2.-9.6.2024 aufwärts, abwärts

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Im Zug nach Ollantaytambo sprechen uns José und Banessa an. José (Pedro Negro) erkennt unseren Schweizer Dialekt, er hat in Lima die Schweizer Schule besucht und spricht perfekt deutsch. Er kommt mit uns auf den Polizeiposten, unterstützt uns und dank ihm haben wir den Rapport für das gestohlene iPhone innert nützlicher Frist. Ein unterhaltsames Mittagessen folgt, danke ihr zwei.

Banessa und ich essen Meerschweinchen, wenn man Knöchlein mag wie ich ist es ganz lecker. Viel Fleisch liegt nicht auf dem Teller.

Wir verabschieden uns vom Camp Rey Inka und von Alejandrina. Sie hat uns Suppe, Empanadas, Tee, Decken und Limonade gebracht und uns gesund gepflegt. So eine hilfsbereite, liebenswürdige Frau. Mit unserer Gesundheit geht es aufwärts.

Während des Inka-Reiches erobert Pachacútec die Region Ollantaytambo und errichtet die Stadt samt zeremoniellem Zentrum.

Ollantaytambo dient als Festung für den Anführer des Widerstands der Inka. Hier gibt es Widerstandsterrassen (um Erdrutsche zu vermeiden), die nicht wie die anderen archäologischen Stätten landwirtschaftlich genutzt sind.

Heute ist der Ort aufgrund seiner Inka-Bauwerke und als einer der häufigsten Ausgangspunkte des Inka-Pfads nach Machu Picchu voll von Touristen.

Kaum fahren wir 20 km beginnt Bänzli zu streiken. Das darf jetzt aber nicht wahr sein! Wir lassen ihn über 3000 Touren 20 Minuten laufen – und siehe da – er will wieder. Aufwärts – abwärts geht die Fahrt samt meiner Gefühlswelt Richtung Nazca. Die Fahrt ist sehr schön doch die Anden wollen uns irgendwie nicht los lassen. Immer wieder geht es hoch auf 4500 Meter – runter auf 2500 – aufwärts – abwärts – aufwärts – abwärts!

In wenigen Tagen sollten wir wieder am Meer sein, by by Höhen-Anpassung.

Wir übernachten im Casa Lena und unterstützen somit das Bildungsprojekt der NGO Oye LENA für Kinder die in Armut leben oder mit Handicaps. Der Camping ist echt schön mit sauberen Duschen. Kaum ausgestiegen kommt ein Trisomie Junge auf uns zu und gibt uns beiden eine herzliche Umarmung, oyelenaperu.com. Da geht einfach das Herz auf.

Schon reizvoll diese Landschaft und Farben auf 4500 M. Vorbei am Cerro Blanco, der anscheinend höchsten Düne der Welt erreichen wir Nazca auf sage und schreibe 600 Meter. Am 27.4. waren wir das letzte mal auf Meereshöhe – danach bis heute immer über 3000 bis 4800 M.

Die Temperaturen angenehm warm, die Nächte kühl geniessen wir es, wieder draussen zu sitzen und zu essen. Viel mehr Sauerstoff machen uns und dem Sprinter Motor Freude. Die erste Campingnacht in Nazca ist ok, die Badezimmer sind schmutzig, der Pool steht unter Rennovation, Hundescheisse liegt massenhaft herum, es ist staubig – hier wollen wir keine zweite Nacht bleiben. Das Gute am Camping: Wir können zu Fuss zum Aquädukt laufen.

Die Aquädukte von Cantalloc sind Bewässerungsanlagen und zählen zu den ältesten der Andenregion etwa 800–200 v. Chr. begonnen und vom Volk der Nazca bis zum Jahre 650 n. Chr. vollendet.

Die äusserst trockene Region wird über Jahrhunderte durch unterirdische Quellen vorwiegend für landwirtschaftliche Nutzung mit Wasser versorgt. Die spiralförmigen Einstiege zu den circa 40 Aquädukten werden „Puquois“ genannt und sind zur Stabilisation erbaut.

Wir wechseln zum Camping der Nazca Lodge. Enrique zeigt uns seinen Garten und bietet uns mit viel Freude und Enthusiasmus eine 1.5 stündige, sehr professionelle Fotoshow über die Urvölker, die Nazcas, ihre Linien und Scharrbilder.

Eigentlich wollen wir keinen Flug über die Nazca buchen – Enrique macht uns aber den Flug so schmackhaft dass wir kurzerhand eine Kleinmaschine für 1 Stunde und nur für uns zwei organisieren.

Auf dem Wüstenhochplateau zwischen Nazca und Palpa erstreckt sich eines der wohl ungewöhnlichsten Rätsel der Menschheitsgeschichte – die Nazca-Linien, eingekratzt in sandigen Boden. Entdeckt werden sie erst im Jahr 1920 mit dem Beginn des kommerziellen Flugverkehrs zwischen Lima und Arequipa. Seit 1994 zählen die Scharrbilder von Nazca zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Auf einer Fläche von beinah 518 qm befindet sich eine riesige Ansammlung von Scharrbildern, die vermutlich zwischen 800 v. Chr. und 500 n. Chr. erschaffen werden. In ihrer Komplexität reichen die Scharrbilder von einfachen Linien bis hin zu Figuren wie einem Kolibri (66 Meter), einer Spinne oder einem Affen (135 Meter). Das grösste Bild zeigt einen Pelikan mit einer Länge von circa 285 m. Diese Geoglyphen warten immer noch darauf, dass wir ihre Botschaften verstehen. Für unseren Erich von Däniken sind die Linien ganz klar Landebahnen für Ufos. Für die Peruaner ganz klar heilige Stätten für religiöse Feste und Götterverehrungen. Maria Reiche spricht von einem gigantischen astronomischen Kalender. Viele Fragen bleiben wohl für immer unbeantwortet.

Die Spinne: Als Regen- und Fruchtbarkeitssymbol bekannt, ist sie auch Repräsentantin der Wahrsager. Diese benutzten das Symbol der Spinne oft, um die Zukunft vorauszusagen.

Der Kolibri: In der Mythologie vermitteln diese bezaubernden Vögel zwischen den Welten von Mensch und Kondor.

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In Europa ist Maria Reiche kaum bekannt. In Peru und speziell im Städtchen Nazca kennt sie jedes Kind. Hoch verehrt, Dresden stämmig, lebt sie mehr als 20 Jahre in einer bescheidenen Hütte ohne Wasser und Strom am Rande der Atacama Wüste. Maria vermisst und untersucht systematisch die Nazca Linien, entdeckt ca. 50 Figuren in der Ebene und vermisst insgesamt etwa 1000 Linien.

Es sei ihre Lebensbestimmung, ist sie überzeugt und als sie das Bild des Affen findet erst recht weil auch Maria an einer Hand nur 4 Finger hat wie der Affe.

1932 nimmt sie eine Stelle als Hauslehrerin im deutschen Konsul in Cusco an. Später lebt sie von Gelegenheitsjobs in Lima. Ab 1937 hilft sie am Nationalmuseum historische Stoffe zu restaurieren. 1939 hörte sie von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Paul Kosok zum ersten Mal von den sogenannten Nazca-Linien. 1946 beginnt sie allein und ohne Unterstützung, die rätselhaften Zeichnungen im Wüstenboden zu untersuchen. Reiche ist überzeugt ein Geschichtsbuch in Form von Scharrbildern und Linien gefunden zu haben.

Bis 1960 vermisst Maria Reiche ein Gebiet von rund 150 Quadratkilometer zu Fuss. Die schrille Alte, oft mit Besen und Hut unterwegs, ist zuerst vielen suspekt. Mit der Zeit schätzt und verehrt man die Dame jedoch sehr. Das Städtchen Nazca verdanke ihr alles, erzählt Enrique, von Wasser über Strom bis hin zur Bekanntheit.

Selbst der Rollstuhl hindert Maria nicht, ihre Studien bis ins hohe Alter fortzuführen. Sie wird mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Orden der Weisen Inka und dem Sonnenorden, die höchste Auszeichnung der Republik Peru, ausgezeichnet. Als Würdigung erhält sie mit 90 Jahren die peruanische Staatsbürgerschaft, fünf Ehrendoktor und selbst der Flughafen von Nazca trägt ihren Namen.

Nach ihrem Tode wird die einfache Hütte, in der Maria lebt in das Maria-Reiche-Museum umgewandelt das wir natürlich besuchen. Genau heute jährt sich ihr Todestag zum 26 mal.

Leider ist das Museum schlecht unterhalten und ihr Grab ziert an ihrem Todestag nicht mal eine einzige Blume.

Die Gegend um Ica ist die Weinregion von Peru. Wir besuchen die grösste Weinkellerei des Landes, das Weingut Tacama.

Es ist riesig, es ist übervoll von Wochenendbesuchern, die Führung ist lieblos, die Weine schlecht, das Restaurant mit einer Wartezeit von über 1 Stunde – nichts wie weg!

Kurz vor Pisco finden wir einen kleinen, sauberen mit Liebe geführten Camping und wir spülen den Flop der Weinkellerei mit einem Pisco Sour runter. Ein zweiter Camper kommt – mit BE Nummernschild. Unglaublich diese reisefreudigen Schweizer. Heute geht es auf nach Lima.

 

Fazit der Woche: es geht aufwärts 

 

 

Wochenfilm

Musik: Leo Rojas, Chica

 

Ein Kommentar zu „2.-9.6.2024 aufwärts, abwärts

  1. Ihr Lieben, schön gehts wieder aufwärts. Hat euch ja richtig durchgeschüttelt. Sehr ärgerlich das Wernis Handy mal wieder den Besitzer gewechselt hat.☹️ Und wie wundersam das es doch immer wieder kleine Helferlein gibt.
    Immer wieder eindrückliche Bilder und so viele offene Fragen.
    Passt auf euch auf und herzliche Umarmung
    PS Päckchen ist gekommen

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