18.-25.8.2024 über den Wolken….

 

http://wenn-nicht-jetzt.com

 

…..Über den Wolken….

Zuerst zieht uns das Dorf Salinas wegen der Schweizer Käserei an. Fondue, Tilsiter und mehr stehen in der Vitrine. Dann lesen wir die Geschichte über den Schweizer Käser Sepp Dubach und den Italienischen Pater Antonio Polo – unsere Neugier ist geweckt.

Die moderne Käserei

In den 70er Jahren ist die Salzmine im Dorf die einzige Einnahmequelle. Das Land gehört Grossgrundbesitzern und die Menschen leben abgeschnitten vom Rest Ecuadors in extremer Armut. Pater Antonio Polo kommt 1970 nach Salinas. Aus den geplanten 4 Monaten werden über 40 Jahre – das Leben der Bewohner verbessert sich schnell. Er kauft mit Helfern Land, gründet Kleinbetriebe und eine Genossenschaft.

Schweizer Käse, Schokolade, getrocknete Früchte, Kräuter, Naturkosmetik, Strickwaren, Kunsthandwerk und mehr wird heute hergestellt. Im Laden am Hauptplatz ist viel los. Salami, Yoghurt, Schwartenmagen und Brot lassen den Speichel im Mund zusammenfliessen. Der Laden ist voll, es wird kräftig eingekauft von mehrheitlich einheimischen Tagestouristen.

Wir laufen mit vollbepackter Tasche durch den Ort. Inzwischen gibt es ein Hotel, ein paar Pizzerien, die Kirche vom Padre, auf dem Hauptplatz werden Kräuter, Medizin und Schnaps angeboten.

Das Label Salinerito ist heute etabliert und wird in ganz Ecuador verkauft. Ein Teil der Gewinne fliesst in die dörfliche Infrastruktur wie zB. Alters- und Jugendzentrum, der Rest wird in die Genossenschaften reinvestiert. Mittlerweile gehören 30 Gemeinden aus der Region mit einem hohen Anteil Indigenas zur Gemeinschaft der Salineritos.

Wir übernachten vor der Käserei. Am Morgen bringen Frauen ihre Milchkannen auf bepackten Eseln oder Alpacas. Sie tragen die traditionelle Kleidung der Indigenen der Anden – brauner Hut – bunter Rock – farbige Jacke aber auch Hose mit Gummistiefeln. Warm eingepackt sind alle.

Die Männer fahren mit Motorrädern oder Autos an. Die Kooperative bezahlt für die Milch einen fairen Preis an die Bauern.

Wir schauen dem emsigen Treiben zur frühen Morgenstunde mit Interesse und Amüsement zu.

Der Schweizer Sepp Dubach bringt den Indigenen mit viel Geduld bei, wie man Käse herstellt. Zwei Welten prallen zusammen was Pünktlichkeit, Disziplin und Hygiene anbelangt. Sepp packt es ruhig aber stetig an. Und siehe da, er kann die Käserei den Indigenen übergeben. Sein Porträt hängt als Dankbarkeit am Eingang der Käserei. Er zieht sich im Alter zurück und wird Jahre später in Quito überfallen und erschossen. Was für ein trauriges Ende eines grossartigen Lebens und Schaffens. Für alle Interessierten hier ein Link zu einer Nachrichtensendung 10vor10 zum Dorf Salinas.

https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/sepp-dubach?urn=urn:srf:video:4ca49e3e-d638-4e6c-98df-186911b455f5

…..Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…

….Alle Ängste alle Sorgen, sagt man…..

Die einsamen Bergfahrten fehlen uns. Wir wählen eine Natur Strasse durch die Anden. Landschaftlich traumhaft mit Wetterglück holpern wir durch Einsamkeit.

Mir passiert der grösste Navi-Fehler seit Beginn unserer Reise. Erst im Dorf El Corazón realisiere ich den Irrtum. Wie sagt man so schön, jeder Fehler und Umweg hat seinen Grund. Wir sind so tief dass wir unseren Diesel-Filter ausbrennen können. Wir entdecken über die Berge eine Abkürzung, alles Erdweg. Natürlich fragen wir Einheimische ob wir die Strasse fahren können. Ja – es geht von 1400 auf 4000 Meter hoch – die Route sei langsam.

…..Blieben darunter verborgen, und dann….

..Würde, was uns gross und wichtig erscheint …

….Plötzlich nichtig und klein…

Die Bilder sprechen für sich. Es ist eine 8 Stunden Fahrt für 127 km – aber voller Freude, Begeisterung, Schönheit und Einsamkeit.

Mit Pasta zum Nachtessen an der Laguna Quilotoa erhoffen wir uns, dass die Kohlenhydrate direkt in die Beine rutschen. Schliesslich ist die Umwanderung des Kratersees über 11 Kilometer für den nächsten Tag geplant.

Morgens um 9 wandern wir los. Der Anstieg auf 3930 Meter lässt uns ganz schön pusten. Junge Wanderer umkreisen die Lagune in 4 Stunden. Wir möchten nicht schlendern aber auch nicht alle Reserven aus uns raus drücken.

Gar nicht einfach den richtigen Rhythmus bei dem auf und ab zu finden. Die Landschaft, die Farben, die Lagune lässt uns meistens die Anstrengung vergessen – aber nur meistens.

Es bewölkt, die kitschigen Farben verschwinden. Wandernd, umgeben von prachtvollen Blumenfarben, schieben wir immer wieder wilde Blaubeeren in den Mund, suchen Halt auf dem feinstaubigen Weg und schauen die umliegenden Bergspitzen besorgt an – führt der Sendero wirklich auf jede Spitze?

Nach fast 3 h ist Pause. In einer Berghütte trinken wir Coca-Tee. Drei Mädels zwischen 6 und 11 fragen uns Löcher in den Bauch. Als wir ihnen von den Tieren Afrikas erzählen wollen sie Fotos sehen. Werni zeigt geduldig die ganze Palette – die Mädels kennen alle Tiere auf Anhieb – wir sind erstaunt – sie freuen sich. Was für eine schöne Begegnung.

Der letzte Ausbruch des Vulkans ist 1280. Die Lawa fliesst bis zum Pazifik. Seitdem liegt in der Caldera ein bis zu 250 m tiefer Kratersee. Durch die Mineralien schimmert der See bei Sonnenschein grün. Die Beine werden schwerer, das Wetter schlechter, wir erhöhen das Lauftempo. Nach 5 h sind wir zurück beim tollen Aussichtspunkt in Shalalá.

Die Einsamkeit, die Bergstrecken ohne Verkehr, die Staubstrassen ziehen uns an wie ein Magnet. Die Fahrt nach Santo Domingo ist landschaftlich traumhaft. Der Zustand der Strasse macht weniger Spass.

Unzählige Bromelien wachsen in Symbiose auf Bäumen, so haben wir den Nebelwald noch nie gesehen.  Abschnitte können verwechselt werden mit der Carretera Austral in Südchile.

Unglaublich schön!

Die Tiere werden in Ecuador meistens angebunden, oft nahe an der Strasse. Man gönnt ihnen einen Radius von ca. 2 Metern. So muss nicht gezäunt werden.

Es gibt Wildpferde, diese Stute mit Fohlen haben Freilauf.

In Santo Domingo angekommen schlägt uns Victor, der Campingbesitzer, einen Besuch der Tsáchilas vor. Sie sind ein indigenes Volk mit präinkaischen Wurzeln. Noch ganz wenige leben im Regenwald. Wir googeln das Besucherzentrum und haben keine Lust auf eine Touristenshow.

Viel lieber lassen wir uns die Pflanzenwelt von Victors Gartenzentrum erklären.

Er ist die Liebenswürdigkeit in Person und wir wären gerne länger geblieben – Santo Domingo gefällt uns aber überhaupt nicht.

Mindo liegt auf 1’250 m Höhe und ist das Zentrum eines subtropischen Naturschutzgebietes Bosque Protector Mindo Nambillo. Das Dorf scheint aus Restaurants und Hotels zu bestehen. Zum Glück finden wir Mindo Lindo.

Unsere Zimmerpflanzen wachsen hier wild.

Pedro Peñafiel (Ecuadorianer) Zimmerman und Heike Brieschke (Deutsche) Biologin & Ornithologin, haben sich dem Natur- und Umweltschutz verschrieben. Im privaten Naturschutzreservat dürfen wir stehen. Pedro spricht nicht viel, der kleine Mann ist aber sympathisch. Heike ist zur Zeit in Deutschland, die Kinder studieren dort. Das Reservat ist 7 ha gross und wird nachhaltig bewirtschaftet. 4 ha sind Sekundärwald der sich seit 30 Jahren in der Regeneration befindet und ein Wegenetz für Besucher enthält. Das laufen wir natürlich, beobachten Natur und Tierwelt.

Von der Veranda aus beobachten wir die winzigen nervösen Kolibris an mehreren Trinkgefässen. Über 30 verschiedene Arten soll es hier geben. Was für ein Paradies in totaler Ruhe.

Pedro nimmt uns mit nach Mindo. Dort besuchen wir eine Schmetterlingsfarm. Filigran und bunt fliegen sie um uns herum.

Wieder eine Woche voller Schönheit und Natur.

 

Fazit der Woche:

Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen, und dann,würde, was uns gross und wichtig erscheint,plötzlich nichtig und klein.

Text: Reinhard Mey

 

 

Wochenfilm

Musik: C’kausamaia Chemaya A, Manuel E. Rojas Condori

 

6 Kommentare zu „18.-25.8.2024 über den Wolken….

  1. Glad you guys found a little Swiss in Salinas. Quite a sad story about the father from Italy indeed.

    Brian and I just met up with 2 friends from UK we met in Bolivia in April. The catchup brought back fond memories of our trip to South America….

Antworte auf den Kommentar von SibylleAntwort abbrechen