31.3.-07.4.2024 Yungas samt Muskelkater

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Wir brauchen 2 Tage um uns auf den Takesi Trail ohne Führer vorzubereiten. Wie kommen wir mit ÖV nach Choquêcota, wo finden wir ein Massenlager, wer kocht uns eine Mahlzeit, wie kommen wir zurück nach La Paz? Ca. 40 km östlich von La Paz am Fusse des Bergriesen Muruata und dem Cerro Takesi befindet sich der Ausgangspunkt des 2-3 tägigen Takesi Trek. Wir möchten die 30 Kilometer in 2 Tagen erwandern.

Von der Bevölkerung Tiwanakus konstruiert, ein Meisterwerk der präkolumbianischen Ingenieurskunst, verbindet der Weg das Andengebiet (Königskordillere) mit den milden Tälern der Süd-Yungas. Es ist einer der besterhaltensten präkolumbianischen Wege in Bolivien, wobei der Abschnitt zwischen der Mine San Francisco und der Mine in Chojlla fälschlicherweise unter dem Namen Inca-Trail bekannt ist.

Der heutige Takesi Trail entspricht nur einem kleinen Abschnitt. Er ist Teil eines Routennetzes,  als „Qhapaq Ñan“ (königliche Wege) bekannt, das in Ecuador beginnt und bis Patagonien führt mit einer Länge von ca. 6’950 Kilometern.

Der Takesi Trek startet offiziell hinter dem Dorf Ventilla auf einer Höhe von 4’200 Metern. Wir lassen uns um 05.30 h bis zur Mine San Francisco fahren. Zuerst ein Brötchen, dann die Backen vollstopfen mit Coca und schon sind wir parat für den Aufstieg auf 4’650 M.

Die Luft ist schon dünn da oben und so geht es Schritt für Schritt mit Dampflock Atmung hoch zum Gipfelkreuz.

Nebel zieht auf, es beginnt zu regnen, dann scheint die Sonne – wieder Regen – wieder Sonne, wieder Regen. Wir haben Tenue Wechsel am laufenden Band.

Nach 22.9 Kilometern, 500 M hoch und 2‘000 M runter über traumhafte Landschaften, Lamaherden, Bergseen, einheimischen Berggängern (ganze Familien) die nach La Paz wollen, erreichen wir Don Primos Unterkunft in Cakapi.

Don Primos (Cacapi Albergue El Rosal) lebt mit seiner Familie das ganze Jahr über auf 2‘600 Metern, alles, wirklich alles muss zu Fuss hochgeschleppt werden, sie seien glücklich mit diesem Leben. Viktor Röthlin wird nach einem Marathon-Lauf gefragt: „Was tut ihnen alles weh?“ Seine Antwort: „Fragen sie mich was mir nicht weh tut, dann sind wir schneller durch.“

In etwa so geht es Werni und mir bei der Ankunft. Nach einem feinen Nachtessen, trocknen der Schuhe und Socken am Lagerfeuer, legen wir unser müdes Skelett ins Massenlager.

Nächster morgen, nächster Wandertag! Die ersten Treppenschritte – schmerzvoll! Nur Pädu läuft locker und frisch zum Frühstückstisch – das Privileg der Jugend!

Weitere 8.2 Kilometer hoch, runter und wieder hoch durch traumhafte wilde Blumenpassagen erreichen wir das Minendorf Chojlla.

Hier wird seit 1940 Zinn und Wolfram-Erze abgebaut. Das Wasser des Río Takesi ist unterhalb der Bergwerk-Siedlung durch einen Damm aufgestaut dessen Wasserkraftwerk seit 2002 Strom liefert.

Der Minibus nach La Paz ist voll – kein Platz für müde Wanderer. Sie nehmen uns mit bis Yanacachi – auch hier keine Mitfahrgelegenheit.

Wir nehmen ein Taxi runter nach Sacahuaya (1800 Meter) an der Ruta 25 und schon bald sitzen wir 4 in unterschiedlichen Mini Busen nach La Paz. Wernis und meine Sicht auf die Wanderung sind unterschiedlich. Werni ist zwar stolz auf seine Leistung, seine Frage lautet aber: „Brauche ich diese Anstrengung noch mit 71 Jahren?“ Er ist fix und fertig!

Mir hat die Wanderung sehr gefallen und ich brauche solche Anstrengungen zwischendurch. Merken was man noch leisten kann und wo man an die Grenze kommt befriedigt mich – auch ich bin fix und fertig!

Einen Tag später sind wir beide glücklich, haben wir den Takesi-Trail geschafft. Noch einen Tag später können wir wieder Treppen steigen😏.

Die Fahrt an den Titicaca See ist, sobald wir El Alto hinter uns gelassen haben, sehr schön. Ehrfürchtig unser erster Blick auf einer der grössten Seen Südamerikas und das höchstgelegenste schiffbare Gewässer der Welt.

Hier stehen wir für die nächsten Tage, direkt am See ausserhalb von der Stadt Copacabana. Die Sonneninsel, Isla del Sol, ist unser nächstes Ziel. Mit unseren netten Camper Nachbarn Jana und Falk besteigen wir das Boot das uns in den Norden der Insel bringt. Die drei machen es sich in der Schiffs-Kabine bequem, ich möchte aufs Oberdeck und Freiluft fahren. Wir sind eine lustige Bande auf dem Dach. Gabriel aus Peru gibt mit einige Tipps und Isaak aus Bolivien erklärt dass Titi in Aymara Puma und Caca die Farbe braun bedeute.

Der Rundblick auf das tiefblaue Wasser, eingerahmt von den 6000er Bergen der Anden, und Wolken die so vielfältig und schön sind lassen mich staunend und demütig verstummen. 

Die Insel gilt als Geburtsort der Inkakultur und an seinen Ufern befinden sich zahlreiche Ruinen. Es ist sicher ein Kraftort für die hiesige Bevölkerung.

Vom beschaulichen Dorf Challapampa im Norden der Insel startet unsere Wanderung. Wenige Aymaras leben hier, heissen die Touristen herzlich willkommen und bieten ihre Dienste als Führer an. Wir wandern 13 km Richtung Süden, geniessen die traumhafte Landschaft, die netten Inselbewohner, die Ruinen, die Farbpalette der Natur und zum Schluss unsere schöne Eco Lodge La Estancia.

Nächster Tag, nächste Wanderung….

Wir wollen ganz zur Südspitze der Insel laufen.

Wir werden beobachtet. Immer wieder schöne Ausblicke auf den See, auf Gemüsefelder, auf Ruinen, auf das einfache Dorfleben der Inselbewohner lassen mich immer wieder sagen:“ Schön, so schön.“

Um 16.20 h fährt unser Boot zurück nach Copacabana. Eine gesunde Müdigkeit lässt die Augen zufallen beim monotonen Motorengeräusch und im Tagestraum blicke ich zurück auf eine sehr intensive Woche.

Körperliche Anstrengung bis zur Erschöpfung, emotionale Abschiede und äusserst bewegende Eindrücke lassen mich ganz tief ein- und ausatmen.

 

Fazit der Woche: Was für eine Woche!

 

Wochenfilm

Musik: Los Kjarkas, Francisquita, Radio Edit

 

3 Kommentare zu „31.3.-07.4.2024 Yungas samt Muskelkater

  1. Ihr Lieben, was für ein eindrücklicher Wochenfilm, welch grandiose Wanderungen. Respekt!! Ich gratuliere euch und schick euch einen Frühlingsgruss aus Sarnen.

  2. Wow!!! Thank you so much for taking us with you on your amazing journey.
    So privileged to “travel” with you! Well done on such amazing and tiring hikes and yet you manage and it’s so rewarding!!!!! Eagerly waiting for your next adventure blog.

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