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20.-27.7.2025, Freundschaften

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Die Fahrt zur Bergstadt San Cristóbal ist landschaftlich eine Traumstrecke – wären da nicht die 1000 Schwellen (Topes, so heissen die mexikanischen Spasshemmer) die alle paar hundert Meter Federung, Ganggetriebe und Skelett arg strapazieren und uns auf 225 km zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 km/h zwingen. Dazu sind wir beide stark erkältet mit den üblichen Symptomen, Werni sogar mit Fieber.

In San Cristóbal de las Casas, in den Bergen von Chiapas auf 2’100 Metern gelegen, können wir uns bei angenehmen Temperaturen gesund schlafen.

Hier wohnen Maya Nachkommen die Bräuche pflegen, traditionelle Kleider tragen und in ihrem Glauben tief verwurzelt sind. Indigene Völker aus umliegenden Dörfern verkaufen ihre Handarbeiten an Einheimische und Touristen. Farbenfrohe Gewänder, ausdrucksstarke Gesichter….

…..Schrunden-Füsse, zierliche Körper nicht grösser als 1.45……

bunte Häuserzeilen, schicke Cafés, viele Restaurants und Kleidergeschäfte stehen in unmittelbarer Nähe zu kleinen Tante Emma Läden und Bretterbuden.

100erte von bunten Regenschirmen zieren die 500 Meter lange autofreie Promenade zum Hauptplatz. Mit knusprigem Baguette und einer Gemüseladung komme ich zurück auf den Campingplatz – jetzt habe ich Fieber.

Im Hochland Chiapas wird Kaffee angebaut, vor allem hochwertige Arabica-Bohnen. Café de Olla trinkt man in San Cristóbal, traditionell in einem Tontopf (Olla) zubereitet, mit Zimt, Nelken, Orangenschale, Piloncillo (Rohzucker) und grobem Kaffeepulver, jedem das Seine.

Knuspriges Brot

Wir haben sehr nette Camping Nachbarn, eine gelungene A/SCO Verbindung mit 3 total süssen Kindern. Ross bringt uns Medikamente die wir nicht mal bezahlen dürfen. Das sind diese schönen Momente, die Reisende für wenige Tage zu einer Familie verbinden. Am 4. Tag steigt Werni vom Krankenlager. Im Strassenkaffee im Städtchen machen wir Rast, beobachten vorbei ziehende ….

…. und schlafende. Wir trennen uns schwer von San Cristóbal und unserer Camping-Oase.

Das Städtchen San Juan Chamula wird hauptsächlich wegen seiner Kirche besucht. Wir treten ein, blinzeln in die Dunkelheit und sehen als Erstes ein Lichtermeer von Kerzen und sonst nichts. Langsam gewöhnt sich das Auge an die Dunkelheit und wir nehmen immer mehr wahr. Es gibt keine Bänke und Stühle, der Boden ist mit Kiefernnadeln bedeckt deren Duft in die Nase steigt. Gläubige meditieren vor Kerzenlinien, ein Huhn wird in einer anderen Ecke geopfert, ein Heiler zelebriert ein Ritual und inmitten all der Indigenen wirken wir Touristen fremd und etwas fehl am Platz. Ehrfürchtig setzen wir uns etwas abseits und beobachten, nehmen die Schwingung auf und verlassen nach 30 Minuten beeindruckt die Kirche. https://www.sueddeutsche.de/reise/mexiko-huehnerblut-und-coca-cola-1.575376

Schöne Landschaftsbilder ziehen an uns vorbei auf dem Weg nach San Pedro Pochutla am Pazifik. By by kühle Nächte, ab jetzt heisst es wieder schwitzen.

Ihr lebt unseren Traum,“ das hören wir ganz oft. Ja, das Nomadenleben liegt uns, wir geniessen gähnende Leere im Kalender, Reisemüdigkeit kennen wir kaum und die Welt zu entdecken macht immer noch Spass. Dass Reisen auch einen Hauch von Einsamkeit beinhaltet ist die Kehrseite der Medaille und so sind Freunde und Kontakt halten bei uns immer mal wieder ein Thema.

Wir treffen seit Monaten sehr wenige Overlander, etwas Heimweh ergreift manchmal die Herzgegend. Das ist normal und soll einen Langzeitreisenden auch nicht weiter erschüttern. Sehnsucht nach dem Zuhause, nach mehr Platz, der Küche, dem grossen Kühlschrank, der Möglichkeit dem Partner/In mal auszuweichen, nach Servelats, unserer Lieblingskneipe, nach Konzerten, Familie, Freunden, dem Vierwaldstättersee – die Liste ist schier endlos.

Zu Beginn unserer Reise im 2019 ist alles so aufregend neu. Die Anfangsneugier ist längst einem Alltag gewichen mit eingespielter Routine und Abläufen. Wir sind 6 Jahre älter, sensibler geworden was Freunde und Leben betrifft, fragiler – selber der Vergänglichkeit ein Stück näher.

Verlustängste steigen manchmal auf, das Gefühl wertvolle Zeit mit lieben Menschen zu verpassen. Und so kann man leicht in eine Art Isolation fallen denn von unseren Freunden aus der Schweiz hören und lesen wir recht wenig.

Da gibt es eine Handvoll, die sich regelmässig melden, auf Blogbeiträge reagieren – mit denen wir über eine Gefühlsebene fast telepathisch verbunden sind.

Dann gibt es jene die wir schon Jahre gut kennen, alte Freunde halt, von denen man gewisse Erwartungen hat und einfach nichts kommt. Ein Stachel nagt und man ist sich nicht sicher wie diese Freundschaften wohl weiter gehen werden?

Weiter gibt es jene die man eigentlich gar nicht so gut kennt und plötzlich ellenlange Mails erhält mit Berichten aus ihren Leben und Alltag.

Da sind Freunde mit dem gemeinsamen Nenner „Reisen“ mit denen wir in regem Austausch stehen mit einer Verbundenheit, die auch längeres „Nichtshören“ locker übersteht.

Es gibt aber auch sogenannte Reisefreunde die wenige Kilometer an uns vorbei fahren ohne sich zu melden.

Freundschaft kennt viele Gesichter und uns ist klar, dass wir durch unsere Lebensform die Aussenseiter sind und uns um steten Kontakt bemühen müssen. Fast mit allen können wir bei Heimurlauben dort anknüpfen, wo wir zuletzt aufgehört haben, beruhigende Erfahrung.

Warum sinniere ich gerade diese Woche über Freundschaften und Kontakt halten nach?

Weil hier die Geschichte einer schönen Reisefreundschaft folgt. Im Oktober 2019 lernen wir Marian und ihren damaligen Mann Albert in Uganda kennen. Viele schöne Erinnerungen sind abgespeichert. Sorgen, Schmerz, Freud und Glück wird geteilt, man ist sich nahe auch wenn Kontinente dazwischen liegen. Heute, nach 5 Jahren, treffen wir Marian mit ihrem neuen Partner Urs. Welch grosse Freude!

Zusammen mieten wir ein Strandhaus in der Nähe von Puerto Escondido, wollen 14 Tage zusammen verbringen und unseren Nationalfeiertag gemeinsam feiern.

Wir schliessen die Beiden in die Arme, es fühlt sich richtig gut an und als ob keine Zeit dazwischen verstrichen wäre.

 

Fazit der Woche: Wahre Freundschaften sind belastbar. 

 

 

 

Wochenfilm

Musik: Caro Luna, Ay Amor

 

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