Seit der Ermordung des Präsidentschaftskandidaten Fernando Villavicencio in Ecuador im Herbst 23 wird das Land vom EDA als gefährlich eingestuft. Kriminalität, Drogenbanden, gewalttätige Auseinandersetzungen, korrupte Polizei, Anschläge – alles ist mit drin bei der Warnung.

Wir nehmen den Willkommensgruss als gutes Omen. Die Beamten am Zoll sind sehr nett und wir bekommen problemlos 3 Monate Aufenthalt in unseren Pass gestempelt. Hallo Ecuador – wir freuen uns auf dich!

Schaut euch das Plakat links an, es ist Werbung gegen Korruption. Apropos Korruption, halten uns tatsächlich zwei bis zu den Augen vermumte Polizisten an und wollen uns büssen, weil wir mit einer Schweizer Autonummer fahren. Rabiat sagt einer: “ Ihr braucht ein Kennzeichen von Ecuador.“ Ich steige aus, zeige ihm unser TIP, (temporäre Import Bewilligung) und sage ihm: no no no no no no, ich habe am Zoll gefragt und das TIP reicht für Ecuador, no no no no lieber 👮♀️. Ärgerlich winkt er uns zur Weiterfahrt – a delante!
Exakt seit 1 Jahr kennen wir Brenda und Erich Marti. Sie sind auch mit ihrem Bus in Calama, Chile, stecken geblieben wie wir. Wir überqueren die Grenze zusammen, stossen mit ihnen auf Ecuador an und übernachten am gleichen Ort.

Die Fahrt nach Loja beginnt in dickem Nebel. Dann lacht uns die Sonne entgegen..

.. wir fahren und geniessen. Kein Verkehr, gute Strasse, schöne aufgeräumte Dörfer, blühende Vegetation (im Moment blühen die Mango Bäume) schöne Gärten, üppiger Wald, angenehme Temperaturen und Berge wie in der Schweiz.

In der Stadt Loja heisst es SIM organisieren, Soles umtauschen in USD, einkaufen und zum Übernachtungsplatz fahren.

Mitten in üppiger Vegetation stehen wir bei der Hosteria Izhcayluma. Vögel zwitschern, an lauschigen Plätzen stehen Bänke, schwingen Hängematten, huschen Eichhörnchen, riechen Blüten. Yoga, laufen, Fussball schauen, Pedicure, Massagen, Spätzle essen, mit Martis plaudern – Rückzug ist das Zauberwort.

Was für ein friedvoller Ort. Unsere erste Wanderung in Ecuador ist der Izhcayluma Trail, fast 10 km aber mit nur 450 Höhenmeter.

Nicht immer ist der Weg so gut sichtbar wie hier. Manchmal schlagen wir uns durch mannshohes Grass und bleiben an Dornenbüschen hängen. Werni übersäuert leicht.

Diese Säure wird ihm nach der Anstrengung rausmassiert.
Mit dem Grenzübertritt sind wir innerhalb weniger Kilometer in einer anderen Welt gelandet. Üppiges Grün scheint mit den Blüten im Wettkampf zu stehen.

Écuador hat seit dem Jahr 2000 den US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel. Davor ist der Sucre die Währung. Der Verfall der ecuadorianischen Wirtschaft und des Sucre sind die Hintergründe die zur Hyperinflation führen. Seit der Einführung des USD ist das Land wirtschaftlich stabiler geworden, Parallelen zu Argentinien sind da. Hoffen wir dass Javier Milei es auch schafft, Argentinien in die USA Währung und Stabilität zu führen.

Nur einen Katzensprung von Vilcabamba entfernt liegt der Parque Nacional Podocarpus. Er macht seinem Namen als Regen- und Nebelwald alle Ehren. Der Nebel streicht um die Berggipfel, es nieselt immer mal wieder und auch beim zweiten Anlauf wissen wir nicht ob wir die Rundwanderung von ca. 5 Stunden machen sollen.

David, ein junger Belgier ist mit dabei. Die Boys entscheiden umzudrehen. Etwas enttäuscht folge ich ihnen – der Nebel wird immer dichter – sicher besser so.

Unsere Woche ist voller netter Begegnungen. Brenda und Erich sind schon erwähnt. Weiter kreuzen wir das argentinische Paar Mariela und Carlos mit denen wir vor fast 1 Jahr in Argentinien plaudern. Lisa und Mikel aus Australien sind unsere Campernachbarn, die junge Holländerin erzählt uns viel über Live/Work Balance, das Schicksal von David berührt uns sehr und die Besitzer vom Camping schliessen wir so in unsere Herzen dass wir gar nicht mehr weg wollen. Und da ist diese herrlich unberührte Natur mit den üppigen Wäldern, das selbst gebraute Bier, ein Yogaraum zum verlieben….

….“ Na, wollt ihr euren Lebensabend nicht hier verbringen,“ werden wir gefragt? Der Plan ist mehrere Cabanas in Alterswohnungen umzubauen mit Küche, Balkon in ausgeglichenem Klima……

…. schon verlockend aber unsere Reisefreude ist noch da und beim Namen Schweiz kommen nach wie vor Heimatgefühle auf.

Wir stellen unsere nächsten Tagesfahrten spontan um weil Marlis und Kurt nur kurz in Cuenca sind und wir auf ein gemeinsames Nachtessen nicht verzichten möchten. Wer weiss wann wir uns wieder sehen? Seit Beginn unserer Südamerika Reise treffen wir uns immer wieder, mal länger (über 3 Monate) mal kürzer (1 – 2 Wochen) mal nur für ein Essen, mal fahren wir knapp aneinander vorbei, mal verabreden wir uns – um es kurz zu fassen – es ist ein tolles Gefühl die Beiden irgendwie immer in der Nähe zu wissen.

Was für ein schöner Freistehplatz. Wir sitzen gemütlich am Fluss – da kommt ein ganzer Familienclan um zu grillieren und zu baden. Das Oberhaupt, zuerst nüchtern, erzählt uns von seinen Jahren in Europa als Lastwagenfahrer. 1 h später kommt er wieder, diesmal betrunken, und erzählt uns Schauermärchen von Überfällen und Ermordungen auf unserem gewählten Übernachtungsplatz. Schreckmümpfäli pur. Vorbei ist es mit der Nachtruhe – es beschleicht uns ein komisches Gefühl. Was tun? Seine Warnungen ignorieren? Wir fahren ins nächste Dorf, stellen uns auf den Hauptplatz neben die Kirche und schlafen zwar nicht so romantisch und ruhig aber mit einem Bauch der ja sagt.

Wir staunen – es gibt viele Holstein Kühe in Ecuador wie bei uns im Mittelland. Ich verstehe nicht viel von Kühen. Mein Vater hat als ehemaliger Bauernsohn oft von der Intelligenz und Sensibilität seiner Kühe erzählt. Ich mag die Wiederkäuer und beobachte sie auch auf den Weiden in Ecuador gerne.

Zu erzählen gibt es immer viel, von Erlebnissen, Missgeschicken, Plänen usw.
Fazit der Woche: einfach anders, dieses Ecuador
Wochenfilm
Musik: Jayac, Lejos de Ti, Ecuador
You guys finally arrived at Ecuador! Congratulations. Looks to me you had a calm week, relaxing and less eventful. Enjoy your stay in Ecuador. Stay safe.
Reuben
Thank you Reuben