10.-17.4.2022, ganz Tourist

Heute reihen wir uns in den internationalen Touristenstrom ein. Mit dem Uber-Taxi lassen wir uns früh zur Talstation des Tafelbergs bringen.

Rauflaufen ist zur Zeit keine Option. Ohne anzustehen gondeln wir mit der drehenden Garaventa Seilbahn zur Spitze des Tafelbergs. Es ist echt schön da oben und die Attraktion ist ein MUSS in Cape Town.

Der Löwenkopf links mit dem Signal Hügel rechts. 

Von einem Aussichtspunkt zum Nächsten wandernd beobachten wir schmunzelnd die Selfieverliebten Jungen die posieren, verrenken, Haare zurecht zupfen, Käppi drehen – eine Welt, die wir nicht mehr verstehen müssen.

Zufällig treffen wir die sympathische, bildhübsche und obendrein noch intelligente Patrizia aus Zug. Wir wandern zusammen, erzählen uns die Kurzversion unseres aktuellen Lebensstandes und trennen uns wieder. Patricia möchte an den Strand, wir auf den Stadtbus „hüpf auf – hüpf ab“!

Wir lieben dieses rote Gefährt. Wir sitzen oben ohne, hoch hinaus, bekommen einen guten Stadtüberblick und obendrein noch viel Geschichte über Südafrika und Kapstadt in deutscher Sprache. Im Ticket inbegriffen ist eine geführte Lauf-Tour durch die Stadtmitte und ihre Geschichte.

Bis zum Sonnenuntergang umfahren wir die Stadt und ihre Regionen mit der blauen und roten Buslinie. Ein gemütliches Nachtessen mit Heidy, Astrid und David rundet den schönen Tag ab. Hier einige Impressionen vom heutigen Tag.

Nelson Mandela und …

Desmond Tutu als Haus-Wandbilder

Ein Stück Berliner Mauer als Mahnmal….

Apartheitsgeschichte

Blumenmarkt mit der Nationalblume Protea

Rathaus (City Hall)

Abendstimmung an der Camps Bay.

Für uns sehr spät, nämlich um 22 Uhr, legen wir uns müde und zufrieden ins Bett. Was für ein schöner Tag!

Die Robben Insel, in einer 30 minütigen Schifffahrt erreichbar, ist mit traurigen Lebensgeschichten behaftet. Nelson Mandela und andere Apartheid-Gegner sitzen hier viele Jahre im Gefängnis.

Die Geschichte der Insel als Gefangenenlager beginnt jedoch vor der Apartheid. Schon im 16. Jahrhundert nutzen die Holländer Robben Island als Sträflingsinsel.

1843 schliesst die Anstalt seinen Betrieb und Lepra-Kranke werden auf die Insel verbannt. Die Aussätzigen bauen eine inzwischen verfallene Kirche, und sie setzten 43 Kinder in die Welt, statt – wie erwartet – schnell zu sterben. 1931 werden die Überlebenden nach Pretoria umgesiedelt.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs errichtet das südafrikanische Militär eine Basis auf der Insel.

Nelson Mandela ist 18 Jahre inhaftiert, von 1964 bis 1982. Hier das Bild seiner fünf Quadratmeter grossen Zelle. Danach wird er weitere 7 Jahre umgesiedelt.

Ein ehemaliger Insasse führt uns durch die Anlage. Er erzählt manchmal sehr emotional von seinen 7 Jahren auf Robben Island. „Du verlierst deine Identität, wirst zu einer Nummer, lebst in ständiger Angst vor Übergriffen, bekommst zuwenig zu Essen und musst hart arbeiten im Steinbruch.“ Seine brüchige Stimme lässt erahnen, wir traumatisch sein Leben während der Haft ist.

Die Gefangenen zu Mandelas Zeit sind zur Hälfte mit einem abgeschlossenen Studium. Sie unterrichten heimlich die Analphabeten, bringen ihnen Lesen, Schreiben und Englisch bei. Es ist kein Ort der Leichtigkeit.

Seine Erinnerungen an die Zeit auf Robben Island ist in der Biografie von Mandela „Der lange Weg zur Freiheit“ („Long Walk to Freedom„) nachzulesen.

Kehren wir zu Erfreulichem zurück! Ursi mit Tochter Leonie aus Engelberg sind für 2 Wochen in Kapstadt. Wir kennen die zwei nicht persönlich und verabreden uns zu einem Apero an der Wasserfront. Es ist immer sehr schön Menschen aus der Heimat zu treffen und so geniessen wir auch die kurze und sehr sympathische Begegnung mit den Beiden.

Heute habe ich einen Termin beim Schönheits Doktor. Immer wieder lese ich, dass Botox bei Migräne Linderung bringt. Ich brauche einen erfahrenen Arzt und finde in Dr. Pillay einen vertrauenswürdigen Experten. Er untersucht mich und spritzt Botox in die entsprechenden Trigger Punkte an Hals und Nacken. Es ist mir natürlich bewusst, dass es ein Nervengift ist, ein Leben ohne Migräne würde unser Reiseleben aber um einiges vereinfachen.

5 Tage Cape Town sind für uns als nicht Stadtmenschen mehr als genug. Geräuschpegel, künstliches Licht, Strassenverkehr, Menschenmenge usw. überfluten unsere Sinne. Im Kirstenbosch, botanischer Garten, finden wir zwar nicht viel Blühendes, es ist Herbst, dafür schöne Baumbestände und toll angelegte Wege.

Dieser Ficus Bonsai und ich sind beide 65 Jahre alt. Hallo Jahrgangskollege!

Unser erstes Weingut mit Verkostung ist das Meerendale. Wir nippen an 6 Weinen, sie sind nett aber der Wow-Effekt bleibt aus. Vielleicht liegt es an der Tageszeit, es ist Morgen.

In Stellenbosch holen wir das Ersatzteil (Glühstift) für unsere TRUMA Heizung ab. Wir haben von Sandro, Hardy und René Adressen erhalten, wo wir unsere Heizung in ZA evt. doch reparieren können.

Das Team Gloorioso flickt den Kochherd und montiert die neue Glasabdeckung, es ist die Dritte! Schön sieht es wieder aus! Wir erstellen eine neue Inventarliste von allen Ersatzteilen, Ordnung muss ja schliesslich sein. Oder ist es, weil wir laufend vergessen, wo wir was verstaut haben?

Am Karfreitag besuchen wir den Weinkeller „Hidden Valley“ in Stellenbosch. Wir testen 6 Weine, keiner mundet aussergewöhnlich, die Lage des Weingutes und das Plättli sind aber sensationell.

Stellenbosch und Franschhoek sind Städtchen, die allen Weinliebhabern ein Begriff sind. Diese Region ist übersät mit Weingütern und Rebstöcke in bester Qualität lassen die Winzerherzen hüpfen. Hier werden die besten Weine ZA hergestellt, hier kann man Weine degustieren bis das Blut blau ist. Die Gebäude sind meistens im kapholländischen Stil erbaut, inmitten der Weinberge, oft mit schönster Bergsicht und Kunst gespickt.

Ich habe nach der Hidden Valley Degustation keine Lust zu kochen, die 6 Versucherlis haben sich in Form von roten Wangen, müdem Geist und tattrigen Beinen niedergeschlagen. Wir essen eine Pizza im Restaurant gleich um die Ecke des Campingplatzes. Ich habe 4 Schnitten übrig, ich bin satt. Ich schaue mich im Restaurant um, sehe 4 trinkende Gäste, stehe auf und offeriere den Vieren spontan meine Pizza Resten. Die nehmen dankend an. Als wir gehen, bekomme ich 3 Stück 0.25 Liter Chilli Öle, schön verpackt, geschenkt. „Warum das Geschenk,“ will ich wissen? Ich habe meine Pizzaresten dem Besitzer des Restaurants verschenkt (wie peinlich ist das denn) und er will mir was zurück schenken. Wow!

Die kleinste Weinkellerei in ZA gehört Luca und Ingrid Bein. Luca erzählt uns philosophisch über die Qualität der Reben und ihrer Merlot Weine. Die Bein Weine können über Savinis Weinhandlung in der Schweiz gekauft werden. Er produziert ca. 18‘000 Flaschen pro Jahr und seine Weine munden uns sehr obwohl wir keine Merlot Fans sind.

Das Weingut Thelema liegt mitten in den Reben mit toller Sicht in die Berge. Die Weine haben uns allesamt zu viel Säure.

Die Weine vom Gut Tokara sind für unseren Gaumen sehr gut. Mit 14 Grad werden die Rotweine serviert. Wir bekommen einen schönen Halbmondtisch direkt am grossen Fenster und speisen hervorragend.

Die Weine in ZA haben generell ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. So bekommt man einen schönen Weine für ca. CHF 9 – 20, die Flasche.

Der Eingang der Weinkellerei Tokara. Viel Kunst, Skulpturen und Bilder zieren das Restaurant sowie den Degustationsraum und der Garten ist sehr schön angelegt.

Wir sind zum Oster Brunch bei Birgit und Rene Reiser eingeladen. Im schönen Weingut und Gästehaus Jacaranda können köstliche Weine degustiert werden. Rene stammt aus Buochs und wir kennen uns seit Kindesbeinen.

Birgit verwöhnt uns mit Köstlichkeiten inkl. Röschti, wir degustieren einige Flaschen von bestem Weiss- und Rotwein, erzählen viel aus unserer Kindheit und Buochs. Es ist ein rundum schöner Ostersonntag und natürlich kaufen wir ein paar Flaschen. In der Schweiz können Jacaranda Weine bei KapWeine in Wädenswil direkt bestellt werden.

Danke Birgit und Rene für die spontane Einladung. Wir kommen wieder.

Den nächsten Ostertermin haben wir mit Marianne und Markus Zimmermann im Orange Ville Camp. Muss ich erwähnen, dass sie Schweizer sind? Sie sind 11 Tage in einem Cottage eingemietet und unsere Begegnung ist kurz und sehr sympathisch. Und so verbringen wir Ostern mit Menschen die sich fast wie Familie anfühlen.

 

 

Fazit der Woche: von Sonntag bis Sonntag herrscht die Farbe Blau! 

 

 

 

 

3.-10.4.2022, … soooo beautiful ….

Spaziergang durch Hermanus

In Somerset West lebt die Tochter meiner Cousine Pia. Erna, auch meine Cousine und treue Leserin unseres Blogs, stellt den Kontakt her. Karin lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Wir kennen uns nicht, das holen wir ganz schnell mit einem herzlichen Willkommen und schönen Gesprächen nach.

Karin und Steve haben ein schönes zu Hause, verwöhnen uns mit leckerem Essen und sind tolle Gastgeber. Danke ihr zwei, schön durften wir euch kennen lernen, ihr seid zwei ganz tolle Menschen.

In der CH gehören wir zur Gruppe „La Banda“! Ein Mal im Jahr trifft man sich zu einem Ausflug, meistens im Kanton Tessin. Dort lernen wir Claudia und Markus kennen. Und was für ein Zufall, auch sie sind zur Zeit in Somerset West. Wir treffen uns zu einem Lunch und auch hier stimmt die Chemie. Sie haben spannende Pläne, möchten für ein paar Jahre nach Somerset West umziehen. Wir wünschen euch alles Gute.

Das südafrikanische Weingut Vergelegen, deutsch „Abgelegen“, liegt ein Katzensprung von Karins Haus entfernt.

Das Weingut wurde von Willem Adriaan van der Stel gegründet, der im Jahr 1699 seinen Vater als Gouverneur ablöst. Namhafte Besucher wie Königin Elisabeth und die Clinton’s lachen aus einem XXL Rahmen und geben dem Herrenhaus noch mehr Würde.

Das Haus ist im typisch kapholländischen Baustil, das Dach strohgedeckt, die Räume grosszügig mit Teak- und Gelbholz versehen.

Auf dem Weingut befinden sich weit über 300 Jahre alte Kampferbäume, die zum Nationalmonument erklärt sind. Das Areal ist riesig, die Gärten ein Traum, 80 Angestellte sorgen für den Unterhalt der Gebäude, Gärten, Restauration und des Weinguts.

Die Weine von Vergelegen haben bereits viele internationale Auszeichnungen erlangt und gehören konstant zu den fünf besten Afrikas.

„Wartet, bis ihr im Western Cape seid,“ hören wir seid 5 Monaten. Diese Region ist so wunderschön. Unsere Herzen sind bedrückt, von Somerset über Muizenberg, Kalk Bay, Glencairn und Simon‘s Town erreichen wir the Bolders. Wie ein Mantra repetiere ich: „Mir gefällt es nicht hier.“ Gettos reihen sich aneinander, alte baufällige Häuser türmen sich der Hauptstrasse entlang und die Villen kleben an den engen Hängen.

Die Afrika Pinguine brüten im Tafelberg NP gerade ihre Eier aus. Einige Babys gucken schon scheu unter Mamis deckendem Bauchschutz hervor. Andere watscheln zum Meer, sie haben Hunger. Was für lustige Tiere, wir beobachten sie lange, sie zaubern immer wieder ein Lächeln auf unser Gesicht.

Wir haben seit langem im SPAR Fleischkäse gefunden. Der stramme Max mundet uns wie ein Festessen, dazu haben wir Meerblick und so endet der Mittwoch im Guten.

Ein neuer Tag, eine neue Optik. Die südlich von Kapstadt gelegene Kaphalbinsel gehört zum Tafelberg Nationalpark und ist ein sehr schönes Naturschutz- und Naherholungsgebiet. Im Park liegt das Cap der guten Hoffnung und der Cape Point. Es ist der südwestlichste Punkt Afrikas und somit der Ort, an dem die afrikanische Küste ihren Schwenk nach Norden beginnt.

Unmittelbar an der Küste erstreckt sich eine Felsenlandschaft, die sich unter Wasser auf das Meer ausdehnt. Ein Grossteil der Felsen befindet sich 50 cm bis 3 m unter der Wasseroberfläche. Eine weitere Gefahr sind die starken Winde am Kap. Selbst wenn ein Segelschiff das Kap weiträumig umsegelt, sorgen die Strömungen und Winde dafür, dass es immer wieder Richtung Küste gedrückt wird. Mindestens 23 Schiffe sollen hier als Wracks auf dem Meeresgrund liegen.

Richtung Cape Town irritieren uns Slums, Armut, Randständige, Verkehr und aggressive Fahrer. Nur dank der schnellen Reaktion von Werni umgehen wir eine Frontalkollision. Das Herz sackt in die Hose und zurück!

Jetzt sind wir hier, im sooo beautiful Kapstadt! Die ersten 2 Nächte sind wir 35 km ausserhalb der Stadt und benötigen 45 Minuten bis zu 1 Stunde um ins Zentrum zu fahren. Wir brauchen eine Wohnung im Herzen um warm zu werden mit Cape Town.

Wir versuchen unsere Heizung in Kapstadt zu reparieren, geht nicht, es sieht schlecht aus für die Heizung und für uns.

Wir parkieren, um uns ein Studio im „Man and Tree“ anzuschauen. Da klopft es an unser Autofenster. „Hallo Heidi, hallo Werni,“ lächelt uns ein sympathischer Mann um die Mitte 60 an. „Kennt ihr mich noch?“ Nachdenken, das Gesicht nochmals unter die Lupe nehmen – dann macht es Klick! Es ist Martin Kotthoff, wir haben seine Frau Christin und ihn an der Off-Road Messe in Bad Kissingen D an einer Tankstelle vor 6 Jahren kennen gelernt. Sie wohnen in Cape Town, er trinkt mit Freund Heiko einen Kaffee, sieht, erkennt und erinnert sich an unser Auto und an uns. Ist das nicht unglaublich?

Heute sind wir bei Martin eingeladen. Er versucht uns für die Westroute zu motivieren, erzählt und gibt uns Tipps. Auch Kusters mit West-Erfahrung ermuntern uns, den Westen hoch zu fahren. Zum ersten Mal in 3 Jahren wissen wir nicht wie weiter. Es verunsichert uns beide. Immer noch nicht ganz im Strumpf darf man zum ersten Mal sagen, dass wir in einer Reisekrise stecken. Wir wissen, dass der Westen fordernd ist was Visabeschaffung, Temperaturen, Grenzübertritte, Verkehr, Polizeikontrollen und Korruption anbelangt. Sind wir bereit für die Herausforderung?

Unser Studio ist 120 Meter von der Wohnung von Heidy, Astrid und David entfernt. Sie sind heute Samstag angekommen. Wir sagen kurz Hallo – so schön die Drei zu sehen. David hat uns so einiges aus der CH mitgebracht, suuupiii! Danke David.

Wir verabreden uns zum Sonntags-Frühstück im Neighbourgoods Market in der alten Keksfabrik. Es ist ein kulinarischer Frühschoppen, der Delikatessen aus vielen Ländern anbietet. Die laute Musik vertreibt uns relativ schnell.

Wir schauen uns ein paar Wandmalereien an…..

…..schlendern an der touristischen Wasserfront…….

…… geben der Architektur des alten Silos mit seinem Zeitz Museum of Contemporary Art Platz…

….. und laufen gemütlich zu unserem Hotel zurück.

Dabei sehen wir Brücken die plötzlich enden…..

Architekturmix……

…..paddeln im Battery Park mit seinen geschützten Wohneinheiten…….

…..und die Ärmsten der Armen die nur 100 Meter daneben in Karton, Plastik und Schutt einen Überlebenskampf führen.

Cape Town ist eine Stadt voller Gegensätze! Und hier noch ein Selbstbild von uns.

Dank Davids langen Armen passen wir alle drauf.

 

Fazit der Woche: Western Cape hat noch Luft nach oben. 

 

27.3. – 03.4.2022 von Haar und südlichstem Punkt

Was machen Frauen, wenn sie einen Aufsteller benötigen?

Schokolade und Süsses mag ich nicht besonders, für neue Kleider habe ich keinen Platz, bleibt nur der Besuch beim Coiffeur. Ich könnte euch jetzt meine lange Geschichte von einer Farb-Odyssee detailliert erzählen. Die Kurzversion ist, dass mir ein Coiffeur-Besuch ungewollt blondes Haar beschert. Werni ist geschockt, so bin ich es, und nur zwei Tage später versuchen wir das Blond in ein warmes Braun oder Grau umzuwandeln. Auch dieser Versuch scheitert und ein helles Orange macht sich auf meinem Kopf breit.

Super Farbe oder? 

Mein Spiegelbild sagt mir jeden Morgen: „Ich mag dich nicht,“ und so suche ich verzweifelt bei „Hashtags“ in George Beratung. „Ich will mein graues Haar zurück,“ jammere ich und so bekomme ich einen Termin früh am Montag Morgen.

4 Stunden lang wird mein Haar aufgehellt und in Platin eingefärbt. Salz und Pfeffer nennt die Coiffeuse die Farbe. Es ist definitiv viel besser als zuvor und das Grau schimmert wieder zart durch.

In Oudtshoorn finder just am Tag, wo wir dort sind, das alljährliche KKNK Festival statt. Es wird ein erstklassiges Programm für Liebhaber klassischer Musik und Chöre geboten und diverse Künstler stellen aus. Wir sind immer noch nicht ganz fit und streichen das Festival mit Bedauern.

Durch beeindruckende Szenerie, Straussenfarmen und Natur pur fahren wir durchs Hinterland. Oh, da ist jemand noch langsamer unterwegs als wir.

Der weltberühmte Swartberg Pass ist eine gut ausgebaute, 27 km lange Naturstrasse und eröffnet nach jeder Kurve neue atemberaubende Ausblicke. Zwischen Oudtshoorn und Prince Albert befindet sich die wunderschöne Gebirgskette die die kleine Karoo von der grossen Karoo abtrennt. Die Strasse schlängelt sich auf 1583 Meter hoch und wieder runter. Die Fahrt ist spektakulär!

Calitzdorp ist bekannt für seine Portweine. Wir streichen den Besuch des Weingutes De Krans, wir haben keine Lust auf Degustationen.

In einem ehemaligen Bahnhofareal finden wir einen gelungenen Übernachtungsplatz. Eine charismatische Bar, saubere Toiletten und eine tolle Atmosphäre herrscht auf dem „Bahnhof“. Stopp – der Zug kommt. Erinnerungen an den Bamboo Train in Kambodscha kommen auf.

Das Kind in der Frau und im Mann erwacht! Wir gigglen vor uns her und haben echt den Plausch an der Draisinen-Fahrt.

Im Bontebok NP suchen wir lange und vergebens nach Tieren. Der kleinste Park in ZA schützt vor allem den Bontebok (Bundbock). Wir sehen aus der Ferne ein paar Vierbeiner. Die Landschaft entschädigt, wir können direkt am Fluss laufen gehen und parken auch am Wasser.

Der englische Name Arniston stammt von einem britischen Truppenschiff das 1815 in der Nähe strandet und 372 Menschen in den Tod reisst. Arniston ist auch heute noch ein intaktes Fischerdorf mit kleinen Häusern die unter Denkmalschutz stehen.

Täglich verkaufen Fischer den Fang direkt an Kundinnen. Es regnet in Strömen, wir fahren durch das Dorf, bewundern die schönen Häuser und fahren weiter.

Geografisch ist das „Kap der Nadeln“, Kap Agulhas, der südlichste Punkt vom Kontinent Afrika und nicht, wie oft angenommen, das Kap der Guten Hoffnung. Der 20. Meridian liegt in etwa auf dem Kap Agulhas und ist die geografische Grenze zwischen dem Atlantischem und Indischem Ozean.

Emotional stehen wir am historischen Punkt. Wir haben es geschafft! In über 3 Jahren sind wir die Ostroute von Egypten bis Südafrika gefahren. Viel erlebt, gesehen, erreicht, hinter uns gebracht – reifer und älter geworden, viel gelernt und erfahren sitzen wir bewegt, gerührt und stolz in unserem Bänzli bei einem feinen Nachtessen (starker Wind) und einer Flasche Wein.

Wir erzählen von der Reise, von Höhen- und Tiefpunkten. Von Begegnungen die unsere Herzen erwärmen, von solchen, die unsere Energie innert Minuten rauben. Reisen ist wundervoll, spannend, erlebnisreich manchmal auch anstrengend und ermüdend.

Reisen ergibt oft eine andere Sicht auf diverse Themen, nicht besser, nicht schlechter, einfach anders und wir fragen uns oft, wie wir in der kleinen aber schönen Schweiz wieder zurecht kommen werden?

Elim ist ein Dorf das unter Denkmalschutz steht. 1824 als deutsche Missionsstation gegründet bewohnen bis Heute Mitglieder des Moravian-Ordens das Dorf mit den bunten Häuschen, die teilweise liebevoll restauriert sind.

Das Städtchen Gans Bay ist weltweit berühmt wie berüchtigt für die grosse Anzahl weisser Haie entlang der Küste. Auf Bootstouren hat man die Möglichkeit, sie aus nächster Nähe zu beobachten oder, geschützt durch einen Käfig, mit ihnen zu tauchen. Wir lassen beides weg, so nahe müssen wir sie nicht wirklich sehen.

 

Fazit der Woche: Unser erstes Etappenziel ist erreicht! 

 

 

 

 

20.-27.3.2022 ….krank ……

Was soll ich euch diese Woche schreiben? Es gibt super gute Wochen, dann weniger gute und zu guter Letzt miserable Wochen.

Die KW 12 gehört definitiv zur letzteren Kategorie. Wir erwachen mit Fieber, Magenbeschwerden, Glieder- und furchtbaren Kopfschmerzen, Werni mit Halsweh und Husten noch dazu. Wir buchen in George ein Zimmer und gehen freiwillig in Quarantäne. Immerhin lässt es sich gut auskurieren in einem so schönen Zimmer und super netten Gastgebern.

Unser Zimmer riecht nach Zwiebeln, Vicks und Kartoffeln, mal kommt der Wickel auf die Bronchien, mal auf den Hals, Lazarett Gloor ist eröffnet.

Nach 4 Nächten ist unser Zimmer vergeben. Wir buchen eine ruhige Pension, Amour Gästehaus in Stadtnähe, diesmal mit Frühstück. Wir sind noch nicht parat weiter zu fahren.

Wir wechseln uns gegenseitig in der Pflege ab, mal geht es Werni etwas besser, mal mir.

Auch der Krankheitswoche können wir Gutes abgewinnen. Es ist bis am Samstag schlechtes Wetter, die geplante Passfahrt für diese Woche wäre eh ins Wasser gefallen. Unser Bänzli bekommt ein Facelifting, er wird professionell poliert und sieht jetzt aus wie neu!

Wir gönnen uns viel Ruhe, fallen immer wieder in Tiefschlaf, trinken literweise Tee und leben ausschliesslich von Früchten.

Heute Sonntag fühlen wir uns beide viel besser. Noch nicht Badezeit, das Ärgste scheint aber überstanden. Wir planen die Weiterfahrt für Dienstag. Zurück bleibt eine leicht bedrückte Stimmung die einem einfach befällt nach 1 Woche liegen im Bett.

Da konnten wir noch lachen, der Tag vor dem grossen Jammer und hoffentlich bald wieder so fröhlich unterwegs.

 

Fazit der Woche: Es hat wohl alles seinen Grund! 

 

13.-20.03.2022 ..freche Vögel..

An die 80 km fahren wir durch Apfelplantagen und einfachste Arbeiterbehausungen zurück ans Meer. Es regnet den ganzen Tag, mal sind es tanzende – mal fette schwere Tropfen auf unserer Windschutzscheibe. Das Nature Valley ist sehr schön mit tollen Wandermöglichkeiten – wäre da nicht Petrus der kein Erbarmen kennt. Es kühlt auf 14 Grad ab und das tagsüber. Am nächsten Morgen haben wir Null Motivation, auch nur einen Schritt zu laufen. Strandfahrt und Besichtigung auf 4 Rädern ist auch nicht schlecht.

Die Sitzbänke stehen unter Wasser

Über die Bloukrans-Brücke sind wir am Sonntag schon gefahren. Nur konnten wir sie wegen dem Nebel nicht sehen. 16 km zurück steht sie prächtig da, die Bogenbrücke die 1983 eröffnet wird und 216 Meter über dem gleichnamigen Fluss schwebt.

Für CHF 350 kann der Adrenalin Süchtige in die Tiefe springen und seiner Wanderniere den Vortritt lassen. Um kein Geld in der Welt würden wir springen – da sind wir uns einig.

Der Vogelpark „Birds of Eden“ ist eine überdachte, 23 000 m2 grosse Fläche mit über 4500 Vögeln. Es ist die grösste  Freiflugvoliere der Welt und befindet sich in der Nähe von Plettenberg Bay. Die Netzkuppel des Schutzgebiets ist auf einer Fläche von 2,3 Hektar einheimischen Waldes errichtet und befindet sich bis zu 55 Meter über dem Boden.

Holzstege führen über verschiedene Ebenen in 1.7 km durch den Vogelpark. Wir haben eine tolle Geschäftsidee. Derjenige, der mit Vogelscheisse auf dem Kopf zurück kommt, kriegt das Eintrittsgeld zurück. Wir schaffen den Durchgang ohne die weisse klebrige Masse im Haar, dafür mit einem blutigen Finger.

Der freche Amazonen-Papagei fliegt auf mein iPhone und attackiert meinen Zeigefinger. „Autsch – du frecher Kerl!“

Die Papageien verfolgen uns regelrecht und versuchen uns immer wieder anzufliegen. Hitchcock’s Vögel lassen grüssen.

Kappapagei

Wir sichten tolle, farbige Vögel. Der Eden Park ist echt schön und sehenswert.

Knysna-Turaco

Goldfasan

Scharlachsichler Ibis

Guinea Taube

Ringneck Sittich

Grauducker mit Geierperlhuhn

Turaco

Wellensittich

Beim „Rock Arch“ Camping am   Keurboomstrand treffen wir Esther und Thomas aus der Schweiz. Die Beiden sind seit 2014 auf Weltreise mit ihrem sehr schön ausgebauten MAN. Gegenüber ihren Erzählungen und Erlebnissen sind wir immer noch Anfänger. Fast die ganze Welt haben sie schon bereist. Leider fahren wir in entgegengesetzter Richtung.

Ein paar Schritte vom Camping entfernt treffen sich im Restaurant Enrico Klunker, Gold, gestylte und andere zu leckerem italienischen Essen. Auf der schönen Terrasse direkt am Meer essen wir Tomatensalat mit super feinem Mozzarella, der auf der Zunge zergeht.

Um Lynn und Gys an der Mossel Bay zu treffen, sind wir einmal mehr zickzack unterwegs.

Gys feiert seinen 64. Geburtstag. Wir verbringen schöne Stunden zusammen, Gys zeigt uns den Leuchtturm ….

… und führt uns im Pinnacle Point Estate in die Welt der Golfer ein. Wunderschöne Villen reihen sich auf Klippen mit Meerblick um den privaten Golfplatz, das Restaurant ist stilvoll, die Cocktails köstlich und das Essen lecker.

Im Abschied nehmen und aufbrechen sind wir inzwischen richtig geübt. Wir haben gelernt, dass wir nie einsam sind und immer wieder nette Mitmenschen kennen lernen, manchmal auch andere😉.

Zurück in George informieren wir uns auf dem „Home Affair“ Büro, ob wir evt. die Pensionierten Aufenthaltsbewilligung für ZA bekommen könnten. Es scheint schwierig zu werden. Auch da haben wir gelernt, dass man hartnäckig aber geduldig an einem Thema bleiben muss und dass sich meistens ein Türchen, Hintertürchen oder „fast“ Gefängnistürchen auf irgend eine Weise öffnet.

In Knysna finden wir einen schönen, ruhigen Platz etwas ausserhalb dem touristischen Städtchen. Knysna ist ein Höhepunkt auf der Gartenroute und liegt an einer grossen, natürlichen Lagune.

Die dunkelhäutige Dame vom Touristen Büro antwortet uns auf die Frage: „Was ist ihr persönlicher Höhepunkt in Knysna?“ Der Friday Market sei ihr absoluter Lieblingsanlass und sie sei jeden Freitag dort anzutreffen. Mit dem Taxi fahren wir um 16.30 Uhr die 5 km zum Freitags Markt – sind voller Erwartungen – und brechen einmal mehr in lautes Lachen aus. Es scheint ein beliebter Pensionierter-Treffpunkt zu sein mit einigen Festbankgarnituren und Verpflegungsständen. Schwarze sehen wir keine, immerhin gibt es leckere Thai Nudeln und Livemusik.

Wir laufen in 3 h eine herrliche Morgenrunde zum Eastern Heads View Point und zurück. Schicke Villen kleben am Hügel mit offenem Blick aufs Meer. Roger Federer und Sting sollen hier ein Häusle haben. Sie sind leider nicht zu Hause.

Der 7. Juni 2017 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte von Knysna. Ein ungewöhnlich starker Südatlantiksturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h trifft auf die Südküste. Wellenhöhen bis zu 10 Metern werden gemessen.

Grossbrände entfachen und vernichten 800 Gebäude in Knysna und Plettenberg. 7 Menschen verlieren ihr Leben, 10‘000 werden vertrieben, 380 Mio. USD Schäden entstehen allein an Privatgebäuden.

5 Jahre später sind vom Brand fast keine Spuren mehr zu sehen.

Mit 3 jungen, übermütigen Mädels schaukeln wir auf einem Boot. Wir haben die Auster-Tour gebucht. Kapitän Ben erzählt uns viel über die Zucht von Austern und über Knysna. Seit ein grosser Teil der Garten Route zu einem Naturschutzgebiet erklärt ist, dürfen in der Lagune keine Austern mehr gezüchtet werden.

Da Austern keine Möglichkeit zur Fortbewegung haben, sind sie darauf angewiesen, dass die Nahrung zu ihnen kommt. Sie leben daher vorzugsweise in der Gezeitenzone an felsigen Küsten wo die permanente Bewegung des Wassers stets frisches Plankton heranbringt. Die frei lebenden Schalentiere von Knysna sollen sie die Besten sein weit und breit.

Wir leeren unsere Weissweingläser recht zügig und schlürfen genussvoll Austern mit Zitrone und Tabasco. Die Mädels werden immer ausgelassener und bei der Information, dass die Schalentiere eine aphrodisierende Wirkung haben geraten sie in ein unablässiges Kichern.

Die Austern scheinen zu wirken.

Wir lachen einfach mit und lassen uns von der Ausgelassenheit und Energie der Jugend anstecken.

An der Seefront von Knysna finden die Einheimischen und Touristen viele Restaurants. Mehrheitlich werden Meeresfrüchte, Fisch und Sushi serviert, fast alle Tische sind besetzt. „Colored“ (so nennt man hier Schwarz gemischt mit Weiss) Kellnerinnen und Kellner bedienen aufmerksam und freundlich und stehen, verglichen zu europäischem Standard, in nichts zurück. Es ist ganz schön was los in der ersten Reihe am Meer!

Wir werden nicht warm mit dem Städtchen Plettenberg Bay. Hingegen geniessen wir die 9.2 km lange Wanderung im Naturreservat Robberg. Wir laufen den längst möglichen Wanderweg zum „the Point“, sehen und riechen 1000ende von Seelöwen und beobachten Delphine. Fischer dürfen mit einem Patent soviel rausziehen wie sie tragen können. Es gibt nur Wanderwege auf der Halbinsel.

Mit 9 Thunfischen ist dieser Fischer beladen und er muss noch 5 km laufen bis zu seinem Auto. Ich schätze einen Fisch auf mindestens 2 kg, er schleppt mindestens 18 kg. Er hat die Fische in 20 Minuten gefangen.

Zu Fuss oder per Boot bekommt man den schönsten Eindruck der Garden Route.

Rauf und runter führt der Wanderweg durch typische Küstenlandschaft, mal sandig, mal steinig, mal treppig, mal holzig.

Wir werden ganz schön müde.

Ich gönne mir noch ein Untertauchen im kalten Meer, einfach herrlich.

Nach 3 Stunden sind wir zurück – die Beine melden Pause, der Magen Hunger und der Körper Dusche!

 

 

Fazit der Woche: Vögel und Wandervögel haben Spass. 

6.-13.3.2022 von Garten und Blumen

Ein touristischer Teil von Südafrika liegt vor uns, nämlich die Garden Route. Alle Südafrikanerinnen sprechen in Superlative von diesem Küstenabschnitt.

Die Bezeichnung Garden Route verlockt zu der Annahme, Blumenpracht in Fülle und bezaubernde Gärten vorzufinden. Der Name täuscht, weisse Sandstrände, tropische Wälder, tiefe Schluchten und Lagunen bilden ein Naturparadies voller Kontraste. Offiziell erstreckt sich die Garden Route von Port Elisabeth bis zum Örtchen Mossel Bay.

Jeffrey’s Bay ist ein schönes Städtchen und eine Surfhochburg. Testosteron liegt in der Luft! Durchtrainierte Körper mit kräftigen Oberarmen, Zigarette zwischen den Lippen in lässigen Surfer Klamotten tummeln sich in Pubs, Strassenkaffees und Strand. Hier ein Appell an alle Singel Mädels. Es gibt ganz schön was zu sehen hier und das in allen Altersgruppen.

Wir bekommen eine WhatsApp Nachricht von Linda. Wir haben sie und Matthias vor 3 Jahren in Nairobi auf Hochzeitsreise kennen gelernt. Aus unserem Blog entnehmen sie, dass wir in der Nähe von Port Elisabeth sind. Auch sie reisen zur Zeit durch Südafrika. Nach ein paar Nachrichten hin und her finden wir heraus, dass auch sie in Jeffrey’s Bay sind und innerhalb von 10 Minuten sitzen wir gemeinsam am Kaffee. In der Zwischenzeit sind sie zu dritt. Danke ihr 3 für die schöne Begegnung und auf Wiedersehen.

Am Storms Fluss im Tsitsikamma Gebiet starten zwei weltberühmte Wanderwege. Der Tsitsikamma (72 km) und Otter Trail (48 km). Die Organisation ist kompliziert. Es muss Monate voraus gebucht und es darf nur in östliche Richtung gewandert werden. Wir laufen eine kleine, 3-stündige Etappe der Otter Wanderung und erlauben uns, auch westwärts zu laufen. Es gibt immer wieder Abschnitte, wo wir über Felsblöcke balancieren und von Stein zu Stein hüpfen. Es ist nicht heiss, tolle Ausblicke auf den indischen Ozean und Klippen, abwechselnd mit Waldpartien, machen die Wanderung lohnend. Wir bekommen einen ersten Eindruck der Garden Route.

Die 2. Wanderung führt zur Mündung des Storms Flusses über 3 imposante Brücken und wieder zurück. Stufen rauf und runter in 2 Stunden, wieder schöne Meerblicke und perfekt angelegte Wanderwege. Mit Kanus paddeln Jugendliche den Fluss hoch, gar nicht so einfach wie wir lachend beobachten.

Vom Besuch des grossen Baumes (Big Tree) versprechen wir uns nicht viel. Wir lassen uns positiv überraschen. Der Hauptbaum liegt inmitten herrlichem Urwald und er darf als Kraftbaum bezeichnet werden. 1000 Jahre alt, (seine Memoiren wären weit spannender zu lesen als zB. die von Prinz Harry😀) 36 Meter hoch, Durchmesser des Stammes im Schnitt 8.5 Meter und einer Kronenweite von 33 Metern stehen wir ehrfürchtig unter dem Baum und tätscheln den Riesen sanft.

Auf dem Weg zum Wolf-Gehege treffen wir in Gegenrichtung ein Paar, welches wir kennen. Beim Besuch sehen sie nur 1 Wolf, einen völlig unmotivierten Führer, einen überrissenen Eintrittspreis – der Besuch sei nicht lohnend. Umdrehen und weiter fahren. Wir übernachten im privaten Garten von Chris im nächsten Dorf, er kennt die Rigi und liebt den Vierwaldstättersee. Unglaublich!

Lynn und Gys aus Johannesburg sind auf dem Weg nach Mossel Bay. Wir hoffen auf ein Wiedersehen. Sie geben uns den Typ vom Weltkulturerbe Park Baviaanskloof, Pavianschlucht.

Weg von der Küste fahren wir durch riesige Orangenplantagen zum Tor der Paviane. In Hankey soll Bänzli vom Meersalz befreit werden, wir brauchen eine gute Waschanlage. Bei einem Schild „Car Wash“ fragt Werni den jungen Mann: „hast du einen Hochdruckreiniger?“ „Nein,“ seine Antwort und wir wollen schon weiter fahren als der Junge in zerlumpten Kleidern bettelt: „bitte Sir, lassen sie mich das Auto waschen, bitte – ich wasche es sauber, bitte lassen sie mich die Arbeit machen. Er erreicht Wernis Herz, der Junge packt seine Utensilien, rennt uns 300 Meter voraus und bringt uns zum Feuerwehrhaus. Dort gibt es einen Schlauch und Wasser. Bei brütender Hitze und mit einfachsten Mitteln wäscht und poliert der Junge unser Auto – Werni hilft ihm dabei – ich beobachte den willigen und fleissigen jungen Mann, ich schätze ihn auf ca. 18 Jahre, und bin zu Tränen gerührt. Soviel Wille und Entschlossenheit aus dem Elend raus zu kommen stehen in seinem Gesicht geschrieben. Er verdient eine kalte Cola, Hosen und Leibchen von Werni und 100 Randen (CHF 6). 

Kurz vor dem Ost Eingangstor zur Baviaanskloof finden wir einen echt tollen Campingplatz mit privatem Spülbecken. Spontan legen wir einen Arbeitstag ein, Kühlschrank abtauen, waschen, Schubladen putzen, Körperpflege und zum Ende des Tages schwimmen im kühlen natürlichen Teich. Das Leben ist schön ……

Die ersten 60 von 110 km im Park sind fahrtechnisch ganz schön fordernd aber traumhaft schön. Den Baviaans Pass hoch und runter, den Grassneck Pass hoch und runter, alles eine …..

…..einspurige Naturstrasse mit Auswaschungen, Löchern, Steinen und Wasser. Mit 15 km/h können wir trotzdem die Berglandschaft, Hochebenen, Blumen und die sehr scheuen Paviane geniessen.

Der Kap-Beiwurz begleiten uns als Blumenallee während der ganzen Fahrt.

Einen Besuch im unikaten Veros Kaffee mit leckeren Sandwiches gibt uns eine Schüttelpause – auf besserer Strasse erreichen wir nach 110 km das Traumcamp Uitspan.

Umgeben von Felsen mit privater Toilette und Dusche mit einer bombastischen Aussicht geniessen wir die Privatsphäre. Trotz Müdigkeit wandern wir schnell in 1 h auf den Hausgipfel. Unser zusammengestauchtes Skelett braucht etwas Bewegung. Wow, schön da oben – mit einem Bogen der für spektakuläre Fotos sorgt.

Ganz schön mutig mein Werni!

Am Sonntag morgen regnet es in Strömen. Wir wären noch gerne länger im Camp geblieben. Es ist jedoch ideales Fahrwetter. So entscheiden wir, zurück an die Garten Route zu fahren und dort an der Küste weiter zu machen, wo wir gestoppt haben nämlich in Storms River.

 

Fazit der Woche: Schön wenn man zwischen Meer und Berge abwechseln kann! 

 

27.2. – 06.3.2022 Junge komm bald wieder …..

Junge komm bald wieder, bald wieder nach Haus

Die Einfahrt auf der 2 Spuren-Autobahn nach Port Elisabeth weckt noch mehr Fernweh in uns. Der Cargo Hafen entsendet Container und Autos in alle Welt – wie unsere Reise nach ZA wohl weiter geht? Wir finden Häfen immer etwas ganz spezielles.

Die Grösse der Schiffe, die Besatzung die oft Wochen ja Monate unterwegs ist, die Organisation des Ver- und Entladens, das Abschied nehmen und Ankommen. Vielleicht schwingt auch etwas Freddy Quinn Romantik mit ….

…..Junge, fahr nie wieder, nie wieder …

Port Elisabeth ist am nächste Morgen in einen Herbstmantel eingehüllt. Der Leuchtturm steht im Nebel.

Wir kaufen im Food Lover‘s Market ein für die nächsten paar Tage. Alles, wirklich alles was das Herz begehrt, gibt es zu kaufen. Das ist mit Abstand der schönste Laden, den wir auf unserer Reise bis jetzt gesehen haben.

Richtiges Brot, Mozzarella, frische Kräuter, Servelat, ungesalzene Butter – alles plumpst in den Einkaufswagen – wir sind im Schlaraffenland!

Lesley und Thabisa sprechen uns auf dem Parkplatz von Food Lover’s an, sie bewundern Bänzli und möchten eine Führung. Zugegeben, wir bluffen etwas mit unserem ReMo. „Ihr lebt unseren grossen Traum,“ sagen die beiden. Ob sie ihren Traum mal realisieren können?

Die Ausfahrt von PE Richtung Addo Elephant NP könnte kontrastreicher nicht sein. Armselige Wellblech-Behausungen reihen sich aneinander, Müll liegt überall, die Armut ist so deutlich sicht- und spürbar.

Sie löst eine Diskussion bei uns aus über Gerechtigkeit, das Glück in einem Land wie der Schweiz geboren zu sein, über Chancen, Bildung, Hunger, HIV, keine Perspektiven, Trostlosigkeit und das die Elite und Mächtigen dieser Welt weitaus andere Aufgaben hätten als Kriegsführung.

Im Addo Nationalpark ergattern wir den letzten Campingplatz. Es ist eine Reisegruppe mit dem Veranstalter SeaBridge in Anfahrt, 6 Schweizer, 4 Österreicher, 8 Deutsche – alle fahren sie Mietwohnmobile und sind 2 Monate unterwegs. Die Gruppe habe eine schwierige Konstellation, es seien viele schwierige Charakter darunter, erzählt uns Claude aus Basel. Nach einem Spaziergang durch den Campingplatz und diversen kurzen Gesprächen verstehen wir Claudes Argumente. Alle sind froh ist die Reise bald zu Ende und dauert sie nur 2 Monate.

Ein Elefant ist ein Elefant, weil er einen Rüssel, grosse Wedelohren und lange Stosszähne hat!

Nicht so im Addo Nationalpark. Im Jahr 1931 leben noch die letzten 11 Elefanten in der Region. Elfenbeinjäger und Farmer schlachten hunderte der Kap Elefanten ab, aus Gier und Profit aber auch zum Schutze von Feldern. Ein umzäunter Park wird zum Schutz der Dickhäuter errichtet.

Normalerweise fehlen nur wenigen Tieren die markanten Stosszähne. Doch das Beispiel Addo zeigt, wie drastisch und anhaltend der Mensch durch die Jagd die Genetik einer Elefantenpopulation verändern kann. Die Weibchen beschliessen zum eigenen Schutz, keine Stosszähne mehr wachsen zu lassen. Und so kommt es, dass die Mädels im Park ohne Elfenbein sind.

Wir sehen Dichhäuter in Massen. An jedem Wasserloch trinken sie in Gruppen, warten bis alle vom Familienverbund abgekühlt und der Durst gelöscht ist und ziehen dann oft in 1er Kolonne weiter. Es herrschen strikte Regeln am Wasserloch. So warten die Familien geduldig abseits, bis sie an der Reihe sind. Werden Regeln und Hierarchien gebrochen, kommt es zu kurzen Kämpfen.

Die Babys sind zum Fressen süss, werden von den Müttern bewacht und umsorgt. Sie trampeln unbeholfen im Matsch des Wasserlochufers umher und werfen ihr Mini-Rüsseli übermütig hin und her. Wir fahren nicht weit – warum auch. Über 200 Dickhäuter ziehen an uns vorbei, manchmal so nahe, dass wir sie berühren könnten.

Mein Finger kann den Auslöser der Kamera gar nicht schnell genug drücken. Es leben heute über 600 Elefanten im Addo NP. Das Erlebnis „soziale, runzlige Riesen“ ist so überwältigend, dass die restlichen Tiere für uns völlig in den Hintergrund rücken. Über das Südportal fahren wir zurück nach Port Elisabeth.

Aus den Haaren des Schwanzzipfels eines Elefanten werden schöne Armringe gefertigt. Die Haare fühlen sich wie Draht an.

Quasi als Elefanten Pausentag fahren wir vom NP aus über die Zuurberge. Der historische Zuurberg-Pass, der fast vollständig vom Addo Elephant National Park umgeben ist, ist in frühen Tagen die Hauptroute ins Hinterland über die man heute noch die Karoo erreichen kann.

Über sanfte Hügellandschaft, wo Erika in den schönsten Rottönen blühen, kehren wir zu einer Kaffee-Pause ein. Wo sind wir denn hier gelandet? Ein Bild nach dem anderen von Till Schweiger reiht sich wie in einer Ahnengalerie in der Addo Elefant Lodge ein.