19.-26.11.2023 … Liebe auf den ersten Blick… …

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Wir vermuten, dass viele vom Camp zum plaudern zu uns kommen, weil wir der Sprachkenntnisse wegen besser zuhören als mitreden. Sie erzählen uns schöne, lustige und traurige Lebensgeschichten. Auch diskutiert man hart auf hart über Politik. Bolsonaro versus Lula, Massa versus Milei.

Der Dienstag ist Reisetag, 520 km nach Salvador sind geplant. Die empfohlene Route ist im Navi gespeichert, wir starten früh. In Piaçabuçu wollen wir mit der Fähre über den Fluss Rio São Franzisco, sie fährt um 10 Uhr, wir sind 45 Minuten früher am Anlegeplatz.

Wir sehen uns das Fischerdorf zu Fuss an und sind um 09.50 zurück und – sehen nur noch den Schwanz der Fähre – sie ist bereits weg. So ein Mist. So ein Mega Mist und weitere, nicht schreibtaugliche Wörter folgen.

Dann halt einen Umweg fahren. Wir verpassen Abzweigungen, haben unendlich viel Lastwagenverkehr, die Stimmung ist frostig und so erreichen wir Salvador erst vor dem Eindunkeln. Wir buchen uns in einem Hotel nahe der Altstadt ein, leider passt Bänzli nicht in den Hotelparkplatz. Zeit verstreicht – endlich finden wir einen sicheren Platz in einem Busdepot nahe vom Hotel.

Trommelklänge begrüssen uns in Salvador, der wohl afrikanischsten Stadt der Welt ausserhalb Afrikas. Die Trommel-Gruppe Olodum ist durch das Video von Mickel Jackson, they don’t care about us, weltbekannt. Zwar nicht Olodum aber nicht weniger präzise Schläge begeistern uns auf Anhieb.

Salvador ist Liebe auf den ersten Blick! Die Stadt ist fantastisch! In den Adern der Musikerinnen scheinen anstelle der roten Blutkörperchen Noten, Rhythmen und pure Energie zu fliessen.

So schlecht der Tag startet, so gut endet er mit der Hammer-Stimmung der Trommler. Sie schenken Lebensfreude pur, ergreifend, fantastisch, mitreissend. Was haben wir Glück, das FESTIVAL SALVADOR CAPITAL AFRO findet diese Woche statt und wir sind nur 5 Gehminuten von Pelourinho, der Altstadt entfernt.

Die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia, wird wegen seiner Architektur aus der portugiesischen Kolonialzeit und der afrobrasilianischen Kultur oft besucht.

Das historische Altstadtviertel (UNESCO) mit seinen Kopfsteinpflastergassen bietet grosse Plätze, farbenfrohe Gebäude und barocke Kirchen.

Augen auf! Das Thema Kriminalität ist präsent in Salvador. So werden wir von einem Sicherheitsbeamten begleitet beim 5 minütigen Gang vom Busdepot bis zum Hotel. Mehrmals werden wir vor Dieben und Gangs gewarnt. Häuser sind, wie fast in ganz Südamerika, mit hohen Zäunen sowie Tür- und Fenstergittern geschützt. Hier wohnt man quasi hinter Gitter. Was haben wir doch in der Schweiz für ein Glück, können wir auf dem Land noch Türen und Fenster offen lassen ohne Angst.

Das Bale Folclórico Da Bahia begeistert uns und weitere 100 Zuseherinnen im Teatro Miguel Santana. Schwarz tanzt für Weiss. Wenn die Bewunderung für die schwarzen Menschen im Alltag und auf der Strasse auch so gross wäre?

Auf den Spuren des Candomblé machen wir uns mit unserem Führer Vagner auf eine 6-stündige Entdeckungsreise. Candomblé ist eine brasilianische Religion, die tiefe Wurzeln und ihre Wiege in Westafrika hat. Sklaven aus den Yoruba und Bantu Stämmen aus Benin, Nigeria und Kongo bringen ihre Orixá Gottheiten, Rhythmen und Geheimwissen mit nach Südamerika. Im Candomblé findet eine Kontaktaufnahme zwischen den Gläubigen und ihren Göttern statt. Rituale, Tänze, Trance, Weihungen, Selbstfindung sind Attribute des Candomblé.
  

Unser Führer weiss viel über den Glauben. Wir besuchen einen Candomblé-Tempel und weitere Heilige Stätte.

Wir erkennen einige Götter aus der gestrigen Tanzvorführung wieder was die Mythologie für uns interessant macht.

Im Markt Sao Joaquim sehen wir viele Ritualgegenstände aber auch Gemüse, Früchten, Fleisch, Gefieder und sogar Voodoo Puppen.

Zum Schluss besuchen wir noch eine Community (Favela) die direkt am Meer liegt.

Salvador begeistert nicht nur in der Altstadt, nein, auch in der Peripherie. So viele Eindrücke, Erklärungen und Unterhaltung in Englisch schaffen uns. Nach einer langen Siesta tauchen wir wieder ein in die Trommelklänge der Altstadt.

3 Nächte Salvador sind geplant, 2 weitere buchen wir nach. Noch selten hat uns eine Stadt so berührt und bewegt wie Salvador. Wir spüren das wilde, kämpferische der afrikanischen Tänze und Rhythmen, das feinstoffliche, spirituelle der Candomblé Religion, den Schmerz der Sklavenvergangenheit, die Bejahung zum Leben heute und diese Mischung macht die Stadt für uns einmalig.

Soviel Gold wie in der Igreja de São Francisco haben wir noch nie gesehen. Die Kirche ist überladen mit vergoldeten Holzschnitzereien, verziert ohne Ende.

Natürlich darf das Karneval Museum nicht fehlen, der Karneval in Salvador ist einzigartig und anders als in Rio de Janeiros.

Wir treffen eines der schönsten Museen an das wir je gesehen haben. Mit Audio Führung und bei soviel Musik kleben die Füsse definitiv nicht am Boden fest. Im interaktiven Kino versuchen wir uns an den verschiedenen Tanzschritten. Ganz toll!

Im Tagesprogramm lesen wir, dass heute Samstag zum grossen Finale des Festivals auch die ganz Grossen auf der Bühne stehen.

Desfile de blocos afro e afoxés (Olodum, Ilê Aiyê, Araketu, Male Debale, Muzenza, Filhos de Gandhy, Dida, Cortejo Afro, A Mulherada, Bloco da Capoeira, 100 baianas) com suas bandas percussivas no chão, sem cordas, com trios elétricos e pranchões.

Wow, ein Traum geht in Erfüllung! Seit Rio wünschen wir uns so sehr die Gruppe Olodum trommeln zu hören und jetzt ist sogar Ilê Aiyê live mit dabei.

Beide Gruppen sind Profi-Musiker, gehen regelmässig auf Welttournee und spielen bei namhaften Sängern wie zB. Paul Simon in Projekten mit. Ilê Aiyê betreibt eine Musikschule, beide Gruppen fördern intensiv junge Schwarze in ihrer musikalischen und sozialen Entwicklung. Im Karneval sind sie nebst vielen bekannten Sängern/innen der Hauptantrieb des bunten Treibens.

Das grosse Finale am Samstag ist der Oberknaller. So viel Musik, Trommeln, Candomblé und Kuriositäten werden uns geboten.

Dann sind sie da, die ganz Grossen. Olodum steht und spielt vor uns und Ihretwegen nehmen wir ein Risiko, gehen trotz Warnung direkt ins Gedränge um Olodum nicht nur zu hören sondern auch zu sehen.

Wir tragen nur mein iPhone auf uns, sonst gar nichts. Ich muss Olodum einfach fotografieren!

Über mehrere Stunden sind die Dezibel sehr hoch. Nach 6 Stunden werfen wir das Handtuch, wir brauchen Ruhe.

Dankbar dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind treffen wir auf dem Heimweg diese Nachwuchsgruppe. Keiner zu klein um ein Trommler zu sein.

Viele schöne Erlebnisse und eine neue Liebe im Sack ziehen wir heute Sonntag etwas wehmütig weiter. Danke Salvador, wir werden dich nie vergessen.

 

Fazit der Woche: Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. 

 

 

Film Wochenzusammenfassung:

Musik: Dona Onete, Coração Brechó (Live)

 

 

14 Kommentare zu „19.-26.11.2023 … Liebe auf den ersten Blick… …

  1. Liebe Beide, einmal mehr begeistern uns Eure Tage Eure Eindrücke Eure wunderbaren Beschreibungen. Salvador ❗️ Ja es folgen für uns grossartige Erinnerungen von unserer Brasilienreise anno 1986🤗 Wünschen weiterhin musikalische Genüsslichkeiten und senden sommerliche Grüsse aus Kapstadt. Markus und Claudia

  2. Wow soviel Freude, das volle Leben! Der Einblick mit Film und Tondokumenten ist sowas von toll, danke fürs Teilen

  3. Gratuliere ihr schenkt uns ganz neue und unbekannte Welt!! Ich freue mich jede Woche auf euren Beitrag! Mein Interesse ist gross; weil Ralf unser Sohn in Brasilia wohnt. Ihr habt auch Mut und Ausdauer!

  4. Wie immer, eine Wonne euren Blog zu lesen, mit dem grossartigen Video dürfen auch die daheim gebliebenen an eure Eindrücke teilnehmen. Dank euch und einen Adventsgruss vom Sonnenberg.

  5. Hallo zämä,
    Auch wenn wir diese Stadt nur auf Bildern sehen, sie ist auch für uns schön zum anschauen.
    Und die Trommeln, das wäre was für Ueli!
    Danke auch fürs Filmli.
    Griässli Anny

  6. Cooler Beitrag gratuliere. Man kann sich so richtig in die Stimmung von Salvador hineinfühlen und erlebt es selber. Eure Begeisterung und Dankbarkeit ist spürbar. Vielen Dank.
    Lieber Gruss Xaver

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