27.2. – 06.3.2022 Junge komm bald wieder …..

Junge komm bald wieder, bald wieder nach Haus

Die Einfahrt auf der 2 Spuren-Autobahn nach Port Elisabeth weckt noch mehr Fernweh in uns. Der Cargo Hafen entsendet Container und Autos in alle Welt – wie unsere Reise nach ZA wohl weiter geht? Wir finden Häfen immer etwas ganz spezielles.

Die Grösse der Schiffe, die Besatzung die oft Wochen ja Monate unterwegs ist, die Organisation des Ver- und Entladens, das Abschied nehmen und Ankommen. Vielleicht schwingt auch etwas Freddy Quinn Romantik mit ….

…..Junge, fahr nie wieder, nie wieder …

Port Elisabeth ist am nächste Morgen in einen Herbstmantel eingehüllt. Der Leuchtturm steht im Nebel.

Wir kaufen im Food Lover‘s Market ein für die nächsten paar Tage. Alles, wirklich alles was das Herz begehrt, gibt es zu kaufen. Das ist mit Abstand der schönste Laden, den wir auf unserer Reise bis jetzt gesehen haben.

Richtiges Brot, Mozzarella, frische Kräuter, Servelat, ungesalzene Butter – alles plumpst in den Einkaufswagen – wir sind im Schlaraffenland!

Lesley und Thabisa sprechen uns auf dem Parkplatz von Food Lover’s an, sie bewundern Bänzli und möchten eine Führung. Zugegeben, wir bluffen etwas mit unserem ReMo. „Ihr lebt unseren grossen Traum,“ sagen die beiden. Ob sie ihren Traum mal realisieren können?

Die Ausfahrt von PE Richtung Addo Elephant NP könnte kontrastreicher nicht sein. Armselige Wellblech-Behausungen reihen sich aneinander, Müll liegt überall, die Armut ist so deutlich sicht- und spürbar.

Sie löst eine Diskussion bei uns aus über Gerechtigkeit, das Glück in einem Land wie der Schweiz geboren zu sein, über Chancen, Bildung, Hunger, HIV, keine Perspektiven, Trostlosigkeit und das die Elite und Mächtigen dieser Welt weitaus andere Aufgaben hätten als Kriegsführung.

Im Addo Nationalpark ergattern wir den letzten Campingplatz. Es ist eine Reisegruppe mit dem Veranstalter SeaBridge in Anfahrt, 6 Schweizer, 4 Österreicher, 8 Deutsche – alle fahren sie Mietwohnmobile und sind 2 Monate unterwegs. Die Gruppe habe eine schwierige Konstellation, es seien viele schwierige Charakter darunter, erzählt uns Claude aus Basel. Nach einem Spaziergang durch den Campingplatz und diversen kurzen Gesprächen verstehen wir Claudes Argumente. Alle sind froh ist die Reise bald zu Ende und dauert sie nur 2 Monate.

Ein Elefant ist ein Elefant, weil er einen Rüssel, grosse Wedelohren und lange Stosszähne hat!

Nicht so im Addo Nationalpark. Im Jahr 1931 leben noch die letzten 11 Elefanten in der Region. Elfenbeinjäger und Farmer schlachten hunderte der Kap Elefanten ab, aus Gier und Profit aber auch zum Schutze von Feldern. Ein umzäunter Park wird zum Schutz der Dickhäuter errichtet.

Normalerweise fehlen nur wenigen Tieren die markanten Stosszähne. Doch das Beispiel Addo zeigt, wie drastisch und anhaltend der Mensch durch die Jagd die Genetik einer Elefantenpopulation verändern kann. Die Weibchen beschliessen zum eigenen Schutz, keine Stosszähne mehr wachsen zu lassen. Und so kommt es, dass die Mädels im Park ohne Elfenbein sind.

Wir sehen Dichhäuter in Massen. An jedem Wasserloch trinken sie in Gruppen, warten bis alle vom Familienverbund abgekühlt und der Durst gelöscht ist und ziehen dann oft in 1er Kolonne weiter. Es herrschen strikte Regeln am Wasserloch. So warten die Familien geduldig abseits, bis sie an der Reihe sind. Werden Regeln und Hierarchien gebrochen, kommt es zu kurzen Kämpfen.

Die Babys sind zum Fressen süss, werden von den Müttern bewacht und umsorgt. Sie trampeln unbeholfen im Matsch des Wasserlochufers umher und werfen ihr Mini-Rüsseli übermütig hin und her. Wir fahren nicht weit – warum auch. Über 200 Dickhäuter ziehen an uns vorbei, manchmal so nahe, dass wir sie berühren könnten.

Mein Finger kann den Auslöser der Kamera gar nicht schnell genug drücken. Es leben heute über 600 Elefanten im Addo NP. Das Erlebnis „soziale, runzlige Riesen“ ist so überwältigend, dass die restlichen Tiere für uns völlig in den Hintergrund rücken. Über das Südportal fahren wir zurück nach Port Elisabeth.

Aus den Haaren des Schwanzzipfels eines Elefanten werden schöne Armringe gefertigt. Die Haare fühlen sich wie Draht an.

Quasi als Elefanten Pausentag fahren wir vom NP aus über die Zuurberge. Der historische Zuurberg-Pass, der fast vollständig vom Addo Elephant National Park umgeben ist, ist in frühen Tagen die Hauptroute ins Hinterland über die man heute noch die Karoo erreichen kann.

Über sanfte Hügellandschaft, wo Erika in den schönsten Rottönen blühen, kehren wir zu einer Kaffee-Pause ein. Wo sind wir denn hier gelandet? Ein Bild nach dem anderen von Till Schweiger reiht sich wie in einer Ahnengalerie in der Addo Elefant Lodge ein.

Die Lodge könnte auch Till Schweiger Lodge heissen. Sie liegt am Arsch der Welt und wir fragen uns, was für ein Klientel (ausser Schweiger) diese 5 Sterne Lodge hat? Sicher lassen sich die Gäste mit einem Kleinflugzeug herfliegen und fahren nicht, wie wir über den Pass.

Zurück in Port Elisabeth essen wir wieder lecker im Thai Restaurant.

Von Port Elisabeth Richtung Süden beginnt die berühmte Garden Route. Sie schützt seit 2009 in Form eines Nationalparks die letzten südafrikanischen Urwälder, Küstenabschnitte und Tierpärke.

Hier eine Karte unserer bisherigen Route in Südafrika in 4 Monaten, 9403 km.

 

 

Fazit der Woche: Warum nicht wieder mal Freddy Quinn hören? 

 

 

 

 

10 Kommentare zu „27.2. – 06.3.2022 Junge komm bald wieder …..

  1. Hallo ihr lieben, wir haben uns vor fast 3 Jahren in Nairobi auf einem Campingplatz getroffen und seit dem verfolgen wir euren Blog regelmäßig. Jetzt haben wir wieder reingeschaut und gesehen, dass wir zur gleichen Zeit in Port Elizabeth sind 🙂 so kreuzen sich die Wege wieder… ganz liebe Grüße

      1. Wir sind am Morgen 2 Tage in Addo und dann geht es für uns wahrscheinlich über die Garden Route wieder nach Kapstadt

  2. Heute sind wir auch noch Jbay. also wenn ihr gleich Lust auf einen Kaffee oder anderes hättet, würden wir uns auch freuen

      1. Wir wohnen genau gegenüber von nina, also sehr passend für uns. Bestimmt erinnert ihr euch, wenn ihr uns seht 🙂 wir hätten ab sofort Zeit. Meldet euch einfach, wenn es für euch passt!

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