5.-12.5.2024, Brücke aus Gras

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Es heisst Abschied nehmen vom Paradies. Wir nehmen Annabelle und Gautier, spannende junge Menschen aus Strassburg mit bis nach Yanque zu ihrem gebuchten Hotel. Wow, das Hotel ist wunderschön und die Therme, wo wir hin wollen, so überschwemmt mit Touristen, dass wir uns kurzerhand mit einbuchen in die Colca Lodge.

Ein gemütliches Nachtessen zu viert und herrliche Badestunden in der hoteleigenen Therme folgen. Mensch geht es uns gut!

Eine schlechte Nachricht erreicht uns, Marlis ist gestürzt und hat sich das Handgelenk gebrochen. Sie ist im Spital in Cusco. Wir brechen auf Richtung Cusco.

Wir sind parat für eine weitere Bergetappe über 4600 m mit teils echt mieser Piste, die Landschaft ist eine Augenweide.

Mit emotionalen Gefühlen machen wir Fotos vom kleinen, glasklaren Bächlein; nur 25 km höher ist die Quelle des ehrwürdigen Amazonas. Was hier so unschuldig beginnt endet viele 1000 km später als grosser Strom im Atlantik.

Der Winter versichert uns, dass er bald kommen wird, im Juli/August sind die kältesten Monate in Peru. Die Lamas tragen eine Schnee-Schicht auf ihrem Rückenfell, die Strasse ist für kurze Zeit weiss.

In Tres Cañones de Suykutambo machen wir halt für die Nacht. Zusammenschlüpfen in Thermowäsche, wie romantisch 😀! Romantisch hingegen ist die Abendstimmung zwischen den Flüssen. Was für eine imposante Landschaft.

Die Morgenwanderung führt uns auf den Aussichtspunkt 150 m höher wo wir eine schöne Rundsicht auf die Canyons haben. So schön!

Eine dekorative Stahlbrücke, verziert mit Trockengras, führt zum Mirador.

Bis nach Yauri ist eine 20 km Umleitung und die Strasse echt Scheisse. Doch dann folgen 68 km saftig grüne Berglandschaft mit vorwiegend Haferfelder und guter Piste.

Atlas Obscura führt uns zur Hängebrücke Queshuacha, die 30 Meter lange und ca. 1,20 Meter breite Seilbrücke in der Provinz Canas. Sie besteht vollständig aus geflochtenem Gras und überspannt den Rio Apurímac.

In dieser Form gibt es die Brücke schon seit über 500 Jahren. Sie wird jedes Jahr im Juni in 3 Tagen neu gefertigt. Zum Bau kommen über 1000 Menschen von 4 Gemeinden der Umgebung.

Ein komisches Gefühl auf der schwingenden Brücke zu gehen.

Die Frauen flechten die Seile aus Ichu-Gras, die Männer verknüpfen die Seile zur Brücke. Nach Vollendung wird diese von traditionellen Priestern geweiht. Das Aufrichtefest startet.

Es ist die letzte funktionierende Hängebrücke der Inkas. Im Dezember 2013 wird das Wissen, die Fertigkeiten und die Rituale um den jährlichen Wiederaufbau der Brücke in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Er ist Brückenbauer seit 49 Jahren und gibt sein grosses Wissen der nächsten Generation weiter. Alle sind sehr interessiert an unserem ReMo und wollen es von innen sehen. So bauen wir eine Brücke zwischen zwei Kulturen. Hier ein Link zu einem ARTE-Film auf YouTube zur jährlichen Erneuerung der Brücke.

Weitere Brücken begleiten uns auf unserer Fahrt Richtung Cusco. Brücken schlagen, aufeinander zugehen, sich entgegenkommen, in der Mitte treffen, versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das ist doch erstrebenswert in der heutigen Welt und wir alle können im Kleinen damit beginnen.

Über diese Brücke will niemand mehr gehen.

Brücken als Symbole, wer sie überquert, lässt die Vergangenheit hinter sich und bricht zu neuen Ufern auf. Brücken führen ins Vertraute oder ins Ungewisse. Mit dem Ungewissen sind wir wohl vertraut – wohin uns der morgige Tag wohl führt? Wir haben 3 Optionen, Rainbow Mountain, Wilkacunca 12 colors oder Palccoyo Mountain?

Einheimische geben uns den Tipp die Palccoyo Berge (7 Farben) zu besuchen. Es habe sehr wenig Touristen und soll schöner sein als die Rainbow Mountains.

Die Fahrt zum Parkplatz auf 4400 m ist recht ruppig. Dann wandern wir zum höchsten Aussichtspunkt auf 4960 m hoch. In 3 h laufen wir von Mirador zu Mirador und haben immer wieder tolle Ausblicke auf die farbigen Berge.

Wir sind inzwischen gut adaptiert an die Höhen, wandern recht locker und sind restlos begeistert ob der Szenerie. Einzig ein paar Sonnenstrahlen mehr wünschten wir uns, der Farben und Temperatur wegen.

Was die Natur alles hervor bringt!

Erste Regentropfen fallen, wir steigen ab, sind froh nach 1.5 h wieder Asphalt unter den Rädern zu haben und machen ein Raclette zum z‘Nacht.

In Cusco, der Touristenstadt schlechthin, treffen wir Marlis und Kurt wieder. Marlis ist erfolgreich operiert, ihr Unfall drückt trotzdem auf unsere Stimmung, gute Besserung liebe  Marlis.

Sie sind in einer Wohnung wenige Gehminuten von unserem Camp entfernt. Unser Platz ist speziell. Viele Riesentrucks sind hier geparkt, es ist recht eng. In dieser Küche will niemand wirklich sein Essen zubereiten, sogar beim Abwasch wird mir fast übel.

Das liegt nicht nur an dem Betreiber des Campings, nein auch Reisende sind oft, entschuldige den Ausdruck, „Schweine“ und spülen ihren Schmutz und Abfälle nicht weg.

Und so entsteht das Klischee des gammligen Reisenden. Zum Glück sind solche Bilder eher Seltenheit.

Über Cusco berichte ich euch nächste Woche.

 

Fazit der Woche: Lasst uns Brücken bauen. https://www.nzz.ch/feuilleton/ohne-respekt-kann-die-welt-nicht-bestehen-wie-moral-zum-gift-wird-das-die-gesellschaft-zersetzt-ld.1829304

 

Wochenfilm

Musik: Dinu Radu, Bridge Over Troubled Water

5 Kommentare zu „5.-12.5.2024, Brücke aus Gras

  1. Hallo Heidi und Werni
    Thomas und ich haben uns gerade euren Newsletter angeschaut. Megaspannend: Text und Bilder. Zudem habe ich jetzt meine Schwester Marlis gesehen – vor und nach der OP – und sie sieht optimistisch aus.
    Wir haben euren Blog schon letzten Sonntag gelesen, da Marlis vorgeschwärmt hat, dass sie sich immer am Sonntag auf euren Wochenrückblick freut.
    Und von euch ist, glaube ich, auch der Hinweis gekommen auf den Sprinter bei Tartaruga. 🙂
    Wir wünschen euch weiterhin so viel Lebensfreude und Reiselust!
    Monika und Thomas
    P.S. Wir waren von 12 Jahren auch in „eurem“ Hotel Colca Lodge mit der hoteleigenen Therme.

    Frage: Seht nur ihr diesen Kommentar? Ich hoffe es.

    1. Hallo Monika und Thomas, schön euch schriftlich kennen zu lernen und danke für eure lieben Worte. Wir drücken euch ganz fest die Daumen dass ihr euer Traum-Reisemobil findet und genau so glücklich damit werdet wie wir. Lernen wir euch nicht im Ausland kennen sicher mal in der Schweiz. Und wir schätzen Marlis und Kurt sehr als ganz liebe, interessante und herzliche, immer wiederkehrende Reisebegleiter. Herzlich liebe Grüsse Heidi und Werni

  2. So beautiful the canyon and the colour mountains. We couldn’t make it to color mountain because on that day of our tour it rained and snowed heavily. Thanks for bringing me there.
    How apt to use a pan flute version of Bridge over troubled waters as the soundtrack. Safe travel!

Antworte auf den Kommentar von Thomas Abel-BucherAntwort abbrechen