben 1’500 Menschen, 12’000 sind verletzt. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Die Explosion reisst ein Loch von 50 Meter Breite und acht Metern Tiefe. Die Stadt versinkt in eine Depression.
Um die Menschen zurück ins Leben zu holen beschliesst der Stadtrat, ein Salsa Fest zu veranstalten, die Feria de Cali. Das Stadt-, Volks-, und Musikfestival gehört heute zu den wichtigsten und traditionsreichsten Festen des Landes und des Kontinentes. 

Welche Salsa wird in Cali getanzt? Die alte Art wird gepflegt – es hat aber auch Platz für neue Stile und Rhythmen wie die berühmte Salsa choke caleña.

Die Musik haut uns echt aus den Socken, allen voran die beste und bekannteste Salsa Band die Grupo Niche, gegründet 1978 von Jairo Varela, hoch verehrt und überall sichtbar.

Der Dalai Lama sagt: „Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist.“ Stimmt genau!

Jetzt kommen unsere 4 linken Füsse und steifen Hüften ins Spiel. Natalia lehrt uns in einer privaten Tanzstunde „Salsa für Anfänger“.

Die Schritte, die bei ihr so selbstverständlich und sexy wirken, sehen bei uns spastisch und taktlos aus und bei jedem Blick in den grossen Spiegel wird die Peinlichkeit sichtbar. Uns macht es Spass und Natalias Anstand verbietet es ihr uns zu sagen wir sollen es sein lassen.

Wie fast immer in Grossstädten steht Bänzli in einem bewachten Parkplatz …

.. und wir in einem Hotel nebenan am Fluss Cali, nur einen Katzensprung vom Viertel San Antonio entfernt das von schönen bunten Fassaden, Strassenkunst, Restaurants, kleinen Innenhöfen, Salsa Bars, schnuckeligen Läden und Kaffees geprägt ist.

Die Herzlichkeit der Caleños verzaubert uns. Da stellt sich die Apothekerin mit Namen vor, der Kellner begrüsst uns mit Handschlag, wir werden oft auf der Strasse angesprochen, angelächelt und gefragt woher wir kommen.

Die Stadt und seine Umgebung ist stark schwarz geprägt was den natürlichen Rhythmus der Menschen wohl erklärt. Ein Touristenmagnet ist Cali nicht, unsere gebuchte Stadtbesichtigung wird wegen mangelnden Teilnehmern kurzfristig gestrichen. Halb so schlimm – wir besuchen das Jairo Varela Museum, setzen uns in den Garten meines Lieblingsrestaurants und erledigen allerlei Post, E-Mail und Bankangelegenheiten. Unser Verschiffungstermin nach Panama naht – wir sind in Kontakt mit diversen Anbietern.

Die lebendige Gemeinde „Comuna 20“ überwindet eine Zeit der Gewalt und Auseinandersetzungen. Durch positive Veränderungen schaffen sie den Durchbruch zum Besseren. Dieser Stadtteil sollte unser Donnerstag Programm sein. Kaum treffen wir unseren Führer Miguel zieht ein heftiges Gewitter über Cali und unsere Buchung fällt buchstäblich ins Wasser.

Wir trinken Kaffee im nahen Einkaufszentrum. Da tropft es aus den Lampen, von den Decken und das erste Stockwerk ist in vielen Bereichen überschwemmt. Wir verabreden uns für den nächsten Tag.

Innert 30 Minuten wird Cali zu Venedig.

Siloé, ein Viertel der Comuna 20, zwischen Hügeln gelegen, wird uns von Miguel auf Spanisch und William auf Englisch erklärt und gezeigt.

Unser Treffpunkt ist die Station Terminal Mio Cañaveralejo.

Mit der MIO-Seilbahn schweben wir über die Stadt. Miguel kommt von der Commune 20, er kennt das Dorf, seine Einwohner, ihre Lebensgeschichten wie seine Westentasche.

Da ist Amparo die frische Arepas macht, mit Käse füllt und obenauf Butter schmiert, die so fein schmecken.

John Smith der glaubt ein Ausserirdischer zu sein und uns in sein Haus einlädt. Dort leben 7 Familienmitglieder, seine Frau und das 3 Tage alte Baby.

Was für ein liebenswürdiger Spinner!

Er ist Künstler durch und durch, hat alles in seinem Haus selber entworfen und gebaut.

Wir könnten Stunden lang schauen und würden immer wieder Neues entdecken.

Mauricio lebt mit seiner taubstummen Freundin in Siloé, erzählt uns wie er die Comune liebt und singt für uns.

Wir haben unglaublich viel Spass so nah in Kontakt mit den Bewohnern zu kommen und erleben 4 interessante und einmalige Stunden.

In Siloé gibt es bereits 1904 bäuerliche Siedler, später wird Kohle entdeckt und abgebaut. Die Zuckerindustrie und die Pazifikbahn sind auf Kohle angewiesen die an den Hängen von Cali abgebaut werden. Ursprünglich Gemeindeland besetzen obdachlose Familien die Hügel von Siloé und bauen ihre ärmlichen Behausungen auf Schutthalden auf. Die meisten haben heute Wasser, Abwasserentsorgung und Strom. Das Viertel beherbergt viele Mythen, Legenden, Geheimnisse, Traditionen und natürlich Salsa. Wir laufen durch die Tierra Rocha und Blanca, schütteln immer wieder Hände, bekommen herzliche Willkommensworte und laben uns ob der Freundlichkeit seiner Bewohner.

Das ist Andrés King, er singt und tanzt Salsa Choke für uns. Miguel und William erklären Strassenkunst und Graffitis. Die Bilder erzählen Geschichten von Ermordeten, im Gefängnis lebenden, von grossartigen Bewohnern……

… von Sängern, Dichtern, Katzen, charismatischen Menschen und mehr.

Die Führung ist für uns die Beste seit wir in Südamerika sind. Authentisch, lebendig mit grossem Einblick in den Alltag der Menschen die heute noch in ärmlichen Verhältnissen leben.  Danke Miguel und William.

Es gäbe noch viel über Siloé zu erzählen, vom Geist Aurelio’s, von den Täufelinnen Diablitos, von seinen engen Gassen, Geisterhaus…..

….. vielen Treppen, Plänen und Zukunftsvisionen.

Der Mittagsschlaf macht uns fit für das Abendprogramm das natürlich dem Salsa gehört. Lautsprecher dröhnen dem Bulevar entlang – die Strassen sind voll von tanzenden im 4/4 Takt.

Vor allem Männer bringen ihre eigenen Percussions-Instrumente mit, verstärken den Rhythmus mit Glocke, Maracas, Congas, Bongas und genehmigen sich in den Mini-Pausen Hochprozentiges und Bier.

Es wird uns zu laut – wir suchen und finden ruhigere Ecken….

…. Plätze….

…. Gebäude……

… und lassen den ereignisreichen Tag bei einem Bier im „Alicias“ ausklingen. Was für eine Stadt!

Getrunken wird nicht zu wenig 😀.

Ein neuer Tag, neue Eindrücke. Wir besuchen die Kirche La Ermita,

das Museum del Oro..

und schlendern durch die Gassen von San Antonio.

Nicht dass Cali unglaublich viel an Sehenswürdigkeiten bietet….

….vom Charme und der Herzenswärme der Caleños sind wir aber hin und weg. Kann uns Kolumbien noch mehr bieten?

 

Fazit der Woche: Danke Cali, wir lieben dich! 

 

Wochenfilm:

Musik: Osvaldo Montes, Salsa Cali

 

Ein Kommentar zu „6.-13.10.2024, Cali mit vier linken Beinen …..

  1. Wo man singt und tanzt da lass dich ruhig nieder…..
    Ich freu mich auf weitere Salsavideos. So schlecht schaut’s gar nicht aus. Glückliche Weiterfahrt

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