22.-29.9.2024 … jeder trägt seinen Rucksack

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Das ist Dasy, sie ist die Köchin im Hotel Makalombia in La Macarena.

12 bis 15 Arbeitsstunden sind bei ihr Alltag, ohne Rüsthilfe kocht sie 3 Mahlzeiten für die Gäste. Der Arbeitstag beginnt um 5 h in der Früh. Unter einem Dach mit ihren Eltern umsorgt sie Mama und Papa nebenbei, für sich selber hat sie ausser schlafen keine Zeit. Sie hat viel zu tragen in ihrem Rucksack und trotzdem immer ein Lächeln im Gesicht.

Ein letzter Sonnenaufgang – unsere Fahrt geht weiter. Wieder sind wir verunsichert. Unsere favorisierte Route über Caño Canoa sei nicht machbar mit einem Sprinter, die Brücken tragen keine 4 Tonnen. Die zweite Variante über San José sei zu gefährlich. Es gibt aber nur die zwei Möglichkeiten. Das Schlimmste? Jeder erzählt etwas anderes.
Nach heftigem Nachtregen wählen wir die 186 km nach San José – wir brauchen 7.5 Stunden.

Durch mehrheitlich flaches Weideland passieren wir 7 Strassenzolle, betrieben von lokalen Bauern-Verbänden. Nicht dass sie uns freundlich anlächeln, beängstigend wirken sie aber auch nicht. Die Naturstrasse ist nass, an wenigen Stellen matschig, es gibt gute und miserable Teilstücke, es gibt Brücken die fahren wir nach dem Motto „Kopf runter und durch“. Ist San José del Guaviare wirklich gefährlich? Die Region Guaviare ist jahrelang Konfliktgebiet Kolumbiens. Inzwischen ist ein Friedensabkommen mit der FARC abgeschlossen, wir spüren von Feindseligkeit nichts. Im Gegenteil – der Empfang kann herzlicher nicht sein im Camping-Hotel. Wir werden ermuntert uns frei zu bewegen in der 55‘000 Einwohner Stadt, sie sei sicher und brauche dringend Touristen. Gut, suchen wir uns ein Boot und fahren/laufen zum Raudal de Guiaviare. Das ist Abraham, unser Bootsführer.

Er erzählt uns mit Tränen in den Augen, dass er kürzlich einen Sohn verloren hat durch einen Unfall. Sein Rucksack ist prall gefüllt.

San José mit seinen Menschen sind erst vor 4 Jahren in das Tourismusgeschäft eingestiegen. Wir hätten auf unserem Ausflug einiges zu bemängeln – aber – wir spüren so offensichtlich guten Willen! Da werden zuhinterst im Gaumen ein paar englische Wörter hervorgewürgt, die Gemeinschaft erklärt uns mit Eifer was sie uns zeigen wollen – einfach liebenswürdig. So bezahlen wir die CHF 55 Eintritt und werden von Freddy begleitet zu den Wandmalereien.

Zuerst nervt es uns dass ein Führer obligatorisch ist. Beim Aufstieg an Seilen und über grosse Felsblöcke verstehen wir die Notwendigkeit. Freddy spricht schönes, für uns langsames Spanisch, wir verstehen viel.

Die Felsen befinden sich im territorialen Bereich seines Stammes. Das Eintrittsgeld geht direkt an ihre Schule, ihre alten und kranken Menschen. Die Erforschung der Malereien sind teils durch NGO’s finanziert.

Auf dem Aussichtspunkt.

Und zurück zu den Malereien.

Zwar steckt die Organisation noch in den Kinderschuhen – trotzdem sind wir mit dem Tagesausflug zufrieden.

Der Campingplatz in Puerto Rico in Meta spielt so laute Musik dass wir fliehen und uns beim beleuchteten Sportplatz für die Nacht installieren. Um Mitternacht hören wir Geräusche ums Auto. Ein junger Mann hantiert an unserem Fenster. Werni schreckt auf, schreit, ich stehe mit Pfefferspray parat, der Mann schwafelt er sei von der Polizei und flieht. Nichts passiert – nur ein Fenster Riegel ist kaputt. Wir parkieren um – vor das Polizeigebäude und erhalten prompt ein paar Minuten später, wir beide in Pyjamas, Besuch von zwei Beamten. Sie prüfen unsere Pässe, unser ReMo und versichern uns, dass wir ruhig schlafen können, wir sind jetzt Polizei-Video überwacht. Da läuft ganz schön was in Puerto Rico in der Nacht!

Der Tag beginnt aufmunternd mit einem kolumbianischen, frisch gemahlenen Kaffee am Fluss Ariari. Ist sie nicht wunderschön die Laguna de Amor?

Wir entdecken sie beim Morgenspaziergang, sie steht unter Naturschutz.

Bogotá, die aschgraue Hauptstadt im Regen, ist der Beschreib im Reiseführer. Wir wechseln von Sommer zu Herbst in nur 113 km Fahrt, von 200 Höhenmeter hoch auf 2640. Was treibt uns an kurze Hosen gegen Pullover zu tauschen?

Bänzli will wieder ein paar Streicheleinheiten, wir brauchen 4 neue Bremssensoren und ein neues Nebellichtglas. Unser Kaffee-Lager will aufgefüllt und unser Kühlschrank repariert werden. Mein iPhone 12 hat keinen Speicherplatz mehr, der Akku ist am A…., 0b es das 16er schon gibt? Alles am besten lösbar in einer Grossstadt.

An vielen Baustellen vorbei, durch Nebel und Regen, verzweifeln wir fast hinter den Brummern die sich dampfend hoch schleppen nach Bogotá und über lange Strecken nicht überholt werden können. Mit dem eigenen Auto durch die 8 Millionen Stadt von Süd nach Nord zur Garage zu fahren an einem Freitag bereitet mir unangenehme Kontraktionen im Unterleib.

Der Mercedes Termin für Montag ist fixiert, Bogotá wartet auf uns. Auf dem Hochplateau der Ostkordillere gelegen sind einige „möchten wir sehen“ Punkte auf MAPS.ME gesetzt.

Nichts wie los.

Das sind Alejandro, Daniela und Gustavito aus Trinidad, Bolivien. Mit ihnen verbinden uns schöne Tage und eine Schiffsfahrt in Bolivien im März 2024. Heute erreicht uns die traurige Nachricht, dass Alejandro gestern bei einem Autounfall sein Leben verliert. Danielas und Gustavos Rucksäcke sind übervoll. Wir sind mit ihnen sehr traurig.

Kaffee Kapseln sind eingekauft und…..

… ich bekomme das nagelneue iPhone 16 Pro mit einem Terra Speicher. Alle Berichte, alle Blogbeiträge, alle bearbeiteten Filme – alles erledige ich auf dem Smartphone – wenn Werni schläft. Ich schreibe und schneide täglich, mein durchschnittlicher Zeitaufwand liegt zwischen 15 und 30 Minuten.

Alle Menschen tragen ihre Bürden, mal ist der Rucksack mehr, mal weniger gefüllt, mal übervoll. Wir wünschten wir könnten Last verteilen.

 

Fazit der Woche: Schicksalsschläge berühren uns tief.

 

 

Wochenfilm:

Musik: El Charrito Negro, El Dinero

 

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