8.-15.02.2021, Spuren im Sand

 

Auf unserer ersten Fahrt Richtung „Spuren im Sand“ sind wir Taxi für zwei Herero Frauen samt Kindern und viel Gepäck.

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Die Herero gehören wie die Himba zu den Bantu Hirtenvölkern. Beide Ethnien kommen aus dem selben Stamm. Die Herero sind ursprünglich ein klassisches Viehzüchter Volk und sie werden heute noch als gute Arbeiter auf Grossfarmen geschätzt.

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Bekannt ist ihre wilhelminische Tracht mit 12 Meter Stoffanteil. Sie haben das Schneidern der Tracht von Missionarsfrauen erlernt und beibehalten.

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Ob Dumont oder Ivanowski, kein Reiseführer empfiehlt die Alleinfahrt in den äussersten Nord-Westen von Namibia im Kaokoland. Da wir keine Abenteurer treffen mit denselben Reiseplänen, machen wir uns mit genug Wasser, Benzin (3 Ersatzkanister) Esswaren und Kartenmaterial alleine auf den Weg, sogar ohne Satellitentelefon.

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Rotschulter Glanzstar

 

Tracks4Africa hat die genausten Pistenangaben, so wir steuern das Marble Camp problemlos an. Zu unserer Überraschung treffen wir Arture und Margot aus Frankreich. Sie haben das gleiche Ziel wie wir, das Marienflusstal. Der Rooidrum Pass ist gut befahrbar mit einigen kniffligen Stellen. Da ächzt und stöhnt unser Bänzli, es schüttelt und rüttelt am Innenleben und an unserem Skelett.

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Der einsame Norden hat interessante Wegweiser. Da stehen die rote, blaue, orange und grüne Tonne als Orientierungspunkte. Wegweiser gibt es keine.

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Die verschiedenen Sandfarben durch das Marienflusstal und die Weite, flankiert rechts und links von den Otjihipa und Hartmann Bergen, beeindruckt. Die spärliche Vegetation bietet nur wenigen Tieren Nahrung.

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Wir sehen 1 wildes Pferd und einige Oryx Antilopen. Am Ende der Fahrt treffen wir am Kunene Fluss die jungen Franzosen wieder.

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Das noch abgelegenere Hartmannstal ist unsere nächste Destination. Meist ist man alleine mit sich, der absoluten Stille und der Weite. 140 km Fahrt durch Sand, Dünen, Einsamkeit und Wind – was für ein Gefühl von Freiheit und Unendlichkeit.

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Es ist eine grandiose Wüstenlandschaft. Der auf iOverlander markierte Aussichtspunkt bietet einen wunderschönen Ausblick über das Tal und die Berge Angolas.

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Plötzlich hören wir ein Motorengeräusch. Jutta und Gerd, langzeitreisende aus Deutschland, rollen mit ihrem MAN an. Wer sagt denn es sei einsam hier? Natürlich campen wir wild mit ihnen und zu erzählen gibt es eh viel.

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Über entlegene Routen steuern wir Puros an. Das Grizzlibär Tal ist landschaftlich abwechslungsreich und malerisch mit Felsformationen, die an Kunst erinnern.

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Apropos Kunst, der Künstler Trevor Nott verschönert das Kaokoveld mit  Steinmännchen-Kunst (Lone Men) Wir entdecken einige davon – leider lange nicht alle.

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Wir sind in der Gegend der Wüstenelefanten und der letzten frei lebenden Spitzmaulnashörner der Welt. Im Comunity Camp in Puros treffen wir die Schweizer Tanja und Marcel. Sie sind zwei junge Langzeitreisende. Zusammen machen wir uns auf die Suche nach den Wüstenelefanten. Unser Führer Kay mit seinem gefühlten 200 jährigen Toyota Pickup fährt mit uns dem Hoarusib Flussbett entlang. Nichts funktioniert am Auto, der vordere rechte Pneu muss immer wieder aufgepumpt

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werden und ist mit Kondomen geflickt, die rechte Hintertür und Fenster lassen sich nicht öffnen, der Scheibenwischer bricht immer wieder ab, die Batterie ist äusserst schwach und der Motor springt immer mal wieder nicht an. Und so fahren wir ca. 45 km Rumpelpiste und finden die der Wüste gut angepassten Elefanten tatsächlich.

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Was sicher der Höhepunkt ist, am folgenden Morgen besuchen 2 Bullen unser Nachbarcamp zur Frühstückszeit und tränken sich ab Wasserhahn. Wir beobachten sie aus einigen Metern Entfernung.

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Die Wüstenelefanten sind keine Unterart des Afrikanischen Elefanten, lediglich bemerkenswert gut an die trockenen Bedingungen der Wüste angepasst. Auf der Suche nach Wasser können sie täglich bis zu 80 km zurücklegen und haben das viel bessere Orientierungsvermögen entwickelt als ihre Artgenossen.

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Zusammen mit Tanja und Marcel fahren wir Richtung Hoanib River. Es sind ca. 130 km Wellblech-, Stein- und Sandpiste. Durchschnittsgeschwindigkeit 21 km/h. Wir hören mehrere harte Schläge am Chassis und wissen, da stimmt etwas nicht mehr mit unserem Bänzli! Die zusätzlich eingebaute Blattfeder ist gebrochen. Wir fixieren die Feder mit Kabelbinder, Nylonsocken und Spanset und hoffen, dass alles hält bis zur nächst möglichen Autowerkstatt.

Am üblich ausgetrockneten Hoanib River erleben wir ein einzigartiges Naturschauspiel. Das Trockenbett verwandelt sich innert Minuten in einen Fluss. Fasziniert schauen wir der Kraft des Wassers zu. Unsere geplante Weiterfahrt ist 25 km dem Flussbett entlang nach Sesfontein. Die Strasse weicht dem Wasser, die Strömung ist nicht ohne, wir sind blockiert!

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An einem erhöhten Platz installieren wir unser Nachtlager und hoffen auf Abtrocknung bis zum nächsten Morgen. Mein Kopf und Gehirn finden in dieser Nacht wenig Ruhe, Plan A, B und C wird zurecht gelegt.

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Der folgende Morgen lässt nichts gutes ahnen, das Flusswasser ist immer noch da, guter Rat ist teuer. 9.5 km müssen wir den Fluss hochkommen, dann können wir entweder nach Sesfontein oder Palmwag über Ausweichpisten fahren. Wir wollen nichts unversucht lassen und wagen die erste Flussüberquerung – bei der Zweiten finden wir keine optimale Stelle.

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Sollen wir nach Puros zurückfahren oder die 9.5 km einfach frech wagen? Dann kommt unsere Rettung in der Not in Form von 2 Rangern. „Wir bringen euch sicher zur Abzweigung,“ versprechen sie uns und fahren eine Linienführung über, entlang und quer durch das Nass, die wir so nie gefahren wären. Sind wir Glückspilze!

Wir begegnen zum ersten Mal der bekannten Wüstenpflanze Welwitschia, die nur in der Namib vorkommt und bis zu 2000 Jahre alt werden kann.

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Strenge 150 km weiter durch das Konzessionsgebiet, den Tank bis auf wenige Liter leer und die Frischwaren komplett aufgebraucht sind wir in Palmwag froh, endlich wieder Netz, Benzin und ein Restaurant zu haben. Schön, eindrücklich, atemberaubend und wild war unser Abstecher ganz in den äusseren Nordwesten. Für alle die die Weite, Wüste und Einsamkeit lieben – go for it!

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Wo sonst Temperaturen um die 35 Grad herrschen sind wir eingepackt in Langarmshirt und Jacke. Sprühregen und Kälte lassen uns nachts die Decke über beide Ohren ziehen. Es sind viele Reisende hier in der Palmwag Lodge und Campsite.

Knapp kommt ein Treffen mit Tanja und Armin Vogelsang nicht zustande. Südafrika hat die Grenzen für Overlander wieder geöffnet und sie wollen nach 4 Monaten Namibia weiterziehen was wir gut verstehen. Schade, schade – auf Wiedersehen – ihr lieben Beiden!

Erwachen mit Dauerregen und Kälte erweckt den Wunsch, einfach im warmen ReMo unter der Decke zu bleiben. Wir erledigen liegen gebliebene Arbeiten. Über den Staub und Sand in jeder Rille will ich nicht mehr ausführlich berichten, trotzdem soll es erwähnt werden 😃.

 

 

Fazit der Woche: Wir möchten keine einzige Spur missen!

 

 

4 Kommentare zu „8.-15.02.2021, Spuren im Sand

  1. hallo liebe Schwester und Schwager, vielen Dank für die sehr schönen Bilder und Bericht. Du schreibst so spannend, dass man es gleich selber erleben kann. Die Wüste ist so beeindruckend und auch wie ihr immer wieder eine Lösung für die Probleme findet. Reisen schärft die Sinne und ein Gespür für das Machbare und was Risiken birgt.
    Hebid Sorge und geniesst die Zivilisation wieder. – Xaver

  2. Was für eine spannende Woche ihr Lieben. Wir hoffen Bänzli ist schnell wieder fit.
    Sehr schade, dass wir uns nicht getroffen haben. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben :).
    Herzliche Grüße Tanja & Armin

  3. Liebe Abenteurer, öfters dachten wir an euch. Mutig sich auf Wegen zu begehen wovon man nicht weiss was einen erwartet. Hut ab!!! So schön werdet ihr mit solch eindrücklichen Erlebnisse und Bilder belohnt. Eure Schutzengel begleiten eure Reise aber wahrscheinlich geniessen sie die Reise auch.
    Wir indessen bedanken uns das wir weiterhin gesund sind und der Winter sich langsam verabschiedet, obwohl es noch eisig kalt ist.
    Einen lieben Gruss in eure Welt und weiterhin viel Glück

  4. So schon.
    So unwahrscheinlich schon.
    Und ihr sieht unwahrscheinlich glucklich aus.
    Auch schon!
    Es gibt mir wieder Lust in grosse und abenteurliche Reisen…
    Liebe gruss,
    Ina

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