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Bänzli kommt am Montag um 11.30 in Edmonton heil an. Der Abschleppdienst zu CRC Auto Repair ist ab dem Depot organisiert. Ab jetzt heisst es Daumen drücken dass er in fachkundige Hände kommt.
CRC verspricht schnelle Diagnose, schnelle Reparatur – und – nichts passiert. Dienstag nichts, Mittwoch nichts, Donnerstag nichts – nur bla-bla-bla. Wir sind wieder am falschen Ort gelandet und unser Vertrauen in Garagen ist gerade im steilen Sturzflug, unsere Moral am Boden – kann man echt soviel Pech haben?
Wir fahren zu Mercedes West, eine riesige Nobelbude. Sie haben nur einen Sprinter-Mech und der ist gerade auf Urlaub. Frühster Termin für die Diagnose: In 1 Woche.
Immerhin gibt es heisse Schokolade!
Per Taxi zur nächsten Garage mit Namen „German Car.“ Adrian, ein Rumäne, ist äusserst nett und kann uns eine Diagnose für Freitag offerieren. Per Taxi zurück zu CRC. Es hat wohl geklingelt in deren Ohren. Der Error ist ausgelesen, es ist die High Pressure Fuel Pump : A6510702601! Sie muss in Deutschland bestellt werden, Liefertermin 2 Wochen. Was bleiben uns für Optionen:
- Ein Wohnmobil mieten ab Edmonton? Kein kleines Reisemobil erhältlich für 3 Wochen am Stück.
- Einen PW Mieten? Ja ist eine Option
Wir werden selber aktiv und telefonieren herum für die Beschaffung der Hochdruck-Kraftstoffpumpe. Und wir haben Glück, unsere flexiblen Kasachen/Russen in Redlands USA haben eine an Lager. Per FedEx nach Edmonton – nächsten Dienstag soll das Teil ankommen. Mensch sind die flexibel und hilfsbereit.
Täglich essen wir bei „Chop“, einem Steakhouse gleich um die Ecke. Das Personal hört sich unseren Frust an und offeriert uns zwei mal den Wein gratis als Imagepflege ihres Landes. Wie nett ist das denn?
Das Essen ist so unglaublich lecker und unser täglicher Aufsteller. Mir geht es nicht gut, ich kann einfach nicht aufhören zu weinen – die Tränen rinnen und rinnen. Mit einem Mietauto für 5 Tage fahren wir los Richtung Prärie. Nicht dass wir voll motiviert sind – aber es gibt uns eine Aufgabe und Abwechslung in die Tage. Mein Gejammer und Geheule soll ein Ende nehmen.
Ein komisches Gefühl mit einem PW loszufahren. Unser erster Halt ist der Lac Ste. Anne. Was riecht denn hier so fischig, modrig, unangenehm? Es sind verrottende Blaualgen die an heissen Tagen einen unangenehmen, fauligen Geruch vom nur 5 Meter tiefen See erzeugen.
Für die First Nations (Cree, Dene) und Métis ist der See seit Jahrhunderten ein heiliger Ort, den sie Wakamne („See Gottes“) nennen.
Jedes Jahr Ende Juli reisen bis zu 40’000 Pilger zum See. Es ist die grösste spirituelle Versammlung für indigene Völker in Westkanada. Papst Franziskus besucht den Lac Ste. Anne im Juli 2022.
Eine Rauchglocke (von diversen Waldbränden) hängt über der ganzen Region, die Sonne schafft den Durchbruch nicht. Wir beschliessen, nach Vancouver zu fahren, um meine neue Brille abzuholen. Dann komme was wolle – wir sind dann frei in unseren Entscheidungen.
Ein Elch kreuzt unseren Weg und für einen Moment flackert unsere Reisefreude voll auf.
Nicht lange, in Clearwater brauchen wir tatsächlich 3 Stunden, um im Hotel Best Western Plus einzubuchen. Die erste Receptionistin erledigt das Formelle, sagt zum Schluss das Zimmer sei noch nicht fertig. Kein Problem, wir gehen zuerst essen. Wir kommen zurück, ein hypernervöser, laut plappernder Typ hat jetzt Dienst. Da wir das letzte Zimmer ergattert haben, will er von unserer Buchung nichts wissen und lässt uns 2 Stunden warten und sitzen.
Afrika hat es nicht geschafft, Südamerika, Zentralamerika, Mexiko und die USA auch nicht – aber Kanada erledigt uns in nur 9 Wochen. Das Land laugt uns aus – nimmt uns sämtliche Reisefreude, sämtliche Energie unter dem Decknamen einer oberflächlichen Freundlichkeit. Wie es weiter geht entscheiden wir nächste Woche.
Fazit der Woche: In gewisse Entwicklungen kann man keinen Einfluss nehmen.
Wochenfilm
Musik: Corb Lund, Insha’allah