15.-22.9.2024, …wir verlieren sie ….

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Das Städtchen San Agustin bietet spektakuläre archäologische Ausgrabungen. Steinfiguren und -Zeichnungen einer unbekannten Kultur zwischen 200 und 700 n. Chr. können bestaunt werden.

Der archäologische Park ist sehr schön angelegt, führt durch Sekundär Wald und zeigt immer wieder Grabsteine und Platten. Es ist wenig erforscht über die Deutung der einzelnen Darstellungen.

Im Januar 2022 treffen wir Marlis und Kurt zum ersten Mal in Südafrika in den Drakensberge. Seither reisen wir immer wieder ein Stück zusammen, mal länger mal kürzer.

Ihre Reiseenergie ist nach 8 Jahren erschöpft, sie wollen nach Hause. Wir haben immer am selben Strick gezogen, wir werden unsere Treffen furchtbar vermissen, verstehen ihre Beweggründe aber total. Wir verlieren sie und sind sehr traurig.

Es ist gar nicht einfach eine tolle Reiseroute im stark besiedelten Kolumbien zusammen zu stellen ohne längere Strecken 2 mal zu fahren. So kommen wir auf die Idee vom Amazonas Tiefland in Kolumbien. Es soll eine abenteuerliche Strecke nach Macarena geben wo jeder Selbstfahrer mindestens 1 mal im Matsch stecken bleibe. Das wollen wir doch rausfinden.

Die erste Strecke nach Florencia ist guter Asphalt – nichts mit Abenteuer. Wir sehen viele Tiere, unter Anderen diese süssen Totenkopfaffen und am Fluss eine Anakonda.

Wir bekommen Warnungen dass wir die Strecke nach Macarena nur mit einem lokalen Führer fahren sollen. Viele Tiergeräusche rufen zur nächsten Fahrt nach San Vicente del Caguán. Dort wollen wir uns nochmals informieren über die Machbarkeit und Sicherheit der Strecke.

Links die Cordillera Oriental, rechts saftig grünes Weideland und verschiedene Querflüsse, guter Asphalt und fast kein Verkehr, das sind die 158 km nach San Vicente del Caguán. Eine Panorama-Fahrt pur. Ankunft – schon um 13 h – weiterfahren nach Macarena oder nicht? Da sind die Beschreibungen der schlechten, matschigen Naturstrassen, die Sicherheitswarnungen?

Wir fahren einfach los. Gut vorbereitet über Pistenwahl, Koordinaten, Strassengebühren und Zeitaufwand geniessen wir Weiden, diverse Palmen- und Baumarten und die Flächen. Es ist so unglaublich grün – es muss wohl oft regnen in dieser Region. Die Camposinos am Wegezoll sind nett, bieten sogar Gratiskaffee an. Nach 3 h Fahrt suchen wir einen Übernachtungsplatz. Bei der ersten Farm und einer Käserei werden wir abgewiesen. Zum Glück – so finden wir den schönen Hof einer 4 köpfigen Familie mit 15 Angestellten die alle unter einem Dach wohnen.

Gewaschene, gefaltete Wäsche stapelt sich fast Meter hoch, es wird gelacht und erzählt, das flächige 1 Stockwerk Haus ist sehr sauber. Einige Angestellte, alle zwischen 18 und 25 und das Besitzerpaar (um die 45) setzen sich zu uns und wollen mehr über Bänzli und unsere Reise wissen. Es gibt kein Netz aber Strom, Handys, eine Waschmaschine, Kühe, Hühner, Hunde, Katzen, Fliegen – einfach ein Wohlfühl-Bauernhof. Ab 2 Uhr früh beginnt die Symphonie der Tiere. Hähne, Hunde, Kühe, Katzen, Kinder – sie alle geben ihr Bestes in Fortissimo.

Wir wechseln zwischen der Transit- und der La Cristalina Route hin und her, das auf iOverlander versprochene Matsch- und Wellblech-Abenteuer findet aber nicht statt. Abgesehen von einigen Holzbrücken mit Gewichtfragezeichen ist Werni als Fahrer nie gefordert.

Ausschliesslich Milchwirtschaft

Macarena, die Kleinstadt im nirgendwo, ist bekannt für den Cañon Cristales. Der Fluss trägt verheissungsvolle Namen wie „Fluss der Götter, der fliessende Regenbogen, der Fluss der 5 Farben.“ Wir suchen eine Bleibe, die 2 Camping Möglichkeiten kommen nicht in Frage, sie sind laut und staubig.

Uns fällt die Ecolodge Makalombia zu. Luz, die Chefin, offeriert uns 4 Nächte im Holzhäuschen inkl. Vollpension und 2 Tagesausflügen zu einem super Preis.

Am Abend singen und tanzen Lokale für uns. Was für ein Tempo, Tanzkleid und Fusstechnik. Der Mann stampft mit einer Präzision Rhythmus auf den Boden – da müssen wir unsere „Bödälär“ mal wohl nach Kolumbien schicken.

Joropo heisst der Tanz der über Venezuela nach Kolumbien kommt. Er wird in der Region um Bogotá getanzt und hat das Epizentrum  in Macarena. Auf einem Schulfest zaubern uns die Tänzer/innen wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Anita und Santiago, 25 und 26 Jahre alt aus Medellín haben lange im Voraus Touren gebucht in der Region Macarena und kommen heute per Flugzeug an. Wir dürfen uns ihnen anschliessen und so sind wir zu viert mit Führer Fernando unterwegs im Parque Nacional Natural Sierra de la Macarena.

Der erste Ausflug führt uns zum „El Mirador“ mit toller Sicht auf den Fluss Guayabero. Wir laufen 3 h und erfahren viel über Flora und Fauna. Fernando ist ein sympathischer Führer mit viel Wissen – aber nur in spanischer Sprache. Das junge Paar übersetzt wenn wir etwas gar nicht verstehen.

Der Tagesausflug zum Cañon Cristales ist der Höhepunkt. Der Kristallbach entspringt in der Sierra und fliesst später in den grossen  Guayabero. In verschiedenen Seitenarme wächst die Wasserpflanze Macarena Clavigera.

Zuerst grün verfärbt sie sich je nach UV Strahlung und Wasserstand von rosa, scharlachrot, braun bis hin zu violett. Dieses Spektakel findet in den Monaten Juni bis November, in der Regenzeit statt.

Man soll die Erwartungen nicht zu hoch stecken schreibt der Reiseführer Loose – wir sind gespannt. Per Boot und Toyota werden wir 5 zum Startpunkt der Wanderung gekarrt. Alle fit wählen wir eine längere Tour zum Bach. 3 Stunden später und ordentlich durchgeschwitzt leuchten sie plötzlich vor uns diese aussergewöhnlichen Wasserpflanzen.

Das Macarena-Rot, der im Sonnenlicht goldgelb schimmernde  Gesteinsgrund, die vielfältigen Felsformen und Steinmühlen – echt einzigartig und etwas was wir noch nie gesehen haben.

Wir sind bewegt ob der Schönheit dieses Flusses. Fernando findet eine gute Mischung zwischen erklären und die Bilder sprechen lassen was wir sehr schätzen.

Wir laufen total 11 km, dem Bach entlang, durch Gesteine, durch Wälder mit der endemischen hüfthohen Pflanze Velloussea.

Eine weitere Besonderheit ist das Rohöl das an einzelnen Stellen hoch stösst. Die Anwohner haben bis jetzt den Kampf gegen eine Förderkonzession gewonnen.

…. noch mehr Macarena….

…. weil es so schön ist…..

…. unglaublich die Farben….

Viele Tiere, Totenkopf-, Kapuziner- Brüllaffen, Schildkröten, Leguane, Delphine und viel Vogelgezwitscher versüssen uns den Aufenthalt in der Region Macarena. Erschöpft aber glücklich lassen wir den Tag ausklingen, verarbeiten die vielen Eindrücke und schlafen wie Murmeltiere tief und lang.

 

Fazit der Woche: Hochgenuss ist wohl das richtige Wort

 

 

Wochenfilm:

The Lebron Brothers, Déjame Soñar

 

7 Kommentare zu „15.-22.9.2024, …wir verlieren sie ….

  1. Ihr zwei Lieben, so gut von Euch zu lesen!! Wir haben diese Region um Cano Cristales auch auf unserer liste wenn wir zurückkommen nach Kolumbien. Ihr macht das super, vielen Dank für all die Tips wir werden dann gebrauch davon machen!!
    Wir vermissen Euch!! Gruss, Mo&Chrigel

    1. Ihr Lieben, danke für eure lieben Worte. Gut geht es euch wieder gut, hat euch ja kräftig erwischt. Wir waren auch im Camp „Killa Wasi“ in Alausi, wir bekamen ordentlich Asche ab vom Vulkan Sangaí. Wir vermissen euch auch, weiterhin gute Reise und ä feschtä Drücker

  2. Cooler film gratuliere. Schade dass ihr nicht mehr mit euren langjährigen Reisepartnern und Freunden Marlis und Kurt unterwegs sein könnt. Man gewöhnt sich aneinander nach einer so langen Zeit und wenn die Chemie stimmt ist es umso schöner. Hoffentlich findet ihr wieder neue Freunde aber es ist halt nie das Gleiche.
    Lieber Gruss

    Xaver

  3. Was für ein Schauspiel von Farben. Wieder einmal mehr soviel positive Eindrücke. Und immer wieder heisst es Abschied nehmen. Lebt wohl Marlis und Kurt, sie werden mir fehlen im Blog. Euch weiterhin gute Reise, Gesundheit und viel Glück.

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