Der Grund, dass wir überhaupt verschiffen müssen, ist die ca. 100 km lange Strassenlücke in der Panamericana zwischen Kolumbien und Panama. Das Sumpfgebiet Darién Gap kann nur zu Fuss überquert werden, ein anstrengender Pfad den Flüchtlinge aus aller Welt aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit laufen. Über 50‘000 Flüchtlinge pro Jahr schleusen kriminelle Banden für bis zu USD 400 pro Kopf durch den Dschungel. Sie schlagen viel Kapital aus der Not der Menschen, vergewaltigen Frauen, terrorisieren Menschen, belügen sie. Was passiert mit den Flüchtlingen bei der Ankunft in Panama frage ich unseren Führer Mario? Eines der Wahlversprechen von José Raùl Mulino, dem amtierenden Präsidenten, nämlich den Fluchtweg Darién zu schliessen, sei in Umsetzung. Viele Flüchtlinge werden unter Wahrung der Menschenrechte (so Mulino) und mit Millionen finanzieller Beteiligung der USA (Biden) in ihr Ursprungsland zurück geflogen. Ein sehr schmutziges und trauriges Kapitel.

Unser Kapitel, das wir am 1.12. um 10.51 Uhr neu aufschlagen, ist doch viel erfreulicher, wir landen in Panama City. Einmal mehr wird uns sehr bewusst, dass wir auf der Sonnenseite stehen.

Zuerst gibt es noch Aufregung in Cartagena am Copa Eincheck-Schalter. Wir müssen einen Anschlussflug vorweisen, sonst sind wir nicht erlaubt auf dem Flug nach Panama. Unser Argument, dass wir mit dem Reisemobil ausreisen, zählt nicht.

Schlecht Recherchiert Heidi! Schnell einen günstigen und stornierbaren Flug von Panama nach Costa Rica buchen und erneut zuhinterst anstehen für das Check-In. (Was würde man nur machen ohne Smartphone?) Dafür läuft die Rückerstattung der Mehrwertsteuer wie am Schnürchen. Rechnungen, Einkäufe und Kreditkarte vorlegen, unterschreiben und auf die Gutschrift warten.

Hey, wir sind in Mittelamerika! Bitte Glücksstern begleite uns weiter. Wernis Charme bewirkt ein gratis Upgrade, vom Superior Zimmer umgarnen uns Wolkenkratzer mit Fassaden aus Glas, Keramik, Gold – glitzernd, glänzend, blendend.

Zum neuen Kapitel gehört auch die Beschaffung einer SIM Karte für Panama. In jedem Land eine Wundertüte ist die Abwicklung entweder speditiv und kompetent oder kompliziert, verzweifelnd, Haare raufend. Bei Tigo beginnt das Prozedere mit jedem Haar einzeln ziehen! Schon wollen wir frustriert davon laufen fragen wir einen Angestellten abseits der Schalter, ob er Englisch spreche. Nein, aber der wartende Herr aus der USA mit Panama Residenz. Glückstreffer – wir schliessen einen Tigo Vertrag ab mit unlimitierten Giga, gültig in allen Ländern bis nach Kanada, monatlich verlängerbar.

Als eines der 7 Weltwunder der Neuzeit ist der Panamakanal wohl ein Muss für jeden, der das Land bereist. Nach 11 Jahren Bauzeit (durch die USA) ist das gigantische Bauwerk 1914 fertig. 82 km lang, ein Wunderwerk der Technik, verbindet der künstliche Schifffahrtsweg den Pazifik mit dem Atlantik. Die Fahrt um das Kap Hoorn ist Vergangenheit, die Containerschiffe kürzen die Fahrt für 60’000 bis 300’000 US-Dollar um 3 Wochen ab – Zeit ist ja bekanntlich Geld. 96 Jahre nach der Eröffnung fährt ein chinesischer Frachter als das millionste Schiff durch den Panama Kanal. Schätzungsweise erwirtschaftet der Kanal 12 % des Bruttoinlandsprodukts von Panama.

Seit Juni 2016 ist die Erweiterung eröffnet. Schiffe bis zu 49 Meter Breite und 366 Meter Länge können jetzt passieren. (Ein Fussballfeld ist 45 Meter breit und 90 Meter lang) verrückt nicht? Die Schiffe durchlaufen drei Schleusen: Miraflores, Pedro Miguel und Gatun.

Der Gatun-Stausee liefert das Süsswasser zum Füllen der Schleusen. 26 Meter Höhendifferenz werden mit reiner Gravitätskraft überwunden.

Einen ganzen Tag beschäftigen wir uns mit dem Thema Kanal. Mario, unser Guide, fährt uns zu 2 Schleusen, wir beobachten das Container Schiff Caipirinha bei der Durchfahrt, fahren über die 2 bekanntesten Brücken,

…sehen uns einen tollen iMax Film an, besuchen das Verwaltungsgebäude und schnuppern ein erstes Mal an der Altstadt von Panama City.

Nicht dass uns das Thema Schleusen fremd wäre (Rheinschifffahrt), über den Suez Kanal sind wir auch schon gefahren – der Panama Kanal ist aber eine andere Liga. Wir sind tief beeindruckt und überwältigt von Zahlen, Bauwerk, Grösse und Technik – ein lohnenswerter Besuch der unter die Haut geht.

…. Da treffen wir doch tatsächlich die zwei jungen Schweizer Nadine und Andrin aus St. Gallen. Eine kurze und nette Begegnung.

Am 4.12 legt unser Schiff, die Vega Vela, mit 3 Tagen Verspätung, in Cartagena ab. Moritz sendet uns ein Foto vom Schwesternkutter Vega Azurit.

Beim Besuch des Panama Kanal Museums lassen wir das bereits Erklärte setzen und vertiefen.

Farbenfroh, bunt und schön präsentiert zeigt sich das MuMo Museum.

Molas wird diese traditionelle Nähkunst der Kunas genannt. Handarbeit vom Feinsten zeigen die Weltanschauung der Guna-Gemeinschaft. Für sie ist das Universum rund oder oval und wird in drei Ebenen unterteilt: Supra-Welt, Mittlere Welt und Infra-Welt.

Die Menschen leben in der Mittelwelt, umgeben von Sonne, Mond und Sternen. In den anderen Welten gibt es Gebäude, Autobahnen, Flughäfen, Pflanzen und Tiere. Jede Ebene des Universums ist wichtig, jede steht im Verbindung zu den zwei anderen, keine ist besser oder schlechter.

In Harmonie mit der Umwelt tragen die Guna Frauen die Molas als Blusen zusammen mit farbigen Wickelröcken, Kopftüchern sowie Perlenketten an Hand- und Fussgelenken.

Krasser Gegensatz wenige Meter von der Guna Näh-Frau entfernt.

Der Hunger ruft, heute gibt es Steaks beim Argentinier.
Kontrollen bei der App „Marine Traffic“ verheissen nichts gutes. Die Vega Vela wartet auf offener See um Erlaubnis zur Löschung am Dog Manzanillo in Colón. Ein verlängertes Wochenende steht vor uns, die Zollbehörde im Hafen arbeitet nicht. Geduld ist angesagt.
Wir hüpfen auf- und ab am Samstag.

Im Doppeldeckerbus lassen wir uns 2.5 h chauffieren……

….durch verschiedene Stadtteile…..

….entdecken kurioses……

…… und warten auf Bänzli.
Fazit der Woche: der Start in Panama braucht Geduld.
Wochenfilm:
Musik: Juan De Sedas, berühmter Akkordeonist aus Panama, Titel: La Cumbia de Chon
Wir wünschen euch auch im neuen Kapitel bleibende Eindrücke und viele tolle Begegnungen.
Wir sind Heute gerade in die Republic Kongo eingereist. Afrika pur. War ein ziemlicher Kraftakt.
Ganz liebe Grüsse
Ingrid + Ruedi
Danke ihr Lieben, wären gerade sehr gerne mit euch auf der Westroute unterwegs. Freue mich auf den nächsten Bericht. Herzlich liebe Grüsse Heidi und Werni
Das Glück sei euch gut gesinnt auf euren weiteren Weg und das ihr bald euer Bänzli in Empfang nehmen könnt. Wünschen wir von Herzen
Maria und Bruno
Danke ihr Lieben, ich werde langsam rumplig