4.-11.5.2025 einmal Schweizer immer Schweizer

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Harald, unser Guide durch Antigua, ist ein richtiger Playboy. 52 Jahre alt, 5 Kinder in 5 verschiedenen Ländern verteilt, grunzt er gefühlt nach jedem 5. Satz ein rauchiges „Jeehhhhhh“ hinterher.

Er weiss viel, erzählt lebendig, wiederholt oft und erwähnt immer wieder seine Lebensphilosophie „Carpe Diem“.

Ihn scheinen seine Ausführungen wenig zu interessieren……

… die internationale Gruppe schon. Er schärft unsere Augen auf unauffällige Details, weisst mit dem Laser Pointer auf Entferntes hin…

… erzählt von Brauchtum, Sitten und Essgewohnheiten der Guatemalteker.

Antigua, eine beeindruckende Stadt, wo Reiche aus Guatemala ihre Zweitwohnung haben, wo sie statt mit dem Auto mit dem Helikopter anfliegen, wo ein Haus an bester Lage schon mal mehrere Millionen USD kosten kann, wo über 40 Kirchen stehen, wo sich Restaurants, Kaffees, Bars, Sprachschulen und Luxushotels wie Perlenketten aneinander reihen, wo immer etwas los ist und zelebriert wird, wo italienischer Salami gekauft werden kann und Jade in bester Qualität, wo Indigene vom Land ihre wunderschönen Stoffe und Souvenirs verkaufen,

wo ein buntes Treiben zwischen Bewohnern, Besuchern aus Guatemala und internationalen Touristen herrscht, wo der Vulkan Acatenango leise brodelt und das nächste Beben ankündigt, wo Innenhöfe schöner nicht sein könnten,

wo Farben leuchten und die Strassen sauber sind – es ist einfach sich in die Stadt zu verlieben.

In Antigua funktioniert viel, nur die Post nicht. Die seit 5 Wochen erwarteten DHL Pakete stecken irgendwo, wir beschliessen zur Hauptpoststelle nach Guatemala City zu fahren.

Stopp – das müssen wir uns anschauen. Die Familie Senn aus St. Gallen lebt und betreibt in dritter Generation den Vorzeigebetrieb Cabaña Suiza mit Hotel, Restaurant, Eventlokal, Kapelle und Helikopter Landeplatz – alles in Schweizer Qualität. 4 der 5 Geschwister arbeiten aktiv im Betrieb, Monika und Elisabeth stehen sogar in der Küche – ich schätze sie um die 60 Jahre alt.

Ihr Hoch-Deutsch ist holprig geworden, einige Mitglieder der vierten Generation leben und lernen in der Schweiz, sie sprächen sogar Appenzeller Dialekt, lacht Monika.
Unübersehbar drückt die Schweizer Kultur von Ordnung, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit und Qualität bei der Familie Senn durch – einmal Schweizer – immer Schweizer.

Köstlich die Rösti mit Bratwurst. Wir werden von 3 Familienmitgliedern warm empfangen und dürfen auf dem Parkplatz campen.

Schau dir dieses schöne Postgebäude in Guatemala City an.

Das Abholprozedere ist zeitaufwändig, nervenaufreibend und äusserst kompliziert – immerhin sind die Pakete hier! Es würde den Wochenbericht sprengen detailliert darüber zu berichten. Nur soviel, fast wäre die Abholung an einer übereifrigen Beamtin gescheitert die die Sendung nur an Isaak Gonzales, unsere Lieferadresse im Camping in Antigua, ausliefern will obwohl unser Name mit auf der Etikette steht. Doch nach 2.5 Stunden….

… Prüfung des Inhalts und Bezahlung des Zolls von 35 Prozent haben wir sie, unsere Pakete.

Danke Christine für deine Hilfe, haben wir sehr geschätzt.
In Guatemala City bleiben oder raus aus der Hauptstadt? Zu sehen gäbe es einiges.

Schöne Kolonialbauten aber auch die deutsche Metzgerei die die Produkte unter der Marke „Astoria“ verkauft.

Wir haben keine Lust mehr auf Stadt. Auf der Fahrt Richtung Rio Dulce finden wir einen so ruhigen und schönen Platz bei Theresita dass wir 2 Nächte bleiben. Das Büffeln und die Paketgeschichte haben uns ganz schön müde gemacht. Und jetzt kommt ein weiterer Knaller! Kurz vor Rio Dulce versagen unsere Bremsen erneut. In der nächsten Garage, wenn man sie so nennen kann, schütteln sie den Kopf – kein Lösungsansatz vorhanden.

Wie auf Eiern fahren wir 18 km zurück nach Morales. Hier gibt es eine Toyota Garage. Der nette Herr erklärt uns, dass sie ausschliesslich Toyota reparieren. Er lässt sich erweichen, Bänzli wird überprüft. Die Dichtung des Unterdruckanschlusses des Bremskraftverstärkers ist gerissen.

Toyota hat kein Ersatzteil, Mercedes in Guatemala City auch nicht. Guter Rat ist teuer. Wir sitzen neben Eli im Wartesaal. Wir unterhalten uns angeregt. Er empfiehlt uns ein Hotel in der Nähe, fährt uns hin und bezahlt heimlich unser Nachtessen. Wie unglaublich nett ist das denn, wir sind echt gerührt. Ein Fläschlein in Ehren erleichtert das Warten.

Wir finden das Teil nicht, weder in Mexiko, noch in El Salvador, noch in Zentralamerika – schlicht nirgendwo, auch der ganze Bremskraftverstärker nicht. Wir ziehen viele Register, fragen unsere Nichte Gerda, die im Reisebüro Rilex in Stans arbeitet, ob sie Flüge nach Guatemala verkauft hat, Max liefert uns eine Idee zu einem Provisorium usw. Wir fragen auf Facebook im „Panamericana-Forum“, ob Reisende nächstens Besuch aus Europa bekämen? Das bringt den Durchschlag!

Yair, ein Sprinter Spezialist in Costa Rica, schreibt uns, dass im BMW genau die gleiche Dichtung verbaut werde. Und siehe da, BMW Guatemala hat das Ersatzteil an Lager.

Unser Hotel ist nagelneu, liegt an der stark befahrenen Hauptstrasse (24 h) zum Hafen Puerto Barrios und direkt neben Dollar City. Wir verbringen 2 lustige Stunden im klimatisierten Shop und kaufen völlig unnötiges, der Spass und die Ablenkung sind CHF 37.50 wert.

Die Dichtung kommt, wird ausgetauscht, die Bremsen funktionieren trotzdem nicht, wir sind fahruntauglich. Seit Beginn 2025 ist das unser elfter Garagenaufenthalt. Zähle ich unsere Nichtfahrwochen ab, stehen wir fast wöchentlich in Reparatur. Von der schmutzigen Strassengarage bis zum stylischen Glaspalast mit Stern ist alles mit dabei, können tun sie alle nichts ausser Rechnungen präsentieren. Unser Frustpotenzial ist zwischenzeitlich so hoch, dass uns beim Betreten einer Garage schon speiübel wird. Sie sind alle so nett, rühmen sich die besten zu sein –  was nützt unser Frust? Nichts – also runter fahren, Yogamatte ausbreiten und sich in Gelassenheit üben – ooohhhhmmm.

 

Fazit der Woche: Mensch braucht das Nerven

 

 

Wochenfilm:

Musik: Ricardo Arjona, Lo Poco Que Tengo

 

8 Kommentare zu „4.-11.5.2025 einmal Schweizer immer Schweizer

  1. Oh la la da habt ihr ja wieder mal Schwein gehabt. Glück im Unglück.
    Schön kannst du schreien liebes Heidi.
    Safe travels now.
    Herzlicher Drücker.
    Marian

  2. Da wird eure Geduldsprobe schön strapaziert. Gelassenheit ist gefragt und wohl ziemlich schwierig. Hab keinen Ratschlag, keinen Trost und wünsch euch …….🍀

    1. Danke liebe Maria, es ist ja nur ein fahruntüchtiges Auto, da gibt es schon viel mehr Schweres auf dieser Welt. Trotzdem nehmen die vielen Garagen-Aufenthalte etwas von der Reisefreude. Umarmung

  3. Aja ….. ihr lieben… ich fühle mit. Der „Uuurschrei von Heidi ist köstlich. 🙂 Behaltet die Nerven und weiterhin Geduld. Vielleicht ist eine längere „Pause“ angesagt. Apropos wieviel KM hat überhaupt Bänzli. liebe Grüsse Juan

  4. Das nenne ich nochmal Glück gehabt. Denn nach Costa Rica reisen wäre wohl umständlicher gewesen. Wenn man sich einmal in Guatemala aufhält, dann muss man auch soviel wie möglich sehen. Ein wunderbares Land und die Hinterhöfe in Antigua sind in der Tat sehenswert. Noch mehr lohnt sich allerdings der Aufstieg auf den Acatenango.

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